Deutsche Unternehmen sind aktive Twitterer

Noch immer begegnet man vielerorts ausgeprägter Skepsis gegenüber Twitter. Dabei steckt in dem auf den ersten Blick unspektakulären Versendedienst für Minitexte ein riesiges Potential – gerade für Unternehmen. Bei Twitter geht es um mehr, als eine persönliche Kurznachricht von Ashton Kutcher zu erhalten oder seinen Followern mitzuteilen, wo man gerade ein Eis isst. Die Sprengkraft von Twitter besteht darin, in den persönlichen, unmittelbaren und öffentlichen Dialog mit seinen Kunden treten zu können.

Oliver Numrich - blaetterwald.org

Oliver Numrich - blaetterwald.org

Bereits die Hälfte der DAX-Unternehmen twittert, wie ein aktueller Trendreport von Zucker. Kommunikation und blätterwald, büro für medienresonanzanalyse, belegt. Über einen Zeitraum von einer Woche im Juli 2009 wurden 723 Beiträge von insgesamt 53 Unternehmen inhaltlich analysiert. Im Durchschnitt kommt demnach ein deutsches Unternehmen mit Twitter-Profil auf 661 Follower, folgt rund 350 fremden Profilen und veröffentlicht pro Woche durchschnittlich 13 Tweets. Was die Unternehmen darin mitteilen ist allerdings höchst unterschiedlich: Rund die Hälfte der Tweets setzt den dialogischen Ansatz von Twitter um und besteht aus Inhalten mit konkretem Nutzen für die Follower, aus persönlichen oder Meinungsäußerungen. Etwa ein Drittel sind aktuelle, nachrichtliche Informationen und 17 Prozent der Tweets übermittelten reine Werbebotschaften. Bei den untersuchten Dax-Unternehmen ist der Anteil der Werbung sogar doppelt so hoch.

Die überwiegende Mehrheit deutscher Unternehmen mit einem Twitter-Profil verschickt ihre Nachrichten allerdings anonym: bei 80 Prozent der twitternden Firmen finden sich keine Angaben im Biografiefeld. Dadurch kann der Follower die Postings keinem Absender persönlich zuordnen. Nur bei zwölf von 60 untersuchten Profilen gab es einen eindeutig erkennbaren Absender. Noch seltener war eine Abbildung des Profilinhabers mittels Portraitfoto im Hintergrund des Accounts – meist fanden sich hier nur das Logo oder werbliche Aufnahmen des Unternehmens. Außerdem werden die Follower bei 85 Prozent der Tweets nicht persönlich angesprochen. Soweit – die Ergebnisse der Studie.  Die Zuständigkeiten für Twitter scheinen in den meisten Unternehmen nicht wirklich geregelt zu sein, was durch das häufige Auftreten anonymer Absender, die mangelnde Subjektivierung der Tweets sowie das Benennen ganzer Abteilungen deutlich wird. Selten ist die Zuständigkeit für Twitter im Customer Service angesiedelt, obwohl sie da hingehört. Offenbar gibt es bei vielen Firmen noch Scheu, sich auf das neue Medium und seine Möglichkeiten der „Eins zu Eins“- und „Eins zu Vielen“-Kommunikation vollständig einzulassen. Continue reading

Inside Twitter: Liest mich jemand?

Twitterst du schon oder folgst du nur?

Entwicklung Twitter-Registrierung in Prozent weltweit

Entwicklung Twitter-Registrierung in Prozent weltweit

Barack Obama hat ihn im Wahlkampf eingesetzt, die Nachricht von der Airbus-Notlandung auf dem New Yorker Hudson River wurde durch ihn sekundenschnell in alle Welt getragen und das Ergebnis zur Wahl des deutschen Bundespräsidenten wussten seine Nutzer als erstes: „Twitter“ – der Micro-Blogging-Dienst stürmt derzeit die Internetwelt. Schnell ist von einem neuen Hype die Rede – neu sind Mikro-Blogging-Dienste aber mitnichten. Neu sind jedoch Tempo und Intensität, mit der Twitter die Medienwelt erfasst. Immer mehr Unternehmen twittern, Freunde oder Bekannte werden zu „Followern“, senden und empfangen Tweets (Kurznachrichten). Von den heute weltweit rund 11 Millionen registrierten Twitter-Nutzern haben sich 72,5 Prozent in den ersten fünf Monaten diesen Jahres registriert! (siehe Chart)  Und der Traffic auf der Website von Twitter hat allein in den letzten drei Monaten um mehr als 200 Prozent zugelegt.

Mit über 62 Prozent gibt es laut Sysomos-Analysen aktuell die meisten Twitterer in den USA, es folgen Großbritannien (ca. 8%) und Kanada (knapp 6%). Angesichts des US-Prominentensupports kommt dies wohl auch nicht von ungefähr: So nutzte Talklady Oprah Winfrey Mitte April ihre populäre Show, um ihren ersten Tweet gemeinsam mit Twitter-Gründer Evan Williams auszusenden. Und Twitter-Heavy-User Ashton Kutcher inszenierte öffentlichkeitswirksam den Wettstreit um die ersten Millionen Follower gegen CNN. Spätestens diese Zahl führt zur Frage: Wer liest eigentlich all die Twitter-News?

Nach der Anmeldung bei Twitter beginnt die Suche (oder Hast?) nach Personen, die „folgen“ – ohne Follower macht Twittern keinen Sinn. Je mehr Personen man folgt, desto mehr Followers bekommt man selbst. Auch mehr Twittern bringt mehr Follower. Die Grenze aber, bei der allein das Lesen der Tweets so zeitaufwendig wird, das darunter das eigene Twittern leidet, scheint schnell erreicht: Twitterkenner haben errechnet, dass die maximale Anzahl von täglich lesbaren Tweets bei unter 10.000 liegt – eine Zahl, die schon bei ca. 600 Followern erreicht sein kann – allerdings vorausgesetzt, es handelt sich um aktive Follower. Studien von Sysomos zur Twitternutzung zeigen nämlich auch, dass rund 85 Prozent der Nutzer weniger als einen Tweet pro Tag senden und 75 Prozent aller verschickten Tweets lediglich von fünf Prozent der Twitternutzer stammen. Auch kehren laut Nielsen rund 60 Prozent der neuen Nutzer im Folgemonat gar nicht wieder zurück.

Die Quantität ist das eine – Qualität oder Missbrauch „gezwitscherter“ Informationen sicher das andere. Aber das ist bei anderen Web 2.0-Angeboten ebenso. Und so ist die oft gestellte Frage nach der Bedeutung von Twitter eine Frage der eigenen Sichtweise. Niemand wird derzeit wohl die Rolle von Twitter im Iran als alternative Informationsquelle in Frage stellen …

Ja, man twittert heute… und dieser Kanal wird wohl nicht kurzfristig verschwinden – es sei denn, die von Twitter intensivierte Suche nach einem brauchbaren Geschäftsmodell endet irgendwann ohne Erfolg.

Autor:
Simon Boé, Geschäftsführer Goldmedia Sales & Services GmbH

http://twitter.com/GOLDMEDIA

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