Schlagwort-Archive: Infrastruktur

Goldmedia-Kolumne: Wer Breitband für alle will, könnte auch freie WLAN-Netze gut finden

Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied letzte Woche, dass Besitzer eines Wireless-LANs ihr Netz mit einem Passwort schützen müssen. Damit soll verhindert werden, dass ein fremder Dritter ein WLAN illegal nutzen kann – zum Beispiel, um urheberrechtlich geschützte MP3-Dateien hochzuladen. – Das Urteil ist schön, merkwürdig und traurig zugleich.

Schön, weil damit der BGH nicht weltfremd verlangt, dass der Besitzer eines kabellosen Internetzugangs für alle illegalen Handlungen über sein WLAN generell und uferlos in Regress genommen werden sollte.

Dr. Klaus Goldhammer
Dr. Klaus Goldhammer

Begreift man WLAN-Netze jedoch als Infrastruktur, oder um einen hübschen historischen Begriff wieder zu beleben, als Datenautobahn zum Internet, wird die BGH-Rechtsprechung merkwürdig und traurig zugleich, weil sie Innovation verhindert. Keine Bank verklagt (bislang zumindest) eine Stadt dafür, dass ein Bankräuber über die öffentlich zugängliche Infrastruktur – nämlich Straßen, eine Straftat begangen hat. Warum sollte das im Internet anders gehandhabt werden?

Wir schätzen, dass es rund 12,5 Mio. WLAN-Netze in Deutschland gibt. In jeder deutschen Stadt kann man vermutlich an fast jedem gegebenen Standpunkt drei bis zehn WLAN-Netze finden. Aber nahezu alle sind zugangsgeschützt: Eine gewaltige, leistungsfähige, millionenfach verfügbare Infrastruktur-Ressource, die praktisch brach liegt, weil jedes einzelne Netz in der Regel nur von einem einzigen Haushalt genutzt wird, der das jeweilige Passwort kennt. Das BGH-Urteil wird hier vermutlich auch die letzten noch offenen Netze schließen helfen, obwohl die Politik lautstark ambitionierte Breitbandstrategien verkündet und den weiteren Ausbau der mobilen Internetversorgung fördern will. Goldmedia-Kolumne: Wer Breitband für alle will, könnte auch freie WLAN-Netze gut finden weiterlesen

Hybrid TV und IPTV: Kontrahenten oder Teamplayer?

Fast alle namhaften TV-Gerätehersteller bieten inzwischen eigene Hybrid-TV-Geräte an, – gern auch mit unterschiedlichen Standards. Der Hybrid-TV Standard HbbTV wird aktuell eifrig diskutiert. Damit soll es möglich werden, Internet-Inhalte auf dem Fernseher zu nutzen. Zwar gab es in den letzten zehn Jahren mindestens 100 solcher (erfolgloser) Projekte, doch jetzt scheint es erneut Hoffnungen zu geben, Internet und TV im Ansatz „zu verschmelzen“. Die Nutzer selbst gewöhnen sich zudem an die Verfügbarkeit multimedialer Inhalte, an Festplattenrecorder und an sogenannten Over-the-Top-Content, also Inhalte aus dem Internet wie bspw. Youtube-Videos. Mehr Individualität und Flexibilität auch beim TV-Konsum scheint also insgesamt immer wichtiger zu werden.

Enwicklung IPTV-Haushalte bis 2014 in DACH
Enwicklung IPTV-Haushalte bis 2014 in DACH

Gerade deshalb wird neben dem Thema Hybrid-TV auch die Entwicklung von IPTV – Fernsehen über das Internetprotokoll – weiter voranschreiten. Zwar bekommen die IPTV-Angebote der Telekommunikationsanbieter damit neue Konkurrenz, allerdings auch einen zusätzlichen Treiber und Promotor für das angedachte neue Fernsehen im Zeitalter des Internets.

Erst kürzlich hat die Deutsche Telekom ihr Ziel bekräftigt, bis Ende 2009 rund eine Million Kunden für ihr IPTV-Angebot „T-Entertain“ zu werben. Premium-Inhalte wie das Bundesligaangebot „Liga total“ könnten dabei helfen. Hier trat die Deutsche Telekom in direkte Konkurrenz zum Pay-TV-Stammhirsch Sky, der seinerseits die Weiterverbreitung seiner Programme über die T-Entertain-Plattform aufkündigte. – Ob allerdings zwei große Anbieter mit vergleichbaren Pay-TV-Angeboten auf längere Sicht am Markt bestehen können, erscheint (auch nach den Erfahrungen mit ArenaSat) fraglich – dafür ist die Anzahl zahlungswilliger Kunden in Deutschland bislang wohl zu klein. Hybrid TV und IPTV: Kontrahenten oder Teamplayer? weiterlesen