Der Kampf im Pay-TV spitzt sich zu. Goldmedia-Gastkommentar auf kress.de von Dr. Klaus Goldhammer

„Unser Ziel ist es, Marktführer im deutschen Pay-TV zu werden“. Dies ist kein offizielles Statement von NewsCorp-Chef Rupert Murdoch. Der Satz stammt aus einem aktuellen Interview mit Niek Jan van Damme, dem für Deutschland zuständigen Vorstand der Deutschen Telekom. Die Kampfansage in Richtung des Pay-TV-Platzhirschen Sky könnte deutlicher nicht formuliert sein. Aus der einstmals komfortablen Alleinstellung ist – dank Digitalisierung und Onlinevideo – inzwischen ein harter Wettbewerbsmarkt entstanden.

Dr. Klaus Goldhammer
Dr. Klaus Goldhammer

Die Preisfrage lautet: Was würde eigentlich passieren, wenn die Deutsche Telekom bei der nächsten Auktion der Bundesligarechte für die Senderechte ab 2013 nicht einen realen, sondern einen strategischen Preis zahlt?

Erklärtes Ziel der Telekom ist es, bis 2015 rund fünf Millionen Haushalte als Pay-Kunden für ihr „Entertain“ genanntes TV-Paket in Deutschland gewinnen zu wollen. Da könnte es doch überlegenswert sein, dem Wettbewerb die attraktiven (Sport-)Rechte einfach wegzukaufen, um dann deren Abonnenten später einzusammeln. – Denn für die Deutsche Telekom ist das Pay-Angebot nur ein Teil der Gesamtrechnung: Das (DSL-)Anschlussgeschäft fehlt Sky.

Eins darf man bei der Diskussion nicht vergessen: Deutschland ist, entgegen der herrschenden Meinung, durchaus eine Pay-TV-Nation: Über 5,4 Mio. Haushalte abonnierten 2009 Pay-TV-Angebote. Das ist mit Verlaub nicht wenig für ein Land, wo ein Haushalt durchschnittlich bereits 73 Programme frei empfangen kann. Zumal die amerikanische Basic Pay Cable Fee bei uns als Teil der Mietkosten gar nicht erst erfasst wird.

Trotzdem wird es enger im Segment Premium-Pay. Immer neue Konkurrenten aus völlig anderen Lagern starten in diesem Herbst mit Onlinevideo-Angeboten: Google TV, Apple TV, sogar Amazon bieten plötzlich Video-Inhalte im Internet an. RTL und ProSiebenSat.1 haben ihr geplantes deutsches „Hulu“ beim Kartellamt angemeldet, während der Handelsriese MediaMarkt, der Mobilfunker Vodafone und das öffentlich-rechtliche ZDF praktisch zeitgleich eigene kosten­pflichtige Online-Videotheken launchen.

Hinzu kommen die Hybrid-TV-Geräte von Sony, Panasonic und Co., die ebenfalls (kostenpflichtige) Videos aus dem Internet direkt auf den Fernseher liefern können. Bis zu 23 Mio. dieser Geräte werden für Deutschland bis 2015 prog­nostiziert. Man kann diese rasante Entwicklung je nach Perspektive als Hoffnungsschimmer, Hirngespinst oder Horror­szenario auffassen. Doch die Luft wird insgesamt dünner und ob das Pay-Geschäft am Ende dank neuer Online-Wettbewerber insgesamt größer wird, ist noch längst nicht klar.

Im klassischen, analogen Verleihmarkt werden die Probleme langsam erkennbar: So musste die größte US-Videothekenkette Blockbuster mit über 5.000 Filialen und 25.000 Mitarbeitern im September Insolvenz anmelden. Die deutschen Verleih­umsätze der Videotheken sanken von 321 Mio. Euro 2005 auf 256 Mio. Euro in 2009.

Bei Sky dagegen ist es überraschend ruhig: Zum Ende des zweiten Quartals 2010 zählte der Bezahlsender rund 2,5 Mio. direkte Abonnenten, vor einem Jahr waren es 2,4 Mio. Man hatte sich mehr erhofft und launcht deshalb 3D-Kanäle und neue Angebotspakete. – Doch die jüngste Kapitalerhöhung von Sky konnte nicht vollständig an der Börse platziert werden.

So viel ist sicher: In diesem Rennen wird derjenige die Nase vorn haben, der den direkten Draht zum Kunden besitzt und attraktive Inhalte bieten kann. Davon gibt es mittlerweile, dank Internet, einige Schwergewichte. Der Kampf hat gerade erst begonnen. Mindestens die Bundesliga dürfte es freuen.

Dr. Klaus Goldhammer
Geschäftsführer Goldmedia GmbH

Gastkommentar auf kress.de

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