Mobilfunkmarkt: Karteileichen als Wachstumsbremse?

Bisher gab es bei der Teilnehmerentwicklung im Mobilfunkmarkt nur einen Trend: Steil nach oben. Eine zentrale Messgröße ist hierbei die Mobilfunkpenetration, also die Anzahl der Teilnehmer pro Einwohner. Wurde etwa 1998 noch eine Mobilfunkpenetration von 17 Prozent gemessen, so liegt der Wert in Deutschland inzwischen bei über 130 Prozent. Die Deutschen nutzen immer häufiger Zweit- und Drittgeräte, etwa eins als berufliches und ein zweites als privates Gerät. So viel zum altbekannten.

Mobilfunkpenetration und Mobilfunk-ARPUs in Deu 2002-2009

Mobilfunkpenetration und Mobilfunk-ARPUs in Deu 2002-2009

Den aktuellsten Zahlen der Bundesnetzagentur zufolge ist mit diesem Trend jedoch erst einmal Schluss. Im Jahr 2009 stagnierte auf Basis der Quartalszahlen die Teilnehmerentwicklung und ging sogar leicht zurück. Neuere Zahlen des VATM sehen nur noch ein leichtes Wachstum für das Jahr 2009. Sind wir also am Ende des Teilnehmerwachstums angekommen?

Wohl eher nicht. Die Stagnation verdeutlicht vielmehr, dass ein relativ hoher Anteil der als Teilnehmer gezählten SIM-Karten überhaupt nicht genutzt wird – es handelt sich schlichtweg um Karteileichen. Nach Goldmedia-Informationen ist die Stagnation bei der Teilnehmerentwicklung auf eine Bereinigung um genau diese Karteileichen zurückzuführen. Es ist eben nicht immer so, dass die sich im Haushalt anhäufenden SIM-Karten auch alle genutzt werden – insbesondere Prepaid-Karten liegen vielfach ungebraucht in der Schublade.

Ein weiterer hoher Anteil der SIM-Karten dürfte zudem auf solche Nutzer entfallen, die nur sporadisch und nur zur Sicherheit in dringenden Fällen ein Mobiltelefon mit sich führen. Gerade für Senioren ist ein solches Verhalten typisch. Die tatsächliche Nutzung und der damit verbundene Umsatz beschränken sich hier aber auf das Notwendigste.

Insofern verwundert es nicht, dass der durchschnittliche Umsatz pro Kunde seit Jahren stark rückläufig ist. Einer Goldmedia-Analyse zufolge hat sich der Wert von 30 Euro im Jahr 2002 auf rund 16 Euro im zweiten Quartal 2009 halbiert. Hintergrund ist nicht allein die hohe Wettbewerbsintensität im Mobilfunkmarkt, die zu immer geringeren Umsätzen pro Kunde führt. Es sind auch kaum oder nicht genutzte SIM-Karten, die diesen Trend herbeiführen.

Insgesamt können die neu hinzukommenden Nutzer schon längst nicht mehr den Umsatzschwund pro Nutzer ausgleichen. Seit 2005 ist der Mobilfunkmarkt in Deutschland bereits um 4,5 Mrd. Euro geschrumpft, davon allein im letzten Jahr um 1,8 Mrd. Euro. Umsatzwachstum bringen derzeit dagegen vor allem die mobilen Datendienste, die (ohne SMS/MMS) bereits gut 14 Prozent der Gesamtumsätze ausmachen. Aber auch hier wird das Umsatzwachstum – gemessen an den neuesten Daten des VATM – im Jahr 2009 stark zurückgehen: Wurden im Jahr 2008 noch fast 30 Prozent Wachstum bei mobilen Datendiensten in Deutschland gemessen, wird sich dieser Wert im Jahr 2009 nur leicht oberhalb von fünf Prozent bewegen.

Gerade mobile Datendienste können im Mobilfunkmarkt aber noch einmal wichtige Wachstumsimpulse setzen. Ein attraktives Pricing mit kostengünstigen Flatrate-Modellen würde noch einige Nutzer mehr vom Produkt  überzeugen– schließlich kann das für viele Nutzergruppen bereits zum wichtigsten Medium gewordene Internet dann praktisch in der Hosentasche mitgenommen werden.  Wenn das gelingt, dann heißt es im Mobilfunkmarkt auch in Zukunft  – wenn auch beschränkt auf den Bereich der Nutzer mobiler Datendienste: Steil nach oben!

Autor: Dr. Michael Schmid, Senior Consultant Goldmedia GmbH

Weitere Informationen: http://www.Goldmedia.com/aktuelles.html

 

 


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