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Goldmedia-Preis für Medienwirtschaft. Auszeichnung für Jana Rick und ihre Masterarbeit zur Zukunft des Lokaljournalismus

30.04.2020. Bereits zum vierten Mal vergab Goldmedia den Preis für innovative Abschlussarbeiten im Bereich Medienwirtschaft. Vom außerordentlich hohen Niveau der Arbeiten sind wir immer wieder positiv überrascht. So gab es neben den drei ersten Preisen einige Abschlussarbeiten, die wir zusätzlich mit einer Urkunde ausgezeichnet haben.

Eine Auszeichnung erhielt Jana Rick für ihre Masterarbeit: Die Zukunft des Lokaljournalismus. Eine quantitative Online-Befragung deutscher Lokaljournalisten, Universität Innsbruck

Auszeichnung

Jana Rick

Stadtgespräch oder Lob der Nähe. promedia-Artikel von Bodo Hombach, Geschäftsführer WAZ-Mediengruppe

Ein Buchtitel nennt Journalisten die „Souffleure der Mediengesellschaft“. Im Deutschen hat das einen Ruch von „einflüstern, vorsagen, manipulieren“ der öffentlichen Meinung. Das französische „souffler“ bedeutet jedoch „atmen“. Der Journalist ist also ein guter „Atmer“. Er saugt die Umgebungsluft in seine Lunge, er nimmt sie auf in seinen Stoffwechsel und filtert die verbrauchten Anteile heraus. Er atmet mit der Gesellschaft, in der er lebt. Er kennt ihre Gerüche, hat die wichtigen Themen in der Nase und diese im Wind. Die Atemluft der Gesellschaft formt er um in Wörter und Sätze, in Reportagen, Interviews, Kommentare.

Bodo Hombach
Bodo Hombach

Stuttgart zum Beispiel. Die Debatte um Partei- und Politikverdruss kennen wir seit Jahren. Aber eine Delegitimation von Institutionen und Verfahren ist uns Deutschen recht neu.
Vor diesem Panorama ist Stuttgart erst einmal nur Stuttgart. Die Zukunft der Nation wird nicht dort im Schlossgarten entschieden. Die repräsentative Demokratie steht nicht vor dem Aus, und das bundesdeutsche Gemeinwesen hat schon ganz andere Krisen überlebt.
Und doch kommt mir ein Verdacht: Spielen die Stuttgarter wirklich verrückt oder vielleicht nur ein ganz anderes Stück? Sind es vielleicht die Planfeststeller, Sachzwängler und erschrockenen Volksvertreter, die da etwas noch nicht kapiert haben? Sind da vielleicht einfach nur brave Leute, die es genauer wissen wollen? Droht nun der Stillstand oder gilt nicht eher das Gegenteil?

Es bewegt sich was in Deutschland, auf der Straße, in den Leserbriefspalten, im Stadtgespräch. „Jetzt red i!“, sagt der eben noch verdrossene Bürger und meldet sich vernehmlich zu Wort. In den Wahlkabinen bekommen Feudaldemokraten eine Quittung nach der anderen. Auch die Sarrazin-Debatte hat außersarrazin’sche Ursachen, wo sie ein konkretes Unbehagen artikuliert, das die Meinungsführer schon zu lange wegtheoretisieren.
Von der Hand mit dem ausgestreckten Finger zeigen einige auch auf  Redakteure und Journalisten. Eine kleine Dosis Gewissenserforschung kann nicht schaden. Ahnen wir nicht, dass auch uns der Bürger abhanden kommt? Haben wir denn nachgefragt, wenn immer mehr Staat weite Teile der Gesellschaft besetzte, wenn er regelte, was Bürger selber regeln können, wenn er bevormundete, wo Bürger selber den Mund aufmachen können? Mit welchem Recht nennen wir unsere Produkte „Bürgerzeitung“, wenn uns die Bürger davonlaufen? Weil wir Politikern, Wirtschafts-, Gewerkschafts- und Kirchenführern in die Falle gingen. Weil wir ihre Designer-Statements ungeprüft übernommen haben. Weil wir gern mit den Würdenträgern in der ersten Reihe saßen. Weil wir das Volk buchstäblich hinter uns ließen. Stadtgespräch oder Lob der Nähe. promedia-Artikel von Bodo Hombach, Geschäftsführer WAZ-Mediengruppe weiterlesen