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Dr. Florian Kerkau, Geschäftsführer Goldmedia

Dr. Florian Kerkau, Geschäftsführer Goldmedia

Unsere Mediennutzung hat sich enorm verändert, sie wandelt sich jeden Tag und das mit zunehmender Geschwindigkeit. Ganz besonders gilt  dies für die Art und Weise, wie wir Filme, Serien, Dokumentationen und andere Bewegtbildformen konsumieren. Hier stellt sich die Frage, ob sich lediglich die Nutzung um „das Fernsehen“ herum, oder ob sich nicht vielmehr der Fernsehbegriff selbst verändert hat. – Ja, das hat er: Ältere Zielgruppen verstehen unter „Fernsehen“ in der Regel das, was linear von einem klassischen Fernsehsender auf das heimische Fernsehgerät geliefert wird. Bei den Jüngeren aber ist das längst nicht mehr so. Ihre Definition von „Fernsehen“ geht sehr viel weiter, wie aktuelle Nutzerstudien eindrucksvoll zeigen. (Goldmedia, Oktober 2015)

Vorab noch ein Seitenblick: Würde man die Frage stellen „Was ist „Lesen“, wäre die Antwort wohl sehr einfach. Egal ob es sich um das Dekodieren von in Stein gemeißelten Buchstaben, gedruckten Büchern, Magazinen oder textbasierten Internetseiten handelt, all das würde man zweifellos und unabhängig vom Trägermedium als „Lesen“ bezeichnen. Bei der Dekodierung von Bewegtbildinformationen aber ist das nicht mehr so simpel. Je nachdem, ob man ins Kino geht, Onlinevideos oder Fernsehsendungen ansieht, den Computer oder den Fernseher, den Tablet PC oder das Smartphone nutzt, gibt es ganz unterschiedliche Bezeichnungen für das, was man gerade auf diesem Gerät tut.

Abhängig vom Übertragungsweg variieren die Zustimmungswerte für das Statement „Das ist für mich Fernsehen“ teils sehr stark. (siehe Grafik) Während der Bewegtbildkonsum auf einem Fernsehgerät über alle Altersgruppen hinweg mit hohen Zustimmungswerten (der Top-2 Zustimmungen auf einer 5er-Skala) bei über 90 Prozent liegt, ist für 70 Prozent der 14- bis 19-Jährigen auch das Ansehen von Inhalten über Smart TV „Fernsehen“.  Bei den über 50-Jährigen sagen das nur noch 56 Prozent und bei den über 60-Jährigen nur rund 40 Prozent. Die Einschätzung für „Fernsehen“ auf dem Computer und Laptop wird von rund 70 Prozent der unter 19-Jährigen  geteilt, während kaum die Hälfte der älteren Nutzer hier zustimmen mag. Starke Unterschiede gibt es  auch bei der Bewertung der Bewegtbildnutzung per  Smartphone. Über 50 Prozent der 14- bis 19-Jährigen nennen dies „Fernsehen“, während es bei den über 30-Jährigen nur noch rund 40 Prozent sind, bei den über 40-Jährigen knapp 30 Prozent und bei der Generation 60+ nur noch 16 Prozent.

Wie diese Zahlen gut belegen, verändert sich die Sichtweise auf dieselbe Tätigkeit in Abhängigkeit von Übertragungskanal und Gerät. Das ist die eine Seite. Es ist zugleich auch interessant, einen Blick auf das zu richten, was Menschen als „Fernsehen“ unabhängig vom Verbreitungsweg beschreiben. In unserer Analyse konnten wir drei wesentliche Faktoren der Motivlage isolieren: Information, Entspannung und Unterhaltung. Gemessen an diesen Grundbedürfnissen zeigte sich, dass dieser Motive-Mix bei den jüngeren Zielgruppen über eine größere Variation von Geräten und Kanälen befriedigt wird, während bei älteren Zuschauern den Geräten und Kanälen tendenziell nur ein bestimmter Funktionszweck zugeordnet wird. Deshalb ist Fernsehen für ältere Zuschauer eben genau das, was ein Sender an ein TV-Gerät schickt, bei dem man sich unterhalten, entspannen und informieren kann.

Im Vergleich zum „Lesen“ muss man dann aber fairerweise auch erwähnen, dass das „Lesen“ bereits eine 6.000 Jahre andauernde Entwicklung durchlebt und dass das Bewegtbild gerade einmal auf eine 150-jährige Geschichte zurückblicken kann. Viel Zeit also noch, um so manche Diskussion über Bezeichnungen, Geräte und Übertragungskanäle zu führen.

Dr. Florian Kerkau, Geschäftsführer Goldmedia

Weitere Studienergebnisse: research@Goldmedia.de

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