Die Zeitung steht heute für Meinung, Hintergründe und Analysen. Jan Eric Peters, Chefredakteur der „Welt“-Gruppe im Gespräch mit promedia

Die „Welt“-Gruppe, Deutschlands reichweitenstärkste nationale Abo-Zeitungsmarke, hat jetzt in Print investiert. Nachdem in den letzten Monaten vor allem digitale Angebote, wie die iPhone-App realisiert worden sind wurden jetzt die Printangebote der Markenfamilie optisch und inhaltlich weiter entwickelt. Seit Ende November erscheinen  „Die Welt“, „Welt Kompakt“  und „Welt aktuell“ mit einem neuen Logo und größeren Schriften. Neben einem überarbeiteten Layout führte die „Welt am Sonntag“ ein neues Zeitungsbuch „Titelthema“ ein, in dem auf mehreren Seiten ein gesellschaftsrelevantes Thema beleuchtet wird.

Jan Eric Peters
Jan Eric Peters

promedia: Herr Peters, wie  sehen Sie die Arbeitsteilung zwischen Print, Online, Smartphone und  Tablet-PC?
Jan Eric Peters: Der entscheidende  Punkt ist: Wir versuchen stärker in Geschichten zu denken und nicht sofort in Medienkanälen. Nehmen Sie als Beispiel unsere Berichterstattung im Fall Barschel. Da hatten wir in  „Welt am Sonntag“ eine große, exklusive Enthüllungsgeschichte und ein großes  Stück in der „Welt“, parallel lebhafte Debatten bei „Welt Online“. Im Mittelpunkt stehen die Inhalte. Während das Online-Angebot in erster Linie die breaking-News liefert, steht die Zeitung heute immer stärker für Hintergründe, Analysen und Meinung.
Print ist nach wie vor eine sehr wichtige Säule in unserer Markenfamilie. Deshalb haben wir unser  Augenmerk am Ende des Jahres auch noch einmal ganz bewusst auf unsere starken Printmarken gelegt.

promedia: Sie  haben der „Welt“ einem Relaunch unterzogen. Warum?
Jan Eric Peters: Unser Ziel war kein kompletter Relaunch, sondern die gesamte „Welt“-Markenfamilie optisch zu vereinheitlichen und wieder näher zusammenzuführen. Das ist uns gelungen und die ersten Reaktionen unserer Leserinnen und Leser sind sehr positiv. Die Veränderungen bei der „Welt“ sind bei weitem die umfassendsten seit dem großen Relaunch 1998 durch den damaligen  Chefredakteur Mathias Döpfner. Nach 12 Jahren war es an der Zeit, unsere  Mutterblätter optisch und inhaltlich weiterzuentwickeln. Damit hat die „Welt“-Gruppe dieses Jahr in Sachen Innovation und Qualität ein enormes Tempo vorgelegt. Wir haben neben den Printtiteln auch „Welt Online“ überarbeitet und sind nun mit täglich mehr als einer Million Nutzern klarer Marktführer unter den Qualitätszeitungen im Internet; wir waren als erste Zeitung Europas mit einer eigenen App auf dem iPad, die noch heute die meistgeladene und  meistverkaufte Zeitungsapp in Deutschland ist; und parallel dazu haben wir mit „Welt Aktuell“ und „Welt am Sonntag“ Kompakt gleich zwei neue Zeitungstitel entwickelt und auf den Markt gebracht.

promedia: Sie  planen für die „Welt“ noch mehr exklusive  Hintergrundgeschichten. Das erhöht  die Kosten. Noch vor wenigen Monaten  mussten Sie wie auch andere Zeitungen  sparen. Warum geht es auf einmal,  dass wieder mehr in die redaktionelle Arbeit  investiert  wird?
Jan Eric Peters: Kostenbewusstsein ist wichtig und bei uns seit jeher ein Thema. Ich bin aber davon überzeugt, dass sparen niemals zu Lasten der journalistischen Qualität gehen darf. Durch eine kluge und vorausschauende Neuorganisation in den vergangenen Jahren geht es der Welt-Gruppe wirtschaftlich gut und wir haben in den vergangenen Monaten erheblich investiert. Die Einführung des Investigativressorts im September oder die Entwicklung neuer Printformate Anfang des Jahres sind der beste Beleg dafür.

promedia: Qualitätsjournalismus wird auch noch mit der Qualität der  Sprache verbunden. Ist es angesichts der schnelllebiger gewordenen  Online-Medium eine antiquierte Auffassung? Kann man  sich bei einer Tageszeitung unter dem Druck der Aktualität noch um die  Qualität der  Sprache kümmern?
Jan Eric Peters: Neben den Inhalten gilt der Sprache immer noch unser höchstes Augenmerk. Zeitungen und Medien wie „Welt Online“ leben von der Sprache. In einer digitalisierten Welt, die immer schneller und bunter wird, wollen wir mit der neuen gedruckten „Welt“ allerdings ganz bewusst auch einen inhaltlichen Kontrapunkt setzen. Dazu gehören fundierten  Hintergrundberichte und starke Meinungsbeiträge.

promedia: Ihr  Verlagshaus fordert eine einheitlich Währung für  alle Verbreitungswege, die  auch mit anderen Medien kompatibel ist,  sozusagen eine Gesamtreichweite. Warum ist das so wichtig?
Jan Eric Peters: Mathias Döpfner hat vor kurzem dargelegt, dass in einer sich stetig vernetzenden Welt die Ausweisung einer Gesamtreichweite immer wichtiger wird. Auch uns bei der „Welt“ interessiert nicht mehr nur die einzelne Zeitungsauflage oder die unseres Onlineangebots, sondern uns interessiert die multimediale Reichweite der „Welt“-Gruppe und ihrer Inhalte auf allen  Plattformen – von den verschiedenen Printtiteln über die Webseite bis hin zu  den mobilen Applikationen. Entscheidend ist die publizistische Schlagkraft der ganzen Gruppe, da ist alles mit allem vernetzt und befruchtet sich gegenseitig  – und hat dafür gesorgt, dass wir selbst in schwierigen Zeiten wie diesen wirtschaftlich gut da stehen. Machen wir es konkret: Ein Text der in der „Welt“ gedruckt wird, hat die Chance auch in „Welt kompakt“, auf „Welt Online“ und in der App veröffentlicht zu werden. Gemeinsam mit der „Welt am Sonntag“ erreichen wir auf diese Weise bis zu 3,6 Mio. Leserinnen und Leser, Doppelleser/nutz er sind da nicht einmal mitgezählt. Das gilt natürlich nicht nur für unsere Autoren, sondern auch für unsere Webekunden. Diese Schlagkraft ist einzigartig auf dem deutschen Qualitätszeitungsmarkt.

promedia: Was  unterscheidet den  „Welt“-Print-Leser vom  „Welt“-Smartphone-Leser?
Jan Eric Peters: Eigentlich müsste die Frage eher lauten: Wie unterscheidet sich der „Welt Online“ Leser von dem Tageszeitungsleser oder dem Leser unserer App. Die App fürs iPad orientiert sich stärker an der Zeitung als am Online-Portal. „Welt“ Online hingegen bietet an 7 Tagen die Woche und 24 Stunden am Tag schnell und übersichtlich die wichtigsten News des Tages.

promedia: Vor  einem Jahr haben  Sie als eines der ersten Verlagshäuser eine kostenpflichtige  App der  „Welt“ gestartet. Wie sind Ihre Erfahrungen?
Jan Eric Peters: Die Tablet-Computer und Smartphones bieten gerade  traditionellen Verlagen eine große Chance, einen neuen Markt zu erobern. In  Amerika gehören die Tablets schon zum Straßenbild, auch bei uns werden sie das  Leseverhalten vieler Menschen verändern. Durch den multimedialen Content  entstehen ganz eigene Erlebniswelten, die man praktischerweise auch noch mit  sich herumtragen kann. Wer exklusive journalistische Inhalte bietet, wird auch Leute finden, die gern dafür bezahlen. Denn im Gegensatz zum Internet  dominiert hier bei den Nutzern nicht die Kostenloskultur. Als meistgeladene  und meistverkaufte Zeitungs-App sind wir mit den bisherigen  Erfahrungen außerordentlich zufrieden.

promedia: Viele ihrer  iPad-Abonnenten sind mit  dem Angebot unzufrieden, weil sie nur einen  Teil der Welt-Inhalte auf dem iPad  lesen können. Welche grundlegenden Überlegungen stehen hinter Ihrer iPad  App?
Jan Eric Peters: Die gute Nachricht  ist, dass die „Welt“-App vor allem bei solchen Nutzern sehr gut ankommt, die  man in die Kategorie der klassischen Zeitungsleser einordnen kann. Gerade diese Menschen wollen wir ja erreichen, denn die sind es gewohnt, für guten Journalismus zu bezahlen. Die „Welt“ HD App wird viermal täglich aktualisiert und entspricht einer Zeitung, die immer aktuell ist. Wir arbeiten aber kontinuierlich an der Weiterentwicklung.

promedia: Welchen  Grundanforderungen müssen „Welt“-Inhalte  genügen, damit Leser auf digitalen Medien dafür bezahlen?
Jan Eric Peters: Ganz einfach: Exzellenter Journalismus und größte Relevanz. Daran wird sich nichts ändern.

promedia: Wird „Welt“-Online weiterhin kostenlos  bleiben?
Jan Eric Peters: Momentan ist die Einführung kostenpflichtiger Bereiche nicht geplant.

Jan Eric Peters, Chefredakteur der „Welt“-Gruppe

Über Jan Eric Peters

  • Geboren: 1. April 1965
  • Hochschule für Politik, München
  • 1990-1994 Münchner „Abendzeitung“
  • 1996-1997 „Hamburger Morgenpost“
  • 1997-2000 Chefredaktion „Max“
  • 2001-2006 Chefredakteur und Herausgeber DIE WELT und BERLINER MORGENPOST, WELT KOMPAKT
  • 2007 Gründungsdirektor der Axel Springer Akademie, Berlin
  • Seit 2010 Chefredakteur der WELTGruppe

Weitere Informationen: promedia

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