Appmania: Das große Geschäft mit den kleinen Anwendungen

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Apps gehören heute zum Alltag – für jedes Problem oder Thema eine Anwendung, oder App, – die Abkürzung für Application. Rund 150.000 verschiedene Apps zählt allein der Store von Apple. Dabei erspart sich der Nutzer mit einer App letztlich nur die Verwendung des Browsers.

Dr. Klaus Goldhammer

Eine Apple-Erfindung sind die kleinen Programme für das Smartphone zwar nicht, jedoch brachte erst der 2008 für iPhone und iPod Touch eingeführte App Store die Initialzündung im Markt der mobilen Applikationen und löste eine Lawine an Entwicklungen aus. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona im Februar diesen Jahres konnte man deutlich sehen, welchen Stellenwert Handy-Hersteller und Mobilfunkbetreiber den Smartphone-Apps inzwischen einräumen: Mit dem so genannten „App Planet“ war den kleinen mobilen Internetanwendungen erstmals eine komplette Messehalle gewidmet.

Nahezu jeder Player im Mobile Markt bietet heute irgendeine Art von Application Services und hat in den vergangenen 18 Monaten dem Apple-Beispiel folgend eigene App Stores gelauncht: Darunter Gerätehersteller wie Nokia (Ovi-Store), Samsung (Samsung Application Store), RIM – Research in Motion (BlackBerry App World) oder Sony Ericsson (PlayNow Arena), Plattformbetreiber wie Microsoft (Windows Market Place for Mobile), Google (Android Market) und Qualcomm (Plaza Retail). Zusätzlich gibt es Angebote von Netzbetreibern und vor allem ein ganzes Heer an Drittanbietern.

Sie alle wollen am explodierenden Application-Markt partizipieren. Noch ist Apple die unangefochtene Nummer Eins mit insgesamt 2,6 Mrd. Downloads in 2009, aber andere holen auf und warten mit erstaunlichen Zahlen und Prognosen auf: Zum Beispiel das US-litauische Unternehmen GetJar mit aktuell rund 60 Mio. Downloads monatlich und 70.000 verschiedenen Apps (Quelle: Screen Digest).

Das Application-Geschäft ist zum Massenmarkt avanciert und milliardenschwer. Apple konnte 2009 mit den Mini-Programmen Umsätze in Höhe von mehr als einer halben Milliarde Euro (548 Mio. Euro) erzielen. Bis 2013 sollen sich die Downloads und Umsätze bei Apple mehr als verdreifachen (8,6 Mrd. Downloads, 1,7 Mrd. Euro Umsatz, Quelle: Screen Digest). Einen noch viel größeren Wachstumsschub erleben derzeit die neu gegründeten Stores. Zwar mögen so einige Umsatzprognosen schwindelerregend erscheinen (Gartner etwa rechnet mit knapp 30 Mrd. US-Dollar in 2013) – Realität ist aber der Höhenflug, auf dem sich die kleinen Apps befinden.

Und der Markt könnte tatsächlich noch rasanter wachsen, wenn die Pläne der sogenannten Wholsale Applications Community (WAC) aufgehen, die zur Etablierung plattformübergreifender Standards neu gegründet wurde. Bislang kochte jeder Handy-Hersteller oder Mobilfunkbetreiber in Sachen Smartphone-Apps ein eigenes Süppchen. Die großen Handy-Hersteller und Mobilfunkprovider (insgesamt 24 Anbieter mit einem Potential von rd. drei Mrd. Abonnenten) wollen ab sofort bei der Vermarktung der Handy-Software zusammenarbeiten. Bedenkt man allerdings, wie stark der Handy- und Software-Markt fragmentiert ist und wie heftig alle Player um ihre Marktanteile ringen, ist das ein äußerst ambitioniertes Ziel. Zur WAC gehört auch die Deutsche Telekom. Im Rahmen ihrer Strategie 2.0 hatte das Unternehmen erst vor wenigen Tagen das mobile Internet zu einem der Wachstumsfelder erklärt – folgerichtig also, dass sie auch im Rahmen der WAC mitwirken wollen.

Ein kleiner Markt – ganz groß. Er profitiert von der Euphorie der Nutzer, vom ungebrochenen Ideenreichtum der Entwickler, die mit den kleinen Programmen teils auch gutes Geld verdienen können und nach TOP-Platzierungen in den App-Hitlisten streben. Vor allem aber treibt die wachsende Penetration der Smartphones bzw. Multimedia-Handys den Markt nachhaltig an.
Es bleibt spannend, wohin die Appmania zieht und vor allem: wie lange sie hält. Auf Anbieterseite ist man längst dabei, weitere Distributionskanäle neben dem Handy zu erschließen. Mit der Internet@TV-Funktion der neuen Samsung-LCD-TV-Palette soll es möglich sein, im Samsung App-Store auch über den Fernseher diverse Applikationen aufzurufen.
Doch wenn eines Tages klar ist, dass man im frei zugänglichen mobilen Internet die gleichen Funktionalitäten wie in Form von Apps abrufen kann, wird womöglich auch die Zahlungsbereitschaft wieder schrumpfen.

Autor: Dr. Klaus Goldhammer, Geschäftsführer Goldmedia GmbH

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