Mobile Media: Der Durchbruch steht erst noch bevor. Gastkommentar auf kress.de von Mathias Birkel

Mathias Birkel
Mathias Birkel

Mobile Media: Der Durchbruch steht erst noch bevor

Wachstums- und Erfolgsmeldungen über das mobile Internet sind derzeit überall zu lesen. So meldete zum Beispiel der BITKOM, dass sich die Zahl der App-Downloads in Deutschland zwischen 2009 (425 Mio.) und 2010 (900 Mio.) mehr als verdoppelt hat (BITKOM, 02/2011). Der Netzausrüster Cisco verzeichnete beim mobilen Datenvolumen im gleichen Zeitraum eine Steigerung um weltweit mehr als das 2,5fache (Cisco, 02/2011). Auch auf Nutzerseite gibt es zunehmendes Interesse an mobil genutzten Medieninhalten: Rund zwei Drittel der im Goldmedia Mobile Monitor 2011 befragten deutschen Smartphone-User nutzen heute schon Nachrichten-Apps, etwa genauso viele schauen zumindest gelegentlich mit ihrem mobilen Gerät Online-Videos und fast die Hälfte hört Internet-Radios (Goldmedia, 07/2011).

Klingt nach viel. Ist aber nur der Anfang. Denn der Markt für mobile Medien ist im Vergleich zum klassischen Medien-Geschäft immer noch winzig. In Relation zum Gesamt-Werbevolumen (netto) von rund 18,8 Mrd. Euro 2010 (ZAW) liegt bspw. mobile Werbung im Promillebereich. Offizielle Marktdaten existieren hierzu laut ZAW bislang nicht. Schätzungen liegen je nach Quelle bei einem Wert zwischen 20 und 50 Mio. Euro Bruttowerbemarktvolumen 2010, netto dürfte der Wert also noch einmal deutlich geringer sein. Auch international ist Deutschland bei der mobilen Nutzung noch weit hinten: So werden hierzulande laut Comscore derzeit 98 Prozent des Datenverkehrs auf Zeitungs-Websites von klassischen, stationären Computern generiert. Nur etwas mehr als ein Prozent entfällt auf Smartphones. Lediglich 0,7% des Traffics entsteht durch iPads und andere Tablets. Beim Datenaufkommen durch mobile Abrufe von Zeitungen befindet sich Deutschland damit im hinteren Bereich der von Comscore erfassten Märkte. Zum Vergleich: In UK macht das mobile Datenvolumen auf Zeitungs-Websites bereits knapp zehn Prozent aus, rund fünfmal mehr als in Deutschland.Und dennoch: Es gibt viele Hinweise, die das Potenzial des mobilen Medien-Marktes anzeigen. Etwa die Endgerätedichte, die rasant wächst. Kaum ein neues technisches Gerät kommt auf den Markt, das nicht mit dem Web verbunden werden kann. Allein sieben Millionen Smartphones wurden 2010 in Deutschland abgesetzt, rund zehn Millionen sollen es 2011 werden. Zudem wurden 800.000 iPads und andere Tablets 2010 in Deutschland verkauft – 2011 werden noch einmal rund doppelt so viele hinzukommen (BITKOM 11/2010 und 02/2011). Neben Smartphones und Tablets bieten auch E-Reader, internetfähige MP3-Player (z.B. der iPod Touch), mobile Spielkonsolen (wie der Nintendo 3DS), manche Navigations- und viele andere Geräte ähnliche Funktionalitäten. Eine schnellere Endgeräte-Durchdringung gab es wahrscheinlich noch nie.

Auch an anderen Stellen wird kräftig an der Marktentwicklung geschraubt: Die Telekommunikationskonzerne hoffen mit dem mobilen Web auf den Umsatz-Heilsbringer im derzeit rückläufigen Markt und installieren bundesweit die 4. Mobile Internet-Generation („LTE“). Damit wird mobiles Internet immer leistungsfähiger und erlaubt problemloses Streaming von Audio und Video. Cisco geht von einem Wachstum der mobilen Downloadgeschwindigkeit von 74 Prozent aus. Pro Jahr! Und so werden die Grenzen von stationärem und mobilem Empfang mit neuen „Multi-Screen“-Lösungen verschwimmen: Sie erlauben es dann, einen Film unterwegs zu betrachten und zu Hause auf dem großen Bildschirm zu Ende zu schauen.

Vieles spricht also dafür, dass die derzeitigen Positivmeldungen rund um den Mobile Media Markt nur den Beginn einer Entwicklung markieren. Mit den rasant wachsenden technischen Möglichkeiten und immer mehr auf mobile Nutzung zugeschnittenen Inhalten steht der eigentliche Durchbruch erst noch bevor.

 

Mathias Birkel, Senior Consultant Goldmedia GmbH Strategy Consulting

 

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