Die 90–9-1 Regel im Kontext von Web 2.0 und Social Media | GOLDMEDIA-Video

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User generated Content lautet das Motto des Web 2.0. Zwar haben nun alle User des Internets die Möglichkeit mit wenig Mitteln das Web 2.0 mit zu gestallten, doch in den vergangenen Jahren fühlten sich nur die wenigsten dazu berufen.

Jacob Nielsen hat 2006 in seinem Beitrag „ Participation Inequality: Encouraging More Users to Contribute“ die sogenannte 90-9-1 Regel aufgestellt. Kurz beschrieben bedeutet diese Regel:

  • 90% der Internetnutzer schauen zu, steuern aber selbst nichts bei.
  • 9% der Internetnutzer beteiligen sich hin und wieder.
  • 1% der Internetnutzer beteiligen sich häufig bis sehr häufig. Von ihnen stammen die meisten Beiträge.

Nun stellt sich natürlich die Frage, ob das so hoch gepriesene „Mitmachnetz“ als solches auch zu verstehen ist, wenn 1% der User den größten Anteil beisteuern. Immerhin gaben in der ARD/ZDF Onlinestudie 2009 38% der Onliner an, es interessant zu finden eigene Inhalte ins Netz zu stellen, 13% davon sogar sehr interessant. Jedoch existiert diesbezüglich eine klare Trennlinie. Bei den  bis 29-jährigen ist das Verhältnis zwischen Interesse und Zurückhaltung ausgeglichen. Die Onliner aus den älteren Bevölkerungsgruppen hingegen finden es zum Großteil nicht oder kaum interessant, selbst Einträge zu gestalten. Es bleibt abzuwarten ob sich dieser Trend fortsetzt, und das Interesse selbst Content zu gestallten eine Frage der Generation ist.

Schaut man sich jedoch die tatsächliche Nutzung des Web 2.0 an, erkennt man, dass die meisten Content-Portale ausschließlich passiv genutzt werden. Was nichts anderes bedeutet als das die gängigen Portale wie Wikipedia, Youtube oder Flickr im Grunde genommen keinen wirklichen Web 2.0 Charakter aufweisen. Interessant wird es, schaut man sich hier die genauen Zahlen an. 2009 gaben 94% an, Wikipedia gelegentlich oder häufiger passiv zu nutzen. 5% haben schon einmal etwas beigesteuert und nur 1% steuern häufig Beiträge bei. Diese Zahlen sind natürlich ein klares Statement für die 90-9-1 Regel. Noch deutlicher wird es, wenn man das Nutzer-Verhalten auf Youtube betrachtet. 89% rezipieren ausschließlich am Portal. 10% steuern gelegentlich Videos bei und 1% stellt häufig Videos ins Netz. Demzufolge hat die 90-9-1 Regel im Bezug auf Content-Protalen nach wie vor seine Gültigkeit.

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Doch wie verhält sich der Onliner in sozialen Netzwerken wie myspace, studiVZ oder facebook? Ca. 85% der Nutzer privater Netzwerke nutzen diese aktiv, was natürlich nicht verwunderlich ist, da zum einen die Vernetzung immer eine aktive Handlung voraussetzt und zum andren das Nutzen der meisten Netzwerke ohne eigenem Profil schlicht weg unmöglich ist. Wer sich in sozialen Netzwerken bewegt, hat in der Regel auch das Bedürfnis aktiv Kontakte zu knüpfen bzw. diese zu pflegen. Abgesehen von den sog. Accoutleichen kann also davon ausgegangen werden, dass in sozialen Netzwerken andre Gesetzmäßigkeiten gelten und die 90-9-1 Regel außer Kraft gesetzt wird.

Überaschend ist das Verhalten der Weblog-Nutzer. 55% gaben an mindestens schon einmal einen Kommentar geschrieben zu haben. 45% haben lediglich Informationen abgerufen. Da nur ein Bruchteil der Befragten der ARD/ZDF-Onlinestudie Angaben zu Blogs machen konnte, sind diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Jedoch kann man sagen, dass auch hier die 90-9-1 Regel nicht greift. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Bloggingverhalten in den nächsten Jahren entwickelt.

Fazit

Nach wie vor hat die 90-9-1 Regel in den Content bezogenen Portalen seine Gültigkeit. Wenige Nutzer beteiligen sich aktiv und die meisten beteiligen sich passiv. Doch die Regel ist nicht auf alle Web 2.0 Anwendungen anwendbar. Es muss ein klarer Unterschied zwischen Content-Portalen und Netzwerkportalen gemacht werden. In Netzwerk-getriebenen Portalen ist die Theorie gänzlich unbrauchbar. Im Gegensatz zu Portalen wie YouTube oder Wikipedia können soziale Netzwerke wie facebook nur dann existieren, wenn die Masse sich aktiv beteiligt, da der Fokus nicht in der Information ( Text, Video etc.), sondern in der Vernetzung als solche liegt. Wahrscheinlich muss im bezug auf soziale Netzwerke die Gesetzmäßigkeit noch gefunden werden, wenn es sie denn gibt.


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