Cloud Computing schafft mehr Mobilität. Interview mit Bruno Jacobfeuerborn, Geschäftsführer Technik Telekom Deutschland GmbH, promedia Juni 2012

Deutsche Telekom will 2012 rund 100 deutsche Städte mit LTE versorgen

„Cloud Computing schafft mehr Mobilität“

Interview mit Bruno Jacobfeuerborn, Geschäftsführer Technik Telekom Deutschland GmbH

Bruno Jacobfeuerborn
Bruno Jacobfeuerborn

Ende April hat die Deutsche Telekom in vier weiteren Städten Bonn, Hamburg, Leipzig und München ihr LTE-Netz gestartet. Zuerst war in Köln und Frankfurt mit dem LTE-Aufbau begonnen worden. LTE steht für Long Term Evolution, die vierte Mobilfunkgeneration, die Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde über die Luftschnittstelle möglich macht. Die Telekom wird LTE noch in diesem Jahr, in rund einhundert deutschen Städten an den Start bringen.

promedia: Herr Jacobfeuerborn, im vergangenen Jahr hat die Deutsche Telekom begonnen, ihr LTE-Netz auszubauen. Wie ist gegenwärtig der Stand? Was ist für 2012 geplant?
Bruno Jacobfeuerborn: Neben dem Ausbau der ländlichen Gebiete nutzt die Telekom LTE mit höheren Frequenzen, um in Städten und Ballungsräumen Übertragungen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 Mbit/s zu ermöglichen. Das bedeutet neben der maximalen Geschwindigkeit auch maximale Kapazitäten für das rasant steigende Datenvolumen. Als erste Metropole wurde bereits im Juli 2011 Köln großflächig mit diesem besonders leistungsfähigen LTE-Netz ausgestattet, Städte wie München, Hamburg und Leipzig zogen schon nach. Der Ausbau läuft auf Hochtouren, so dass LTE bis Ende 2012 in vielen weiteren deutschen Großstädten und Ballungsgebieten verfügbar sein wird.

promedia: Wann kann man von einer flächendeckenden LTE-Versorgung ausgehen?
Bruno Jacobfeuerborn: Generell ist es nicht einfach, bei einer Mobilfunktechnologie von einem „Vollausbau“ zu sprechen. Aufgrund der technischen Eigenschaften des Mediums Funk wird es immer Regionen oder Bereiche geben, die nur mit extrem hohem Aufwand zu versorgen sind. Wir starten mit einem LTE-Netz, das in den Städten die Kernbereiche der Innenstadt abdeckt und werden diese Bereiche sukzessive und bedarfsgerecht erweitern. Daneben werden im ländlichen Bereich mit LTE weiße Flecken in der Breitbandversorgung geschlossen. Unser Ziel ist daher eine mit heutigen UMTS/3G-Diensten vergleichbare Versorgung.

promedia: Welche strategische Bedeutung hat LTE für die Telekom?
Bruno Jacobfeuerborn: Wir setzen in unserer Strategie ganz klar auf einen Technologie- Mix aus Festnetz- und Mobilfunktechnik. Neben LTE spielt auch UMTS mit HSPA+, welches bundesweit mit 42,2 Megabit pro Sekunde verfügbar ist, eine tragende Rolle. Mittelfristig streben wir eine weitgehend flächige Versorgung mit LTE an. Mit LTE ersetzen wir also keine anderen Dienste, sondern erweitern unser Angebot. Dies erfolgt schrittweise. Die bestehende Versorgung mit GSM und UMTS wird dadurch nicht eingeschränkt. Im Gegenteil: Auch hier investieren wir in eine stetige Modernisierung der Technik. Kunden profitieren davon in besonderem Maße, da sie auch dort Zugriff auf ein zuverlässiges schnel- les Netz haben, wo LTE bisher noch nicht verfügbar ist.

promedia: Wie wird LTE die mobile Kommunikation beeinflussen?
Bruno Jacobfeuerborn: Auf den ersten Blick liegen die Vorteile natürlich in den mit LTE erreichbaren maximalen Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit/s im Download. Hier sehen wir eine der Stärken unseres LTE-Angebots, da sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunknetz immer größere Datenmengen wie E-Mails mit umfangreichen Anlagen oder auch hochauflösende Bilder und Videos übertragen werden. Unsere Kunden fordern hier ganz eindeutig immer höhere Bandbreiten, um die damit verbundenen Download- und Uploadzeiten möglichst zu minimieren. Auch die Nutzung datenintensiver Apps auf mobilen Endgeräten wird durch ein starkes Mobilfunknetz komfortabler.

promedia: Wird das mobile Breitband auch mit neuen inhaltlichen Angeboten verbunden?
Bruno Jacobfeuerborn: Natürlich sind solche Themen extrem interessant und wir prüfen, welche Chancen sich für uns hier ergeben.

promedia: Wann werden von der Telekom die ersten LTE-fähigen Smartphones angeboten?
Bruno Jacobfeuerborn: Auf der IFA 2011 haben wir Prototypen eines LTESmartphones und LTE-Tablets gezeigt und wir rechnen damit, im Sommer ein LTE-fähiges Smartphone im Angebot zu haben. Weiterhin bieten wir aktuell den Speedstick LTE als USB-Gerät für Notebooks und die Telekom Speedbox LTE für die stationäre Nutzung an. Beide Geräte unterstützen alle bestehenden Mobilfunknetze, können also sowohl in den LTE-Netzen (bis 100 Mbit) als auch in HSPA+ mit bis zu 42 Mbit/s und EDGE genutzt werden.

promedia: Wie wird LTE die Cloud-Nutzung beeinflussen?
Bruno Jacobfeuerborn: Das Thema Cloud-Computing erfordert insbesondere für das mobile Arbeiten leistungsfähige Netze, um Daten immer und überall verfügbar zu haben. Cloud Computing bedeutet ja, dass Kunden auf Programme oder auch Inhalte aus dem Netz zugreifen und diese nicht wie bisher auf ihrer Festplatte speichern. Damit sind Kunden auf einen zuverlässigen und schnellen Internetzugang angewiesen. LTE ist damit eine perfekte Grundlage für die Cloud-Nutzung. Ein weiterer besonderer Aspekt an LTE ist die sogenannte Latenzzeit, also die „Antwortzeit des Systems“. Hier sind geringe Werte gefragt. Diese Latenzzeit liegt mit LTE nur noch bei etwa einem Drittel der momentan mobil erreichten Werte. Dies macht sich bei der mobilen Nutzung sehr positiv bemerkbar. Unsere Kunden werden dadurch beispielsweise beim Surfen im Internet, aber auch bei der mobilen Nutzung von Programmen wie Outlook ein ganz neues Erlebnis haben. So werden Internetseiten über LTE so schnell wie mit einem VDSL 50-Anschluss aufgebaut. Für den Mobilfunk ist das ein wichtiger Schritt.

promedia: Welchen Marktanteil hat die Deutsche Telekom heute bei der Cloud-Nutzung in Deutschland?
Bruno Jacobfeuerborn: Die Telekom ist Cloud-Pionier, da wir für Großkunden Cloud- Services bereits seit 2005 anbieten. Bei dynamischen SAP-Services „aus der Wolke“ sind wir sogar globaler Marktführer. Wir sehen großes Potential in diesem Markt und nutzen unsere Erfahrung aus dem Geschäft mit Großkunden nun für alle Kundengruppen. Speziell für den Mittelstand ist das interessant. Daher starten wir im Sommer unseren Business Marketplace, eine Plattform auf der unsere Kunden für sie relevante Business-Lösungen besonders einfach zusammenstellen können. Auch für Privatkunden bieten wir mit dem Mediencenter ein attraktives Cloud-Angebot. Kurz gesagt bietet die Telekom die Cloud für alle. Und da die Cloudnutzung auch Vertrauenssache ist, entsprechen unsere Angebote dabei den strengen deutschen Datenschutzbestimmungen.

promedia: Welche Vorteile bietet die Telekom-Cloud dem Kunden gegenüber der Speicherung auf dem PC?
Bruno Jacobfeuerborn: Wenn man seine persönlichen Dateien, egal ob Dokumente, Kontakte, Fotos, eigene Videos oder Musik in der Telekom Cloud speichert, sind diese Dateien immer und überall verfügbar. Selbst wenn das Mobiltelefon einmal abhandenkommt oder der PC ernsten Schaden nimmt, liegen alle Daten sicher in der Cloud. Das Leben wird mit der Cloud auch im wahrsten Sinne des Wortes „leichter“, denn über das Internet kann man auf seine Daten zugreifen, ohne das Speichermedium dabei zu haben. So kann man sich einfach bei Freunden in die Telekom Cloud einloggen und beispielsweise auch auf deren PC die neusten Urlaubsfotos zeigen.

promedia: Inwieweit ist die Cloud heute bereits für private Speicherung und Nutzung relevant?
Bruno Jacobfeuerborn: Die Telekom Cloud bietet privaten Nutzern mit dem Mediencenter 25 Gigabyte kostenfreien Speicherplatz für Fotos, Musik, E-Mails, Kontakte oder Videos. Das Mediencenter kann dabei plattformunabhängig mit allen internetfähigen Geräten wie PC, Smartphone oder Tablet und über Entertain sogar auf dem Fernseher genutzt werden. Und auch bei der Wahl des Tablets oder Smartphones ist das Mediencenter sehr flexibel und unterstützt alle gängigen Betriebssysteme wie iOS, Android oder Windows Mobile.

promedia: Wie wird sich das in den nächsten fünf Jahren entwickeln?
Bruno Jacobfeuerborn: Cloud Computing schafft mehr Mobilität. Anwendungen und Daten wandern ins Netz und damit sorgt Telekom dafür, dass Kunden ihre Daten immer und überall zur Verfügung haben. Das ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zum vernetzten Leben und Arbeiten. Marktforscher prognostizieren ein starkes Wachstum. Cloud-Dienste für Konzerne, Mittelstand und Privatkunden sind wesentlicher Bestandteil der Telekom-Zukunftsoffensive.Über alle Kundengruppen hinweg erwartet der Konzern eine deutlich steigende Nachfrage. Unsere eigenen Marktprognosen sehen weltweit für Cloud-Dienste ein
starkes Wachstum voraus.

Über Bruno Jacobfeuerborn

  • Geboren 1960
  • 1991 – 1994 Regionalleiter T-Mobile in Sachsen
  • 1995 – 2002 Leiter Technik, T-Mobile, Region Nord
  • 2002 – 2007 Geschäftsführer Technik der T-Mobile Netherlands
  • 2007 – 2009 Geschäftsführer Technik der Polska Telefonia Cyfrowa.
  • 2009 – 2010 Geschäftsführer Technik T-Mobile und T-Home
  • Seit 2010 Geschäftsführer Technik der Telekom Deutschland GmbH und seit 2012 zusätzlich Chief Technology Officer (CTO) der DTAG

Artikel in der promedia Juni 2012

Weitere Informationen: promedia

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