Dreidimensionale Eiszeit: 3D-Kino nun endlich auf dem Vormarsch!?

Nach etlichen Versuchen, 3D-Filme im Kino zu etablieren, scheint es 2009 damit nun tatsächlich voranzugehen. Dank Digitaltechnik bietet die Stereoskopie (Aufteilung der Bilder auf das linke und das rechte Auge) erstmals ein flimmerfreies 3D-Kinoerlebnis ohne Farbverfälschungen. „Ice Age 3“ ist gerade dabei, auch in Deutschland einen 3D-Kino-Boom auszulösen.

3D bringt Kinomarkt in Schwung. Kinoumsätze in Deutschland 2003-2009
3D bringt Kinomarkt in Schwung. Kinoumsätze in Deutschland 2003-2009

Einen Boom kommerzieller 3D-Filme und stereoskopischer Bildtechnik gab es schon einmal – in  den fünfziger Jahren. Die parallele Bilddarstellung der analogen Projektoren war jedoch damals und ist bis heute (z.B. in den IMAX-Kinos) nicht 100prozentig synchron. Schafft es das menschliche Gehirn, die asynchron „hüpfenden“ Bilder in 2D zu verarbeiten, so ist es bei 3D meist überfordert und kann sogar zu Schwindel und Kopfschmerzen führen. So konnte sich der 3D-Film seit der ersten Euphorie bei Einführung der Technik bis heute nie wirklich gegenüber dem herkömmlichen 2D-Film durchsetzen.

Die Zahl der 3D-Kinos ist inzwischen weltweit enorm gestiegen. In Deutschland hat sich die Anzahl seit Jahresbeginn schon vervierfacht. Waren Anfang 2009 erst rund 30 Kinos mit digitaler 3D-Technik ausgestattet, wird es Ende des Jahres bereits 137 „3D-isierte“ Filmpaläste in Deutschland geben.1 Die Umrüstung eines Kinosaals mit digitaler 3D-Technologie ist teuer und geht schnell in den sechsstelligen Bereich. Allein den Umbau von analoger zu digitaler Videotechnik beziffert Disneys Top-Manager Mark Zoradi auf bis zu 80.000 US-Dollar.2

Um ihre 3D-Filme besser zu platzieren und mittels neuer Filmtechnik und höheren Eintrittspreisen auch die Gewinnmagen zu steigern, unterstützen die Major Studios die Kinobetreiber bei der Digitalisierung und investieren nach eigenen Angaben derzeit rund 1 Mrd. Euro.3 3D könnte den Kinomarkt ordentlich in Schwung bringen und damit auch die Digitalisierung des Kinos endlich vorantreiben. So produzieren die Studios derzeit 3D-Filme mit Hochdruck, auch weil die Kosten der Produktion eines 3D-Streifens nach Branchenangaben gerade einmal fünf bis zehn Prozent höher liegen als die der herkömmlichen 2D-Filme.

Die in Deutschland schwächelnden Kino-Jahre 2007 und 2008 könnten vergessen sein. Filme wie „Ice Age 3“ oder die 200 Mio. US-Dollar Produktion „Avatar“ von James Cameron sollen die Deutschen Filmfans in die 3D-Kinos locken und so bis Ende 2009 nach Goldmedia-Prognose einen Gesamtumsatz von mehr als 850 Mio. Euro in die Kinokassen spülen. Das wäre immerhin eine Steigerung von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Und wie es scheint ist 3D noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Die Kino-Pioniere der Universal Studios aus Florida bieten ihren Kunden bereits zusätzliche Effekte wie bewegliche Sessel, Nebel, Sprühwasser und Luftdüsen an. Ob das jedoch den gemütlichen Sonntags-Kinogänger zu noch häufigeren Kinobesuchen überzeugen wird, bleibt abzuwarten.

Autor:

Nicolas Meibohm, Junior Consultant, Goldmedia GmbH Media Consulting & Research

Weitere Informationen zu Goldmedia: http://www.goldmedia.com/aktuelles.html

1 Angaben lt. Screen Digest, Juni 2009
2 lt. www.spiegel-online.de, 13.07.2009
3 lt. www.spiegel-online.de, 13.07.2009

3 thoughts on “Dreidimensionale Eiszeit: 3D-Kino nun endlich auf dem Vormarsch!?

  1. Die Schätzung der 137 3D-fähigen Leinwände in Deutschland bis Jahresende ist meiner Meinung sehr vorsichtig. Bereits jetzt existieren 125 Kinos in Deutschland mit 3D-Leinwänden. Die Zahl dürfte sich im Vorfeld von Pixars “OBEN” noch weit erhöhen und im im November/Dezember im Vorfeld von Camerons “AVATAR” ebenso.
    Eine Übersicht der deutschen 3D-Kinos gibt es z.B. hier:
    http://digitaleleinwand.wordpress.com/leinwaende/

    Mit einem fantastischen Kopienschnitt von 2200 Besuchern pro Kopie für die stereoskopische Fassung von “ICE AGE 3” beweist das moderne 3D-Kino seine Attraktivität- und den finanziellen Vorteil für Early Adaptor.

    Die zusätzlichen Produktionskosten von fünf bis zehn Prozent dürften sich eher auf CGI-Filme beziehen (und da sprechen wir dann doch von Budgets von 150 Mio $, die sich auf 165 Mio $ erhöhen, der Aufwand für den nächste Woche startenden 3D-Stopmotion-Film “Coraline” oder Camerons “AVATAR” (für den eigens neue Kameras und Systeme entwickelt wurden) liegt weit höher.

    Beste Grüße,
    Gerold Marks

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