LTE ist die Zukunft der Kommunikation. Zoltán Bickel, Director LTE Commercialisation Vodafone Deutschland, im Gespräch mit promedia

Vodafone Deutschland hat mit dem flächendeckenden Ausbau und dem Fokus auf die Mobilfunktechnologie der vierten Generation LTE (Long Term Evolution) die strategische Stoßrichtung für die Zukunft definiert. Seit dem Ausbaustart der neuen Mobilfunktechnik in den bisher unterversorgten ländlichen Gebieten erreicht Vodafone heute bereits rund fünf Millionen Haushalte mit LTE. Als erstes Ballungsgebiet hat Vodafone das LTE-Netz in Düsseldorf in Betrieb genommen. Gleichzeitig bereitet Vodafone auch die neue innovative Set-Top-Box von Vodafone TV für die Nutzung über LTE vor und entwickelt sie für das heimische Netzwerk weiter.

Zoltan Bickel
Zoltan Bickel

promedia: Herr Bickel,  Sie haben mit dem Aufbau der LTE-Strecken begonnen. Wie ist der Stand der Abdeckung?
Zoltán Bickel:
Vodafone Deutschland hat mit dem LTE-Ausbau bereits im 4. Quartal letzten Jahres in bundesweit in bisher unterversorgten ländlichen Regionen begonnen und bietet seit Dezember 2010 als erster Netzbetreiber seinen Kunden LTE-Tarife und LTE-Hardware an. Schon heute kann Vodafone deutschlandweit mehr als sechs Millionen Haushalte in mehreren Tausend Orten und Gemeinden mit der neuen Mobilfunk­generation versorgen. Wöchentlich kommen zahlreiche neu versorgte Orte und Gemeinden hinzu und in den nächsten Monaten sollen die weißen Flecken auf der Internet-Landkarte verschwunden sein.

promedia: Sie müssen zuerst die sogenannten weißen Flecken versorgen. Wann wird das abgeschlossen sein?
Zoltán Bickel:
In den Bundesländern NRW, Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Saarland, Rheinland-Pfalz sind die bei der Versteigerung der Frequenzen der so genannten Digitalen Dividende – also dem Frequenzband um 800 MHz – gemachten Versorgungsverpflichtungen bereits erfüllt. Das bedeutet, dass in diesen Bundesländern die gemeldeten weißen Flecken bereits beseitigt wurden.

promedia: Wie leistungsfähig sind in diesen Gebieten dann die Breitbandanschlüsse?
Zoltán Bickel:
Wir bieten von Beginn an Geschwindigkeiten von 3 Megabit pro Sekunde an. Je nach Standort sowohl auf dem Land als auch in der Stadt sind signifikant höhere Geschwindigkeiten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde möglich. Mit den ersteigerten 20 MHz im gepaarten 2,6 GHz-Band garantiert Vodafone Spitzengeschwindigkeiten bei der Zukunftstechnologie LTE. Weitere 25 MHz ungepaartes Spektrum im 2,6 GHz-Band bieten darüber hinaus zusätzliche Kapazitätsreserven für das erwartete Wachstum der Zukunft.

promedia: Ist es möglich, mit ihren jetzigen Aktivitäten flächendeckend eine Breitbandversorgung von mindestens 2 Mbit/s zu erreichen?
Zoltán Bickel:
Ja. Auch auf dem Land – in den bisherigen weißen Flecken – bieten wir von Beginn an sogar noch höhere Geschwindigkeiten als von der Politik gefordert an. Die weißen Flecken werden sehr schnell beseitigt und ähnlich wie heute bei GSM, wo wir 99 Prozent der Bevölkerung versorgen können wird auch LTE in Zukunft nahezu flächendeckend verfügbar sein.

promedia: Wie wird LTE dann weiter ausgebaut?
Zoltán Bickel:
Zunächst erfüllen wir die Versorgungsverpflichtungen und gehen dann mit LTE auch in die Städte, wie derzeit in Düsseldorf. So wird LTE als mobile Breitband-Technologie der Zukunft schon bald flächendeckend zur Verfügung stehen.

promedia: Es gab immer wieder Meldung über technische Störungen durch LTE. Ist das inzwischen ausgeräumt?
Zoltán Bickel:
Nur wenigen Monate nach Versteigerung der Frequenzen hat Vodafone Deutschland bereits LTE für Kunden verfügbar gemacht. In Rekordzeit wurde damit eine komplett neue Technologie eingeführt und es erstaunt sogar Experten, wie unproblematisch der Aufbau erfolgt. Wir sind beim Aufbau des neuen Netzes sogar so schnell, dass die Bundesnetzagentur nicht mehr mit der Bearbeitung der notwendigen Anträge hinterherkommt. Aber wir sind sehr zuversichtlich, dass auch diese Schwierigkeit bald ausgeräumt ist.

promedia: Mit welchen Kosten ist für Sie der Aufbau eines LTE-Netzes verbunden?
Zoltán Bickel:
Allein in den letzten zehn Jahren hat Vodafone Deutschland bis zu zwei Milliarden Euro pro Jahr aus eigenen Mitteln in seine Netze investiert. In die Versteigerung der Frequenzen haben wir 1,43 Milliarden Euro investiert und werden unsere schon heute bestehende starke Position bei UMTS weiter ausbauen – ohne öffentliche Gelder.

promedia: Wird der Ausbau der mobilen Breitbandversorgung auch zu neuen Produkten von Vodafone führen?
Zoltán Bickel:
Zur Einführung von LTE im Dezember letzten Jahres hat Vodafone Deutschland als erster Anbieter passend zu den LTE-Tarifen einen LTE Surfstick anbieten können, mit dem Kunden bequem und schnell mit Ihrem PC oder Notebook surfen. Ergänzend gibt es ein so genanntes Sharing-Dock, das aus dem Surfstick einen WLAN-Router macht. Im Frühjahr 2011 dann hat Vodafone als erster Anbieter auch Sprachtelefonie über LTE wiederum mit der dazu passenden Hardware eingeführt. Über einen Router können damit sogar vorhandene Telefone und Anrufbeantworter genutzt werden, so dass der LTE-Anschluss zur besseren Festnetz-Alternative wird. Voraussichtlich Anfang November werden wir einen neuen Surftsick anbieten, der neben LTE auch UMTS und HSxPA sowie GPRS und EDGE unterstützt. Im Januar nächsten Jahres dann wird es erste Tablet-Computer und Smartphones für die Nutzung in unserem LTE-Netz geben.

promedia: Kann LTE das Festnetz ersetzen?
Zoltán Bickel:
Die zunehmende Nutzung mobiler Endgeräte wie Tablet-Computer und Smartphones zeigt deutlich, dass Verbraucher überall und jederzeit das Internet nutzen. Daher ist LTE die Zukunft der Kommunikation, denn die mobile Funk-Technologie bietet schon heute Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde im Download und bis zu 50 Megabit pro Sekunde im Upload. Dies entspricht jeweils der mehrfachen Geschwindigkeit eines DSL-Anschlusses. Zudem ist ein DSL-Anschluss unflexibel und kann über WLAN nur in einem Umkreis von wenigen Metern genutzt werden kann. Die Funktechnologie bringt die Gesellschaft schnell, einfach und sicher ins Internet. Mit dieser überlegenen Technologie schaffen wir neue Möglichkeiten und Lösungen für die Kommunikation der Zukunft – auf dem Land und in den Städten in ganz Deutschland. Wo heute noch kabelgebundene Lösungen aufwändig und kostenintensiv verlegt werden müssen, hat LTE das Potenzial zur Gigabit-Technologie und bringt alleine durch den Geschwindigkeitsvorteil beim Ausbau einen hohen gesellschaftlichen Nutzen. Hiervon profitieren nach den ländlichen Regionen nun sukzessive immer mehr Städte. Insbesondere neue Kunden können wir so deutlich schneller mit Breitbandinternet versorgen und die bei der Telekom eingesparten TAL-Gebühren in unser Netz investieren. Daher ist die Zukunft der Kommunikation nicht mehr nur ‘mehr Bandbreite’ sondern ‘Bandbreite plus Mobilität’.

promedia: Die Grünen und auch die CDU/CSU fordern bei der Novellierung der TKG  eine Universaldienstverpflichtung für einen flächendeckenden Breitbandzugang in Deutschland. Welche Konsequenzen hätte das für Vodafone und andere Telekommunikationsunternehmen?
Zoltán Bickel:
Ein Universaldienst per Glasfaser würde extrem teuer: im ländlichen Raum verschlingt jeder Anschluss einige tausend Euro. Die Komplettverkabelung Deutschlands würde nach Ansicht des VATM bis zu 100 Milliarden Euro kosten. Bezahlen müssten dies entweder Steuerzahler oder die Telefonkunden. Diskutiert wird auch ein monatlicher ‚Breitband-Euro’, der mit der Telefonrechnung abgeführt werden soll. Dann würden auch jene Bürger zur Kasse gebeten, die keinen superschnellen Netzzugang wünschen. Die meisten internetnutzer surfen ohnehin durchschnittlich mit 3 bis 6 Mbit/s, nur ein Prozent nutzt Geschwindigkeiten von 50 Mbit/s. ‚Fibre to the Bauernhof’ ist daher unserer Ansicht nach keine intelligente Lösung. Vielmehr plädieren wir für die Schaffung Digitaler Marktplätze. Das bedeutet: Die Hochgeschwindigkeitstechnik wird bis an zentrale Punkte der Ortschaften gelegt. Abhängig von den Interessen ihrer Bürger entscheiden die Gemeinden selbst, ob und wie sie die letzte Meile zum Endkunden über Kabel oder Mobilfunk überbrücken. Dieses finnische Erfolgsmodell ist technologieneutral, wettbewerbsfördernd und berücksichtigt die Wünsche der Verbraucher. Folgerichtig sehen Experten die Breitband-Republik Deutschland auf gutem Weg. Seit einem knappen Jahr schließen wir die digitale Kluft und tragen mit neuester Funk-Technik das Internet bis in den letzten Winkel der Republik und haben seit Herbst 2010 mehr als sechs Millionen Haushalte technisch erschlossen. Den Staat kostet das nichts, im Gegenteil: Bei der Frequenzauktion 2010 nahm er sogar insgesamt 4,4 Milliarden Euro für die Funklizenzen ein. Die Zukunft wird zeigen, dass LTE eine rasante Entwicklung in der Flächenabdeckung nehmen wird und in absehbarer Zeit für LTE-Kunden sogar die Teilnahme an der Gigabit-Gesellschaft möglich ist. Wozu also sollten kabelgebundene Lösungen in jedem Haushalt dienen, wenn schon heute klar ist, dass Verbraucher vor allem mobil das Breitband-Internet nutzen möchten?

Zoltán Bickel,  Director LTE Commercialisation Vodafone Deutschland

Über Zoltán Bickel

  • Dipl.-Wirtsch. Ingenieur
  • 2001 – 2007 Mannesmann/Arcor in verschiedenen Führungspositionen
  • Ab 2007 – 2009 Marketing Hauptabteilungsleiter bei Arcor/ Vodafone
  • 2009 – 2010 verantwortlich für das weltweite Marketing von Festnetz- und Konvergenzprodukten für Business Kunden im Vodafone Headquarter in London
  • Seit Juli 2010 Verantwortlicher Direktor für die Markteinführung von LTE in Deutschland

Weitere Informationen: promedia

 

1 thought on “LTE ist die Zukunft der Kommunikation. Zoltán Bickel, Director LTE Commercialisation Vodafone Deutschland, im Gespräch mit promedia

  1. Hi,

    ich habe seit gestern mein LTE Zugang und bin vom Speed begeistert.
    Hier hatten wir bis dato kein DSL… von daher TOP!

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