MDR will Regionalprogramme ausbauen und mehr Reportagen im Ersten senden, MDR-Intendantin Karola Wille im Interview mit promedia, Februar 2012

 MDR will Regionalprogramme ausbauen und mehr Reportagen im Ersten senden
„Wir wollen keine Ostquote“

Interview mit Prof. Dr. Karola Wille, Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR)

Knapp drei Monate nach ihrem Arbeitsbeginn als Intendantin des MDR spricht Karola Wille in einem promedia-Interview ausführlich über ihre Vorstellungen von einem veränderten MDR-Regionalprogramm, anderen Zulieferungen zum Ersten und auch einer Strukturreform. Dabei geht es ihr darum, mehr junge Zuschauer zu erreichen, die Regionalität zu erhöhen, die Gegenwart und Zukunft im MDR-Sendegebiet besser abzubilden, klassische Radio- und Fernsehsendungen organischer mit den neuen digitalen Angeboten zu verknüpfen und dabei auch zu sparen. Zu diesen ehrgeizigen Plänen gehört auch, dass der MDR künftig im Ersten mit mehr aktuellen Reportagen und Dokumentationen vertreten sein will.

Karola Wille
Karola Wille

promedia: Frau Wille, der MDR und auch Sie haben in den letzten Wochen für etliche Schlagzeilen gesorgt, nicht nur auf den Medienseiten der Zeitungen. Welche Schlagzeile würden Sie sich zum Ende dieses Jahres wünschen?
Karola Wille: Ich wünsche mir positive Schlagzeilen über unsere Programm- und Telemedienangebote, dass man Neues entdeckt und anregend Anspruchsvolles gesehen hat.

promedia: Wie wollen Sie dafür die Voraussetzung schaffen?
Karola Wille: Wir leben immer mehr in einer vollständig digitalisierten Medienwelt. Mein Credo ist, dass wir unsere Stärken verstärken und unser öffentlich-rechtliches Profil weiter schärfen müssen. Das bedeutet mehr Regionalität, mehr Information, mehr Kultur und neue Angebote in der Unterhaltung. Ich bin zum Beispiel davon überzeugt, dass wir mit Regionalität punkten können, insbesondere in der digitalen Welt. Wir werden mehr Beiträge aus der Region, die von den Landesfunkhäusern produziert werden, ins MDR FERNSEHEN bringen und mit besseren Sendeplätzen versehen. Seit Anfang 2012 müssen sich Sendungen wie „Der Osten – Entdecke wo du lebst“ und „Exakt – Die Story“ nicht mehr einen wöchentlichen Platz teilen, sondern werden jede Woche auf eigenen prominenten Programmplätzen ausgestrahlt. Das sind Lebensgeschichten aus den neuen Bundesländern. Mehr Information heißt, dass ab Ende Januar Montag bis Freitag eine 20-minütige 18-Uhr-Ausgabe von „MDR aktuell“ läuft. Wir vervierfachen also die Nachrichtenzeit von fünf auf zwanzig Minuten allein auf diesem Sendeplatz. Mehr Kultur: Es gibt sehr viele kulturelle Anlässe in diesem Jahr, von 800 Jahre Anhalt bis 800 Jahre Thomanerchor. Es gibt so viel Wunderbares in Mitteldeutschland zu entdecken, und das soll man im Programm wiederfinden. Wir probieren auch Neues an Unterhaltung aus. Dazu gehören auch neue Gesichter. Beispielsweise wird Inka Bause zum MDR kommen und neue Unterhaltungssendungen mit uns gestalten.

promedia: Das sind Themen, die sich mit der Gegenwart Ihrer Zuschauer befassen. Heißt das, dass Sie den Teil, der sich mit der DDR befasst, reduzieren werden?
Karola Wille: Wir haben von Anfang an über diese Region berichtet, in Gegenwart und Vergangenheit. Wir werden auch weiter kritisch und differenziert über die Vergangenheit berichten. Den Film „Der Turm“ über die Endphase der DDR haben wir gerade in der Produktion, gedreht u.a. in Dresden, Pirna, Görlitz und Bad Düben. Am Anfang war es für die Akzeptanz des MDR wichtig, vertraute Gesichter wieder zu finden. Es war ganz wichtig, den Menschen ein Heimatgefühl zu geben. Es bleibt dabei, dass wir die Vergangenheit nicht ausklammern. Aber wir werden auch ein Stück Modernität, das, was hier entstanden ist, das, was Lebenswirklichkeit ausmacht, noch stärker im Programm reflektieren.

promedia: Sie sagten, dass die regionalen Landesfunkhäuser eine größere Bedeutung haben sollten. Bedeutet das eine stärkere Splittung des Programms, z.B. nach dem Vorbild des SWR?
Karola Wille: Wir dürfen nur ein Fernsehprogramm veranstalten, das MDR FERNSEHEN. Laut MDR-Staatsvertrag ist die Möglichkeit offenzuhalten, dieses Programm in die Länder auseinanderzuschalten. Der Weg der Splittung ist zum einen finanziell aufwändiger und zum anderen wurden wir laut Staatsvertrag als Mitteldeutscher Rundfunk gegründet.

promedia: Was ist Mitteldeutschland?
Karola Wille: Eine Kulturregion.

promedia: Wer soll mit wem integriert werden?
Karola Wille: Der Mitteldeutsche Rundfunk wurde als Mehrländeranstalt gegründet. Es gibt keine drei Fernsehprogramme, sondern das mitteldeutsche Fernsehen, das Beiträge aus den Funkhäusern enthalten soll. Das Bewusstsein an „mitteldeutscher Gemeinsamkeit“ wächst stetig:  Wir haben eine mitteldeutsche Wirtschaftsinitiative, einen Medientreffpunkt Mitteldeutschland, mitteldeutsche Verbände und eine mitteldeutsche Kirche. Es sind auch regionale Kernzentren über Landesgrenzen hinweg entstanden, die wirtschaftlich erfolgreich sind. Zum Auftrag des MDR gehört aber auch, die Gliederung des Sendegebiets in Länder in den gemeinsamen Programmen angemessen zu berücksichtigen.

promedia: Wie akzeptieren Ihre Zuschauer das Programm des MDR?
Karola Wille: Im Herbst 2010 erhielten wir in einer sehr umfangreichen Studie von 75 Prozent der Zuschauer die Noten „sehr gut“ und „gut“ für unser Programm. Uns wurde besonders bescheinigt, dass wir glaubwürdig, informativ, sachkundig, seriös, sympathisch und unterhaltsam sind. Es kommt nicht von ungefähr, dass wir seit 15 Jahren nach Marktanteilen das meistgesehene dritte Programm der ARD im eigenen Sendegebiet sind, auch 2011 wieder. Das Nachrichtenflaggschiff „MDR aktuell“ und auch die Ländermagazine werden besonders angenommen.

promedia: Ist es da nicht riskant, vom bisherigen Weg abzuweichen, jüngere Leute ansprechen zu wollen und mehr über die heutige Situation zu berichten? Nehmen Sie dabei bewusst in Kauf, ein wenig Quote zu verlieren?
Karola Wille: Der Weg ist sicher nicht einfach. Ziel muss sein, das Stammpublikum in einer älter werdenden Gesellschaft nicht zu verlieren. Wir müssen aber mehr als bisher überlegen, mit welchen Themen und Formaten wir auch Jüngere ansprechen können. Das gelingt uns bereits teilweise. Wir haben 40- bis 49-Jährige bei Sendungen wie „Umschau“ und „Exakt“. Es ist aber insgesamt ein Spagat. Deswegen denken wir über verschiedene Wege nach, und das gilt nicht nur für das Fernsehangebot. Wir benötigen auch den Hörfunk und natürlich auch die neuen digitalen Verbreitungswege wie das Internet. Wir gehen  erste Schritte einer engeren Zusammenarbeit zwischen TV- und Hörfunkredaktionen. Es besteht bereits eine Zusammenarbeit des MDR Fernsehens mit MDR Jump bei der Sendung „Umschau“. Da wird gemeinsam produziert und in Onlineangebote hinein verlängert. Solche Angebotsformen werden wir ausbauen.

promedia: Worauf können Sie bei den Radioprogrammen hier aufbauen?
Karola Wille: Wir haben zwei Wellen für Jüngere – MDR Jump und MDR Sputnik. Bei Jump sind die Nutzer durchschnittlich Mitte 30, die Sputnik-Hörer sind unter 30. Bei MDR Figaro, unserem Kulturradio, sind wir im Durchschnitt bei 48 Jahren – das jüngste Kulturradio in der ARD. Aber wir müssen noch mehr Jüngere ansprechen. Mit den Digitalkanälen verfügen wir über neue Möglichkeiten. Daran müssen wir in nächster Zeit konzeptionell arbeiten.

promedia: Sie wünschen sich einen TV-Jugendkanal. Diese Idee ist in der ARD umstritten. Ist es sinnvoll, weiterhin ernsthaft darüber nachzudenken?
Karola Wille: Wir sollten über diese Idee weiter ernsthaft nachdenken. Dazu gehört aber auch die Definition, was Jugend ist – die ganze Bandbreite der 14- bis 49-Jährigen oder reden wir über ein kleineres Segment? Dann muss die Diskussion geführt werden, mit welchen Programmangeboten man diese Zielgruppe erreichen kann. Das ist eine strategische, konzeptionelle und programmliche Diskussion, die wir führen sollten.

promedia: Es gibt die Auffassung, dass junge Leute sowieso nicht mehr klassisch Fernsehen schauen, sondern nur noch über das Internet…
Karola Wille: Ich teile diese Auffassung nicht, weil die Zahlen anderes belegen. Nach wie vor nutzen die 14- bis 29- Jährigen sehr stark das lineare Fernsehen. Offensichtlich ist die Attraktivität weiter hoch.

promedia: Beim Südwestrundfunk gibt es ein digitales Labor. Bei Radio Bremen heißt es „Digitale Garage“. Dort schafft man Raum, wo junge Leute experimentieren können und wo neue Formate für junge Leute entwickelt werden. Planen Sie Ähnliches?
Karola Wille: Ich werde mit den Direktoren in nächster Zeit darüber sprechen, was eine geeignete Form sein kann, um das Experimentieren zu ermöglichen.

promedia: Haben Sie dafür Geld?
Karola Wille: Wir werden für diese wichtige Entwicklung Gelder finden. Das ist auch eine Frage der Priorisierung.

promedia: Wo sehen Sie künftig den Beitrag des MDR Fernsehen für die ARD? Sie sind im fiktionalen Bereich sehr stark, in der Unterhaltung auch. Bleibt es dabei?
Karola Wille: Wir wollen weiterhin qualitativ anspruchsvolle Angebote in die ARD bringen und nicht nur beim Fernsehen. Wir produzieren zum Beispiel für die ARD Hörfunkinhalte, vom MDR initiiert, die „ARD Infonacht“. Mir ist aber wichtig, dass wir künftig vor allem im Ersten die Lebenswirklichkeit, das, was sich hier verändert hat, noch stärker reflektieren. Es ist generell ein Manko – das belegen auch Studien –, dass die neuen Bundesländer im bundesweiten Fernsehen zu wenig präsent sind.

promedia: Was heißt das?
Karola Wille: Wir wollen stärker mit Dokumentation, Reportagen – das sind gute Formen, um erzählend und beschreibend von den Lebensverhältnissen zu berichten – im Ersten vertreten sein.

promedia: Dafür hat das Erste doch aber fast keinen Platz…
Karola Wille: Es sind dafür Programmplätze vorhanden. Als MDR wollen wir mehr dabei sein, als in der Vergangenheit.Aber natürlich muss die Qualität stimmen. Wir wollen keine Ostquote.

promedia: Sie haben eine Überprüfung aller Strukturen angekündigt. Das klang sehr grundsätzlich. Warum sehen Sie dafür eine Notwendigkeit?
Karola Wille: Das ist auch eine sehr grundsätzliche Frage für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Zum einen müssen wir mit denen den finanziellen Herausforderungen fertig werden und zum anderen auch mit denen der digitalen Welt. Deshalb müssen wir das medienübergreifende, trimediale Arbeiten organisieren. Also von Anfang an gemeinsam planen, die Ressourcen gemeinsam effizient steuern. In so einer Herangehensweise liegt auch Geld. Wir müssen unsere Kosten weiter reduzieren, Produktivität und Effizienz steigern und gleichzeitig unsere Angebote für Zuschauer und Hörer modernisieren.

promedia: Warum liegt in einer multimedialen Struktur „Geld“? Erfordert es nicht auch neue Investitionen?
Karola Wille: Ja sicher, aber diese halten sich im Rahmen und zahlen sich schnell aus. Wenn man Hörfunk-, Fernseh- und Onlineleute von Anfang an an einem Tisch sitzen hat – so wie es bei unserem trimedialen Newsdesk der Fall ist – und man gemeinsam Themen plant, kann man die Ressourcen effizienter planen und einsetzen. Fernsehen, Radio und Onlinebereich können so ihre unterschiedlichen Inhalte kostengünstiger produzieren.

promedia: Radio Bremen und der RBB haben Fernseh- und Hörfunkdirektionen abgeschafft und eine einheitliche Programmredaktion aufgebaut. Können Sie sich das beim MDR auch so vorstellen?
Karola Wille: Unsere Schritte sind vor allem inhaltlich bestimmt und themenbezogen. So, wie wir jetzt einen News Desk für die Aktualität aufgebaut haben, wo Hörfunk-, Fernsehen- und Onlinemitarbeiter zusammenarbeiten, kann ich mir etwas Ähnliches auch für den Kulturbereich vorstellen, ohne dass die Direktionen aufgelöst werden. Im Sport arbeiten wir ja schon seit Jahren mit einem übergreifenden Desk. Das entscheidende Ziel ist, dass noch mehr Vielfalt und Inhalt bei den Nutzern ankommt. Das medienübergreifende Arbeiten ist kein Selbstzweck, sondern es geht auch darum, dass für die Zuschauer und die Onlinenutzer bessere Angebote entstehen. So gibt es Thementage, bei denen wir über alle Ausspielwege hinweg einen Tag lang ein Thema intensiv begleiten. Das verbinden wir auch mit der Hoffnung, mehr Leute für die MDR-Programme zu interessieren und ihnen vielleicht über das Internet einen Zugang auch in andere Medien zu schaffen. Unsere ersten Thementagen z.B. zum NPD-Verbotsverfahren und weiteren Angelegenheiten sind auf Resonanz gestoßen.

promedia: Was liefert der trimediale News Desk?
Karola Wille: Die Nachrichtenredakteure von MDR.DE, MDR Info, „MDR aktuell“ und den Nachmittagsnachrichten hatten früher ein eigenes Planungstool, eigene Planungsredakteure. Jetzt existieren eine gemeinsame Planung untereinander und auch zu den Landesfunkhäusern. Planung, Steuerung, Organisation und Beauftragung erfolgen jetzt zunehmend aus einer Hand. Die Produktstrukturen sind davon unberührt.

promedia: Setzt das nicht voraus, dass die Funkhäuser auch so arbeiten?
Karola Wille: Die Funkhäuser beim MDR arbeiten schon überwiegend so, zum Teil seit langer Zeit. Die bessere Vernetzung mit den Zentralbereichen wird ein nächster Schritt sein. Es ist ein Lernprozess, aber gerade in den Funkhäusern sind wir da auf einem sehr guten Weg.

promedia: Verändert sich mit der neuen Struktur auch der Schwerpunkt Ihres Angebotes vom Fernsehen ins Internet, inklusive der mobilen Übertragungswege?
Karola Wille: Nein. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass das lineare Fernsehen nicht an Bedeutung verloren hat. Die klassischen linearen Rundfunkangebote sind auch weiterhin unsere Kernaufgabe, aber wir müssen auf die veränderte Mediennutzung reagieren. Das heißt auch, Angebote für den mobilen Weg zu entwickeln, denn die Zahl der Nutzer, die ständig ein Smartphone oder Tablet PC dabei haben, wächst rasant.

promedia: Gibt es von „MDR aktuell“ schon eine App?
Karola Wille: Wir haben eine „MDR aktuell“-Nachrichten-App, selbstverständlich. Auch von den drei Landesfunkhäusern in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, von MDR Info sowie Jump und Sputnik bieten wir eine App an. Und diese Angebote werden sehr gut genutzt.

promedia: Kommen Sie damit nicht mit Ihren regionalen Zeitungen in die Quere?
Karola Wille: Nein, hier bestehen keine Konflikte. Mit der Zeitungsgruppe Thüringen (Thüringer Allgemeine, Ostthüringer Zeitung und Thüringische Landeszeitung,) mit der Sächsischen Zeitung und mit der Leipziger Volkszeitung bestehen Online-Kooperationen. Wir liefern zu, sind Partner – ganz unberührt vom aktuellen Streit um die „Tagesschau“-App.

promedia: Die „Thüringer Allgemeine“ hat berichtet, dass bis 2018 alle finanziellen Reserven des MDR aufgebraucht seien und ein Defizit von 80 Millionen Euro drohe. Stimmt das?
Karola Wille: Nein, unser Planungshorizont reicht aktuell bis 2016, dem Ende der nächsten Beitragsperiode. Zutreffend ist, dass wir in der mittelfristigen Finanzplanung für die Jahre 2012 bis 2016 eine Finanzierungslücke von 48 Millionen Euro ausweisen, die wir durch weitere Einsparungen schließen müssen. In diesem Zeitraum werden wir nach bisherigem Planungsstand auch unsere Rücklagen aufbrauchen. Bis 2016 müssen wir dann eine Situation erreicht haben, dass Aufwendungen und Erträge sich decken. Es wird viel davon abhängen, wie sich das neue Beitragsmodell tatsächlich auswirkt. Wenn alles so bleibt wie bisher, wir uns nicht auf die Situation einstellen, hätten wir ab 2017 in der Tat ein strukturelles Defizit.

promedia: Bis 2014 wird es keine Erhöhungen geben. Angenommen, Sie bekommen bis 2016 nicht mehr Gebühren als heute. Was würde dann passieren?
Karola Wille: Wenn es 2015 und 2016 keine Beitragserhöhungen gäbe und auch keine anderen Erträge generiert werden könnten, dann droht uns ein strukturelles Defizit. Wir müssen uns natürlich auch auf solche negativen Szenarien einstellen. Andererseits haben wir durch die Politik einen Auftrag, daraus leitet sich ein finanzieller Bedarf ab und dabei muss auch die Inflationsrate berücksichtigt werden. Diese Dinge werden bei der Festsetzung des Beitrags ab 2015 auch eine Rolle spielen. Ich habe da volles Vertrauen in die KEF.

promedia: Ihr Vorgänger hat wiederholt einen ARD-Finanzausgleich gefordert, da die bisherige Verteilung nicht nur nicht ausreicht, sondern ungerecht sei. Ist das auch Ihre Forderung?
Karola Wille: Der Mitteldeutsche Rundfunk hat eine spezifische Situation durch Wegzug der Bürger, durch die demografische Entwicklung. Die Zahl derer, die von den Rundfunkgebühren befreit sind, ist zudem sehr hoch. Das hat Auswirkungen auf die finanzielle Situation des Hauses. Deshalb ist der Finanzausgleich auch zukünftig ein Thema für den Mitteldeutschen Rundfunk. Allerdings wollen wir abwarten, wie sich unsere Einnahmen mit dem neuen Beitragsmodell entwickeln. Deswegen werden wir uns die Jahre 2013 und 2014 ganz genau anschauen.

promedia: Sie haben ein neues Kinderradio des MDR angekündigt. Wir reden gerade über Geld, das gespart werden muss. Wie wollen Sie das finanzieren, doch nicht aus dem Bestand?
Karola Wille: Das lässt sich ohne Weiteres nicht aus dem Bestand realisieren. Wir haben allerdings mit „Figarino“ bereits ein Internet-Angebot für Kinder gestartet. Ich möchte aber vor allem das Digitalradio, was gerade einen Neustart erlebt hat, dafür nutzen. Das kann aber nur ein Erfolgsmodell sein, wenn es für Hörer einen Mehrwert hat. Dazu kann ein Kinderradio beitragen. Wenn wir ein gutes inhaltliches Konzept entwickeln können und davon überzeugt sind, werden wir auch die finanzielle Frage lösen.

promedia: Sie wollen sich in Mitteldeutschland um eine DAB+-Frequenz für ein digitales Kinderradio bewerben?
Karola Wille: Ja, die Kapazitäten sind da, weil es zu wenige private Interessenten gibt.

promedia: Haben Sie schon einen Starttermin im Auge?
Karola Wille: Nein. Es ist noch ein Stück des Weges zu gehen. Aber wir wollen es versuchen.

Über Karola Wille

  • Geboren: 22. März 1959
  • 1978 – 1982 Studium der Rechtswissenschaft
  • Wissenschaftliche Assistentin an der Universität Leipzig
  • 1991 – 1993 juristisches Fernstudium
  • 1991 Justiziarin im Rechtsamt der Stadt Leipzig
  • 1991 Referentin in der Juristischen Direktion des MDR
  • Ab 1996 Juristische Direktorin
  • Ab 2003 Stellvertreterin des Intendanten
  • Seit November 2011 Intendantin des MDR

Artikel in der promedia Februar 2012

Weitere Informationen: promedia

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