Google und Facebook werden “glokale” Player. Goldmedia Gast-Kommentar auf kress.de von Mathias Birkel

Ein eigenes ortsbezogenes Werbeprogramm ist Googles nächster Schritt im derzeit hoch gehandelten Markt für standortbezogene Internetdienste. Nach der lokalen Freunde-Suche „Google Latitude“ präsentierte Google nun mit „Place Search“ jüngst als Pilotprojekt einen Dienst für die lokale Suchanfrage. „Place Search” startet zunächst in San Francisco, Houston und Chicago.

Screen Shot Google Place Search
Screenshot Google Place Search

Mathias Birkel, Senior Consultant Goldmedia

Die Logik ist einfach: Erkennt Google, dass es sich bei der Suchanfrage um Informationen zu einen bestimmten Ort handelt, so werden nicht nur die üblichen Suchergebnisse angezeigt, sondern ebenso eine Übersichtskarte mit Verortung relevanter Anbieter. Interessiert man sich beispielsweise für „asiatische Restaurants in San Francisco“, erhält man direkt eine Übersichtskarte mit örtlichen Restaurants sowie dazu passende lokale Anzeigen.

Place Search ist die Basis für das lokale Werbeprogramm Google Boost. Mit Boost können Restaurants, Shopanbieter oder Dienstleister direkt Anzeigen für lokale Suchanfragen schalten. Diese tauchen nicht nur bei Googles Websuche auf, sondern auch bei Google Maps. Suchende erhalten so einfach und schnell eine Übersicht über Anbieter in der näheren Umgebung. Die guten alten Gelben Seiten dürften damit zunehmend in Bedrängnis geraten.

Doch Google Boost ist mehr als ein virtuelles Branchenbuch: Verknüpft mit Google Maps und der Möglichkeit, neben Unternehmensinformationen auch Kommentare und Meinungen zufriedener oder unzufriedener Kunden nachzulesen, kann man seinen mobilen Stadtführer via Smartphone stets zu Rate ziehen, wenn man das nächste gute italienische Restaurant oder einen nahegelegenen Schuhladen finden will. Und nicht nur das: Sucht der Nutzer nach einem bestimmten Produkt, so können Läden in der Nähe via Google Boost anzeigen, dass sie dieses Produkt auch führen.

Für Google sind Place Search und Boost wichtige Dienste im Kampf um die ortsbezogenen Werbebudgets der Zukunft, vor allem im Wettbewerb mit Facebook. Der Social Network-Gigant schickt sich seinerseits an, mit „Facebook Places“ seine ohnehin schon starke Position weiter auszubauen und startete jüngst mit „Deal“ eine Applikation für die lokale Schnäppchenjagd. Denn Facebook ist bereits mobil: schon heute nutzen 200 Mio. Menschen weltweit Facebook regelmäßig auf ihren Handys.

So werden aus den weltweiten Internet-Dienstleistern Google und Facebook „glokale“ Player“, die vor Ort und im Detail mitspielen wollen, um auch im letzten Winkel den Werbeetat der örtlichen Pizzeria einzusammeln. – Boost und Places sind nur erste Schritte in einem Long Tail-Markt mit erheblichem – weil weltweiten – Potenzial.

Die Tatsache, dass sich nahezu alle Onliner (97,4% laut AGOF) bereits im Internet über Produkte informiert haben, belegt, welch riesiger Markt die lokale Produktsuche ist. Verbunden mit typischen Online-Anwendungen wie Preissuchmaschinen sowie stand¬ortbezogenen Informationen und Werbeanzeigen verspricht das Thema „local business“ in ganz neue Dimensionen vorzustoßen.

Mathias Birkel, Senior Consultant Goldmedia GmbH Strategy Consulting

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