Inside Twitter: Liest mich jemand?

Twitterst du schon oder folgst du nur?

Entwicklung Twitter-Registrierung in Prozent weltweit
Entwicklung Twitter-Registrierung in Prozent weltweit

Barack Obama hat ihn im Wahlkampf eingesetzt, die Nachricht von der Airbus-Notlandung auf dem New Yorker Hudson River wurde durch ihn sekundenschnell in alle Welt getragen und das Ergebnis zur Wahl des deutschen Bundespräsidenten wussten seine Nutzer als erstes: „Twitter“ – der Micro-Blogging-Dienst stürmt derzeit die Internetwelt. Schnell ist von einem neuen Hype die Rede – neu sind Mikro-Blogging-Dienste aber mitnichten. Neu sind jedoch Tempo und Intensität, mit der Twitter die Medienwelt erfasst. Immer mehr Unternehmen twittern, Freunde oder Bekannte werden zu „Followern“, senden und empfangen Tweets (Kurznachrichten). Von den heute weltweit rund 11 Millionen registrierten Twitter-Nutzern haben sich 72,5 Prozent in den ersten fünf Monaten diesen Jahres registriert! (siehe Chart)  Und der Traffic auf der Website von Twitter hat allein in den letzten drei Monaten um mehr als 200 Prozent zugelegt.

Mit über 62 Prozent gibt es laut Sysomos-Analysen aktuell die meisten Twitterer in den USA, es folgen Großbritannien (ca. 8%) und Kanada (knapp 6%). Angesichts des US-Prominentensupports kommt dies wohl auch nicht von ungefähr: So nutzte Talklady Oprah Winfrey Mitte April ihre populäre Show, um ihren ersten Tweet gemeinsam mit Twitter-Gründer Evan Williams auszusenden. Und Twitter-Heavy-User Ashton Kutcher inszenierte öffentlichkeitswirksam den Wettstreit um die ersten Millionen Follower gegen CNN. Spätestens diese Zahl führt zur Frage: Wer liest eigentlich all die Twitter-News?

Nach der Anmeldung bei Twitter beginnt die Suche (oder Hast?) nach Personen, die „folgen“ – ohne Follower macht Twittern keinen Sinn. Je mehr Personen man folgt, desto mehr Followers bekommt man selbst. Auch mehr Twittern bringt mehr Follower. Die Grenze aber, bei der allein das Lesen der Tweets so zeitaufwendig wird, das darunter das eigene Twittern leidet, scheint schnell erreicht: Twitterkenner haben errechnet, dass die maximale Anzahl von täglich lesbaren Tweets bei unter 10.000 liegt – eine Zahl, die schon bei ca. 600 Followern erreicht sein kann – allerdings vorausgesetzt, es handelt sich um aktive Follower. Studien von Sysomos zur Twitternutzung zeigen nämlich auch, dass rund 85 Prozent der Nutzer weniger als einen Tweet pro Tag senden und 75 Prozent aller verschickten Tweets lediglich von fünf Prozent der Twitternutzer stammen. Auch kehren laut Nielsen rund 60 Prozent der neuen Nutzer im Folgemonat gar nicht wieder zurück.

Die Quantität ist das eine – Qualität oder Missbrauch „gezwitscherter“ Informationen sicher das andere. Aber das ist bei anderen Web 2.0-Angeboten ebenso. Und so ist die oft gestellte Frage nach der Bedeutung von Twitter eine Frage der eigenen Sichtweise. Niemand wird derzeit wohl die Rolle von Twitter im Iran als alternative Informationsquelle in Frage stellen …

Ja, man twittert heute… und dieser Kanal wird wohl nicht kurzfristig verschwinden – es sei denn, die von Twitter intensivierte Suche nach einem brauchbaren Geschäftsmodell endet irgendwann ohne Erfolg.

Autor:
Simon Boé, Geschäftsführer Goldmedia Sales & Services GmbH
http://twitter.com/GOLDMEDIA

Weitere Informationen zu Goldmedia: http://www.goldmedia.com/aktuelles.html

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