Google verschenkt in China Musik

Screenshot Musiksuchdienst Google.cn
Screenshot Musiksuchdienst Google.cn

Lohnt sich Raubkopieren doch? Und hat es in Europa einfach nur noch keiner gemerkt? Denn seit Ende März bietet die chinesische Version von Google kostenlose Musikdownloads an. Völlig legal. Die anfangs verfügbaren 35.000 Musiktitel sollen in den nächsten Monaten auf 1,1 Millionen Tracks steigen. Über 140 Musiklabels stellen Musik aus ihrem Repertoire zur Verfügung. Und man höre und staune: auch die vier Majorlabels Warner, Universal, EMI und Sony sind dabei.

Wie konnte es Google gelingen, die „Big Four“ der Musikindustrie für den quasi kostenlosen Musikvertrieb zu gewinnen? Die Antwort ist einfach: Die Aussicht auf (Werbe-)umsätze. Denn finanziert wird der neue Dienst schlicht über klassische Google-Ads auf den Download-Seiten. Die Erlöse teilt sich Google mit den jeweiligen Musiklabels und einem Dienstleister.

Die Motive für diese Vernunftehe sind vielschichtig. Laut Musikverband IFPI sind 99% aller Musikdownloads in China illegal. Die Labels konnten also bislang praktisch keinen einzigen Yuan in China verdienen. Hinzu kommt, dass Google mit 17% Anteil  am Suchmaschinenmarkt sicher nicht den Platzhirsch darstellt. Das ist – mit weitem Abstand – Baidu.cn. Das Problem: Baidu bietet bereits seit langem einen speziellen Musiksuch-Service. Und wer dort bei einem Titel seiner Wahl auf die rechte Maustaste klickt, kann den Track einfach speichern. Zwar völlig illegal, aber dennoch allseits gern von derzeit rund 300 Millionen Internetnutzern in China praktiziert.

Laut Google verwenden 84% der chinesischen Internetnutzer Suchmaschinen vor allem für die Suche nach Musik. Der Erfolg von Baidu lässt sich auch auf diese Musiksuche-Funktion zurückzuführen. Googles Allianz will also dem Rivalen Baidu durch das legale, kostenfreie, komfortablere Musikangebot Marktanteile in China abjagen. Und die Musiklabels hoffen, auf dem Rücken von Google und dessen Werbeerlösen endlich auch in China mit Musik Geld zu verdienen.

Es geht also doch, quasi „kostenlos“ attraktive Inhalte im Internet zu offerieren. – Wenn nur der Raubkopierdruck groß genug ist. Spannend wird die Frage sein, wie lange angesichts solcher Strukturen Europäer und Amerikaner weiter motiviert sind, 99 Cent pro Track zu bezahlen.

Autoren:
Dr. Klaus Goldhammer (Geschäftsführer Goldmedia GmbH),
Marcel Piopiunik (Consultant Goldmedia GmbH).

Weitere Informationen: http://www.goldmedia.com/aktuelles.html

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