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	<title>GOLDMEDIA Blog &#187; ZDF</title>
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	<description>Das Blog der Goldmedia Gruppe</description>
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		<title>Beck schlägt Einstellung von vier der sechs Digitalkanäle von ARD und ZDF vor. Ministerpräsident Kurt Beck im Gespräch mit der promedia</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Dec 2011 09:05:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Promedia das medienpolitische Magazin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Promedia schreibt im GOLDMEDIA Blog]]></category>
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		<description><![CDATA[„ARD und ZDF sind gefordert, stärker Prioritäten zu setzen“ : Interview mit Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder
In einem promedia-Gespräch hat Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz von ARD und ZDF gefordert, „zukünftig stärker Prioritäten zu setzen. Das bedeutet auch, von der einen oder anderen Aktivität Abstand zu nehmen.“ Gleichzeitig sehe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="left"><strong>„ARD und ZDF sind gefordert, stärker Prioritäten zu setzen“ :</strong> <strong>Interview mit Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder</strong></p>
<div id="attachment_4511" class="wp-caption alignleft" style="width: 136px"><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2011/12/Kurt-Beck-promedia-1-2012-Versand.jpg"><img class="size-medium wp-image-4511" title="Ministerpräsident Kurt Beck" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2011/12/Kurt-Beck-promedia-1-2012-Versand-207x300.jpg" alt="Ministerpräsident Kurt Beck" width="126" height="186" /></a><p class="wp-caption-text">Ministerpräsident Kurt Beck</p></div>
<p style="text-align: justify;" align="left"><strong><em>In einem promedia-Gespräch hat Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz von ARD und ZDF gefordert, „zukünftig stärker Prioritäten zu setzen. Das bedeutet auch, von der einen oder anderen Aktivität Abstand zu nehmen.“ Gleichzeitig sehe er derzeit „keinen beitragssteigernden Spielraum für neue inhaltliche Vorhaben“. Stattdessen schlägt der Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder vor, dass ARD und ZDF ihre Infokanäle aufgeben und Phoenix als gemeinsamen Ereignis- und Dokumentationskanal stärken. Auch sehe er keine Notwendigkeit, neben Arte und 3sat zwei weitere öffentlich-rechtliche Kulturkanäle anzubieten. Auf der anderen Seite fordert Beck die privaten Veranstalter auf, die „staatsvertraglichen Vor­gaben, nämlich ein „angemessener Anteil an Information, Kultur und Bildung“ einzuhalten. In dem Zusammenhang sprach er sich auch gegen Anreizmodelle aus, die nicht schon die Einhaltung staatsvertrag­licher Normen mit Zusatzvergünstigungen honorieren dürften.</em></strong></p>
<p style="text-align: justify;" align="left"><strong>promedia: </strong>Herr Ministerpräsident, die Rundfunkgebühr/Rundfunkbeitrag soll vorerst bis Ende 2014 stabil bleiben. Sehen Sie eine politische Notwendigkeit, diese Stabilität auch darüber hinaus zu sichern?</p>
<p style="text-align: justify;" align="left"><strong>Kurt Beck:</strong> Zunächst sind wir als Länder sehr zufrieden, dass die Rundfunkgebühr trotz des Modellwechsels in den nächsten Jahren stabil bleibt. Das war letztlich auch ein zentrales Anliegen im Zusammenhang mit der Neujustierung des Finanzierungssystems des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit dem 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrag.</p>
<p style="text-align: justify;" align="left">Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) hat dies im Zusammenhang mit der Vorlage des aktuellen Entwurfs des 18. KEF-Berichts bestätigt, in dem sie auf Grund der bestehenden Unsicherheiten im Hinblick auf die Entwicklung der Ertragslage der einzelnen Rundfunkanstalten in der Folge der Umstellung des Finanzierungssystems aktuell keine Gebührenempfehlung ausgesprochen hat.</p>
<p style="text-align: justify;" align="left">Nach Durchführung der für 2014 geplanten Evaluation der Grundlagen und Rahmenbedingungen des Modellwechsels, wird die KEF erneut auf Basis der dann vorliegenden aktuellen Zahlen zur Ertragslage der Anstalten über eine mögliche Beitragsanpassung zu befinden haben. Ob hierbei am Ende eine Beitragsanpassung, in moderater Höhe, stehen wird, ist derzeit nicht abzusehen.<span id="more-4508"></span></p>
<p style="text-align: justify;" align="left"><strong>promedia:</strong> Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss also mehrere Jahre, trotz Kostensteigerungen mit gleichbleibenden Finanzmitteln auskommen, ohne dass der Auftrag verändert worden ist. Das Bundesverfassungsgericht hat von den Ländern eine bedarfsgerechte Finanzierung gefordert. Sehen Sie hier nicht einen Widerspruch? Könnte den Ländern nicht eine neue Klage vor dem Bundesverfassungsgericht drohen?</p>
<p style="text-align: justify;" align="left"><strong>Beck: </strong>Die KEF ist in ihrem Entwurf zum 18. Bericht zu dem Ergebnis gelangt, dass derzeit keine Gebührenanhebung erforderlich ist. Damit hat die KEF zu erkennen gegeben, dass die Rundfunkanstalten zurzeit, vorerst bis 2014, aus ihrer Sicht über eine bedarfsgerechte Finanzierung verfügen. Insofern sehe ich hier zwischen Auftrag und Finanzierung aktuell keinen Widerspruch.</p>
<p style="text-align: justify;" align="left"><strong>promedia: </strong>Wird sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk auf eine Reduzierung seines Auftrages und damit auch eine Reduzierung seiner Mitarbeiterzahl einstellen müssen?</p>
<p style="text-align: justify;" align="left"><strong><strong>Kurt Beck</strong>:</strong> Die Länder sind sich angesichts der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, der Entwicklung der Haushalte der öffentlichen Hand und der Belastung der privaten Haushalte ihrer Verantwortung bewusst, eine angemessene Belastung der Beitragszahler zu gewährleisten. Grundvoraussetzung für  zukünftige Beitragsstabilität ist in erster Linie einmal das Inkrafttreten des neuen Rundfunkbeitragsstaatsvertrages. Darüber hinaus hat die Rundfunkkommission der Länder eine Arbeitsgruppe zum Thema Beitragsstabilität eingerichtet. Eine Aufgabe der AG ist es, den in den jeweiligen Landesgesetzen und den Rundfunkstaatsverträgen definierten Auftrag, welcher Grundlage des von der KEF festzustellenden Finanzbedarfs ist, in seinem Umfang zu überprüfen. Darüber hinaus gibt es jedoch noch vielfältige weitere Ansatzpunkte, die einer Untersuchung unterzogen werden, wie beispielsweise Rationalisierungsmaßnahmen im bestehenden System oder der Ausbau von Kooperationen zwischen den Anstalten.</p>
<p style="text-align: justify;" align="left"><strong>promedia: </strong>Wo sehen Sie vor allem die Möglichkeit und Notwendigkeit eine Reduzierung vorzunehmen?</p>
<p style="text-align: justify;" align="left"><strong><strong>Kurt Beck</strong>:</strong>  Das neue Rundfunkbeitragsmodell wird in demographischer Hinsicht für Stabilität auf der Einnahmeseite des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sorgen, aller Voraussicht nach jedoch nicht zu einer Erhöhung der Einnahmen führen. ARD und ZDF sind daher gefordert, zukünftig stärker Prioritäten zu setzen. Das bedeutet auch, von der einen oder anderen Aktivität Abstand zu nehmen. Gleichzeitig sehe ich derzeit keinen beitragssteigernden Spielraum für neue inhaltliche Vorhaben. Vielmehr kommt es darauf an, zeitgemäße, den finanziellen wie programmlichen Herausforderungen entsprechende Strukturen zu schaffen. Insofern könnte ich mir vorstellen, dass ARD und ZDF zunächst ihre Infokanäle aufgeben und Phoenix als gemeinsamen Ereignis- und Dokumentationskanal stärken. Auch sehe ich keine Notwendigkeit, neben den hervorragenden Kultursendern Arte und 3sat zwei weitere öffentlich-rechtliche Kulturkanäle anzubieten. Zugleich müssen die Verwaltungs- und Produktionsapparate der Öffentlich-Rechtlichen rationalisiert werden.</p>
<p style="text-align: justify;" align="left"><strong>promedia: </strong>Vom Hauptgeschäftsführer des Zeitschriftenverbandes stammt der Vorschlag, das ZDF teilweise zu privatisieren und auch Verleger daran zu beteiligen. Auch, um den Online-Streit zwischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk und den Verlegern zu entschärfen. Ist eine solche Lösung völlig abwegig?</p>
<p style="text-align: justify;" align="left"><strong><strong>Kurt Beck</strong>:</strong> Ein restrukturierter öffentlich-rechtlicher Rundfunk kann sich mit den Interessen der Tages- und Wochenpresse idealerweise treffen. Beide Seiten könnten sich ergänzen und stärken und so zu einem anspruchsvollen Journalismus und einem insgesamt anspruchsvollen Medienangebot beitragen. Das wohlverstandene Eigeninteresse der Verlage und ihre Aufgabe müsste es dabei sein, in Verbindung mit den Öffentlich-Rechtlichen für attraktive Informationsangebote im Netz zu sorgen. Diese Ansätze sind nicht neu und sie sollten verstärkt wieder aufgenommen werden. Die Kombination von Kooperation und Wettbewerb könnte für beide Seiten Lösungsmöglichkeiten bieten, wie beispielsweise zusätzliche kostenpflichtige Apps. Dafür haben die Länder schon vor Jahren in Brüssel die Voraussetzungen geschaffen und mit dem 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag die erforderlichen rechtlichen Rahmenbedingungen gesetzt.</p>
<p style="text-align: justify;" align="left"><strong>promedia: </strong>Die Mediennutzung verändert sich weiter. Neue private Plattformbetreiber wollen  Bewegtbildinhalte  über alle Verbreitungswege anbieten. Hat sich damit das duale System, wie wir es seit 25 Jahren kennen und bewahren, überlebt?</p>
<p style="text-align: justify;" align="left"><strong><strong>Kurt Beck</strong>:</strong> Das duale System hat sich in den letzten 25 Jahren stark verändert und mit den rasanten technischen Entwicklungen des Internets weiterentwickelt. Neue Angebote sind hinzukommen. Aber auch die Wettbewerbssituation am Rundfunkmarkt hat sich in den letzten Jahren deutlich verschärft. Für diese Entwicklung ist vor allem das stark steigende Programmangebot verantwortlich, das durch die stetig voranschreitende Digitalisierung bedingt wird. Dies birgt aus meiner Sicht große Vorteile für die Nutzer, denn der Onlinebereich ist eine wichtige Ergänzung zu den traditionellen Medienangeboten.  Für mich geht es hier nicht um ein „entweder oder“, sondern um ein „sowohl als auch“.</p>
<p style="text-align: justify;" align="left"><strong>promedia: </strong>Google und Facebook entwickeln sich von Plattformen für fremde Inhalte zu Anbietern eigener Inhalte. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Medienpolitik und die Medienordnung?</p>
<p style="text-align: justify;" align="left"><strong><strong>Kurt Beck</strong>:</strong> Bei diesen Unternehmen geht es nicht um die Frage, wer wo welche Inhalte einstellt, sondern vor allem um den Umgang mit den persönlichen Daten der Nutzer. Daten sind die Währung, mit der im Internet gezahlt wird. Am Beispiel des Datenschutzes zeigt sich, dass einige Betreiber sozialer Plattformen bislang nur unzureichend den Datenschutz handhaben. Medienpolitisch bedeutet dies, dass wir &#8211; und damit meine ich die Länder, den Bund und die EU &#8211; dafür sorgen müssen, dass diese ausländischen Anbieter unsere bestehenden gesetzgeberischen Maßnahmen einhalten. Das kann auch bedeuten, dass wir uns an einigen Stellen über neue Maßnahmen verständigen müssen. Gerade im Bereich des Datenschutzes halte ich Selbstverpflichtungen für die Anbieter sozialer Plattformen angesichts des akuten Schutzbedarfs für fraglich.</p>
<p style="text-align: justify;" align="left">Außerdem gibt es daneben weitere wichtige Fragen: Wie es sieht im Zusammenhang mit dem Thema „Netzneutralität“ mit der Neutralität von Suchmaschinen aus? Auch hier gibt es zurzeit Diskussionen, etwa am Beispiel des „Quasimonopolisten“ Google. Hintergrund sind aktuelle Prüfungen von massiven Manipulationsvorwürfen durch die Europäische Kommission, das Bundeskartellamt und US-Behörden. Auch wenn es hier sicher keine absolute „Neutralität“ der Suchmaschinen geben kann, muss doch zumindest hier nach zulässigen Ranking-Kriterien gefragt werden.</p>
<p style="text-align: justify;" align="left"><strong>promedia: </strong>Sie haben sich jetzt für eine medienrechtliche Überprüfung bestimmter Sendeformate im privaten Fernsehen ausgesprochen. Es ist relativ selten, dass sich Politiker zu konkreten Sendungen äußern. Woher kommt Ihre Kritik? Warum jetzt diese Forderung?</p>
<p style="text-align: justify;" align="left"><strong><strong>Kurt Beck</strong>:</strong> In manchen Sendungen werden Menschen, die offensichtlich gar nicht wissen worauf sie sich eingelassen haben, öffentlich bloßgestellt und gedemütigt. Die Jagd nach der Zuschauerquote darf nicht dazu führen, dass die Teilnehmer dieser Shows in entwürdigenden Situationen zur Schau gestellt werden. Das ist eine mediale Entwicklung, die ich nicht billigen kann und deswegen habe ich mich dazu geäußert. Zuständig ist die Landesmedienanstalt und dort wird zurzeit geprüft, ob die Grenzen des Zulässigen überschritten wurden. Klar ist aber, dass dies immer eine Gratwanderung zwischen medienrechtlichen und Fragen des Geschmacks ist und man das voneinander trennen muss. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass eine breite öffentliche Diskussion zu diesen Themen immer wieder wichtig ist, um das Bewusstsein für solche negativen Entwicklungen zu schärfen.</p>
<p style="text-align: justify;" align="left"><strong>promedia:</strong> Auf der anderen Seite will ProSiebenSat.1 neue Informationsformate für Jugendliche entwickeln und testen…</p>
<p style="text-align: justify;" align="left"><strong><strong>Kurt Beck</strong>:</strong> Hierbei handelt es sich sicherlich um eine zu begrüßende und für die gesellschaftliche Entwicklung wichtige Initiative, ist doch der Zuspruch zu privaten Programmen gerade in der Altersgruppe der 14 bis 29-Jährigen weit überdurchschnittlich und kommt es doch gerade in dieser Gruppe darauf an, mittels solider Information zur für die Demokratie so wichtigen freien Meinungsbildung beizutragen.</p>
<p style="text-align: justify;" align="left"><strong>promedia:</strong>  Würden nicht Anreizmodelle, über die seit Jahren diskutiert wird, dazu beitragen können, die Qualität privater Programmangebote zu erhöhen?</p>
<p style="text-align: justify;" align="left"><strong><strong>Kurt Beck</strong>:</strong> Bei der aktuellen Diskussion über so genannte Anreizsysteme, möchte ich jedoch etwas Wasser in den Wein gießen: Einige private Vollprogramme sind im vergangenen Jahr wegen ihrer Nachrichten- und Informationsanteile in die Kritik ge­raten. Es stellte sich die Frage, ob sie den staatsvertraglich verankerten Programmgrundsätzen und der Vollprogramm-Definition weiter gerecht wer­den. „Anreizsysteme“ können allerdings nicht schon dort zu Vergünstigungen führen, wo in einem privaten Vollprogramm schlicht die derzeitigen staatsvertraglichen Vor­gaben, nämlich ein „angemessener Anteil an Information, Kultur und Bildung“ ein­gehalten werden. Sie müssen ein Mehr nicht nur gegenüber der derzeitigen Programmwirk­lichkeit, sondern auch gegenüber den geltenden Staatsvertragsvorgaben bedeuten. Andernfalls liefen sie darauf hinaus, schon die Einhaltung staatsvertrag­licher Normen mit Zusatzvergünstigungen zu honorieren. Im Übrigen ist ausweislich der Bilanzen die Ertragslage der in Rede stehenden Unternehmen ausgezeichnet. Sie sind gefordert, in den genannten Bereichen verstärkt qualitätsvoll zu investieren.</p>
<p style="text-align: justify;" align="left">Abgesehen davon stelle ich mir die Frage, inwiefern viele der diskutierten Maßnah­men überhaupt echte Anreize im Sinne wirtschaftlich lohnender Vergünstigungen für die Rundfunkveranstalter darstellen. Als Beispiele möchte ich nur medienrechtliche Übertragungspflichten (sog. Must-Carry) und eine Bevorzugung in elektronischen Programmführern (sog. Must be found) nennen. Ist es nicht so, dass die Pro­gramme, um die es hier geht, im Rahmen der bestehenden Geschäftsmodelle ohne­hin schon in den Kabelnetzen transportiert werden und ohnehin auch gefunden wer­den? Für schwierig halte ich auch eine Anreizregulierung für ausgewählte Unter­nehmen der Rundfunkbranche, die zu Lasten anderer Wirtschaftsunternehmen ‑ hier ganz konkret der Kabelbranche und der Plattformbetreiber ‑ geht.</p>
<p style="text-align: justify;" align="left">Wir brauchen deshalb zunächst eine breite Debatte darüber, ob die vorgeschla­ge­nen Anreize überhaupt die gewünschte Wirkung entfalten würden. Auch in den Rei­hen der privaten Rundfunkveranstalter selbst scheint insofern noch Diskussionsbe­darf zu bestehen. Ein brauchbarer Ansatz könnte etwa die Idee flexiblerer Werbe­vorgaben sein. Aufgrund der EU-Richtlinie für audiovisuelle Mediendienste haben die Länder als Gesetzgeber hier jedoch kaum noch Spielraum, während neue Vorgaben aus Brüssel wohl noch einige Jahre auf sich warten lassen dürften. Vor diesem Hin­tergrund haben sich die Länder entschieden, die weitergehende Idee einer Anreizre­gulierung isoliert zu behandeln und sich zunächst allein auf die Reform des Medien­konzentrationsrechts zu konzentrieren.</p>
<p align="left"><strong>Über Kurt Beck</strong></p>
<ul>
<li>Geboren: 5. Februar 1949</li>
<li>1989-1994 Ortsbürgermeister in Steinfeld</li>
<li>Seit 1993 Vorsitzender der SPD Rheinland-Pfalz</li>
<li>Seit 1994 Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz</li>
<li>Seit 1994 Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder</li>
<li>Seit 1999 Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrates</li>
<li>2003 &#8211; 2006 Stellvertretender SPD-Vorsitzender</li>
<li>2006 &#8211; 2008 SPD-Vorsitzender</li>
</ul>
<p align="left"><strong>Quelle: promedia  Heft 1-2012</strong></p>
<p align="left"><strong>Weitere Informationen: <a href="http://www.promedia-berlin.de/">promedia</a></strong></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Fragwürdiger Champions-League-Coup des ZDF. Goldmedia Gastkommentar auf kress.de von Clemens Appel, Geschäftsführer Goldmedia</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Apr 2011 15:23:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Katrin Penzel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Goldmedia Gastkommentar kress.de]]></category>
		<category><![CDATA[Champions League]]></category>
		<category><![CDATA[Rundfunkgebühren]]></category>
		<category><![CDATA[Rundfunkstaatsvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[SAT.1]]></category>
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		<category><![CDATA[Sportreche]]></category>
		<category><![CDATA[UEFA]]></category>
		<category><![CDATA[ZDF]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Meldung hat bereits für einigen Wirbel gesorgt: Das ZDF erhielt vor wenigen Tagen den Zuschlag, ab der Saison 2012/2013 die Champions League zu übertragen, zunächst bis 2014/2015. Eigentlich ein ganz normaler Vorgang: Verschiedene Bewerber bieten für TV-Rechte und einer erhält am Ende den Zuschlag.

Eigentlich, – wären da nicht erhebliche Unterschiede in den Startpositionen der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Die Meldung hat bereits für einigen Wirbel gesorgt: Das <strong>ZDF </strong>erhielt vor wenigen Tagen den Zuschlag, ab der Saison 2012/2013 die <strong>Champions League</strong> zu übertragen, zunächst bis 2014/2015. Eigentlich ein ganz normaler Vorgang: Verschiedene Bewerber bieten für <strong>TV-Rechte</strong> und einer erhält am Ende den Zuschlag.</p>
<p style="text-align: justify;">
<div id="attachment_1803" class="wp-caption alignleft" style="width: 140px"><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/04/Clemens_Appel_Pressefoto_Web.jpg"><img class="size-medium wp-image-1803" title="Clemens_Appel_Pressefoto_Web" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/04/Clemens_Appel_Pressefoto_Web-227x300.jpg" alt="" width="130" height="172" /></a><p class="wp-caption-text">Staatssekretär a.D. Clemens Appel</p></div>
<p style="text-align: justify;">Eigentlich, – wären da nicht erhebliche Unterschiede in den Startpositionen der beiden Konkurrenten, die um die Rechte der Königsklasse des europäischen Vereinsfußballs geboten hatten. Der eine und bisherige Rechteinhaber – <strong>SAT.1</strong> – muss die Kosten aus Werbegeldern und anderen Erlösen finanzieren. Natürlich auch durch Sponsoring – so sagen es die Ausschreibungsbedingungen der Europäischen Fußball-Union <strong>UEFA</strong>. Werbeeinblendungen der exklusiven <strong>UEFA-Sponsoren</strong> gehören deshalb heute zu den TV-Übertragungen der Champions-League dazu.</p>
<p style="text-align: justify;">Der andere Bewerber – das <strong>ZDF</strong> – darf aber genau das ab 2013 nicht mehr, da S<strong>pon­sorenhinweise</strong> laut 15. <strong>Rundfunkänderungs-Staatsvertrag</strong> in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehsendern nach 20 Uhr verboten sind – bis auf wenige Ausnahmen. Und doch bekam das ZDF den Zuschlag. Ganz offensichtlich konnte man den Rechteinhaber umstimmen, auf Sponsorenhinweise nach 20 Uhr zu verzichten. Liegt die Frage auf der Hand, womit hat das ZDF die UEFA überzeugt? Offenbar mit einem für die UEFA äußerst attraktiven hohen Gebot, eine Summe von mehr als 50 Millionen Euro pro Spielsaison wird genannt, finanziert aus Gebührengeldern.<span id="more-3562"></span>Besser sehen wird man Ronaldo, Messi &amp; Co. im ZDF wohl nicht, der Zuschauer drückt erst einmal nur auf eine andere Taste seiner Fernbedienung. Aber die teuer erkauften Rechte könnten den Zuschauer letztlich anders treffen. Da eine wundersame Gebührenvermehrung beim ZDF (auch trotz des neuen Gebühren- bzw. dann Beitragsmodells) wohl nicht zu erwarten ist, muss das Geld an anderer Stelle eingespart werden. Durch Verzicht in anderen Programmbereichen? Am ehesten wohl beim Sport selbst, etwa durch Wegfall weniger populärer Sportarten. – Eine facettenreiche Sportberichterstattung sieht anders aus.</p>
<p style="text-align: justify;">So könnte es dem <strong>Gebührenzahler</strong> am Ende doch nicht ganz egal sein, wer die teuren Sportrechte im <strong>Free-TV</strong> erwirbt: Mehr als 50 Millionen Euro seiner Gebührengelder werden hier für etwas eingesetzt, das er über SAT.1 quasi kostenfrei bekommen hätte.</p>
<p style="text-align: justify;">All dies ruft <strong>medienpolitische und -rechtliche Diskussionen</strong> zurück in den Ring: Sollten Gebührengelder für derart teure <strong>Sportrechte</strong> eingesetzt werden? Darf sich ein <strong>öffentlich-rechtlicher Sender</strong> attraktive Inhalte zu diesen Preisen erkaufen? Werden die Regelungen des Rundfunkänderungs-Staatsvertrages zum Sponsoring­verbot letztlich nicht doch wieder umgangen und das Ziel eines ausgewogenen Wettbewerbs im privaten und öffentlich-rechtlichen Rundfunk quasi von hinten ausgehebelt? Niemand stellt die Attraktivität der Champions League in Abrede oder verurteilt die Bemühungen von ZDF und auch ARD um die jungen TV-Zuschauer. Aber gehört der europäische Vereinsfußball tatsächlich zur vielzitierten Grundversorgung, der einen solchen Gebührenaufwand legitimiert?</p>
<p style="text-align: justify;">Die Diskussion bleibt aktuell: Noch in diesem Jahr kommen weitere attraktive Fernsehrechte auf den Markt, darunter die Bundesliga. Auch die ARD wird dann wohl wieder mit pokern, die sich bei den Champions League-Rechten noch zurückhielt. Sie hatte aber auch erst kürzlich hochpreisige Rechte für Kämpfe aus dem Boxstall Sauerland erworben. Der größere Kampf um die Frage, was Grundversorgung und Sportrechte verbindet, wird also weitergehen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Staatssekretär a.D. Clemens Appel<br />
Geschäftsführer Goldmedia Political &amp; Staff Advising GmbH</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong><a href="http://kress.de/tagesdienst/detail/beitrag/109678-goldmedia-gastkommentar-von-clemens-appel-fragwuerdiger-champions-league-coup-des-zdf.html">veröffentlicht auf kress.de</a><br />
</strong></p>
]]></content:encoded>
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		<title>„RTL Aktuell“ baut seinen Vorsprung vor „heute“ aus. Interview mit Peter Kloeppel, RTL-Chefredakteur in der promedia</title>
		<link>http://www.goldmedia.com/blog/2011/02/%e2%80%9ertl-aktuell%e2%80%9c-baut-seinen-vorsprung-vor-%e2%80%9eheute%e2%80%9c-aus-interview-mit-peter-kloeppel-rtl-chefredakteur-in-der-promedia/</link>
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		<pubDate>Tue, 22 Feb 2011 10:00:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Katrin Penzel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Promedia schreibt im GOLDMEDIA Blog]]></category>
		<category><![CDATA[ARD]]></category>
		<category><![CDATA[heute]]></category>
		<category><![CDATA[Nachrichtensendung]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlich-rechtlich]]></category>
		<category><![CDATA[privates Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Programm]]></category>
		<category><![CDATA[RTL]]></category>
		<category><![CDATA[RTL aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[ZDF]]></category>

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		<description><![CDATA[„Wir setzen auf unsere eigene Stärke“
Interview mit Peter Kloeppel, RTL-Chefredakteur, promedia 2/2011
„RTL Aktuell“ konnte auch im Nachrichtenjahr 2010 seine Position als Nummer 1 bei den jungen Zuschauern (14-49 Jahre) bestätigen. Mit 1,53 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 19,9 Prozent lagen die RTL-Hauptnews deutlich vor der „Tagesschau“ (1,26 Mio.; MA: 12,0%). Rang 3 in der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„Wir setzen auf unsere eigene Stärke“</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Interview mit Peter Kloeppel, RTL-Chefredakteur, promedia 2/2011</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>„RTL Aktuell“ konnte auch im Nachrichtenjahr 2010 seine Position als Nummer 1 bei den jungen Zuschauern (14-49 Jahre) bestätigen. Mit 1,53 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 19,9 Prozent lagen die RTL-Hauptnews deutlich vor der „Tagesschau“ (1,26 Mio.; MA: 12,0%). Rang 3 in der Jahreswertung bei der jungen Zielgruppe belegten die SAT.1-Nachrichten (0,82 Mio.; MA: 8,0%). Bei den Gesamtzuschauerzahlen platzierten sich die von Peter Kloeppel moderierten RTL-Hauptnachrichten mit durchschnittlich 3,91 Millionen Zuschauern (Marktanteil: 18,2%) im dritten Jahr in Folge vor der ZDF-Nachrichtensendung „heute“ (3,75 Mio., MA: 16,6%). Die „Tagesschau“ im Ersten kam 2010 als meistgesehene Hauptnachrichtensendung auf durchschnittlich 5,34 Millionen Zuschauer (MA: 18,9 %). </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<div id="attachment_3334" class="wp-caption alignleft" style="width: 144px"><strong><strong><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2011/02/klöppel.jpg"><img class="size-medium wp-image-3334" title="Peter Kloeppel" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2011/02/klöppel-219x300.jpg" alt="" width="134" height="184" /></a></strong></strong><p class="wp-caption-text">Peter Kloeppel</p></div>
<p><strong>promedia:</strong> Herr Kloeppel, „RTL Aktuell“ war 2010 vor „heute“ die  Nummer 2 der Nachrichtensendungen. Streben Sie nun die Marktführerschaft an?<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Man muss realistisch bleiben. Die „Tagesschau“ um 20 Uhr hat ein viel größeres Zuschauerpotenzial, das sie auch nutzt, da am Abend deutlich mehr Zuschauer einschalten. An diese große Zahl von Zuschauern heranzukommen, wird uns um 18.45 Uhr nicht gelingen. Aber wir freuen uns, dass wir mit  „RTL Aktuell“- so erfolgreich sind, zuletzt immer mal wieder auch beim Gesamtpublikum vor der „Tagesschau“ im Ersten liegen und von Jahr zu Jahr Zuwächse verzeichnen.<span id="more-3343"></span></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia: </strong>Ihre Nachrichten sind ähnlich aufgebaut wie die des ZDF. Was schätzen die Zuschauer vor allem an „RTL Aktuell“?<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Sie schätzen das, was sie auch an den anderen Nachrichtensendungen schätzen: aktuelle, kompetente und seriöse Information über die wichtigsten Ereignisse des Tages. Darüber hinaus kümmern wir uns nicht nur um die klassischen, politischen und wirtschaftlichen Nachrichtenthemen, sondern bilden das Leben in seiner ganzen Breite ab. Das heißt, bei uns finden sich auch Themen, die sich zum Beispiel rund um die Erziehung, Ausbildung, Gesundheit, technische Neuerungen, um Trends in der Kultur und anderen Lebensbereichen drehen. Wenn man es dann noch interessant und spannend aufbereitet ist das für viele Menschen der Grund, uns einzuschalten und auch nicht mehr, so wie es vor langer Zeit mal der Fall war, sicherheitshalber um 20 Uhr nochmal die „Tagesschau“ zu sehen, um zu prüfen, ob alles stimmt, was wir berichtet haben.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Viele gehen davon aus, dass Sie die jungen Zuschauer erreichen und ARD und ZDF die älteren. Aber ganz so einfach ist das wohl nicht mehr…<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Nein. Am vergangenen Sonntag hatten wir ca. 5,2 Millionen Zuschauer, davon 2,1 Millionen junge Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren. Das heißt, drei Millionen Zuschauer waren über 50. Wir versuchen, möglichst viele Menschen aus allen Altersgruppen zu erreichen und das gelingt uns deutlich besser als der „Tagesschau“ und der „heute“-Sendung. Die Kollegen haben großen Nachholbedarf bei denüngeren, weil diese „RTL Aktuell“ wohl interessanter finden und sich bei uns besser informiert fühlen über die Themen, die sie betreffen und interessieren.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Bilder und News sind bei Ihnen ähnlich wie bei ARD und ZDF. Was machen Sie anders, um junge Leute anzusprechen?<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Es ist generell nicht richtig, dass wir alle das gleiche Ausgangsmaterial verwenden. Wir bemühen uns z.B. sehr darum, nicht nur Material  von den Fernsehnachrichtenagenturen wie Reuters oder APTN oder von den großen Networks zu benutzen, sondern wir haben unser Korrespondentennetz im Ausland in den vergangenen fünf bis zehn Jahren kontinuierlich ausgebaut. Und natürlich suchen wir auch in Deutschland bei der Berichterstattung über Politik oder Wirtschaft nach dem eigenen Ansatz. Indem wir uns jeden Tag fragen, welches die interessanten und relevanten Geschichten sind und wie wir diese umsetzen, können wir uns sehr deutlich von anderen Nachrichtensendungen unterscheiden. Was natürlich auch bedeutet, die Informationen so zu bebildern, dass es für die Zuschauer einen Mehrwert bringt und sie nicht das Gefühl haben, sie bekämen bei uns das gleiche wie bei allen anderen auch.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Lässt das Interesse an Politik nicht bei den Jüngeren nach?<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Die Zuschauerzahlen sprechen bei uns eine andere Sprache. Die Jungen interessieren sich für politische Information, und sehen sich politische Themen mit großem Interesse an. Wir beobachten aber ein grundsätzlich geringeres Interesse an Politik im Allgemeinen, ganz besonders an Parteipolitik. Aber bei politischen Fragen,  die ihr Leben beeinflussen – ob das Hartz IV oder Ausbildung Erziehung oder Finanzierung sind –fühlen sich auch viele junge Menschen angesprochen. Diese Themen nehmen wir ernst und greifen sie immer wieder auf.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Sie sind auch Marktführer bei anderen Informationssendungen. Was ist die Ursache, dass RTL den ganzen Tag über eine gefragte Adresse für Information ist?<br />
<strong>Peter Kloeppel: </strong>Wir haben schon vor 15 Jahren als Aufgabe definiert, dass wir immer und überall im Programm mit unseren Informationen auffindbar sein möchten. Wir sehen Nachrichten also nicht nur als eine Aufgabe für den Abend an, sondern als eine Aufgabe, der wir uns jeden Tag zu jeder Tageszeit stellen. Wir können dadurch auch kontinuierlich rund um die Uhr unsere Reporter nutzen, unsere Geschichten erzählen und unsere Nachrichten zu Zeitpunkten den Menschen präsentieren, an denen sie sich für Nachrichten interessieren. Ob das nun früh morgens ist, wenn man aufsteht, oder am frühen Vormittag um 9 Uhr. Außerdem bieten wir mit dem Mittagsmagazin Punkt 12 viele Informationen und machen mit dem Nachtjournal mit einer ganz anders ausgerichteten Nachrichtensendung den Menschen ein spezielles Angebot. Dadurch, dass alle Redaktionen eng miteinander verbunden arbeiten sind wir an sehr vielen Geschichten dran, die wir den ganzen Tag erzählen und fortschreiben können.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Warum ist es für einen Privatsender wichtig, den ganzen Tag mit News präsent zu sein?<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Es gehört zu der Palette an Programmfarben, die wir als RTL unseren Zuschauern gerne bieten möchten, unbedingt dazu. RTL ist ein Sender, der als Vollprogramm Information, Unterhaltung und Sport anbietet. Wenn die Menschen bei uns wegschalten würden, weil sie sich Informationen wo anders suchen müssten, würde das dem Sender insgesamt schaden. Mit unseren Informationsangeboten stützen wir das Programm. So gesehen ist das ein verbundenes Gefäß, in dem die Stärke der Information die Stärke der anderen Programmteile mit beeinflusst und umgekehrt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Man hört sehr oft, dass sich Nachrichten bei einem privaten Sender nicht rechnen. Warum rechnen sie sich bei Ihnen doch?<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Wir sind zwar ein Wirtschaftsunternehmen, aber es ist für uns nicht die alleinige Frage, ob sich Nachrichten rechnen oder nicht, sondern für uns sind Nachrichten integraler Bestandteil des Programms. Wir sehen es auch als eine wichtige Aufgabe an, als Marktführer allen Zuschauern die ganze Bandbreite an Inhalten zu präsentieren, die Fernsehen bieten kann. Dazu gehört aus unserer Sicht auch informativer und interessanter Journalismus.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Es gibt den Vorschlag, dass Sie das Korrespondentennetz von ARD und ZDF nutzen können, um bei der teuren Auslandsberichterstattung zu sparen&#8230;<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Allein an der Tatsache, dass wir unser eigenes Korrespondentennetz im Ausland in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich ausgebaut haben, sieht man, dass wir auf unsere eigenen Stärke setzen und uns unabhängig von anderen machen. Auslandsberichterstattung muss auch nicht unbedingt so teuer sein. Wir verfügen in einigen Ländern über Büros, in denen ein Journalist selber mit der Kamera arbeitet und seine Beiträge am Laptop schneidet. Wir setzen auf unsere eigene Stärke, weil wir mit unseren eigenen Gesichtern und Geschichten aus dem Ausland viel erfolgreicher sind, als wenn wir uns auf die Infrastruktur von Mitbewerbern stützen würden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Können Sie sich einen anderen Bereich einer Zusammenarbeit mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorstellen?<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Ich wäre schon froh, wenn die Öffentlich-Rechtlichen sich untereinander besser abstimmen würden, also Events, wie zum Beispiel die Krönung im britischen Königshaus im April, nicht parallel übertragen und damit eine beträchtliche Summe ausgeben, die man mit Sicherheit auch anders ins öffentlich-rechtliche Programm investieren könnte. Wir haben in den letzten 20 Jahren gezeigt, dass wir auf eigenen Beinen stehen können und nicht darauf angewiesen sind, von den Öffentlich-Rechtlichen unterstützt zu werden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Tangiert Sie das Engagement der  Öffentlich-Rechtlichen im mobilen Bereich mit  Apps der „Tagesschau“ oder von „heute“?<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Man muss schon die Frage stellen, inwieweit das alles zum Grundversorgungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gehört und ob das Geld nicht besser ins Programm gesteckt würde, also in Inhalte, die tatsächlich von ARD und ZDF erwartet werden, nämlich kulturelle Programme, Dokumentationen und politische Berichterstattung zu prominenter Sendezeit. All das wird immer stärker in den Hintergrund gedrängt. Denn natürlich sind wir von diesen Aktivitäten auch betroffen. Wir haben 2004 als Erste ein Angebot in Kooperation mit der Deutschen Telekom mit eigenen Bewegtbild-Nachrichten für das Handy gestartet und haben damit auch Erfolg. Wir wollen immer und überall für die Zuschauer erreichbar sein, auch mit Apps auf Smartphones und Tablet-PCs.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Nicht alle privaten Sender produzieren ihre Nachrichten noch im eigenen Haus, im Gegensatz zu Ihnen. Wo sehen Sie die Vorteile?<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Der Vorteil besteht vor allem darin, dass wir im Verbund der  Redaktionen eine sehr viel größere journalistische Kraft entwickeln können, als wenn wir mit externen Partnern zusammenarbeiten müssten. Wir können eine eigene Nachrichten-Philosophie durchsetzen, die man jeden Tag auch bei uns im Programm sehen kann. Wir können unsere Ressourcen gemeinsam besser nutzen und können so auch sehr schnell reagieren, um zusätzlich zu informieren. Das heißt, wir wollen nicht von einem externen Zulieferer abhängig sein. Vielmehr sind wir der Auffassung, dass es bei einem Sender wie RTL und einer Sendergruppe wie der Mediengruppe RTL Deutschland dazu gehört, dass man eigene Informationsprogramme erstellt und so auch eigene Informationsmarken entwickelt. Wir sind fest davon überzeugt, dass dies bisher der richtige Weg war und auch in Zukunft sein wird.</p>
<p><strong>Artikel in der promedia 2/2011<br />
</strong>Weitere Informationen: <a onclick="_gaq.push(['_trackEvent','outbound-article','www.promedia-berlin.de']);" href="http://www.promedia-berlin.de/">promedia</a></p>
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<h2>„Wir setzen auf unsere eigene Stärke“</h2>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom: 0.0001pt; line-height: normal;"><span style="font-size: 10pt; font-family: &amp;amp;amp;"> </span></p>
<h1>Interview mit Peter Kloeppel, RTL-Chefredakteur</h1>
</div>
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		<title>Kostenbegrenzung bei ARD und ZDF. Chef der Sächsischen Staatskanzlei Johannes Beermann stellt Konzept vor. Interview in der promedia</title>
		<link>http://www.goldmedia.com/blog/2011/02/kostenbegrenzung-bei-ard-und-zdf-chef-der-sachsischen-staatskanzlei-johannes-beermann-stellt-konzept-vor-interview-in-der-promedia/</link>
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		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 10:10:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Katrin Penzel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Promedia schreibt im GOLDMEDIA Blog]]></category>
		<category><![CDATA[ARD]]></category>
		<category><![CDATA[glücksspielstaatsvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[öffentlich-rechtlicher Rundfunk]]></category>
		<category><![CDATA[Rundfunkstaatsvertratg]]></category>
		<category><![CDATA[ZDF]]></category>

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		<description><![CDATA[„Es handelt sich um eine Rechnung  mit vielen Unbekannten“
Interview mit Dr. Johannes Beermann, Chef der Sächsischen Staatskanzlei
promedia 2/2011
In einem ausführlichen promedia-Gespräch legt Dr. Johannes Beermann, Chef der Sächsischen Staatskanzlei und Leiter einer Arbeitsgruppe der Länder zur „Beitragsstabilität“ seine Strategie zur Begrenzung der Ausgaben für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk dar. Im Kern geht es dem Umtriebigen Juristen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>„Es handelt sich um eine Rechnung  mit vielen Unbekannten“</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Interview mit Dr. Johannes </strong><strong><strong>Beermann, Chef der Sächsischen Staatskanzlei<br />
promedia 2/2011</strong></strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>In einem ausführlichen promedia-Gespräch legt Dr. Johannes Beermann, Chef der Sächsischen Staatskanzlei und Leiter einer Arbeitsgruppe der Länder zur „Beitragsstabilität“ seine Strategie zur Begrenzung der Ausgaben für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk dar. Im Kern geht es dem Umtriebigen Juristen um drei Punkte: 1. Eine genaue Bestimmung der Aufgaben von ARD und ZDF. 2. Die Nutzung aller Synergiemöglichkeiten  zwischen den Anstalten, einschließlich einer besseren Abstimmung. 3.Maßvolle Investitionen in technische Innovationen. Beermann informierte in dem Interview auch darüber, dass die Länder Möglichkeiten erörtern, falls ein Landtag dem neuen Modell für eine Haushaltsabgabe nicht zustimmen sollte. </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<div id="attachment_3332" class="wp-caption alignleft" style="width: 163px"><strong><strong><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2011/02/Beermann.jpg"><img class="size-medium wp-image-3332" title="Dr. Johannes Beermann" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2011/02/Beermann-221x300.jpg" alt="" width="153" height="208" /></a></strong></strong><p class="wp-caption-text">Dr. Johannes Beermann</p></div>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Herr Beermann, der Jugendmedienschutzstaatsvertrag ist nicht wie geplant am 1. Januar in Kraft getreten. Muss dieser Vertrag vollständig neu verhandelt werden?<br />
<strong>Johannes Beermann:</strong> Das Scheitern des Jugendmedienschutzstaatsvertrags hat uns völlig überrascht. Wie wir mit dieser Situation umgehen, wissen wir noch nicht. Der Staatsvertrag tritt nicht in Kraft, wenn nicht jedes vertragsschließende Land ihn ratifiziert. Das ist in Nordrhein-Westfalen nicht geschehen. Ich glaube, dass der Staatsvertrag vernünftig ist und dass wir mit ihm, nach einer sehr intensiven Diskussion, ein Regelwerk gefunden haben, das sowohl die Interessen des Jugendschutzes auf der einen Seite als auch die Befürchtungen derjenigen, die im Internet möglichst frei kommunizieren wollen, in ein angemessenes Verhältnis bringt.<span id="more-3329"></span></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Es gab nach dem Scheitern die Meinung, dass die Länder damit vor einem netzpolitischen Scherbenhaufen stehen&#8230;<br />
<strong>Johannes Beermann:</strong>Es ist ein minderheitspolitischer Scherbenhaufen, kein netzpolitischer, denn in der Sache haben wir sehr gründlich gearbeitet und viele Vorschläge und Kritiken genau abgewogen, Expertenanhörungen in jedem Landtag durchgeführt, uns intensiv mit dem System beschäftigt. Wir haben uns sehr genau überlegt, ob wir es bei der Selbstverantwortung lassen oder ob der Staat stärker als Ordnungshüter auftreten soll. Wir haben deutlich gemacht, dass es darum geht, die Eigenverantwortlichkeit, sowohl bei den Eltern als auch bei den Anbietern zu stärken. Ich erachte es nach wie vor für das beste Ergebnis, das wir generieren konnten. Wir haben nicht damit gerechnet, dass ein Verhandlungspartner mit am Tisch saß, der später objektiv nicht in der Lage war, die Ratifizierung des Vertrags herbeizuführen, weil er nicht über die entsprechende Mehrheit im Parlament verfügt.</p>
<p style="text-align: justify;">promedia: Wird das Scheitern grundlegende Auswirkungen auf die Diskussion der Onlineordnung haben, die in diesem Jahr auf verschiedenen Feldern weitergeführt wird?<br />
<strong>Johannes Beermann:</strong> Juristisch ja, weil wir auf dem Status quo vor den 14. Rundfunkänderungsstaatsvertrag zurückfallen. Politisch haben wir mit dem 14. Rundfunkänderungsstaatsvertrag einen großen Schritt nach vorn gemacht. Das ist der politische Standard, der irgendwann auch Recht werden wird. Wir lang das dauert, müssen wir abwarten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Es gibt seitens der Opposition in NRW mit Blick auf den 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrag bereits wieder Bedenken. CDU und FDP wissen nicht, ob sie dem Vertrag zustimmen werden. Droht den Ländern hier bereits ein neues Fiasko?<br />
<strong>Johannes Beermann:</strong> Die Regierungen, die für die Länder verhandeln, sind zunächst die Ansprechpartner für neue gesetzliche Regelungen. Wir haben den Vorteil, da die meisten Parteien in Deutschland irgendwo in der Regierung sind, dass sie sich auf einen Staatsvertrag einigen. Unabhängig davon wer regiert, ist die Regierung in der Regel dafür und die Opposition nach den Erfahrungswerten dagegen. In der Tat ist der 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrag die größere Herausforderung, denn wir haben mit Nordrhein-Westfalen eine Regierung am Tisch, die über keine Mehrheit im Parlament verfügt. Damit besteht die Gefahr, dass der Vertrag nicht ratifiziert wird, weil Regierung und Opposition ein bestimmtes Rollenverständnis haben. Das hat die Ministerpräsidentenkonferenz auf ihrer letzten Sitzung erkannt und die Rundfunkkommission beauftragt, sich mit dieser Situation zu befassen. Es besteht die Gefahr eines großen medienpolitischen Unfalls, denn der 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrag stellt einen wichtigen Systemwechsel dar. Wir werden uns darüber verständigen müssen, welche Konsequenzen das für den 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrag hat und wie wir einen Unfall verhindern können.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Ist es denkbar, dass ein solcher Vertrag angenommen wird, wenn ein Parlament dagegen stimmt?<br />
<strong>Johannes Beermann:</strong> Wir haben andere Bereiche, wo man das vereinbart hat. Wenn Länder einen Vertrag kündigen, wie den Glücksspielstaatsvertrag, dann wird er zwischen den anderen weitergeführt. Das ist eine Lösung, die man durchaus ins Auge fassen kann. Ob das zielführend ist, ist die andere Frage.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia: </strong>Man konnte hören, dass Sie ursprünglich eine Klausel in den Staatsvertrag einbauen wollten, die festlegt, dass die Gebühr auch 2013 nicht über 17,98 Euro steigen darf. Diese Klausel habe ich im unterschriebenen Vertrag nicht gefunden. Warum war diese für Sie so wichtig?<br />
<strong>Johannes Beermann:</strong> Die Klausel war nicht wichtig. Das Ziel ist wichtig, den Beitrag 2013 bei 17,98 Euro zu belassen. Die Akzeptanz dieser neuen Abgabe hängt wesentlich davon ab, dass der Bürger nicht den Eindruck hat, die Politik habe das alles nur gemacht, um den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auf Dauer höhere Einnahmen zu sichern und würde eine Erhöhung der Rundfunkgebühren durch die Hintertür vornehmen. Der positive Effekt der Umstellung zu einer Abgabenerhebung würde vollständig von einer negativen öffentlichen Diskussion überlagert, wenn der Beitrag plötzlich von 18 auf 20 Euro steigen würde. Das wäre verheerend. Deswegen darf die Gebühr 2013 nicht über 17,98 Euro steigen, damit deutlich wird, dass der Systemwechsel nicht zu einer Mehrbelastung für den Einzelnen führt. Wir haben mit den Rundfunkanstalten und den zuständigen Stellen vereinbart, dass es 2013 nach der Umstellung bei 17,98 Euro bleibt, das System dann 1-1 ½ Jahre erprobt wird und man dann analysiert, wie sich die Einnahmen der öffentlich-rechtlichen Anstalten  entwickelt haben und ob eine Veränderung des Rundfunkstaatsvertrages erforderlich ist. Darüber hinaus hat die Ministerpräsidentenkonferenz entschieden, dass die Arbeitsgruppe Beitragsstabilität die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks überdenkt. Ende 2013 weiß man, was aufgrund der 17,98 Euro in die Kasse kommt und es wird überlegt, wie der Beitrag stabil gehalten werden kann. Insofern habe ich meine zwei Ziele erreicht.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Laut Staatsvertrag müssen die Rundfunkanstalten ihre Anmeldungen im nächsten Jahr bei der KEF abgeben und die KEF müsste die Höhe der Abgabe ab 2013 festlegen. Ihre Arbeitsgruppe legt die Berichte bis 2014 vor. Die Evaluierung des 15. RÄStV erfolgt auch erst Anfang 2014. Also dürften die Anstalten für 2014 und 2015 keine höheren Ausgaben anmelden. Welches Agreement haben Sie hierzu mit den Anstalten getroffen?<br />
<strong>Johannes Beermann:</strong> Wir haben kein Agreement getroffen, sondern akzeptieren natürlich, dass zwei verfassungsmäßig getrennte Räume existieren. Aber müssen aufgrund der Anmeldung die Gebühren tatsächlich ab 2013 erhöht werden, obwohl bisher niemand sagen kann, wie viele Abgabenschuldner wir haben? Es kann bisher auch niemand sagen, was die Umstellung einer Gerätegebühr auf eine Haushaltsabgabe für Konsequenzen für den Einzelnen hat. Es handelt sich um eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Angesichts dessen ist es eine wichtige Frage, wie wir einen Weg organisieren, der uns Gewissheit verschafft und die politische Akzeptanz trotzdem bestehen bleibt. Es gibt dazu zwei Varianten: Die erste wäre es, den Auftrag so zu verändern, dass 2013 der Beitrag bei 17,98 Euro einigermaßen erhalten bleibt. Das ist bis Ende 2012 nicht ohne unzumutbaren Kraftakt zu erreichen. Die zweite ist, dass alle Beteiligten zu dem Schluss kommen, dass 2013 möglicherweise keine Erhöhung nötig ist. Diese Option wollten wir nicht von vorn herein ausschließen. Dadurch, dass wir das gemeinsame Ziel haben, sowohl die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wie auch die Politik, die Akzeptanz der neuen Abgabe hoch zu halten und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die Umstellung kommt, müssen alle Beteiligten so agieren, dass es bei 17,98 Euro bleibt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Eine Verschiebung der Anmeldung bei der KEF bedeutet das nicht?<br />
<strong>Johannes Beermann:</strong> Wie es technisch gemacht wird, müssen die Beteiligten unter sich besprechen. Ich habe zur Kenntnis genommen, dass es vernünftige Mittel und Wege gibt, die Abgabe 2013 stabil zu halten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Sie sprachen die Arbeitsgruppe an. Für Ihre ersten Vorschläge in den letzten Monaten wurden Sie bereits heftig kritisiert. Fühlen Sie sich als der „neue böse Bube im Kreis der Unionsländer“ wohl, wie die „Süddeutsche Zeitung“ Sie bezeichnete?<br />
<strong>Johannes Beermann:</strong> Es ist die ordnungspolitische Diskussion darüber, wie sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk künftig entwickelt. Wenn man Diskussionen anstößt, kommt es natürlich auch zu  kontroversen Meinungen und Gegenargumenten. Da wir es hier mit einem über Jahrzehnte gewachsenen Organismus zu tun haben, sind Veränderungen nur zu erreichen, wenn der öffentliche Druck groß genug ist. Insofern sehe ich mich nicht als „böser Bube“, sondern als denjenigen, der einen längst überfälligen Diskurs anstößt. Über alle Parteigrenzen hinweg, und nicht nur bei den Unionsländern, die mich zu einem großen Teil immer unterstützt haben, bestand sehr schnell Einstimmigkeit darüber, dass die AG-Beitragsstabilität bis 2014 ihre Arbeit weiterführt. Nach dem Aufreger der ersten Monate sind wir nun zu einer sachlichen Diskussion gekommen. Das ist zum Wohle derjenigen, um die es geht, nämlich der Zuschauerinnen und Zuschauer.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Von welchen grundlegenden Überlegungen lassen Sie sich dabei leiten?<br />
<strong>Johannes Beermann:</strong>Mich treibt die Frage um, wie wir ein öffentlich-rechtliches Rundfunksystem in einem Umfeld, bei dem sich sowohl der Rundfunkveranstalter extrem verändert hat als auch die Art der Rundfunkveranstaltung sowie die Mediennutzung, zukunftsfest machen können. Dazu gehört als erstes die Akzeptanz. Die Akzeptanz betrifft sowohl die Qualität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als auch die Marke, die positiv besetzt ist. Das muss verankert werden und weiter finanzierbar bleiben. Das heißt auch, das, was an Gebühren oder Abgaben bezahlt wird, muss von einer allgemeinen Anerkennung getragen werden. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist natürlich unverzichtbar. Aber neben dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk existieren heute eine ganze Reihe anderer Anbieter mit Vollprogrammen, Verkaufsprogrammen oder Digitalprogrammen für einzelne Bereiche. Das hat sich gegenüber den 50er Jahren, als die öffentlich-rechtlichen Anstalten entstanden, fundamental verändert. Daher muss man darüber nachdenken, ob der Auftrag, der vor 60 Jahren in einer Zeit definiert wurde, in der man nicht ausreichend Sendekapazität hatte, so noch zutreffend ist. Dabei gilt es, das Gute zu behalten und das sich als Ballast Erweisende abzuwerfen.<br />
Das Zweite ist, wie sich Medien generell verändern. Wir haben die Diskussion darüber, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Onlinebereich darf, auch mit dem Drei-Stufen-Test, ausführlich geführt. Dahinter steckt natürlich die Erkenntnis, dass sich nicht nur die Übertragungswege und Plattformen der Medien verändert haben, sondern auch deren Inhalte. Das bedeutet wiederum, dass es eine ganz andere Adaption gibt und Rundfunk mit ganz anderen Angeboten in Konkurrenz tritt. Was sich an Videosammlungen oder sozialen Netzwerken im Internet befindet, ist für die Jugend hoch interessant. Bei Facebook beispielsweise machen Kinder und Jugendliche selbst Rundfunk. Dort werden realitätsnahe Nachrichten gepostet, die früher nur in den Nachrichtensendungen gekommen wären. Wir haben über Google, Facebook und Co. eine andere Medienstruktur und -Nutzung erhalten. Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ergibt sich deshalb eine veränderte Rolle. Außerdem existiert das duale System  auch in der digitalen Welt. Das heißt, die einen verdienen mit den Medienangeboten Geld, die anderen erhalten öffentlich-rechtliche Gebühren. Deshalb sollte man noch konsequenter als bisher die Bereiche, mit denen man Geld verdienen kann, den Privaten überlassen  und mit denen man kein Geld verdient, die aber dennoch für die Meinungspluralität erforderlich sind, den Öffentlich-Rechtlichen. Mit diesen Leitlinien habe ich einen Korridor, in dem ich mich bewegen möchte.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Lassen Sie uns konkret werden. Was ist aus Ihrer Sicht machbar? Die Zusammenlegung von Anstalten war im Gespräch&#8230;<br />
<strong>Johannes Beermann:</strong> Eine Zusammenlegung von Anstalten ist eine freiwillige Angelegenheit der einzelnen Länder und muss staatsvertraglich geregelt werden. Für mich ist die Rundfunkpolitik Ausdruck des Selbstverständnisses unseres Föderalismus. Wie und wo ein Bundesland wie viele Rundfunkhäuser betreibt, ist die Entscheidung des jeweiligen Bundeslandes. In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt haben wir eine Dreiländeranstalt gegründet. Das war aber allein die Entscheidung dieser drei Länder. Dass es durch Zusammenschlüsse Synergien geben könnte, darüber haben wir in der Arbeitsgruppe bereits gesprochen. Daher denke ich, dass es durchaus Möglichkeiten gibt, aber es liegt in der jeweiligen Entscheidung der einzelnen Länder. Etwas anderes ist es mit den Digitalkanälen, die wir vor einigen Jahren bevorratet haben, als die digitale Welt vor dem Entstehen stand. Ob wir diese alle noch in dem Umfang brauchen, kann man sich in der Tat fragen.</p>
<p style="text-align: justify;">promedia: Sehen Sie Möglichkeiten für eine engere Kooperation zwischen den Anstalten?<br />
<strong>Johannes Beermann:</strong>Das ist die kleine Schwester der Zusammenlegung von Sendern. Es wird teilweise bereits praktiziert, aber hier besteht noch viel Spielraum für weitere Überlegungen. Dass man das im Rahmen der Freiwilligkeit nach vorn treibt, sehe ich.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Wie sieht es mit einer engeren Arbeitsteilung zwischen ARD und ZDF aus?<br />
Beermann: Das ist eines meiner Lieblingsbeispiele.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Warum?<br />
<strong>Johannes Beermann:</strong> Nehmen wir die zahlreichen Königshochzeiten. Dass darüber fachmännisch und minuziös berichtet wird, mag kein Mensch bestreiten. Ob es allerdings wirtschaftlich sinnvoll und notwendig ist – schließlich berichten auch private Sender – dass ARD und ZDF, die ich nicht als Konkurrenten, sondern als Geschwister betrachte, mit Hunderten von Menschen und einer Sendeinfrastruktur, die parallel geschalten wird, darüber berichten müssen, habe ich meine Zweifel. Es gibt mehrere solcher Ereignisse, wie z.B. die Olympischen Spiele. Dass ARD und ZDF am 1. Januar das Neujahrskonzert zeitgleich ausgestrahlt haben, macht die Gebührenverschwendung mehr als deutlich. Wenn zwei Konzerte parallel laufen, kann der Gebührenzahler nur eines sehen und hören. Er bezahlt aber zwei Konzerte. Das kann nicht sein. Es bedarf, wie es eigentlich jetzt schon im Staatsvertrag angelegt ist, einer vernünftigen Abstimmung und Arbeitsteilung.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong>Es gibt überall Programmbeiräte. Dieses Thema müsste sich aus dem Selbstverständnis und der Aufgabe dieser Kontrollgremien ergeben. Dass Sie darauf hinweisen, ist verständlich, aber eigentlich bedarf es dabei doch nicht der Politik, um das zu verändern&#8230;<br />
<strong>Johannes Beermann:</strong>Ich wünsche mir durchaus, dass die Kontrollgremien diese Aufgabe außerhalb des Blickkreises ihrer Sender hinaus wahrnehmen. Sie haben Recht, normalerweise müssten die Gremien, eben weil es die kontrollierende Öffentlichkeit ist, sagen, dass man die Programme besser koordinieren soll. Da das von innen heraus aber nur begrenzt erfolgreich sein wird, ist es Aufgabe desjenigen, der den Rundfunkauftrag vergeben kann. Natürlich ist die Idee nicht neu. Mein Vorschlag ist es deshalb, im Rundfunkänderungsstaatsvertrag festzulegen, dass man sich abzustimmen hat. Diese Mehrfachbelastung ist für den Gebührenzahler unzumutbar.</p>
<p style="text-align: justify;">promedia: Sehen Sie die Notwendigkeit, die Kulturaufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu reduzieren, angefangen von Orchestern bis hin zu Beteiligungen an Ausstellungen und Festivals?<br />
<strong>Johannes Beermann:</strong>Dieses Thema muss man sehr differenziert betrachten, weil es die Aufgabe von Rundfunkanstalten im gesellschaftlichen Ganzen betrifft. Das ZDF hat beispielsweise in Dresden die Frauenkirche mit unterstützt und für seine Landesstudios bewusst Immobilien gewählt, die für die Stadt wertvoll waren. Das gehört zu einem gesellschaftspolitischen Auftrag, den die Rundfunkanstalten wahrnehmen und der, wie ich finde, zu jedem Unternehmen gehören. Dass ein großer Teil der Wahrnehmung der Kultur in Deutschland darauf beruht, was die Öffentlich-Rechtlichen senden, ist unbestreitbar. Vieles, was moderne Künstler leisten, was an darstellender  Kunst sowie in der Musik geboten wird, wäre nicht bekannt und würde sich nicht weiterentwickeln, wenn es die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten nicht gäbe. Ob wir das in dem Umfang, mit den vielen Spezialsendern und -Angeboten, die sich fast oder ausschließlich mit Kultur beschäftigen, brauchen, darüber müssen wir uns Gedanken machen. Ich habe auch Zweifel, ob es weiterhin die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sein kann, durch die Rundfunkabgabe Orchester und Chöre zu finanzieren. Als Beispiel wären wieder die Neujahrskonzerte zu nennen. Das Neujahrskonzert der ARD wurde nicht etwa von einem der zahlreichen und guten Rundfunksinfonieorchester der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bestritten, sondern von den Berliner Philharmonikern.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Aber aus Dresden kam die Übertragung des ZDF.<br />
<strong>Johannes Beermann:</strong>Das ist richtig, aber soweit ich weiß, besitzt das ZDF kein Sinfonieorchester. Das heißt, wenn schon eigene Orchester der Landesrundfunkanstalten existieren, sollte man auch auf eigene Ressourcen zurückzugreifen. Wenn wir in Sachsen von den 10 weltbesten Orchestern über zwei verfügen – das Gewandhausorchester in Leipzig und die Staatskapelle in Dresden – die sich beide aus Einnahmen durch Besucher, Tourneen oder Staatseinnahmen generieren, stelle ich mir die Frage, ob es erforderlich ist, dass auch der MDR ein eigenes Sinfonieorchester unterhält. Ich möchte nicht, dass wir von heute auf morgen allen Orchestern und Chören kündigen, sondern darüber nachdenken, wie wir einerseits die Hochkultur halten und andererseits dafür sorgen, dass die Finanzierung derartiger kulturell wichtiger Institutionen in ihrer jeweiligen Region auch ohne Rundfunkabgaben möglich ist. Wir muten derzeit sogar Behinderten zu, sich an der Rundfunkabgabe zu beteiligen. Das macht deutlich, dass es legitim ist, darüber zu diskutieren und es anzupacken.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Wo sehen Sie weitere Möglichkeiten, den Auftrag an die veränderten Bedingungen anzupassen?<br />
<strong>Johannes Beermann: </strong>Das betrifft erstens die technischen Bereiche. Wir haben das Prinzip, dass die Politik Leistungen bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten bestellt und der Gebührenzahler bezahlt. Ist es angesichts dessen immer richtig, dass wir z.B. die neuste HDTV-Technik beanspruchen oder immer Vorreiter bei technischen Innovationen sein müssen? Das betrifft zweitens auch moderne Managementformen, die vielfach bereits in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten angewendet werden, aber ausbaufähig sind. Drittens muss man überlegen, welche Aufgaben noch wahrgenommen werden müssen. Wir haben bereits über die Kultur gesprochen. Wir müssen aber auch über Sportübertragungen, vor allem von sehr kostenintensiven  Großereignissen, nachdenken. Macht es Sinn, dass die Öffentlich-Rechtlichen, wenn sich Private um Sportübertragungen bemühen und sehr gute Werbeträger sind, um jeden Preis für den Rechteerwerb mitbieten müssen? Es geht auch um Fragen der Unterhaltung. Die privaten Sender bieten ein sehr breites Unterhaltungsspektrum an. Dort einen Unterhaltungsauftrag zu definieren und zu sagen, was öffentlich-rechtliche Unterhaltung ist und was sie bieten muss, ist schwer. Man könnte ganz generell sagen, dass es ein anderes Niveau sein muss. Aber das ist eine subjektive und geschmäcklerische Bewertung, die der Politik nicht zusteht. Doch Überlegungen anzustellen, wie hoch der Anteil am Gesamtprogramm sein sollte, halte ich für legitim. Unbestritten ist, dass die Kernkompetenz der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten die Nachrichten sind. Es ist deshalb nicht hinnehmbar, dass öffentlich-rechtliche Nachrichtensendungen auf Dauer hinter den privaten Rundfunk zurückfallen.</p>
<p style="text-align: justify;">promedia: Sie meinen bei den Marktanteilen&#8230;<br />
<strong>Johannes Beermann: </strong>Ja, ich erwarte als Bürger z.B., dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten über ein weltweites Korrespondentennetz verfügen, um auch kritisch über das ein oder andere berichten zu können. Das ist existentiell. An dieser Stelle zeichnet sich öffentlich-rechtlicher Rundfunk aus und hier müssen wir mehr auf Qualität und Quote achten. Eine solche Information, die sehr teuer ist, kann ich von privaten Sendern nicht verlangen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Wenn Sie über Qualität reden, greifen Sie dann nicht in die Befugnisse der Rundfunkanstalten ein, wenn Sie sagen, was Unterhaltung ist und wie sie aussehen soll etc.?<br />
<strong>Johannes Beermann:</strong> In  §§11ff des Rundfunkstaatsvertrags sind bereits Wertungen, beispielsweise bezüglich der Unterhaltung enthalten. Ich schreibe nicht vor, wie Qualität zu sein hat. Ich schreibe auch nicht vor, was zu senden ist. Ich denke, dass es unabhängig vom Inhalt einen Common Sense gibt, der eine Unterscheidung zwischen dem, was öffentlich-rechtlicher Standard ist und was privatrechtlich angeboten werden darf, vornimmt. Bei den privaten Angeboten existieren ausschließlich verfassungsrechtliche, strafrechtliche und moralische Grenzen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der sich natürlich auch an diese Regeln halten muss, wird zusätzlich noch – wie es in der Verfassung steht – von den Parlamenten, den Regierungen kontrolliert, die seinen Auftrag definieren. Damit hat die Politik nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, den Anspruch zu formulieren, den die Menschen an einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk stellen können. Natürlich sind wir dabei in der Gefahr, einen Schritt zu weit zu gehen. Aber das Bundesverfassungsgericht hat uns den Rahmen vorgegeben und den sollten wir nicht nur einhalten sondern auch ausnutzen. Ich  bin zuversichtlich, dass wir eine vernünftige Diskussion in einem zulässigen Rahmen führen werden. Wir dürfen die Grenzen zu konkreten Forderungen bei einzelnen Sendungen oder Inhalten allerdings niemals überschreiten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Sparsamkeit und Sparen sind die eine Sache. Man könnte auch darüber nachdenken, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine Einnahmen erhöhen könnte. Monika Piel regte an, die Apps der ARD nicht mehr kostenlos anzubieten. Was halten Sie davon?<br />
<strong>Johannes Beermann:</strong> Ja, man muss versuchen, an der Einnahmeschraube zu drehen, aber sollte dabei die Schraube nicht verbiegen. Über dieses Thema sprechen wir auch in der Rundfunkkommission. Hier sehe ich aber vor allem die klassischen Eigenproduktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Ein berühmtes Beispiel ist „Derrick“ , eine Produktion die sich nachgewiesenermaßen auch anderswo gut vermarkten läßt. Wir sollten nicht päpstlicher sein als der Papst, sondern gerade in Zeiten von Youtube dafür sorgen, dass man so etwas weiter verwerten kann.</p>
<p style="text-align: justify;">promedia: Das ähnelt dem Modell, bei dem das ZDF mit der Produzentenallianz eigenproduzierte Formate gegen Bezahlung als Video On Demand angeboten werden sollen.<br />
<strong>Johannes Beermann: </strong>Zum Beispiel. Man kann aber auch Fremdproduktionen mit einstellen. Eine andere Frage ist aber, in wie weit der öffentlich-rechtliche Rundfunk digitale Angebote wie Apps kostenpflichtig vermarkten sollte und sich diese Inhalte somit zweimal bezahlen lässt. Denn die „Tagesschau“ z.B. ist durch die Rundfunkabgabe bereits bezahlt. Zudem stellt sich die Frage, warum die Öffentlich-Rechtlichen in einem Bereich, wo entsprechend die Privaten einen ganz anderen Antrieb haben, weil sie Geld verdienen müssen, neue Angebote entwickeln müssen. Das halte ich persönlich für falsch und sehe es als sehr kritisch, denn das geht auch aus ordnungspolitischen Gründen nicht.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Das bedeutet, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk auf bestimmte Inhalte, mit denen die privaten Medien Geschäftsmodelle entwickeln, verzichten sollte? Nicht „Tagesschau“- App gegen Bezahlung, sondern keine „Tagesschau“- App&#8230;<br />
<strong>Johannes Beermann:</strong> Nein, gegen eine kostenlose „Tagesschau- im-Internet“ habe ich keine grundlegenden Bedenken. Wir wollen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht von den technischen Möglichkeiten abkoppeln. Diese Möglichkeiten sollten ausgeschöpft werden, auch um jüngere Zuschauer zu erreichen. Die Frage ist nur, ob man es zu einem Produkt macht, dass auch in seiner Ausformung in direkter Konkurrenz zu anderen privaten Produkten steht. Es geht hier nicht um die Entwicklung von Geschäftsmodellen, sondern um eine, den technischen Möglichkeiten entsprechende, differenzierte Verbreitung öffentlich-rechtlicher Inhalte.  Entwicklung von Geschäftsmodellen ist nicht Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Wie bekommt man bei dem Streit zwischen den Printverlegern und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk „die Kuh endlich vom Eis“?<br />
<strong>Johannes Beermann:</strong> Dieser Markt ist in Bewegung. Auch einige private Medienanbieter haben den Start verschlafen, das darf man aber nicht den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten anlasten, sondern muss sich an die eigene Managernase fassen. Auf der anderen Seite müssen wir gerade im Onlinebereich, wo sich die verschiedenen Medien treffen, die Bereiche genau abgrenzen und überlegen, welche den Privaten zugeordnet werden müssen, weil sie damit Geld verdienen und auf welchen Online-Feldern die Öffentlich-Rechtlichen aktiv werden können, weil sie sonst ihre Zuschauer oder Hörer nicht mehr erreichen können, was sie verkümmern lassen und der Rundfunkabgabe die Legitimität nehmen würde. An dieser Stelle muss der konstruktive Dialog weitergehen. Die Drei-Stufen-Tests, bei denen sehr viel Sachverstand angesammelt wurde, liegen erst wenige Monate zurück. Wir sind dabei, aus der Nutzung der öffentlichen-rechtlichen Angebote und den neuen Entwicklungen mit Paid-Content, vor allem im mobilen Bereich, Erfahrungen zu sammeln. Unter Umständen werden wir den 13. RÄStV noch einmal nachjustieren. Deswegen bleibe ich gern im Gespräch mit den Verlegern und den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, aufgrund derer eine faire Verständigung zu Stande kommen sollte. Ich bin auch hier Optimist.</p>
<p><strong>Artikel in der promedia 2/2011<br />
</strong>Weitere Informationen: <a onclick="_gaq.push(['_trackEvent','outbound-article','www.promedia-berlin.de']);" href="http://www.promedia-berlin.de/">promedia</a></p>
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		</item>
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		<title>Im digitalen Zeitalter wird die Zweitverwertung immer wichtiger. Dr. Christoph Palmer, Geschäftsführer Allianz Deutscher Produzenten im Gespräch mit promedia</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Nov 2010 09:00:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Promedia das medienpolitische Magazin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Allianz Deutscher Produzenten]]></category>
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		<description><![CDATA[Mit Vereinbarungen über fortgesetzte und erweiterte Erlösbeteiligungen, verbesserten Zah­lungsbe­dingungen und Erleichterungen bei der Bürgschaftsstellung für die Pro­du­zen­ten sowie der Anerkennung neuer Berufsbilder haben sich das ZDF und die Allianz Deutscher Produzenten auf „Eckpunkte der vertraglichen Zusammenarbeit bei Auftragsproduktionen“ verständigt.  Zu den Eckpunkten der Einigung gehören Fortsetzung und Ausbau der Erlösbeteiligung der Produzenten bei vom Sender [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Mit Vereinbarungen über fortgesetzte und erweiterte Erlösbeteiligungen, verbesserten Zah­lungsbe­dingungen und Erleichterungen bei der Bürgschaftsstellung für die Pro­du­zen­ten sowie der Anerkennung neuer Berufsbilder haben sich das ZDF und die Allianz Deutscher Produzenten auf „Eckpunkte der vertraglichen Zusammenarbeit bei Auftragsproduktionen“ verständigt.  Zu den Eckpunkten der Einigung gehören Fortsetzung und Ausbau der Erlösbeteiligung der Produzenten bei vom Sender voll finanzierten Auf­trags­produktionen. Diese Beteiligung an kommerziellen Verwertungen prak­ti­ziert das ZDF bereits seit den 70er Jahren. Für die Rechteverwertung hat sich das ZDF grundsätzlich bereit erklärt, im Einzelfall Sonder­regelungen zuzustimmen. Beide Seiten erklärten ihre Absicht zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit bei der kommerziellen Video-on-Demand-Verwertung. Diesbezüglich sollen die Rahmenbedingungen für den Aufbau und Betrieb einer ge­mein­samen Plattform für die kommerzielle Abruf-Verwertung (Video on Demand) von Auftragsproduktionen sehr schnell geprüft werden. „Nach meinem Kenntnisstand hat ZDF Enterprises bereits einen Antrag beim ZDF-Verwaltungsrat für die Gestattung eines entsprechenden Geschäftsmodells durch das Gremium gebracht. Die Grundentscheidung beim ZDF scheint also gefallen zu sein“, so der Geschäftsführer der Produzentenallianz Christoph Palmer in einem promedia-Gespräch.</strong></p>
<div id="attachment_2949" class="wp-caption alignleft" style="width: 159px"><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/11/Dr_Christoph_Palmer.jpg"><img class="size-medium wp-image-2949" title="Dr_Christoph_Palmer" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/11/Dr_Christoph_Palmer-222x300.jpg" alt="Dr. Christoph Palmer" width="149" height="203" /></a><p class="wp-caption-text">Dr. Christoph Palmer</p></div>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Herr Palmer, Sie haben eine Vereinbarung, mit der ARD vor einem Jahr und jetzt mit dem ZDF, zu verbesserten Terms of Trade erreicht. Die Vereinbarungen mit den privaten Sendern stehen noch aus. Ist das Glas halb voll oder halb leer?<br />
<strong>Christoph Palmer:</strong> Die Allianz existiert erst zweieinhalb Jahre. In dieser kurzen Zeit hat sie versucht, die ganze Branche abzubilden. Das Vorhaben ist insoweit gelungen, als jetzt mittlerweile 200 Unternehmen aller Genres ihr beigetreten sind. Erst diese hohe Repräsentanz in der Branche gibt uns den Rückhalt, die Interessen der Produktionswirtschaft gegenüber Sendern, Förderern, Politik, aber auch bei Tarifverhandlungen, gegenüber Mitarbeitern und nicht zuletzt der Öffentlichkeit zu vertreten. In kurzer Zeit ist es gelungen, nach der ARD nun auch mit dem ZDF ein Grundlagenpapier zu verabreden, das in dieser umfassenden Form in der Geschichte der Auftragsproduktion noch nicht da war. Deshalb kann man mit Fug und Recht sagen, dass das Glas nicht nur halb voll ist, sondern bereits mindestens zu zwei Dritteln gefüllt ist.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Was halten Sie für das wichtigste Ergebnis dieser Vereinbarung mit dem ZDF?<strong><br />
Christoph Palmer:</strong> Ich will nicht priorisieren, was das Wichtigste ist, weil nach Größe der Firma oder nach Genre unterschiedliche <span id="more-2947"></span>Aspekte im Vordergrund stehen. Für ein kleines Produktionsunternehmen sind die  Vereinbarungen über schnellere Zahlungsziele oder die Verdoppelung der Bürgschaftsbeträge relevanter als für größere Unternehmen. Für Letztere könnte interessanter sein, dass wir flexible Rechteabgeltung durch Mitfinanzierung gefunden haben. Eine Hierarchie des Erfolgs aufzustellen, würde dem Charakter des Papiers widersprechen. Wir haben versucht, die Konditionen der Zusammenarbeit nach dem Beispiel der ARD zu regeln und sind im Gesamtvorstand der Allianz der Auffassung, dass wir in der Substanz vergleichbar wie mit der ARD abgeschlossen haben. Die Papiere unterscheiden sich, weil wir es nicht mit einem monolithischen Block des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu tun haben, sondern es sich um zwei unterschiedliche Sendergruppen auch mit unterschiedlichen Abspielmöglichkeiten und deshalb spezifischen Erfordernissen handelt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Ein Kernpunkt der Gespräche mit dem ZDF war die Beteiligung an der Zweitverwertung. Welche Bedeutung hat dieser Aspekt heute für die TV-Produzenten?<strong><br />
Christoph Palmer:</strong> Das Eckpunktepapier mit dem ZDF hält, wie das bei der ARD, an fairen und ausgewogenen Vertragsbedingungen für die vollfinanzierte Auftragsproduktion fest, die im TV-Bereich auch in Zukunft die Regel sein werden. Im digitalen Zeitalter wird die Zweitverwertung durch die unterschiedlichen Nutzungsformen immer wichtiger, weshalb die Vertragsbedingungen darauf abgestimmt werden müssen. Aus diesem Grund haben wir mit der Hamburg Media School das Forschungs- und Kompetenzzentrum für audiovisuelle Produktion als Think Tank der deutschen Produzenten auf den Weg gebracht, das auch eine neue Produzentenstudie erarbeiten soll, die die Bedeutung und den Anteil der Zweitverwertung in einer statistisch einwandfreien Form ermitteln soll.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Sie hatten sich beim Anteil an der Zweitverwertung mit der ARD auf einen anderen Schlüssel geeinigt als jetzt beim Abkommen mit dem ZDF. Warum dieser Unterschied?<strong><br />
Christoph Palmer:</strong> Zwei unterschiedliche Modelle können attraktiv sein, weil man differenzierte Erfahrungen damit sammelt und Alternativen entwickelt. Das Modell beim ZDF, mit 16 Prozent vom Bruttoerlös, könnte auf Grund der verschiedenen Abzüge, Vertriebskosten, (Verwaltungs-) Pauschale, oder Synchronisationsabzüge, die bei „Netto“ anfallen,  für einen Großteil der Produzenten sogar interessanter sein, als das auf den ersten Blick attraktiver erscheinende 50:50-Netto-Modell mit der ARD. Bei Brutto gehen wir davon aus, dass von vornherein mehr Produktionen in den Verteilerschlüssel gelangen, als es bisher bei Netto der Fall war. Deshalb haben wir Mischkalkulationen über die Genres und die Produktionsformen, ob es eine Serie, Daily oder ein Einzelstück ist, angestellt. Wir kamen dabei zu dem Ergebnis, dass Brutto attraktiv sein könnte. Ich formuliere im Konjunktiv, weil wir ausdrücklich in diesem Papier, obwohl es insgesamt auf vier Jahre angelegt ist, uns das Thema Brutto-Kosten-Modell im Detail nach zwei Jahren anschauen und sehen wollen, ob die Erwartungen in Erfüllung gegangen sind.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Warum ist es für das ZDF attraktiv, wenn bei den Produzenten mehr durch den Brutto-Bezug ankommt?<strong><br />
Christoph Palmer:</strong> Einfach deshalb, weil man mittlerweile Heerscharen von Mitarbeitern in der Abrechnung der Produktionen einsetzen muss. Durch den Abzug gleich vom Brutto entfallen aufwändige Einzelprüfungen sowie -abrechnungen und das ZDF verspricht sich einen Einsparungseffekt im eigenen Haus durch die Vereinfachung der Abzugsmodi. Das ist die Win-Win-Situation, die nach unserer Prognose für beide Seiten bei diesem Modell entstehen könnte. Bei der ARD gab es früher keine Erlösbeteiligung. Dort ist man erst mit dem Eckpunkte-Papier, das wir im Dezember 2009 miteinander geschlossen haben, in die Erlösbeteiligung eingestiegen. Dieses Erlösbeteiligungsmodell mit der ARD, wollen wir jetzt für die Laufzeit mit der 50 -Prozent-Netto-Abrechnungspraxis fortsetzen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Wie ist jetzt die Regelung für die Onlineverwertung mit dem ZDF?<strong><br />
Christoph Palmer:</strong> Das ZDF und die Produzentenallianz sind in einer vertieften Marktbeobachtung zu dem Ergebnis gekommen, dass in der Onlineverwertung von Produktionen sehr viel Zukunft und wirtschaftliches Potenzial liegt. Wir glauben, dass die Plattformen in den nächsten Monaten förmlich explodieren und dass sich auch die Zugriffe stark entwickeln werden. Der Markt ist hier sehr schnell in Bewegung und da die Vereinbarung mit dem ZDF zehn Monate nach der mit der ARD abgeschlossen worden ist, konnten wir in diesem Punkt schon konkreter sein. Unter Zustimmung der zuständigen Gremien werden ZDF und die Allianz den Aufbau und Betrieb einer gemeinsamen Plattform für die kommerzielle On-Demand-Verwertung der Auftragsproduktionen prüfen und zwar partnerschaftlich in einer gemeinsam zu gründenden Gesellschaft mit ZDF Enterprises, in die die nicht-exklusiven, kommerziellen On-Demand-Rechte eingebracht würden. Beide Seiten sind offen für weitere Partnerschaften, insbesondere für die ARD, aber auch für andere.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Wie schnell kann diese Idee umgesetzt werden?<strong><br />
Christoph Palmer: </strong>Wir werden die Gespräche über die Gründung einer solchen Plattform zeitnah aufnehmen, die Gespräche mit hoher Entschlossenheit und auf der Basis der vertieften Markterkundung miteinander führen und dann rasch entscheiden. Wenn die gemeinsame Plattform nicht zustande kommt, werden wir über die Erlösbeteiligung bei kommerzieller VoD-Auswertung kurzfristig neu verhandeln. Zunächst wird unser ganzes Augenmerk darauf liegen, dass wir versuchen, eine solche VoD-Plattform auf den Weg zu bringen, weil wir darin eben großes Potenzial sehen. Die Erlöse aus einer solchen gemeinsamen Plattform würden entsprechend geteilt. Da müssen wir uns aber die Geschäftsmodelle im Einzelfall anschauen. Die EU-Kommission hat den kommerziellen Töchtern des ZDFs ausdrücklich solche Aktivitäten gestattet. Selbstverständlich könnten wir uns als Produzentenallianz mit einem Joint Venture für ein solches Modell interessieren. Die entsprechenden rechtlichen,  auch kartellrechtlichen, Prüfungen werden vorgenommen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Ist die Anbindung an ZDF Enterprises sicher? Denn selbst bei der kommerziellen Tätigkeit von Töchtern von ARD oder ZDF tauchten in der Vergangenheit immer Bedenken der Quersubventionierung auf. Wäre es nicht besser, eine neutrale GmbH zu bilden?<strong><br />
Christoph Palmer:</strong> Nach meinem Kenntnisstand hat ZDF Enterprises bereits einen Antrag beim ZDF-Verwaltungsrat für die Gestattung eines entsprechenden Geschäftsmodells durch das Gremium gebracht. Die Grundentscheidung beim ZDF scheint also gefallen zu sein.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Das heißt, aus Ihrer Sicht betrachtet ist das Entscheidende, dass so eine gemeinsame Gesellschaft mit dem ZDF überhaupt zustande kommt, bei der Sie auf gleicher Augenhöhe über die Gewinne entscheiden können?<br />
<strong>Christoph Palmer:</strong> Wir sehen große Chancen in diesem Markt. Neben einem besseren, effizienteren Auslandsvertrieb sehen wir besonders hohe Potenziale bei VoD für zusätzliche Erlösquellen. Wir haben uns noch nicht endgültig entschieden, zwingend in eine solche Plattform gesellschaftsrechtlich hineinzugehen, aber wir sind der Meinung, dass in diesem Bereich Verwertungserträge von erheblichem Umfang liegen können. Deshalb werden wir dieses Thema verantwortungsbewusst, rasch und gründlich prüfen mit dem Ziel in eine solche Gesellschaft zu gehen, wenn das Modell trägt und die Prognosen belastbar sind.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Hängt damit auch die Frage des Rechterückfalls zusammen, der anders als bei der ARD beim ZDF-Abkommen nicht als Automatismus geklärt ist? Wollen Sie hier erst einmal abwarten, ob eine gemeinsame Vermarktungsplattform zustande kommt?<strong><br />
Christoph Palmer:</strong> Nein. Wir sind beim Rechterückfall zu einem etwas anderen Modell als mit der ARD gekommen, weil wir mit der ARD vereinbart haben, dass wir rückwirkend auf den 1. März 2008 nach fünf Jahren ab Frühjahr 2013 den Rechterückfall erproben – aber nicht als Automatismus, sondern auf Antrag des Produzenten, wenn er Nutzungs- bzw. Verwertungschancen sieht. Dann haben wir uns einen Evaluierungszeitraum für das restliche Jahr 2013 genommen, weil zum Ende 2013 die Vereinbarung mit der ARD ausläuft. Wir werden also ungefähr acht Monate Zeit haben zu analysieren, ob die Produzenten diese Klausel, die Ihnen ermöglicht Rechte zurückzufordern, nutzen und damit etwas anfangen können. Anfang 2014 läuft dann auch die ZDF-Vereinbarung aus, so dass wir dann in der Lage sind, mit beiden Partnern ARD und ZDF im Lichte der Erfahrungen, die wir mit der ARD getroffen haben, die Frage des Rechterückfalls als zentrales Thema für die zukünftige Strategie neu zu diskutieren. Wir haben also an der Stelle nichts vergeben, was wir jetzt zwingend haben müssten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Inwieweit könnte sich Ihre Vereinbarung mit dem ZDF auf die Rundfunkgebühren auswirken?<strong><br />
Christoph Palmer:</strong> Einen direkten Zusammenhang mit den Rundfunkgebühren wird man nicht konstatieren können. Allerdings ist es unser Anliegen, die Produktionsetats in den Anstalten gut ausgestattet zu sehen. Was ist die Software des öffentlich-rechtlichen Programms in Deutschland? Es sind abwechslungsreiche, kreative und attraktive Programme. Die sollen vor allem vergeben, fremdproduziert werden. Deshalb ist es ein Irrweg in den Produktionsetats zu sparen.<br />
Wenn die Produktionsetats hoch sind, hat das Auswirkungen auf die Rundfunkgebühr – aber nicht automatisch. Im Augenblick bringt die Vereinbarung mit dem ZDF, die sogar schon rückwirkend zum 1. März 2010 greift, nicht per se eine Ausweitung der Produktionsetats, sondern in der einzelnen Produktion eine Verbesserung. Unser Ziel ist es aber natürlich, die Produktion gegenüber den anderen Ausgabeblöcken, zu stärken. Und wenn solche Vereinbarungen dann auch dazu beitragen, dass das Programm gut bleibt, manchmal sogar noch besser wird, könnte das mittelbar die Politik beeindrucken und zu dem Ergebnis führen, dass eine höhere Rundfunkgebühr gerechtfertigt ist. Wir glauben, dass auch im neuen haushaltsbezogenen Modell der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine Bestands- und Entwicklungsgarantie haben und gutes Programm machen können muss. Deshalb sind wir, was die zukünftige Höhe der Rundfunkgebühr anbelangt, offen und halten nichts von einer Festschreibung auf die gegenwärtige Höhe der Gebühren von 17,98 Euro auch für die Zukunft.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Spielte die Frage, dass eine Tendenz besteht, auch beim ZDF die Budgets für einzelne Produktionen zu verringern, in den Gesprächen eine Rolle?<strong><br />
Christoph Palmer:</strong> Diese Frage spielte in den Gesprächen keine Rolle, weil wir nirgendwo in den Papieren vereinbart haben, dass der „Tatort“ beispielsweise 1,3 Millionen Euro kostet und das abendfüllende Movie von 90 Minuten 1,6 Millionen Euro. Es sollen die realistischen Kosten abgebildet werden. Mit den Papieren mit ARD und ZDF sorgen wir für mehr Haushaltsklarheit und -wahrheit. Wo ein Gap entsteht zwischen den tatsächlichen Kosten und der Finanzierung in der vollfinanzierten Auftragsproduktion, soll dieses in Zukunft durch Rechte für den Produzenten abgegolten werden und es sollen auch ausdrücklich Mitfinanzierungsmöglichkeiten bestehen. Wir haben zu einem früheren Zeitpunkt mit dem ZDF über die Frage der „Ein-Millionen-Euro-Movies“, also von Stücken, die reduzierte Produktionskosten haben, gesprochen. Da wurde uns versichert, dass, wenn es im Einzelfall zu solchen Produktionsvolumina kommt, diese bei den Drehtagen, der Ausstattung und den Anforderungen voll berücksichtigt werden. Es könne nicht davon die Rede sein, dass der gleiche Aufwand für die Einzelfall-bezogenen Einzelproduktionen im Gegenwert von einer Million Euro erforderlich ist.<br />
<strong><br />
promedia:</strong> Sie sprachen davon, dass eine erste Stufe der Vereinbarung erreicht worden ist. Was muss in der zweiten Stufe folgen?<br />
<strong>Christoph Palmer:</strong> Wir haben eine durchgreifende, in der Geschichte der Auftragsproduktion noch nicht dagewesene umfassende Verbesserung aller Rahmenbedingungen, aber im bestehenden System, erreicht. In der zweiten Stufe, die aber nicht in der Laufzeit des Vertrages aufgerufen wird, geht es um den grundsätzlichen Paradigmenwechsel. Hier müssen wir diskutieren, ob es bei der vollfinanzierten Auftragsproduktion bleibt, ob diese im digitalen Zeitalter noch realistisch ist, oder es nicht darum geht, die Entstehungskosten zwar zu ermitteln und zu finanzieren, aber dann den Verkehrswert der Produktion dem Marktgeschehen zu überlassen. Bei einem solchen Paradigmenwechsel könnten zum Beispiel die Rechte nach drei Ausstrahlungen an den Produzenten zurückgegeben werden, nach einer ersten Ausstrahlung und zwei Wiederholungssaustrahlungen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Wann rechnen Sie mit einer Einigung mit den privaten Sendern?<strong><br />
Christoph Palmer:</strong> Jetzt haben wir mit dem ZDF abgeschlossen. Es wird im Geschäftsgang noch manches konkretisiert und exakter definiert werden müssen. Damit werden wir bis Jahresende gut beschäftigt sein. Das Jahr 2011 wird im Zeichen der Gespräche mit den privaten Rundfunkveranstaltern stehen. Aber da will ich mich genauso wenig unter Zeitdruck setzen lassen wie mit dem ZDF. Am Ende zählt das gute Ergebnis.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Dr. Christoph Palmer, Geschäftsführer Allianz Deutscher Produzenten</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Über Dr. Christoph Palmer</strong></p>
<ul>
<li>Geboren: 1962</li>
<li>Studium Geistes- und Sozialwissenschaften</li>
<li>1994 &#8211; 1996 Professor für Politikwissenschaft</li>
<li>1996 &#8211; 1998 Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Baden-Württemberg</li>
<li>1996 &#8211; 2008 Aufsichtsratsvorsitzender der Filmakademie Baden-Württemberg</li>
<li>1998 &#8211; 2004 Staats- und Europaminister</li>
<li>Seit 2005 selbständiger Unternehmensberater</li>
<li>Seit 2008 Vorsitzender der Geschäftsführung der Produzentenallianz</li>
</ul>
<p>Weitere Informationen: <a href="http://www.promedia-berlin.de/">promedia</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>promedia-Interview mit Andreas Bartl: Sat.1 ist ‚der dritte Weg’ zwischen ProSieben und RTL</title>
		<link>http://www.goldmedia.com/blog/2010/08/promedia-interview-mit-andreas-bartl-sat-1-ist-%e2%80%9ader-dritte-weg%e2%80%99-zwischen-prosieben-und-rtl/</link>
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		<pubDate>Mon, 16 Aug 2010 09:00:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Katrin Penzel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Interview mit Andreas Bartl, Geschäftsführer ProSiebenSat.1-Deutschland GmbH, promedia Heft 8/2010

Menschlich, sympathisch, familienfreundlich, hochwertig – und relevant: so will sich SAT.1 in der neuen TV-Saison präsentieren. Sein neues Programmen soll sich nach den Worten seines Geschäftsführers Andreas Bartl „an den Interessen, Träumen und Lebenswelten unserer Zuschauer“ orientieren.  SAT.1 soll  „Fernsehen mit Herz und Verstand“ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Interview mit Andreas Bartl, Geschäftsführer ProSiebenSat.1-Deutschland GmbH, promedia Heft 8/2010<br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Menschlich, sympathisch, familienfreundlich, hochwertig – und relevant: so will sich SAT.1 in der neuen TV-Saison präsentieren. Sein neues Programmen soll sich nach den Worten seines Geschäftsführers Andreas Bartl „an den Interessen, Träumen und Lebenswelten unserer Zuschauer“ orientieren.  SAT.1 soll  „Fernsehen mit Herz und Verstand“  für die Kernzielgruppe der 30- bis 59-Jährigen sein.</strong><br />
<strong>Zu den Programm-High-lights gehören bei Sat.1. wieder TV-Events wie die „Die Wanderhure“ mit Alexandra Neldel ,. „Die Frau des Schläfers“ mit Yvonne Catterfeld und „247 Tage“ mit Veronica Ferres sowie der Vierteiler „Die Säulen der Erde“ nach dem Bestseller von Ken Folletts.Die neuen Serien„Danni Lowinski“ und „Der letzte Bulle“ erzielen Top-Quoten, die beiden Hauptdarsteller Annette Frier und Henning Baum stehen bereits ab Sommer für die jeweils zweite Staffel vor der Kamera. Jeanette Biedermann kehrt zu „Anna und die Liebe“ zurück. Ab Spätherbst 2010 ist die Schauspielerin und Sängerin wieder in der erfolgreichen SAT.1- Telenovela zu sehen. Mit „Hand aufs Herz“ startet eine neue täglichen Serie am Vorabend. Ab Herbst 2010 kämpfen u.a. Vanessa Jung, Caroline Maria Frier und Oli Petszokat an der Kölner Pestalozzi-Gesamtschule um die große Liebe und die Erfüllung ihrer Träume und Sehnsüchte.</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<div id="attachment_2563" class="wp-caption alignleft" style="width: 249px"><strong><strong><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/08/Jörg-Bartl.jpg"><img class="size-full wp-image-2563" title="Andreas Bartl" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/08/Jörg-Bartl.jpg" alt="" width="239" height="325" /></a></strong></strong><p class="wp-caption-text">Andreas Bartl, GF ProSiebenSat.1</p></div>
<p><strong>promedia</strong>: Herr Bartl, in den letzten Monaten haben sich die Marktanteile und Reichweiten ihre Sendergruppe im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Was ist das Erfolgsgeheimnis dieses relativ stetigen Anstieges?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Der Grundstein liegt in der neuen Organisation der deutschen TV-Gruppe. Wir arbeiten jetzt zentral und senderübergreifend, das heißt, wir haben alle Bereiche zusammengelegt. Die Mitarbeiter, die besondere Fähigkeiten in einer bestimmten Disziplin haben, arbeiten jetzt nicht nur für einen, sondern für mehrere Sender. Das hat sich bewährt, weil wir durch eine bessere Koordination und Abstimmung sowohl unserer Sendermarken als auch der Programmstrategien und Programmplanungen zu diesem Ergebnis kommen. Die Sender waren noch nie so gut aufeinander abgestimmt wie jetzt. Das ist für mich das Erfolgsgeheimnis, neben einem brillanten Team, das einen sehr guten Job macht und konzentriert arbeitet – egal, wie die Umstände sind. Wir sind deshalb relativ gut aus dieser Wirtschaftskrise herausgekommen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Ich habe den Eindruck, dass dazu eine Portion mehr an Mut kommt, auch Neues auszuprobieren?</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Andreas Bartl</strong>: Die Entwicklung trifft auf alle unsere Sender zu, aber vor allem auf Sat.1, weil der Sender neue, eigenständige Wege gehen musste, um sich weiterzuentwickeln. Das, was Sat.1 früher ausgezeichnet hat, waren die erfolgreichen Eigenproduktionen. Wir wollen deshalb an die Zeiten anknüpfen, in denen Sat.1 Innovationsführer im deutschen Fernsehen mit Deutscher Fiction und Innovationen wie der „Schillerstraße“ oder „Genial daneben“ war.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Das ist doch aber nicht so einfach. Die Mediennutzung hat sich inzwischen weiterentwickelt. Wie schafft man das?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Sicher, es bedarf schon vieler Ideen und Kreativität, aber es ist interessant und macht Spaß. Wir haben ein begeistertes Team, das über einiges an Erfahrungen verfügt. Über die Jahre ist dieses Know-how stetig gewachsen und man hat schon viele Situationen gemeinsam gemeistert. Das Entscheidende ist, dass man ein Verständnis dafür entwickelt, wofür eine Sendermarke steht und wofür eine Sendermarke stehen soll. Bei Sat.1 haben wir uns vorgenommen, nur noch Programme zu machen, die originär, also keine Nachahmer-Programme sind. Wir blicken nicht mehr zu RTL und ProSieben, sondern gehen unseren eigenen Weg.<span id="more-2559"></span></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Spielt dabei auch eine Rolle, was der Zuschauer vom Sender erwartet?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Natürlich. Die Studien, die wir die letzten Jahre zur Marke Sat.1 durchgeführt haben, ergeben ein aussagekräftiges Bild, wie diese Marke wahrgenommen wird und welche Programme dafür stehen. Deshalb wollen wir den Sender so positionieren, wie der Zuschauer Sat.1 wahrnimmt und zwar positiv. Sat.1 ist „der dritte Weg“ zwischen ProSieben und RTL: ProSieben ist ein Sender für die Jungen, die 14- bis 39-Jährigen, während RTL – in aller Ehrerbietung der tollen Leistung des Senders – an der einen oder anderen Stelle zu „laut“ ist. Sat.1 ist hingegen ein Sender, bei dem Fernsehen ein positives Erlebnis ist, Markenwerte gebildet hat, an die wir anknüpfen wollen: familienfreundlich, menschlich, hochwertig, relevant. Die DNA von Sat.1 ist sehr gut, wir müssen sie nur wieder freilegen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Ist es nicht erstaunlich, wie der Zuschauer diese Werte verinnerlicht hat und, obwohl es viele Veränderungen bei Sat.1 in den letzten Jahren gegeben hat, sich heute dieses Sat.1 wieder wünscht?</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Andreas Bartl</strong>: Das ist in der Tat erstaunlich. Wie nachhaltig diese Einschätzungen und Überzeugungen beim Zuschauer sind, ist für uns ein Glücksfall. Aber es ist tatsächlich so: Die Wahrnehmung des Zuschauers im Bezug auf die Sendermarken weist eine gewisse Trägheit in ihrer Entwicklung auf, d.h. die Sender entwickeln sich schneller als es die Zuschauer wahrnehmen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Man hörte in den letzten Monaten weniger, dass Ihre Gruppe sparen muss. Ist das nur eine Frage der Wahrnehmung oder hat sich die Rentabilität der Gruppe insgesamt verbessert?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Es ist zum Teil der wirtschaftlichen Situation des konjunkturellen Aufschwungs geschuldet. Bei uns geht es darum, dass wir die Krise als Chance nutzen und eine nachhaltige Effizienz schaffen. Man kann immer kurzfristig sparen, aber wichtiger ist, sich nachhaltig anders aufzustellen. Das haben wir getan und deshalb müssen wir jetzt nicht weitersparen, sondern das Level halten. Der Aufschwung ist noch so frisch, dass wir noch nicht wissen, wie nachhaltig die Erholung sein wird, aber wir sind kontrolliert optimistisch.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Heißt das, trotzdem prophylaktisch an bestimmten Stellschrauben weiterzudrehen, um Programmgelder einzusparen?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Wir haben bei Sat.1 viele neue Formate initiiert. Das heißt, wir haben einiges in Programme investiert, aber wir drehen nicht mit dem großen Schraubenschlüssel die Ventile wieder auf, denn das wäre wirtschaftlich nicht ratsam. Wir drehen sie aber auch nicht weiter zu.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Die Kooperation von ProSieben mit der ARD hat nicht nur für hohe Zuschauerzahlen, sondern auch für Schlagzeilen in den Medien gesorgt. Was haben Sie denn aus dieser Kooperation für Ihre Sendergruppe gelernt?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Es ist ein Lernprozess, wenn man ein gemeinsames Verständnis entwickelt hat, dass man etwas nur gemeinsam erreichen kann. Das war in dem Fall so: ProSieben hatte den Star, der so etwas machen kann, nämlich Stefan Raab, und die ARD hatte das Format, den Eurovision Contest. Und es zeigt sich einmal mehr, dass Stefan Raab sehr gute Ideen hat und der innovativste Programmmacher in Deutschland ist.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Sehen Sie auch die Möglichkeit weiterer Kooperationen mit öffentlich-rechtlichen Sendern oder wird das eine Ausnahme sein?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Wir wollen im nächsten Jahr die Titelverteidigung von Lena wieder gemeinsam bewältigen. Ob sich darüber hinaus etwas ergibt, will ich nicht ausschließen, aber es gibt noch keine konkreten Pläne. Wir sind flexibel und auch in der Lage, aus dem eigenen Privatfernsehlager wegzudenken und umgekehrt hat es die ARD bewiesen. Falls sich noch einmal eine sinnvolle Kooperation mit der ARD ergeben sollte, würde ich nicht nein sagen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Was wird aus ProSieben, wenn Stefan Raab dem Beispiel von Günther Jauch folgt und zur ARD abwandert?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Ich will es nicht hoffen, dass er zur ARD abwandert! Es gibt keine Alternative zu Stefan Raab. Er ist einzigartig, er ist der Entertainer für diese Mediengeneration.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Sat.1 hat in den vergangenen Jahren ein wechselhaftes Verhältnis zum Sport gehabt, während RTL mit den Berichten zur Fußball-WM gute Einschaltquoten erzielt hat. Sind Sie nicht etwas neidisch, dass dieser Happen an die Konkurrenz gegangen ist?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Nein, ich bin nicht neidisch. Ich gönne unseren Wettbewerbern den Erfolg. „Man kann nicht alle Bälle halten“, sagte der berühmte Torwart Jean-Marie Pfaff. Wir haben mir der UEFA Champions League und der UEFA Europa League das größte europäische TV-Fußballpaket erworben, mit dem wir den besten europäischen Fußball für die ganze Saison zeigen. Das ist der Weg, den wir gewählt haben – RTL hat die WM-Rechte gekauft und insofern stand die WM für uns nicht mehr zur Debatte.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Werden Sie insgesamt Ihr Sportengagement ausbauen?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Ja. Wir haben bei Sat.1 im Frühjahr wieder einen Versuch im Boxen unternommen. Dieses Experiment war erfolgreich. Deshalb zeigen wir am 4. September den Boxkampf Felix Sturm gegen den Mexikaner Marco Antonio Rubio.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Es ist nicht einfach, abgesehen von den Sport-Top-Ereignissen, Sportrechte durch Werbung zu kompensieren. Wie sehen Sie zum Beispiel die Chancen, solche Boxkämpfe zu refinanzieren?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Ja, es ist nach wie vor schwierig, ein prominentes Sportereignis zu refinanzieren. Ich sehe aber immer auch den Werbefaktor eines solchen Programms. Man kommt mit einem großen Sportereignis auf die Agenda der Nation. Als der FC Bayern München dieses Jahr ins Finale gekommen ist, war ich froh, dass wir die Champions League gekauft hatten. Der HSV kam bis zum Halbfinale in der Europa League, was uns auch gute Quoten brachte. Die Investition in Sport muss im Verhältnis zu anderen Programminvestitionen stehen und deswegen kann man bei dem Erwerb von Sportrechten aus meiner Sicht nur sehr überlegt vorgehen. Deshalb werden wir nicht in großem Maße weitere Sportrechte erwerben, aber einen schrittweisen Ausbau in Sport wie Boxen kann ich mir dennoch vorstellen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Aber muss sich denn bei Ihnen nicht jeder Sendeplatz selbst refinanzieren?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Das ist das Ziel, allerdings ist für uns eine starke Gesamtrendite die wichtigere Größe, und mit dieser bin ich im Bereich der ProSiebenSat.1 TV Deutschland zufrieden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Kylie Minogue wirbt für Sat.1. Entspricht das Pop-Idol Ihrer Zielgruppe?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Ich glaube schon, weil Kylie Minogue eine der erfolgreichsten Entertainerinnen aller Zeiten, ein nachhaltiger Popstar ist, der mehrere Generationen begeistert. Das ist eine Facette, die von Sat.1 abgedeckt wird, nämlich Größe. Sat.1 ist kein kleiner Sender, sondern ein großer, glamouröser. Ich bin froh und stolz, dass wir sie für uns gewinnen konnten. Sie hat eine tolle Kampagne für uns gemacht und steht für das neue, selbstbewusste Sat.1. Die Kampagne zeigt auch, dass Sat.1 Internationalität nicht ausschließt, auch wenn deutsch der Schwerpunkt ist.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Wie sind Sie auf die Idee gekommen?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Wir werben so für ProSieben schon recht lange, unter anderem mit Robbie Williams. In der Werbewirtschaft ist es weit verbreitet, dass man Stars als Testimonials verwendet. Ich glaube daran, dass man mit der richtigen Persönlichkeit sehr emotional und öffentlichkeitswirksam ausdrücken kann, was diese Marke bedeutet. Man kann so eine hohe Aufmerksamkeit generieren. Dies können wir für unseren Sender nutzen und umgekehrt nützt ihr das auch..</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Ihre Definition des Profils von Sat.1 könnte auch für das ZDF stehen. Wo sehen Sie den Unterschied?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Es gibt einen Überschnitt, den Sat.1 mit dem ZDF hat, und zwar, dass ZDF Wert auf Qualität legt. An dieser Stelle lasse ich den Vergleich mit dem ZDF gelten. In der Zuschauerstruktur ist das ZDF allerdings deutlich älter.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Man hatte den Eindruck, dass Qualität eine Zeit lang nicht im Vordergrund stand, sondern mehr die Effektivität des Programms gesehen wurde. Warum ist für Sie der Qualitätsbegriff wieder so wichtig?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Weil Qualität die Grundvoraussetzung für den nachhaltigen Erfolg eines Senders ist. Man kann immer mit Effekthascherei und voyeuristischen Dingen eine kurzzeitige Aufmerksamkeit erreichen, aber bei den Sendern meines Portfolios bei Sat.1/TV Deutschland ist Qualität immer ein Faktor gewesen, der nachhaltig zum Erfolg geführt hat. Wir dürfen bei den Sendern nicht alles machen. Wir glauben an eine bestimmte handwerkliche Qualität und daran, dass man seine Zuschauer ernst nehmen muss und sind damit auch ganz gut gefahren.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Sie haben bereits die beiden neuen erfolgreichen Serien angesprochen, die Montagabend laufen. Auch ihr neuer Comedy-Freitag ist erfolgreich. Was ist passiert, dass sich auf einmal die Erfolge häufen? War es nur der Umzug nach München?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Es ist die Besinnung auf die Markenwerte, die Sat.1 groß gemacht haben und da hat die deutsche Fiktion, vor allem deutsche Serien, immer eine Hauptrolle gespielt. Denken Sie nur an die Erfolge von einer lange Reihe von „Wolfs Revier“, „Kommissar Rex“, „Der Bulle von Tölz“ oder „Edel und Starck“ –Deutsche Serien sind bei Sat.1 elementar. Bei „Danni Lowinski“ und „Der letzte Bulle“ ist das ähnlich. Aus diesem Grund ist für uns der Erfolg so wichtig gewesen, um das zu erfüllen, was wir uns bei Sat.1 vorstellen: dass man eine handwerklich sehr gut gemachte Serie hat mit spannenden Plotts, sehr gut geschrieben, glaubwürdigen und authentischen Figuren. Das ist das Sat.1, das den Sender auch so beliebt gemacht hat. Am Freitag haben wir einiges aufzuholen und werden investieren. Auch hier war Sat.1einst der Sender, der den Markt beherrscht hat, aber leider in Rückstand geraten ist. Comedy war auch immer sehr wichtig für Sat.1, mit Reihen wie „Schillerstraße“, „Ladykracher“, „Pastewka“, die es zum Glück immer noch gibt und die weiterhin kreativ sind. Diese Marken sind unsere Grundpfeiler, auf die wir aufbauen wollen und im Comedy-Bereich wird es künftig auch einiges mehr geben. Ich kann schwer sagen, ob es einen Zusammenhang mit dem Umzug gibt. Es war eine schwierige Phase, in der sich der Sender selbst finden und in seiner Identität wieder neu aufbauen musste. Im ersten halben Jahr sind uns einige Schritte in die richtige Richtung gelungen. Darüber bin ich froh, aber es sind noch ein Stück Weg und viel Arbeit erforderlich, um Sat.1 wieder zu alter Stärke zurückzuführen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Bei welchen Programmbereichen sehen Sie vor allem diese Arbeit?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Gerade im Entertainmentbereich benötigen wir neue Ideen und Formate, um den Freitagabend auszufüllen. Das Jahr hat 52 Wochen und mit einem Erfolgsformat wie „Die perfekte Minute“ hat man gerade einmal acht bis zehn Wochen gefüllt. Aber wir haben erfolgversprechende Formate in der Pipeline wie „Mein Mann kann“ und „Deutschlands Meisterkoch“. Der zweite Bereich ist Fiction. Es wird neue Folgen von „Danni Lowinski“ und „Der letzte Bulle“ geben. Wir werden auch wieder in die Entwicklung von deutschen Serien und Movies am Dienstag gehen. Das Dritte ist der Bereich Factual mit all seinen Ausprägungen – von Magazinen über Dokumentationen bis hin zur Reality, also zum Docutainment. Gerade im letzteren Feld hat Sat.1 in den letzten Jahren wenig gebracht. Aber auch hier ist wichtig, seinen eigenen Weg zu gehen und da haben sich neue Felder für uns aufgetan, die wir ausprobieren wollen. Wir wollen eine Grunderneuerung vor allem in der Primetime erreichen. In der Access- und besonders in der Daytime läuft es nicht so schlecht. Wir haben keine übermäßige Zahl von Baustellen, aber wir haben welche, an denen wir nächstes Jahr mit großer Freude arbeiten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Ist die Betonung des Infotainments und Reality-Bereichs bei Ihnen jetzt eine taktische Reaktion auf die Diskussion um N24?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Ich kann mir zwar vorstellen, dass man das denkt, aber es ist sehr ernst gemeint. Der Informationsbereich bei Sat.1 könnte noch weiter ausgebaut werden, weil Sat.1 ein großer, generalistischer Sender ist und ein größeres Informationsangebot benötigt. Damit meine ich aber nicht in erster Linie Nachrichten, denn diese halte ich bei Sat.1 für qualitativ ausreichend und auch qualitativ in Ordnung. Mir geht es eher darum, Magazine zu entwickeln und Dokumentationen bei Sat.1 zu verorten, von denen es bis jetzt wenige gegeben hat. Wir haben auch schöne Ideen und werden ein neues Magazin im Herbst starten und darüber hinaus einige Dokumentationen produzieren. Sat.1 ist Fernsehen mit Herz und Verstand. Mit Herz meinen wir die Entertainment- und mit Verstand die Informationsformate.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Im Zusammenhang mit den fiktionalen Programmen hat Ihre Eine-Million-Euro-Grenze für TV-Movies bei den Produzenten für Aufsehen gesorgt. Wie dogmatisch meinen Sie das?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Wir wollten ein Signal in den Markt geben, um die Produktionswirtschaft aufzurütteln. Es ist uns klar, dass nicht jeder Film für eine Million Euro gemacht werden kann. Aber einen Film, der viele Innenaufnahmen hat, kann man schon mit einem gewissen Studioanteil produzieren. Wenn man dann vielleicht gleich mehrere Filme in einem bestimmten Set dreht, kann man Synergieeffekte erzielen, die der Eine-Million-Euro-Grenze nah sind. Es hat schon Eine-Million-Euro-Filme gegeben, die gut funktioniert haben.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Werden Sie jetzt von den Produzenten mit solchen Angeboten überschüttet?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Ja, es gibt schon kreative Ideen von den Produzenten. Insofern war die Aktion erfolgreich. Aber nicht nur im Bereich von einer Million Euro, sondern in der gesamten Palette. Viele Produzenten kommen gern zu Sat.1 und wir haben momentan zahlreiche Angebote und ein reges Verhältnis zu den Produzenten insgesamt. Die Kreativität der Produzenten ist die Grundlage unseres Erfolges.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Viele Produzenten haben nach dem Erfolg von „Danni Lowinski“ aufgeatmet und Sat.1 wieder als einen Hoffnungsträger gesehen. Können die deutsche Serie und das deutsche Movie insgesamt wieder hoffen?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Ich habe für den Erfolg von „Danni Lowinski“ und „Der letzte Bulle“ sehr viele Glückwünsche erhalten. Es waren viele Produzenten dabei, die auch den Kollegen, die diese beiden Serien produziert haben, gratuliert haben. Für die Branche ist eminent wichtig, dass die deutsche Serie bei Sat.1 wieder funktioniert. Das war ein schöner Moment, als wir diesen Erfolg eingefahren haben. Da gab es eine große Solidarität. Ich freue mich auch, wenn bei RTL eine deutsche Serie erfolgreich ist, weil es für die Filmwirtschaft sehr wichtig ist, dass wir in diesem Bereich im Privatfernsehen Programme haben, die erfolgreich sind. Ich habe nichts gegen amerikanische Serien, aber wenn nur amerikanische Serien im deutschen Fernsehen laufen, schaden wir unserer Branche insgesamt. Dass amerikanische Serien funktionieren, haben wir gesehen und es schien in dieser Zeit fast unmöglich, deutsche Serien an den Mann oder die Frau zu bringen. Jetzt haben wir gesehen, dass es doch funktioniert und das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung. Auch die Deutschen Movies in Sat.1 laufen hervorragend. Unser Fiction-Chef Joachim Kosack bewegt da sehr viel.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Sie haben anscheinend Spuren hinterlassen, denn bei der Programmpressekonferenz von RTL hat sich Frau Schäferkordt nach Jahren deutlich wieder zu fiktionalen Produkten aus Deutschland bekannt, auch zu deutschen Serien.<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Ja. Es ist wichtig, dass ein Land seine fiktionale Widerspiegelung im Fernsehprogramm findet. Eine Entwicklung, die dazu führt, dass keine Serienformate mehr produziert werden, ist fatal, weil dann eine ganze Industrie verkümmert. Zwar sind die Öffentlich-Rechtlichen die größten Auftraggeber für fiktionale Programme, aber dahinter kommt schon Sat.1 – wir sind der größte Auftraggeber im privaten Bereich. Wir lassen wieder große Events, eine neue Daily und Serien produzieren. Die positive Entwicklung, die wir in diesem Jahr bei der Akzeptanz deutscher Angebote feststellen können, freut Anke Schäferkordt genau so wie mich und die Produzenten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong><a href="http://www.promedia-berlin.de/">promedia</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">
<p style="text-align: justify;">
]]></content:encoded>
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		<title>promedia-Artikel: In Krisenzeiten sind Formate mit Leichtigkeit gefragt &#8211; Anke Schäferkordt (Geschäftsführerin RTL) im Interview</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Aug 2010 13:21:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Katrin Penzel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Promedia schreibt im GOLDMEDIA Blog]]></category>
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		<description><![CDATA[RTL konnte im vergangenen Programmjahr seine Marktführung weiter ausbauen. In der neuen Saison 2010/11 will RTL mit alten Klassikern und neuen Formaten in allen Genres überzeugen. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Interview mit Anke Schäferkordt, RTL-Geschäftsführerin, promedia 8/2010</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>RTL konnte im vergangenen Programmjahr seine Marktführung weiter ausbauen. Von 2009 zu 2010 kann der Sender einen Anstieg des Marktanteils bei den 14-49-Jährigen von 16,7 Prozent auf 17,8 Prozent verbuchen. In der neuen Saison 2010/11 will RTL mit alten Klassikern und neuen Formaten in allen Genres überzeugen. Dabei seien vor allem Themen mit „Leichtigkeit“ gefragt, so RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt in einem promedia- Interview. Dazu sollen auch neue Formate wie „Rachs Restaurantschule“, „Hapes zauberhafte Weihnachten“ und „Alt gegen Jung &#8211; Das Duell der Generationen“, moderiert von Günter Jauch, beitragen. Auch im Bereich Real-Life geht RTL mit mehreren neuen Formaten „ auf Zuschauerfang Im Event-Movie-Bereich ist der Sender mit dem Event-Zweiteiler „Hindenburg“, dem Ost-West-Drama „Westflug – Entführung aus Liebe“, der Agentenkomödie „Undercover Love“, den Abenteuer-Movies „Akte Golgatha“ und „Der Vermächtnis der Arche“ sowie der Komödie „Geister all inclusive“ präsent. Die Publikumserfolge „Das Supertalent“, „Deutschland sucht den Superstar“ und „Let’s Dance“ gehen gemeinsam mit den vier erfolgreichen werden weiter produziert. Im Bereich Comedy setzt man weiter auf live- Bühnenprogramme. Im Sport will RTL neben der Formal</strong> <strong>1 mit den Boxkämpfen der Klitschkos, deren Vertrag gerade verlängert wurde, das Angebot ausbauen.</strong><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;">
<div><strong> </strong></div>
<div>
<dl id="attachment_2536" class="wp-caption alignleft" style="width: 243px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/08/Schäferkordt_RTL.jpg"><strong><img class="size-full wp-image-2536" title="Anke Schäferkordt_RTL" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/08/Schäferkordt_RTL.jpg" alt="Anke Schäferkordt" width="233" height="325" /></strong></a></dt>
<dd class="wp-caption-dd"><strong>Anke Schäferkordt, Geschäftsführerin RTL</strong></dd>
</dl>
</div>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Frau Schäferkordt, RTL hat auch Spiele der Fußball-WM übertragen. Hat sich das von den Zuschauerzahlen und Werbeumsätzen gelohnt?<br />
<strong>Anke Schäferkordt:</strong> Bei den Zuschauern hat es sich absolut gelohnt. Wir haben im Schnitt über elf Millionen Zuschauer bei den Spielen ohne Parallelausstrahlung, selbst ohne deutsche Beteiligung, erreicht. Das Spitzenspiel lag bei über 13 Millionen. Damit waren wir sehr zufrieden. Die Moderation mit unseren vier Experten und Moderatoren war fachlich kompetent und emotional und es war richtig, mit Günther Jauch und Jürgen Klopp in Deutschland zu bleiben, um nah an den deutschen Fans zu sein. Das ist eine andere Stimmung als wenn man aus einem Studio fernab berichtet. Unser Konzept ist aufgegangen. Wirtschaftlich gesehen sind Sport-Highlights wie diese nicht einfach, eine Investition in die Marke RTL sind sie allemal.</p>
<p><strong>promedia</strong>: Werden Sie weiter gegen ARD und ZDF um Sportrechte bieten?<br />
<strong>Anke Schäferkordt</strong>: Dazu muss es erst wieder die Gelegenheit geben, denn die nächsten Pakete sind längst bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. Wir haben Interesse an einigen Spielen der nächsten WM geäußert. Wenn die Sparankündigungen der ARD im Sportbereich nicht nur Lippenbekenntnisse sind dann sollten wir bei Gelegenheit ins Gespräch kommen.<span id="more-2532"></span></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Sie wollen mehr auf Programme mit „Leichtigkeit“ setzen. Ist das die Reaktion auf die Krisenstimmung?<strong><br />
Anke Schäferkordt</strong>: Man kann in Krisenzeiten oft beobachten, dass etwa die Comedy in unterschiedlichsten Farben wiederkommt. Hört man in den Informationssendungen täglich negative Nachrichten, die verunsichern oder hat man im eigenen Umfeld vielleicht auch das eine oder andere Problem, dann möchte man sich irgendwann zurücklehnen, mal lachen und entspannen, anstatt den Abend über weitere Konflikte zu sehen. Das ist eine normale Reaktion. Wenn in der Gesellschaft Unsicherheiten auftreten, kommen etwas leichtere Formate eher an. Wir müssen aber zwischen den Sendeplätzen unterscheiden. Dass es zu einer Verschiebung der leichteren und etwas lösungsorientierteren Real-Life-Formate kommt, gilt eher für die Primetime. In der Daytime sehen wir unveränderten Zuspruch auch für konfliktintensive Formate. Die „Schulermittler“ etwa laufen fantastisch. Sie finden aber zum Schluss immer eine Lösung. Es gibt also auch hier eine Orientierung hin zur Konfliktlösung. Nachmittags ist das Sehverhalten anders als in der Primetime. Dort muss man sich zurücklehnen und fallen lassen können. Daher verändern wir im Real-Life-Bereich die Balance. Man muss auch mal schmunzeln können, wie bei „Bauer sucht Frau“. Das ist nett, man geht mit den Charakteren mit. Bei Christian Rach ist das auch so. Er hat eine Leichtigkeit in seiner Art, mit Menschen umzugehen. Wenn Probleme da sind, nimmt er sie positiv auf und bringt die Menschen auch in einer schwierigen Situation nach vorn oder auch mal zum lachen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Im Genre Reality-Life sei ein Sättigungseffekt eingetreten, haben Sie gesagt, daher werde es dort die meisten Umbauten geben. Bedeutet dies das Ende der Coaching-Formate?<br />
<strong>Anke Schäferkordt</strong>: Auf keinen Fall. Es wird eher zu einer etwas anderen Balance unterschiedlicher Formate kommen, Wir werden neue Formate zeigen, die Probleme auch mal mit einem „Augenzwinkern“ angehen. Eine Sättigung gibt es bei sehr konfliktreichen Formaten wie „Teenager außer Kontrolle“. Zwar war auch die letzte Staffel handwerklich sehr gut produziert, aber wir müssen darauf reagieren, dass eine etwas leichtere Herangehensweise oder auch andere Formen der Präsentation gefragt sind. An die starken Marken wie die „Super Nanny“ oder den „Schuldenberater“ glauben wir nach wie vor.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Sat.1 hat mit neuen fiktionalen Formaten Erfolg. Sie hatten angekündigt, sich in diesem Bereich mehr vom internationalen Markt emanzipieren zu wollen. Wie gut stehen die Chancen dafür?<br />
<strong>Anke Schäferkordt</strong>: Wir wollen uns nicht loslösen, sondern eine noch bessere Mischung erreichen aus eigenproduzierten und Kaufserien. Wir haben neben 20th Century FOX und Universal ganz bewusst auch mit dem renommierten US-Studio Warner einen Vertrag abgeschlossen, weil wir an die amerikanische Serie glauben, die auch bei Vox eine zentrale Farbe im Programm ist. Aber wir wollen das gern erweitern. „Dr. House“ ist für RTL eine Ausnahme unter den US-Serien und ein Image prägender Faktor. Aber auch bei amerikanischen Serien ist es nicht die Regel, dass sie über Jahre erfolgreich in der Primetime sind. Wenn man über Imageaspekte spricht, ist gerade die deutsche Produktion enorm wichtig. Zudem haben wir bei deutschen Serien selbst in der Hand, was wir entwickeln. Wir wollen auch weiterhin die besten amerikanischen Serien bei uns zeigen, aber unser Einfluss auf die dortige Entwicklung ist gleich Null: Wir schauen uns auf dem Markt um, ob uns etwas gefällt und ob das zu uns passt und versuchen es dann zu kaufen. Eine deutsche Serie aber gibt dem Sender ein Gesicht und macht Spaß, wenn sie gut gemacht ist. Wir sind froh, seit langer Zeit mal wieder mit vier neuen Staffeln eigenproduzierter Serien in die nächste Saison zu starten – und werden hier weiter entwickeln.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: ARD und ProSieben haben beim Eurovison-Song-Contest kooperiert. Ist für sie eine ähnliche Kooperation mit ARD oder ZDF denkbar?<br />
<strong>Anke Schäferkordt</strong>: Kooperationen wie diese werden sicher die Ausnahme bleiben. Wir planen so etwas derzeit nicht.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Das Finale mit dem Sieg von Lena Meyer-Landrut hatte mehr Zuschauer als DSDS. Ist der Stil dieser Show mit Dieter Bohlen ein Auslaufmodell?<br />
<strong>Anke Schäferkordt</strong>: Im Gegenteil. Die vergangene Staffel von DSDS war die erfolgreichste seit Start des Formats bei uns. Mit DSDS haben wir über Monate hinweg Martkanteile jenseits der 30 Prozent beim jungen Publikum erreicht. Auch wenn das Finale des Eurovision Song Contest ein Riesenerfolgt war, den wir den Kollegen durchaus gönnen – von der Beständigkeit eines Formats wie DSDS sind sie weit entfernt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Sat.1 hat den „Eine-Millionen-Euro-TV-Movie“ kreiert. Teurer dürfen diese Fernsehfilme nicht werden. Sind Ihre Vorgaben an die Produzenten ähnlich rigide?<br />
<strong>Anke Schäferkordt</strong>: Man muss zwischen einem Movie, den man in der Woche sendet, und einem, den man am Sonntag sendet, wo er im Zweifelsfall gegen große amerikanische Blockbuster bestehen muss, unterscheiden. Dabei wird man unterschiedlich investieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass man mit einer leichten Romantikkomödie ohne großen Location-Wechsel oder große Aktionen am Sonntagabend bestehen kann, ist eher gering. Deshalb wird man Events mit profilierterer Besetzung und höherem Aufwand vor allem sonntags bringen müssen. Ich würde jedoch nie eine Pauschale ansetzen. Der Preis für ein Movie muss davon abhängen, was mit diesem Stoff erreicht werden soll. Dabei haben wir völlig unterschiedliche Budgets. Die Spanne reicht von günstigeren bis hin zu absoluten Event-Kino-Budgets. Wir machen es vom Stoff und vom Sendeplatz abhängig.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Stern-TV soll es auch nach dem Ausstieg von Günther Jauch weiter geben. Wie kann man sich die Übergabe vorstellen?<br />
<strong>Anke Schäferkordt</strong>: Wir überlegen gemeinsam mit dem Produzenten, wie wir „stern-TV“ künftig besetzen. Dieser Job ist so prominent, dass man ihn nicht ausschreiben muss. Derzeit melden sich viele Interessenten, mit einigen sind wir im Gespräch. Wir haben keinen Zeitdruck und nehmen uns die Zeit, die wir brauchen. Bis spätestens Anfang 2011 werden wir entscheiden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Sind Sie mit der Jauch-Regelung zufrieden?</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Anke Schäferkordt</strong>: Wenn ich eine freie Wahl gehabt hätte, natürlich nicht. Andererseits freue ich mich, dass wir weiter mit ihm zusammenarbeiten können, auch an neuen Projekten. Für uns ist dieser Kompromiss gangbar und einer, den wir mit ihm gemeinsam mitgehen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: RTL zieht gerade in neue Gebäude um. Hat auch der Zuschauer etwas von dem Umzug? Wird das Programm davon noch besser?<br />
<strong>Anke Schäferkordt</strong>: Der Zuschauer wird alle Informationssendungen, die wir aus den neuen Studios senden, komplett in neuem Design sehen. Bei den Magazinen, sowohl bei den werktäglichen als auch bei „Extra“, ist das seit Anfang Juni der Fall. Sie werden in einem neuen, größeren virtuellen Studio produziert, wodurch sich ganz andere optische Möglichkeiten ergeben. Es sind unterschiedliche Dimensionen in der Tiefe möglich. Die Sendungen können sich in einer Art und Weise präsentieren, die man so noch nicht gesehen hat. Bei den Nachrichten sieht das im Test bereits fantastisch aus. Wir sind in der Designentwicklung mit „RTL aktuell“ und dem „Nachtjournal“ relativ weit. Dazu kommt, dass alles in HD produziert wird.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: „X-Faktor“ wird bei RTL eingeführt. Die ersten beiden Folgen sendet RTL bevor der Schwestersender übernimmt. Ist es eine Folge der Krise, dass die Mediengruppe RTL Deutschland näher zusammenrückt?<br />
<strong>Anke Schäferkordt</strong>: Bereits seit einigen Jahren verfolgen wir die Strategie, innerhalb der Sendergruppe noch enger zusammenzuarbeiten. Senderfamilien bilden sich auch international überall dort, wo der Wettbewerb besonders intensiv ist. Deutschland ist einer der kompetitivsten Märkte überhaupt, in Europa und weltweit. Deshalb macht es Sinn, dass wir uns in der Programmplanung abstimmen, um unseren Zuschauern nicht am selben Abend dasselbe Programmgenre anzubieten. Denn wir wollen nicht auf Kosten des anderen Partners, sondern auf Kosten der restlichen Wettbewerber wachsen. X factor ist ein tolles Format, welches wir auf RTL anschieben. Wir haben eine ordentliche Expertise in dem Genre und können Formate groß machen bei RTL und damit Interesse wecken – welches dann bei VOX befriedigt wird.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Warum sendet RTL nicht öfter starke Filme zur gleichen Zeit wie ProSieben? Ist die Konkurrenzangst zu groß?<br />
<strong>Anke Schäferkordt</strong>: Wir sind nicht bekannt dafür, besonders ängstlich zu sein. Und auch diese Programmierung hat weniger mit Angst, sondern eher mit Vernunft zu tun. Bei Spielfilmen ist ProSieben ein relevanter Player. Und aus Sicht des Zuschauers ist es wenig sinnvoll, wenn beispielsweise zwei Action-Blockbuster in der Erstausstrahlung gegeneinander laufen. Dann würden wir sehr viel Zuschauermails bekommen, in denen gefragt wird, was wir da machen. Es ist gerade in einem so starken Wettbewerb sinnvoll darauf zu achten, was die Konkurrenz sendet. Bei großen Events gehen wir oft in die Offensive. Aber es macht nicht immer Sinn, einen Film zu senden, wenn die anderen Sender gleichzeitig in genau derselben Programmfarbe unterwegs sind.</p>
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		<title>Goldmedia-Kolumne GOLDMEDIALES. Heute Top &#8211; morgen Flop? Wie sich Trendwellen auftürmen und dann auslaufen</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Aug 2010 07:30:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Katrin Penzel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Goldmedia Custom Research GmbH]]></category>
		<category><![CDATA[Medienbote-Kolumne]]></category>
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		<description><![CDATA[In diesen Tagen startet wieder eine neue Popstars-Staffel auf ProSieben, mittlerweile schon die neunte. Auch die Vorbereitungen zur achten Ausgabe des RTL-Casting-Flagschiffs „DSDS“ (Start: Anfang 2011) laufen auf Hochtouren. Es ist wohl davon auszugehen, dass die neuen Staffeln den Sendern wieder sehr gute Quoten bringen werden. – Casting-Shows laufen noch immer gut.

Zumindest ist dies derzeit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">In diesen Tagen startet wieder eine neue <strong>Popstars-Staffel</strong> auf <strong>ProSieben</strong>, mittlerweile schon die neunte. Auch die Vorbereitungen zur achten Ausgabe des <strong>RTL</strong>-Casting-Flagschiffs „<strong>DSDS</strong>“ (Start: Anfang 2011) laufen auf Hochtouren. Es ist wohl davon auszugehen, dass die neuen Staffeln den Sendern wieder sehr gute Quoten bringen werden. – <strong>Casting-Shows </strong>laufen noch immer gut.</p>
<p style="text-align: justify;">
<div id="attachment_2041" class="wp-caption alignleft" style="width: 138px"><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/05/Christoph_Schwab_Goldmedia_.jpg"><img class="size-full wp-image-2041" title="Christoph_Schwab_Goldmedia_" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/05/Christoph_Schwab_Goldmedia_.jpg" alt="Christoph Schwab" width="128" height="180" /></a><p class="wp-caption-text">Christoph Schwab, Head of Research, Goldmedia Custom Research GmbH</p></div>
<p>Zumindest ist dies derzeit noch der Fall, denn: Sie „kommen und gehen“ – die <strong>Content-Trends</strong> im Medienbereich. Warum waren nachmittägliche Talkshows eine Zeit lang so überaus erfolgreich und sind es nun nicht mehr? Warum feiern alte Formate plötzlich ein Revival, etwa die gute alte <strong>Gameshow</strong>? Aus welchem Grund verlieren bestimmte Zeitschriften ihre Auflagen, während andere Konzepte fruchten? Wie etwa das Magazin „<strong>Landlust</strong>“ aus dem Münsteraner Landwirtschaftsverlag, das kontinuierlich Leser gewinnt und im aktuellen IVW-Ranking erneut die Liste der Gewinner anführt.</p>
<p style="text-align: justify;">Medienangebote sind bekanntlich ebenso wie andere Produkte <strong>Lebenszyklen</strong> unterworfen. Werden sie nicht durch Relaunches kontinuierlich an Marktbedürfnisse angepasst, gehen sie irgendwann unter. Ob Zeitschrift, TV-Format oder Internetangebot – es gibt mehr als genug Beispiele für gesunkene Schiffe. Aktuell droht dies ganz offensichtlich den „Auswanderer-Doku-Soaps“. Eine Zeit lang wurde auf den Privatsendern ausgewandert, was das Zeug hält. Auch wenn <strong>VOX</strong> mit „<strong>Auswanderer sucht Frau</strong>“ in der neuen TV-Saison noch einmal an alte Erfolge anknüpfen will, hat dieses Genre zumindest in seiner puren Form offensichtlich seine besten Zeiten hinter sich. So wird „<strong>Goodbye Deutschland</strong>“ – dank VOX-Quoten-Queen Daniela Katzenberger – immer mehr zum Personality-Format, und im Programm von <strong>kabel eins</strong> sucht man den einstigen Reichweitengaranten „<strong>Mein neues Leben</strong>“ derzeit vergeblich. Dass es eine Wiedergeburt der originären Auswanderer-Formate geben wird, ist nicht besonders wahrscheinlich.<span id="more-2521"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Eine im TV-Bereich gern eingesetzte Strategie, verlorene Zuschauer wieder auf Sendung zu bringen und so den „Lebenszyklus“ bestimmter Programme vs. Produkte zu verlängern, ist es, die Reizstärke zu erhöhen. War es zum Start von „<strong>Big Brother</strong>“ noch ein Skandal, Menschen überhaupt in einem Haus Tag und Nacht zu beobachten, konnte dies durch den ersten Sex im Big Brother Haus noch gesteigert werden. Aber irgendwann war dies nicht mehr zugkräftig genug: schließlich wurde eine zunächst unbegrenzte Laufzeit der Show beschlossen und ein „ganzes Dorf“ beobachtet: Big Brother – das Dorf, 2005/06. (Dass die Sendung auch heute noch solide Quoten einfährt, hat wohl eher andere Gründe als diesen „Schachzug“.)</p>
<p style="text-align: justify;">Durch Modulation der Reizstärke werden nicht nur einzelne Formate reanimiert und verändert; auch komplette Genres verschwinden oder entstehen: Reichte es vor einigen Jahren noch aus, Menschen aus prekären Lebensverhältnissen in <strong>Talkshows</strong> auftreten zu lassen, war dies schon bald nicht mehr dramatisch genug. In den Problem-Doku-Soaps wurden die Protagonisten fortan in dem Umfeld gezeigt, in dem sie tatsächlich leben. Zu toppen war dies nur noch durch „erfundene Realität“: In den derzeit sehr erfolgreichen „<strong>Skripted Doku Soaps</strong>“ ist alles noch viel drastischer. Die Strategie, die Reizintensität zu erhöhen, kann eine ganze Weile lebenserhaltend funktionieren – aber: Irgendwann wird sich die Dosis einfach nicht mehr sinnvoll steigern lassen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Entwicklung und Veränderung von Trends ist äußerst komplex und eindimensionale Erklärungen laufen zwangsläufig ins Leere. Was auf den Lebenszyklus von Medienprodukten nachhaltig einwirkt, sind externe Einflüsse und Veränderungen im gesellschaftlichen Umfeld der Mediennutzer. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen die wichtige Rolle individueller Befindlichkeiten bei der Medienwahl: In Experimenten entscheiden sich gelangweilte Personen eher für Action-Filme, gestresste Personen wählen seichte Stoffe. Die Rezipienten suchen in den Medien das, was ihnen der Alltag gerade nicht bietet. Medien haben so eine stark kompensatorische Funktion. Deshalb feiern Kinokomödien in „schwierigen und unsicheren Zeiten“ auch ihre größten Erfolge, neue Angebote und Formate haben es dagegen vergleichsweise schwerer. Die Mediennutzer sehnen sich stärker nach bewährten Inhalten und nach mehr Leichtigkeit.</p>
<p style="text-align: justify;">Von gesellschaftlichen Befindlichkeiten profitiert dann wohl auch das erwähnte erfolgreiche Printmagazin „<strong>Landlust</strong>“. Mit der Lektüre dieser Zeitschrift lässt sich offenbar einer immer stärker technisierten, immer schnelleren und komplexeren Lebenswelt entfliehen. „<strong>Countrytainment</strong>“ als neuer Content-Trend in den Medien? Immerhin brillierten in der letzten TV-Saison auch Sendungen wie „<strong>Bauer sucht Frau</strong>“ (<strong>RTL</strong>) oder der „<strong>Bergdoktor</strong>“ (<strong>ZDF</strong>). <strong>Sat.1</strong> hat für den Herbst die Ausstrahlung eines „Countrytainment-Formats“ angekündigt. Ob der Sender damit Erfolg haben wird und andere Kanäle dem Beispiel folgen, wird sich zeigen. Sicher ist nur eins: Irgendwann ebbt auch die Countrywelle wieder ab.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Autor:</strong> <strong>Christoph Schwab</strong><br />
Head of Research, Goldmedia Custom Research GmbH</p>
<p style="text-align: justify;">Weitere Informationen: <a href="../2010/aktuelles.html%20_self">http://www.goldmedia.com/aktuelles.html</a></p>
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		<title>Abrüstung medienpolitisch oder: Wieviel Frieden bringt der Verzicht auf den Verzicht?</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Jul 2010 08:00:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Promedia das medienpolitische Magazin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Promedia schreibt im GOLDMEDIA Blog]]></category>
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		<description><![CDATA[Von Dr. Tobias Schmid und Anne Pietrzak, RTL-Television, promedia 7/2010
Der „bittere Medienkrieg“, wie der bekannte Verteidigungsexperte Peter Boudgoust ihn nannte, endete vorerst am 10.6.2010 durch Kapitulation der Politik vor dem scheinbar Unberechenbaren. Es gab keine Gewinner.
Noch am Tag zuvor hatte sich die Rundfunkkommission der Länder in einem für deutsche Verhältnisse geradezu  spektakulären Schnellritt darauf geeinigt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Von Dr. Tobias Schmid und Anne Pietrzak, RTL-Television, <em>promedia</em> 7/2010</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Der <strong>„bittere Medienkrieg“</strong>, wie der bekannte Verteidigungsexperte <strong>Peter Boudgoust</strong> ihn nannte, endete vorerst am 10.6.2010 durch Kapitulation der Politik vor dem scheinbar Unberechenbaren. Es gab keine Gewinner.<br />
Noch am Tag zuvor hatte sich die <strong>Rundfunkkommission der Länder</strong> in einem für deutsche Verhältnisse geradezu  spektakulären Schnellritt darauf geeinigt, die geräteabhängige <strong>Rundfunkgebühr</strong> durch eine pauschale Haushaltsabgabe zu ersetzen. Nach dieser Entscheidung muss sich dann aber akute Mutlosigkeit breitgemacht haben. Das ursprünglich geforderte <strong>Werbe- und Sponsoringverbot</strong> für <strong>ARD und ZDF</strong>, über das seit Jahrzehnten parteienübergreifend diskutiert wird und das in den vergangenen Wochen kaum noch einen ernstzunehmenden Gegner hatte, landete erneut in der medienpolitischen Zwischenablage. Vom großen Wurf bleibt nur das Verbot von Sponsoring nach 20 Uhr, mit Ausnahme von Sportereignissen. Diese Miniatur-Reform soll mit dem neuen <strong>Rundfunkstaatsvertrag 2013</strong> in Kraft treten.</p>
<div id="attachment_2435" class="wp-caption alignleft" style="width: 182px"><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/07/Dr_Tobias_Schmid.jpg"><img class="size-full wp-image-2435" title="Dr_Tobias_Schmid" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/07/Dr_Tobias_Schmid.jpg" alt="Dr. Tobias Schmid" width="172" height="233" /></a><p class="wp-caption-text">Dr. Tobias Schmid, RTL Television</p></div>
<p style="text-align: justify;">
<div id="attachment_2434" class="wp-caption alignleft" style="width: 182px"><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/07/Anne-Mary_Pietrzak.jpg"><img class="size-full wp-image-2434" title="Anne-Mary_Pietrzak" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/07/Anne-Mary_Pietrzak.jpg" alt="Anne-Mary Pietrzak" width="172" height="237" /></a><p class="wp-caption-text">Anne-Mary Pietrzak, RTL Television</p></div>
<p>Warum sich in einem politischen Gestaltungsraum &#8211; noch weit von den Zwängen der Globalisierung entfernt und innerhalb klarer nationaler und föderaler Kompetenzen organisiert -  immer wieder eine derartige Mut- und Kraftlosigkeit breitmacht, ist Außenstehenden kaum zu erklären.</p>
<p style="text-align: justify;">Vor- und Nachteile eines <strong>werbe- und sponsoringfreien öffentlich-rechtlichen Programms</strong> waren hinreichend diskutiert. Mochte man es lieber  bildhaft, konnte ein Blick aufs sogenannte <strong>Werberahmenprogramm</strong> ebenso Aufschlüsse bieten wie einer auf das wochentägliche Programmschema von <strong>ARD und RTL</strong>. Wer da noch substanzielle Unterschiede fand, die die signifikante Ungleichheit der Finanzierungsstruktur rechtfertigten, musste schon gute Augen haben.<br />
Dennoch ist es wieder nicht zum klaren Cut gekommen. Politiker scheuen offenbar nicht nur jede potenzielle Gebührenerhöhung der Öffentlich-Rechtlichen, sie scheuen auch, der Bevölkerung ehrlich mitzuteilen, was sie ihr über <span id="more-2431"></span>die Jahre üppig gewachsenes und luxuriös ausgestattetes öffentlich-rechtliches System mit 23 TV-, über 100 Audio- und nicht zählbaren <strong>Online-Angeboten </strong>tatsächlich kostet. Zugegebenermaßen ist Transparenz in diesem Bereich nicht einfach herzustellen, nicht einmal für die <strong>KEF</strong>. Derzeit wagt kaum jemand, eine zutreffende  Kompensations-Summe für den Fall des Werbekomplettverzichts zu  prognostizieren. Fakt ist nur: Das Gespenst der drohenden 1,42 Euro  Gebührenerhöhung ist entzaubert, nachdem selbst die Länder mittlerweile von deutlich unter einem Euro ausgehen und man mit unverzerrtem Blick auch auf die Hälfte eines Euros kommen kann.  Nur <strong>ARD und ZDF</strong> tragen weiter die Monstranz  der offiziellen 1,42 Euro KEF-Berechnung vor sich her.  Fairerweise sollte man dann aber auch zugeben, dass die <strong>KEF</strong> nur auf Basis der Zahlen rechnen kann, die man ihr offen darlegt. Es ist zumindest denkwürdig, dass es in Deutschland, einem  durchorganisierten und der Transparenz verpflichteten Land, nicht möglich sein soll, eine jedem Gebührenzahler verständliche Kostenrechnung in das öffentlich-rechtliche Zahlenwerk zu bringen. Ganz offensichtlich fehlt hier ein gesundes Maß an Transparenz. Allein deshalb ist Misstrauen angebracht.</p>
<p style="text-align: justify;">Dass dieses Misstrauen die Politik aber letztlich dazu geführt hat,  auf ein klares ordnungspolitisches Signal zu verzichten, ist tragisch. Selbst wenn man der Politik zugutehält, im Sinne der Gebührenzahler jedes unkalkulierbare Gebührenerhöhungsrisiko vermeiden zu wollen und nicht zeitgleich mit einem Umbruch des Finanzierungssystems eine Entscheidung zur Beifinanzierung zu treffen: Es hätte es noch immer die Möglichkeit gegeben, die grundsätzliche Bestimmung zum Gebührenverzicht zu treffen und ergänzend dazu einen Ausgleichsvorbehalt für eine zu definierende Evaluierungsphase festzulegen. Diesen klugen Vorschlag hatte VPRT-Präsident Jürgen Doetz im Vorfeld der Entscheidung eingebracht. Genau das Gegenteil ist aber passiert: Die ordnungspolitische Struktur bleibt wie sie ist; das Problem ist vertagt.</p>
<p style="text-align: justify;">Immerhin haben die Ministerpräsidenten sich jetzt  &#8211; nach Inkrafttreten des <strong>12. RStV</strong> &#8211; auf die Einrichtung einer Arbeitsgruppe verständigt, die Programmauftrag und &#8211; konzepte im „linearen digitalen Angebot“ von ARD und ZDF im Hinblick auf deren künftige Finanzierbarkeit auf den Prüfstand stellen soll. Das ist in sofern interessant, als gerade noch die Beschwerde des VPRT gegen ZDF neo, eine öffentlich-rechtliche Kopie von VOX, nur ohne Informationsprogramme, zwar als abweichend von staatsvertraglichen Regelungen, aber dennoch zurückgewiesen wurde.</p>
<p style="text-align: justify;">Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Wir halten diese Arbeitsgruppe für wichtig, richtig und uneingeschränkt begrüßenswert, hätten aber eine derartige Evaluierung im Vorfeld der staatsvertraglichen Regelungen des <strong>12. RStV</strong> für sinnvoller erachtet.</p>
<p style="text-align: justify;">Warum man sich aber entschieden hat, den gleichen Fehler zu wiederholen und auf die Festschreibung des Werbeverzichts mit Ausgleichsvorbehalt zugunsten  einer Neudiskussion der Gesamtproblematik in 3-5 Jahren zu verzichten, ist zumindest uns nicht erklärlich.  Dieser Zickzackweg der föderalen Politik auf der Suche nach einem haltbaren Kompromiss zur Sicherung des ordnungspolitischen Systems beschädigt das Vertrauen in die Medienpolitik. Einem stringenten Ordnungsrahmen und einer dauerhaften Balance im Dualen System sind wir damit keinen Schritt näher gekommen.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch ARD und ZDF haben letztlich wenig bis nichts gewonnen. Abgesehen davon, dass aller Voraussicht nach nur eine Gnadenfrist bleibt, bevor das Thema wieder auf die Agenda rutscht: Das Image von ARD und ZDF hat ebenso gelitten wie deren Glaubwürdigkeit. Es ist ja niemandem – auch nicht dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk – vorzuwerfen, innerhalb der Grenzen des Möglichen im eigenen Interesse zu handeln. Aber die Argumente von ARD und ZDF gegen die Einführung eines Werbe- und Sponsoringverzichts – und da vor allem  die heldenhafte Verteidigung ihrer zweifelhaften Rolle als Werbekorrektiv und Verfechter kommerzieller  Markttransparenz  &#8211; werden ihnen da  auf die Füße fallen, wo die Werbefreiheit heute schon als einziges Abgrenzungskriterium zu identischen privaten Angeboten herhalten muss.  &#8220;Die Werbefreiheit von ARD.de garantiert den Nutzern, dass Themen und Schwerpunkte unabhängig von ökonomischen Interessen gestaltet sind.&#8221; Ein Schelm, der der (offline-) ARD im Umkehrschluss anderes unterstellt.  Besonders ‚überzeugend’ wirkt in dem Zusammenhang beispielsweise die Einbettung des Formates „Börse im Ersten“ vor der ‚Tagesschau’, gesponsert von einem namhaften Versicherungskonzern.</p>
<p style="text-align: justify;">Die sinkende Glaubwürdigkeit öffentlich-rechtlicher Angebote macht auch die eingebettete Werbung nicht unbedingt attraktiver. Deshalb kann auch die Werbewirtschaft allenfalls einen Punktsieg verbuchen.  Und wer das Fehlen bestimmter Werbezielgruppen  beim privaten Rundfunk bemängelt, darf nicht ausblenden, dass eine übergroße Präsenz gebührenfinanzierter Angebote ein privates Gegenangebot im gleichen Segment  verunmöglicht. Dem privaten Rundfunk zu unterstellen,  qua definitionem auf bestimmte Zuschauerschichten fixiert zu sein, ist schlichtweg falsch. Immerhin wurde  „Ein Schloss am Wörthersee“ ursprünglich auch einmal von und für RTL produziert.</p>
<p style="text-align: justify;">Beschädigt von der politischen Nicht-Entscheidung zum Werbeverzicht ist in jedem Fall  die gesamte private deutsche Medienlandschaft. Ein werbefreier öffentlich-rechtlicher Rundfunk hätte das inzwischen ökonomisch ins Wanken geratene Mediensystem stabilisieren können. Das meint nur zum Teil die potenzielle Verschiebung der Werbeeinnahmen vom öffentlich-rechtlichen in den privaten TV-Sektor. Es betrifft natürlich auch und vor allem den Printbereich. Beschädigt ist die private Medienlandschaft aber auch deswegen, weil erneut der Beweis dafür erbracht ist, dass die politische Wahrnehmung dessen,  was er gesellschaftspolitisch leistet, nicht im Ansatz mit dem Grad seiner Unterstützung durch die Politik einhergeht. Die Zögerlichkeit der Politik lässt überhaupt den Eindruck entstehen, dass sich die beiden Säulen des Dualen Systems gefälligst selbst auf Kompromisssuche begeben und organisieren sollen. Dieses Vorgehen nimmt der Politik zweifellos unangenehme Arbeit ab, stellt aber schon die Frage nach deren ernsthaften Gestaltungswillen. Wir glauben, dass eine als Aussitzmodell betriebene Medienpolitik zumindest  dem kulturellen Teilaspekt unserer Branche mittelfristig den Todesstoss versetzen wird.</p>
<p style="text-align: justify;">In einem Punkt muss ich mich nun doch noch selbst revidieren: Es gibt tatsächlich noch einen Gewinner: Die medienpolitischen Fachpublikationen  und die Medienseiten der Tageszeitungen werden auch in den nächsten Jahren viele Medienredakteure brauchen. Anders werden die andauernden populistischen Nebelkerzenwürfe im Dualen System kaum zu entwirren und zu versachlichen sein. Man kann Maßnahmen zur Rettung von Qualitätsjournalismus auch ‚über Bande’ spielen.</p>
<p style="text-align: justify;">Weitere Informationen: <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.promedia-berlin.de');" href="http://www.promedia-berlin.de/">promedia</a></p>
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		<title>ZDF-Intendant: Wir sind jetzt endlich da angekommen, wo ich schon lange hin will</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Jan 2010 13:00:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Promedia das medienpolitische Magazin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Promedia schreibt im GOLDMEDIA Blog]]></category>
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		<description><![CDATA[Interview mit Markus Schächter, ZDF-Intendant, promedia 01/2010
In einem promedia –Interview betonte ZDF-Intendant Markus Schächte, dass er als Intendant wisse, dass das ZDF seine Unabhängigkeit immer wieder neu erkämpfen und dem Publikum seine Glaubwürdigkeit durch journalistische Leistung und Qualität unter Beweis stellen muss. „Die Chefredakteure des ZDF haben stets für beides gestanden. Das gilt für Reinhard Appel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Interview mit Markus Schächter, ZDF-Intendant, </strong><strong><em>pro</em>media 01/2010</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>In einem promedia –Interview betonte ZDF-Intendant Markus Schächte, dass er als Intendant wisse, dass das ZDF seine Unabhängigkeit immer wieder neu erkämpfen und dem Publikum seine Glaubwürdigkeit durch journalistische Leistung und Qualität unter Beweis stellen muss. „Die Chefredakteure des ZDF haben stets für beides gestanden. Das gilt für Reinhard Appel ebenso wie für Klaus Bresser und Nikolaus Brender. Peter Frey steht genau in dieser Tradition.“ Peter Frey erklärte nach seiner Berufung: &#8220;Es ist jetzt die Hauptaufgabe des neuen Chefredakteurs, die Glaubwürdigkeit des Senders, die in der öffentlichen Wahrnehmung gelitten hat, wiederherzustellen. Dafür arbeite ich gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen, den Redaktionen, der Geschäftsführung und auch den Gremien.&#8221;</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Markus Schächter machte in dem Interview deutlich, dass trotz der Kritik des privaten Rundfunks an ZDFneo an seinem Weg der Schaffung einer Senderfamilie konsequent festhalten werde.  Mit dem neu formierten Digitalkanal, der seit 1. November 2009 auf Sendung ist, gehe das ZDF den ersten großen Schritt zur Bildung einer starken Senderfamilie, die unterschiedliche Zielgruppen unter dem Dach des ZDF vereinen will. Mit einer anspruchsvollen Kombination aus den Programmgenres Dokumentation/Reportage, Fiktion (Fernsehfilm, Spielfilm, Serie) sowie Comedy und Musik spreche ZDFneo besonders die Zielgruppe der 25- bis 50-Jährigen an. „Das ZDF entwickelt sich zu einer Programmfamilie mit unterschiedlichen Ausspielwegen und Plattformen. Das ist die Überlebensvoraussetzung in einer digitalen Welt, in der sich die Medienangebote immer weiter fragmentarisieren“, so Schächter im promedia-Gespräch.</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<div id="attachment_1409" class="wp-caption alignleft" style="width: 228px"><strong><strong><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/01/Markus_Schaechter.jpg"><img class="size-medium wp-image-1409" title="Markus_Schaechter" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/01/Markus_Schaechter-218x300.jpg" alt="" width="218" height="300" /></a></strong></strong><p class="wp-caption-text">Prof. Markus Schächter, Intendant ZDF</p></div>
<p><strong>promedia: </strong>Herr Schächter, wie sehr gefährdet die Entscheidung des Verwaltungsrates, den Vertrag mit Herrn Brender nicht zu verlängern, die politische Unabhängigkeit des ZDF?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter:</strong> Als Intendant weiß ich, dass das ZDF seine Unabhängigkeit immer wieder neu erkämpfen und dem Publikum seine Glaubwürdigkeit durch journalistische Leistung und Qualität unter Beweis stellen muss. Die Chefredakteure des ZDF haben stets für beides gestanden. Das gilt für Reinhard Appel ebenso wie für Klaus Bresser und Nikolaus Brender. Peter Frey steht genau in dieser Tradition.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Sie haben in einem Statement erklärt, dass die Länder jetzt die Pflicht hätten, im Rahmen der anstehenden Novellierung des Rundfunkstaatsvertrags für belastbare Rechtsgrundlagen des ZDF Sorge zu tragen. Was für eine Regelung stellen Sie sich vor?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck hat dazu Vorschläge in die Diskussion eingebracht. Es ist aber nicht meine Sache, diese inhaltlich zu bewerten. Entscheidend ist, dass sich die Länder im Rahmen ihrer Zuständigkeit für die Gestaltung der Rahmenbedingungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gemeinsam dafür einsetzen, dass der Schaden, der nicht zuletzt durch die öffentlich gemachte Debatte entstanden ist, schnellstmöglich behoben wird.<span id="more-1415"></span></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Angenommen, die Vertreter der Parteien würden sich aus dem Rundfunkrat und dem Verwaltungsrat zurückziehen, wäre das die Garantie, dass die Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gesichert ist?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Es ist jetzt die Aufgabe der Länder, die aufgeworfenen Fragen zu überprüfen. Möglicherweise wird sich auch das Bundesverfassungsgericht damit befassen. Es wird insgesamt darum gehen, eine bessere Balance zu finden und eine mögliche Dominanz einzelner Gruppierungen auszuschließen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Wie sehr hat diese Debatte, die seit Frühjahr öffentlich ausgetragen wird, dem öffentlich–rechtlichen Rundfunk geschadet?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Die Debatte hinterlässt Spuren und wird nachwirken. Vielfach wurde in öffentlichen Bekundungen der Eindruck erweckt, Parteien oder Staat würden weit über den konkreten Fall hinaus Einfluss auf Personalbesetzungen oder Programmgestaltung nehmen. Das entspricht nicht der Realität. Wir haben eine grundgesetzlich garantierte Programmautonomie, und ich trage als Intendant dafür Sorge, dass meine Kolleginnen und Kollegen unabhängig von äußeren Einflüssen &#8211; seien es politische oder ökonomische &#8211; arbeiten können.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Kurt Beck hat kürzlich konstatiert, dass die Akzeptanz der Gebühren schwindet. Welche Faktoren sind dafür Ihrer Meinung nach verantwortlich?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Es ist ein allgemeines Phänomen, dass Steuern, Gebühren oder andere Abgaben auf der Beliebtheitsskala nicht die obersten Ränge einnehmen. Schwerwiegender ist der Befund, dass vor allem jüngere Menschen den Wert eines öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Medienangebots geringer schätzen. Darin liegt eine große Herausforderung für uns. Denn wir müssen im Fernsehen, in den digitalen Programmangeboten und im Internet auch für diese jüngeren Menschen attraktive Angebote bereitstellen. Viele Medienangebote werden heute als selbstverständlich wahrgenommen. Die Bereitschaft, dafür zu zahlen, sinkt &#8211; das hat auch etwas mit der Internetwelt zu tun. Wir wollen deshalb gemeinsam mit unseren Kollegen der ARD stärker betonen, worin die besonderen Vorteile eines öffentlich-rechtlichen Angebots bestehen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Wie kann die Politik gegensteuern?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Indem sie die Rahmenbedingungen schafft und aufrecht erhält, die es dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk ermöglichen, die neuen medialen Formen der digitalen Welt im Sinne des Programmauftrags einzusetzen und damit angemessen auf die Veränderungen gerade auch im Medienkonsum jüngerer Menschen zu reagieren.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Wie kann das ZDF gegensteuern?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Das ZDF muss die Chancen der digitalen Welt nutzen. Wir müssen auf die Veränderungen im Nutzerverhalten reagieren und unseren Weg in Richtung einer Programmfamilie konsequent fortsetzen. Ich bin mir sicher, dass wir durch die vielfältigen Möglichkeiten der digitalen Welt, wie z. B. Abruffernsehen, zukünftig in der Summe größere Reichweiten erzielen können als in der Vergangenheit mit einem einzigen, linear ausgestrahlten Programm. Das ist aber natürlich nicht nur eine Frage der Technik. Wir müssen auch unsere Modernisierungsaktivitäten fortsetzen. Hierbei sehe ich uns mit ZDFneo und neuen Programmformaten und -vorhaben im Hauptprogramm auf einem guten Weg.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Glauben Sie, dass durch eine Haushaltsabgabe, die im Gespräch ist, die Akzeptanz steigt?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Noch ist unklar, auf welches Gebührenmodell sich die Länder einigen werden. Neben der Vorstellung von einer Haushaltsabgabe existiert weiterhin die Überlegung, die bestehende geräteabhängige Gebühr zu modifizieren. Grundsätzlich sollte das Ziel lauten: Die Gebühr so einfach, verständlich und nachvollziehbar zu gestalten wie irgend möglich. Je einfacher das Modell, desto höher die Akzeptanz.  Darüber hinaus gilt es sicherzustellen, dass das neue Modell einer eventuellen Überprüfung durch das Bundesverfassungsgericht standhält.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Welche Anforderungen stellen Sie an die künftige Gebührenordnung?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Sie sollte so einfach wie möglich sowie verfassungskonform sein. Und sie muss sicherstellen, dass der von der unabhängigen Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) ermittelte Bedarf erbracht werden kann.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Es ist auch wieder das Indexmodell ins Spiel gebracht worden. Wäre das eine Lösung, um die Gebühren langfristig zu sichern?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Ein  reines Index-Modell ist mit den Vorgaben aus Brüssel nicht vereinbar. Durch einen quasi automatischen Steigerungsmodus bestünde die Gefahr einer Überkompensation. Genau dagegen wirkt das Modell der KEF,  die zwar &#8211; soweit sinnvoll &#8211; in Teilbereichen selbst mit Indizes arbeitet, aufgrund ihrer streng bedarfsorientierten Kontrolle aber sicherstellt, dass nur der konkrete, wirklich benötigte Bedarf finanziert wird.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Das ZDF wird bis 2012 105 Mio. Euro weniger an Gebühren einnehmen als ursprünglich geplant. Die ARD will ihre Gebührenausfälle durch Kooperation und Spezialisierung kompensieren. Was können Sie angesichts dieser Ausfälle tun?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Die Zahl stammt aus einer Prognose der KEF. Wir berücksichtigen diese Erwartung in der Finanzplanung für die kommenden Jahre. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als durch Einsparungen in der Organisation, aber auch im Programm auf diese Ausfälle, so sie denn in diesem Umfang kommen, zu reagieren. Ich habe gerade erst bei der Verabschiedung des Haushalts 2010 klar gesagt, dass das Ziel, die laufende Gebührenperiode wie auch bereits die vergangene mit einer schwarzen Null abzuschließen, oberste Priorität hat.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Inwieweit ist das Programm davon tangiert?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Da wir in der Organisation und Struktur unseres Unternehmens schon in den vergangenen Jahren erhebliche Einsparleistungen umgesetzt haben, kann das Programm nicht außen vor bleiben. Wir verfolgen aber auch hier eine konstruktive Sparpolitik. Das heißt, wir nehmen nicht ganze Programme vom Sender, sondern suchen nach günstigeren Produktionsformen, intelligenten Wiederholungsstrategien und anderen Maßnahmen, die das Programm nicht nachhaltig beschädigen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Die Produzenten wollen preiswertere Programme produzieren, die ähnlich den Daily Soaps und Telenovelas „industriemäßig“ produziert werden. Wird auch das ZDF stärker auf solche Formate zurückgreifen müssen?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Das tun wir bereits an vielen Stellen im Programm. Wir experimentieren auch in ZDFneo mit neuen und günstigeren Formaten. Wie ich bereits sagte: Es führt kein Weg daran vorbei, Synergien zu heben und günstiger zu produzieren.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Die ARD hat sich jetzt mit den  Produzenten über eine Regelung bei der digitalen Verwertung geeinigt. Sie verhandeln noch. Wo liegen für Sie die Schwierigkeiten, einer ähnlichen Regelung wie sie die ARD getroffen hat, zuzustimmen?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Ich begrüße es sehr, dass die ARD nun Beteiligungsformen einführt, wie wir das schon seit Jahrzehnten praktizieren. Wir beteiligen die Produzenten längst an den Erlösen aus der Verwertung von Auftragsproduktionen, selbst dann, wenn wir die entsprechenden Programme zu 100 Prozent finanziert haben und die Produzenten zusätzlich garantierte Handlungskosten und Gewinnaufschläge dafür erhalten. Wir stehen zu angemessenen und fairen Rechteaufteilungen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> ZDFneo hat viel Lob von den Medien erhalten und wird 2010 ausgebaut.  Die Privaten fordern von der Politik ein Eingreifen, weil das Angebot angeblich nicht der Beauftragung entspricht. Werden sie ZDFneo inhaltlich verändern?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Die Kritik des VPRT läuft ins Leere. Das Programm von ZDFneo entspricht den staatsvertraglichen Rahmenvorgaben und ist in enger Abstimmung mit dem ZDF-Fernsehrat entwickelt und im November auf den Sender gebracht worden. Wir haben den Auftrag und die Pflicht, Inhalte auch für jüngere Menschen anzubieten. Wir zielen hier im Kern auf die 25- bis 50jährigen, die ein Recht darauf haben, ein wertiges öffentlich-rechtliches Programmangebot zu bekommen. Genau das leistet ZDFneo. Der langsame, aber stetige Zuspruch beim Publikum zeigt, dass der Sender ein Angebot präsentiert, das andere offenbar nicht bereitstellen.  Die Angriffe hinsichtlich fehlender Nachrichten sind im übrigen bemerkenswert, da uns gerade diese auf Betreiben des VPRT von der Politik verboten wurden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Die Finanzierung von ZDFneo soll auf Kosten Ihres 3sat-Engagements aufgestockt werden. Gleichzeitig haben Sie sich in der Berliner Erklärung für einen Fortbestand  von 3sat ausgesprochen. Ist das nicht inkonsequent? Benötigen wir 3sat angesichts des Internets noch?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Da werfen Sie einiges gehörig durcheinander. In der Tat aber ist es so, dass wir den Ausbau der digitalen Zusatzkanäle, also ZDFneo, den ZDFinfokanal und ZDFkultur nur durch Einsparungen und das Heben von Synergiepotentialen an anderer Stelle realisieren können. Zusätzliche Gebührengelder beanspruchen wir dafür nicht. Nach dem Start von ZDFneo planen im kommenden Jahr eine Weiterentwicklung des ZDFtheaterkanals zu einem Kulturkanal, der ein breiteres thematisches Spektrum abdecken wird. Wenn wir einen Teil unseres direkten Budgets von 3sat auf den Kulturkanal übertragen, heißt das nicht, dass das 3sat-Programm dadurch geschwächt wird. Wir legen Redaktionen zusammen und arbeiten von einer redaktionellen Plattform aus für mehr als nur einen Kanal. Das findet bei uns im Rahmen eines digitalen Transformationsprozesses statt. Es macht heute keinen Sinn mehr, einzelne Kanäle abgegrenzt voneinander zu betrachten. Das Programmunternehmen ZDF erstellt vielmehr Inhalte, etwa in den Bereichen Kultur, Information und Unterhaltung, die dann auf unterschiedlichen Verbreitungswegen zum Publikum transportiert werden. Schon jetzt leben die Partnerprogramme wie 3sat oder Phoenix überwiegend von Zweit- und Drittverwertungen aus den Hauptprogrammen von ARD und ZDF. Zu Ihrer Anschlussfrage: Selbstverständlich benötigen wir 3sat weiter. Es gibt kein vergleichbares Angebot, das den deutschsprachigen Raum mit besonderen Programmangeboten aus Österreich, Schweiz und Deutschland versorgt. Auf dieses besondere Profil sind wir stolz, und wir werden diese Fahne weiter hoch halten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Das ZDF ist auf vielen Feldern aktiv: Im klassischen ZDF-Angebot, Online, Mobile, mit drei Spartenkanälen, beim Ki.Ka, 3sat, Arte und Phoenix. Jetzt startet HDTV. Die Gebühren werden insgesamt nicht weiter wachsen, online ist keine Werbung möglich. Auf welche Angebote wird sich das ZDF in den nächsten Jahren konzentrieren, worauf wird es verzichten müssen?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Wir sind jetzt endlich da angekommen, wo ich schon lange hin will. Das ZDF entwickelt sich zu einer Programmfamilie mit unterschiedlichen Ausspielwegen und Plattformen. Das ist die Überlebensvoraussetzung in einer digitalen Welt, in der sich die Medienangebote immer weiter fragmentarisieren. Wir sind nicht mehr der alte Ein-Kanal-Sender der analogen Zeit, sondern ein öffentlich-rechtlicher Inhalte -Anbieter, der auf unterschiedlichen Wegen die Menschen in diesem Land erreicht. Im Zentrum wird auf lange Sicht das Hauptprogramm stehen. Mit ihm erreichen wir den größten Teil unseres Publikums. Aber, ich sage auch: Diese Relation wird sich in den kommenden Jahren verändern. Alle großen Sender verlieren an Marktanteilen. Als gebührenfinanzierter Sender haben wir die Verantwortung, diese Entwicklung zu berücksichtigen und Strategien dafür zu entwickeln, wie wir öffentlich-rechtliche Programmangebote zum Publikum transportieren. Wir sind da auf einem sehr guten Weg.</p>
<p style="text-align: justify;">
<p style="text-align: justify;"><strong>Über Prof. Markus Schächter</strong></p>
<ul style="text-align: justify;">
<li>Geboren: 31. Oktober 1949</li>
<li>1969 – 1974 Studium u.a. Geschichte, Politikwissenschaften und Publizistik</li>
<li>1973– 1977 Journalist beim SWR und ZDF</li>
<li>1977-1981 Kultusministerium Rheinland- Pfalz</li>
<li>Seit 1981 beim ZDF, u.a. Referent des Programmdirektors, Leiter der ZDF-Kulturredaktion, der Kinder- und Jugendredaktion und Programmplanung</li>
<li>1998-2002 Programmdirektor des ZDF</li>
<li style="text-align: justify;">Seit März 2002 Intendant des ZDF</li>
</ul>
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