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	<title>GOLDMEDIA Blog &#187; RTL</title>
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		<title>„RTL Aktuell“ baut seinen Vorsprung vor „heute“ aus. Interview mit Peter Kloeppel, RTL-Chefredakteur in der promedia</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Feb 2011 10:00:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Katrin Penzel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Promedia schreibt im GOLDMEDIA Blog]]></category>
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		<description><![CDATA[„Wir setzen auf unsere eigene Stärke“
Interview mit Peter Kloeppel, RTL-Chefredakteur, promedia 2/2011
„RTL Aktuell“ konnte auch im Nachrichtenjahr 2010 seine Position als Nummer 1 bei den jungen Zuschauern (14-49 Jahre) bestätigen. Mit 1,53 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 19,9 Prozent lagen die RTL-Hauptnews deutlich vor der „Tagesschau“ (1,26 Mio.; MA: 12,0%). Rang 3 in der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„Wir setzen auf unsere eigene Stärke“</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Interview mit Peter Kloeppel, RTL-Chefredakteur, promedia 2/2011</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>„RTL Aktuell“ konnte auch im Nachrichtenjahr 2010 seine Position als Nummer 1 bei den jungen Zuschauern (14-49 Jahre) bestätigen. Mit 1,53 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 19,9 Prozent lagen die RTL-Hauptnews deutlich vor der „Tagesschau“ (1,26 Mio.; MA: 12,0%). Rang 3 in der Jahreswertung bei der jungen Zielgruppe belegten die SAT.1-Nachrichten (0,82 Mio.; MA: 8,0%). Bei den Gesamtzuschauerzahlen platzierten sich die von Peter Kloeppel moderierten RTL-Hauptnachrichten mit durchschnittlich 3,91 Millionen Zuschauern (Marktanteil: 18,2%) im dritten Jahr in Folge vor der ZDF-Nachrichtensendung „heute“ (3,75 Mio., MA: 16,6%). Die „Tagesschau“ im Ersten kam 2010 als meistgesehene Hauptnachrichtensendung auf durchschnittlich 5,34 Millionen Zuschauer (MA: 18,9 %). </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<div id="attachment_3334" class="wp-caption alignleft" style="width: 144px"><strong><strong><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2011/02/klöppel.jpg"><img class="size-medium wp-image-3334" title="Peter Kloeppel" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2011/02/klöppel-219x300.jpg" alt="" width="134" height="184" /></a></strong></strong><p class="wp-caption-text">Peter Kloeppel</p></div>
<p><strong>promedia:</strong> Herr Kloeppel, „RTL Aktuell“ war 2010 vor „heute“ die  Nummer 2 der Nachrichtensendungen. Streben Sie nun die Marktführerschaft an?<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Man muss realistisch bleiben. Die „Tagesschau“ um 20 Uhr hat ein viel größeres Zuschauerpotenzial, das sie auch nutzt, da am Abend deutlich mehr Zuschauer einschalten. An diese große Zahl von Zuschauern heranzukommen, wird uns um 18.45 Uhr nicht gelingen. Aber wir freuen uns, dass wir mit  „RTL Aktuell“- so erfolgreich sind, zuletzt immer mal wieder auch beim Gesamtpublikum vor der „Tagesschau“ im Ersten liegen und von Jahr zu Jahr Zuwächse verzeichnen.<span id="more-3343"></span></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia: </strong>Ihre Nachrichten sind ähnlich aufgebaut wie die des ZDF. Was schätzen die Zuschauer vor allem an „RTL Aktuell“?<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Sie schätzen das, was sie auch an den anderen Nachrichtensendungen schätzen: aktuelle, kompetente und seriöse Information über die wichtigsten Ereignisse des Tages. Darüber hinaus kümmern wir uns nicht nur um die klassischen, politischen und wirtschaftlichen Nachrichtenthemen, sondern bilden das Leben in seiner ganzen Breite ab. Das heißt, bei uns finden sich auch Themen, die sich zum Beispiel rund um die Erziehung, Ausbildung, Gesundheit, technische Neuerungen, um Trends in der Kultur und anderen Lebensbereichen drehen. Wenn man es dann noch interessant und spannend aufbereitet ist das für viele Menschen der Grund, uns einzuschalten und auch nicht mehr, so wie es vor langer Zeit mal der Fall war, sicherheitshalber um 20 Uhr nochmal die „Tagesschau“ zu sehen, um zu prüfen, ob alles stimmt, was wir berichtet haben.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Viele gehen davon aus, dass Sie die jungen Zuschauer erreichen und ARD und ZDF die älteren. Aber ganz so einfach ist das wohl nicht mehr…<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Nein. Am vergangenen Sonntag hatten wir ca. 5,2 Millionen Zuschauer, davon 2,1 Millionen junge Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren. Das heißt, drei Millionen Zuschauer waren über 50. Wir versuchen, möglichst viele Menschen aus allen Altersgruppen zu erreichen und das gelingt uns deutlich besser als der „Tagesschau“ und der „heute“-Sendung. Die Kollegen haben großen Nachholbedarf bei denüngeren, weil diese „RTL Aktuell“ wohl interessanter finden und sich bei uns besser informiert fühlen über die Themen, die sie betreffen und interessieren.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Bilder und News sind bei Ihnen ähnlich wie bei ARD und ZDF. Was machen Sie anders, um junge Leute anzusprechen?<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Es ist generell nicht richtig, dass wir alle das gleiche Ausgangsmaterial verwenden. Wir bemühen uns z.B. sehr darum, nicht nur Material  von den Fernsehnachrichtenagenturen wie Reuters oder APTN oder von den großen Networks zu benutzen, sondern wir haben unser Korrespondentennetz im Ausland in den vergangenen fünf bis zehn Jahren kontinuierlich ausgebaut. Und natürlich suchen wir auch in Deutschland bei der Berichterstattung über Politik oder Wirtschaft nach dem eigenen Ansatz. Indem wir uns jeden Tag fragen, welches die interessanten und relevanten Geschichten sind und wie wir diese umsetzen, können wir uns sehr deutlich von anderen Nachrichtensendungen unterscheiden. Was natürlich auch bedeutet, die Informationen so zu bebildern, dass es für die Zuschauer einen Mehrwert bringt und sie nicht das Gefühl haben, sie bekämen bei uns das gleiche wie bei allen anderen auch.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Lässt das Interesse an Politik nicht bei den Jüngeren nach?<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Die Zuschauerzahlen sprechen bei uns eine andere Sprache. Die Jungen interessieren sich für politische Information, und sehen sich politische Themen mit großem Interesse an. Wir beobachten aber ein grundsätzlich geringeres Interesse an Politik im Allgemeinen, ganz besonders an Parteipolitik. Aber bei politischen Fragen,  die ihr Leben beeinflussen – ob das Hartz IV oder Ausbildung Erziehung oder Finanzierung sind –fühlen sich auch viele junge Menschen angesprochen. Diese Themen nehmen wir ernst und greifen sie immer wieder auf.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Sie sind auch Marktführer bei anderen Informationssendungen. Was ist die Ursache, dass RTL den ganzen Tag über eine gefragte Adresse für Information ist?<br />
<strong>Peter Kloeppel: </strong>Wir haben schon vor 15 Jahren als Aufgabe definiert, dass wir immer und überall im Programm mit unseren Informationen auffindbar sein möchten. Wir sehen Nachrichten also nicht nur als eine Aufgabe für den Abend an, sondern als eine Aufgabe, der wir uns jeden Tag zu jeder Tageszeit stellen. Wir können dadurch auch kontinuierlich rund um die Uhr unsere Reporter nutzen, unsere Geschichten erzählen und unsere Nachrichten zu Zeitpunkten den Menschen präsentieren, an denen sie sich für Nachrichten interessieren. Ob das nun früh morgens ist, wenn man aufsteht, oder am frühen Vormittag um 9 Uhr. Außerdem bieten wir mit dem Mittagsmagazin Punkt 12 viele Informationen und machen mit dem Nachtjournal mit einer ganz anders ausgerichteten Nachrichtensendung den Menschen ein spezielles Angebot. Dadurch, dass alle Redaktionen eng miteinander verbunden arbeiten sind wir an sehr vielen Geschichten dran, die wir den ganzen Tag erzählen und fortschreiben können.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Warum ist es für einen Privatsender wichtig, den ganzen Tag mit News präsent zu sein?<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Es gehört zu der Palette an Programmfarben, die wir als RTL unseren Zuschauern gerne bieten möchten, unbedingt dazu. RTL ist ein Sender, der als Vollprogramm Information, Unterhaltung und Sport anbietet. Wenn die Menschen bei uns wegschalten würden, weil sie sich Informationen wo anders suchen müssten, würde das dem Sender insgesamt schaden. Mit unseren Informationsangeboten stützen wir das Programm. So gesehen ist das ein verbundenes Gefäß, in dem die Stärke der Information die Stärke der anderen Programmteile mit beeinflusst und umgekehrt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Man hört sehr oft, dass sich Nachrichten bei einem privaten Sender nicht rechnen. Warum rechnen sie sich bei Ihnen doch?<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Wir sind zwar ein Wirtschaftsunternehmen, aber es ist für uns nicht die alleinige Frage, ob sich Nachrichten rechnen oder nicht, sondern für uns sind Nachrichten integraler Bestandteil des Programms. Wir sehen es auch als eine wichtige Aufgabe an, als Marktführer allen Zuschauern die ganze Bandbreite an Inhalten zu präsentieren, die Fernsehen bieten kann. Dazu gehört aus unserer Sicht auch informativer und interessanter Journalismus.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Es gibt den Vorschlag, dass Sie das Korrespondentennetz von ARD und ZDF nutzen können, um bei der teuren Auslandsberichterstattung zu sparen&#8230;<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Allein an der Tatsache, dass wir unser eigenes Korrespondentennetz im Ausland in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich ausgebaut haben, sieht man, dass wir auf unsere eigenen Stärke setzen und uns unabhängig von anderen machen. Auslandsberichterstattung muss auch nicht unbedingt so teuer sein. Wir verfügen in einigen Ländern über Büros, in denen ein Journalist selber mit der Kamera arbeitet und seine Beiträge am Laptop schneidet. Wir setzen auf unsere eigene Stärke, weil wir mit unseren eigenen Gesichtern und Geschichten aus dem Ausland viel erfolgreicher sind, als wenn wir uns auf die Infrastruktur von Mitbewerbern stützen würden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Können Sie sich einen anderen Bereich einer Zusammenarbeit mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorstellen?<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Ich wäre schon froh, wenn die Öffentlich-Rechtlichen sich untereinander besser abstimmen würden, also Events, wie zum Beispiel die Krönung im britischen Königshaus im April, nicht parallel übertragen und damit eine beträchtliche Summe ausgeben, die man mit Sicherheit auch anders ins öffentlich-rechtliche Programm investieren könnte. Wir haben in den letzten 20 Jahren gezeigt, dass wir auf eigenen Beinen stehen können und nicht darauf angewiesen sind, von den Öffentlich-Rechtlichen unterstützt zu werden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Tangiert Sie das Engagement der  Öffentlich-Rechtlichen im mobilen Bereich mit  Apps der „Tagesschau“ oder von „heute“?<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Man muss schon die Frage stellen, inwieweit das alles zum Grundversorgungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gehört und ob das Geld nicht besser ins Programm gesteckt würde, also in Inhalte, die tatsächlich von ARD und ZDF erwartet werden, nämlich kulturelle Programme, Dokumentationen und politische Berichterstattung zu prominenter Sendezeit. All das wird immer stärker in den Hintergrund gedrängt. Denn natürlich sind wir von diesen Aktivitäten auch betroffen. Wir haben 2004 als Erste ein Angebot in Kooperation mit der Deutschen Telekom mit eigenen Bewegtbild-Nachrichten für das Handy gestartet und haben damit auch Erfolg. Wir wollen immer und überall für die Zuschauer erreichbar sein, auch mit Apps auf Smartphones und Tablet-PCs.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Nicht alle privaten Sender produzieren ihre Nachrichten noch im eigenen Haus, im Gegensatz zu Ihnen. Wo sehen Sie die Vorteile?<br />
<strong>Peter Kloeppel:</strong> Der Vorteil besteht vor allem darin, dass wir im Verbund der  Redaktionen eine sehr viel größere journalistische Kraft entwickeln können, als wenn wir mit externen Partnern zusammenarbeiten müssten. Wir können eine eigene Nachrichten-Philosophie durchsetzen, die man jeden Tag auch bei uns im Programm sehen kann. Wir können unsere Ressourcen gemeinsam besser nutzen und können so auch sehr schnell reagieren, um zusätzlich zu informieren. Das heißt, wir wollen nicht von einem externen Zulieferer abhängig sein. Vielmehr sind wir der Auffassung, dass es bei einem Sender wie RTL und einer Sendergruppe wie der Mediengruppe RTL Deutschland dazu gehört, dass man eigene Informationsprogramme erstellt und so auch eigene Informationsmarken entwickelt. Wir sind fest davon überzeugt, dass dies bisher der richtige Weg war und auch in Zukunft sein wird.</p>
<p><strong>Artikel in der promedia 2/2011<br />
</strong>Weitere Informationen: <a onclick="_gaq.push(['_trackEvent','outbound-article','www.promedia-berlin.de']);" href="http://www.promedia-berlin.de/">promedia</a></p>
<p style="text-align: justify;">
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<h2>„Wir setzen auf unsere eigene Stärke“</h2>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom: 0.0001pt; line-height: normal;"><span style="font-size: 10pt; font-family: &amp;amp;amp;"> </span></p>
<h1>Interview mit Peter Kloeppel, RTL-Chefredakteur</h1>
</div>
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		<title>Trends im TV-Programm 2011. Goldmedia Gast-Kommentar auf kress.de von Christoph Schwab</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Jan 2011 12:36:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Katrin Penzel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Goldmedia Custom Research GmbH]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Fiction]]></category>
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		<description><![CDATA[2010 hat sich gezeigt: Deutsche Fiction ist wieder salonfähig. Ob „Lasko“ und „Doctor’s Diary“ bei RTL oder „Der letzte Bulle“ und „Danni Lowinski“ bei Sat.1, die viel diskutierte „Krise&#8221; deutscher Fiction-Formate scheint überwunden. Sender und Produzenten haben akzeptieren müssen, dass man mit Kopie von Look &#38; Feel amerikanischer Serien dauerhaft keine Erfolge erzielen kann. Sendungen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2041" class="wp-caption alignleft" style="width: 115px"><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/05/Christoph_Schwab_Goldmedia_.jpg"><img class="size-full wp-image-2041" title="Christoph_Schwab_Goldmedia_" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/05/Christoph_Schwab_Goldmedia_.jpg" alt="Christoph Schwab" width="105" height="148" /></a><p class="wp-caption-text">Christoph Schwab, Goldmedia  Custom Research GmbH</p></div>
<p style="text-align: justify;">2010 hat sich gezeigt: <strong>Deutsche Fiction</strong> ist wieder salonfähig. Ob „Lasko“ und „Doctor’s Diary“ bei <strong>RTL</strong> oder „Der letzte Bulle“ und „Danni Lowinski“ bei <strong>Sat.1</strong>, die viel diskutierte „Krise&#8221; deutscher Fiction-Formate scheint überwunden. Sender und Produzenten haben akzeptieren müssen, dass man mit Kopie von Look &amp; Feel amerikanischer Serien dauerhaft keine Erfolge erzielen kann. Sendungen, die das versucht haben, sind gescheitert. Ein spezieller, deutscher Look ist inzwischen wieder stärker gefragt. Das Fernsehjahr 2011 wird von einer wachsenden Nachfrage nach deutscher Prime-Time-Fiction geprägt sein.</p>
<p style="text-align: justify;">Verbunden ist diese Entwicklung mit einer gesamtwirtschaftlichen Erholung. Geht es den Zuschauern insgesamt besser, verliert „Eskapismus“ als Fernsehnutzungsmotiv an Bedeutung. Ein stärkerer Bezug der Medieninhalte zum Alltag wird nicht länger als negativ, sondern eher als Bereicherung empfunden. Das wird 2011 sichtbar werden. Allerdings bleibt abzuwarten, ob alle Sender gleichermaßen dafür gewappnet sind. Denn: Der eine oder andere war in Zeiten der Fiction-Krise mit der Pilotierung neuer <strong>deutscher Serien</strong> etwas zurückhaltend. Da die Vorlaufzeit für derartige Sendungen bekanntlich recht hoch ist, dürften einige Sender 2011 unter ihren Möglichkeiten – spricht Quoten bleiben.<span id="more-3187"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Ein weiterer gesellschaftlicher Aspekt könnte sich im <strong>TV-Programm 2011</strong> spiegeln. Das Interesse an Politik hat im Alltag vieler Menschen zugenommen – das zeigen nicht nur Stuttgart 21 oder die Aktivitäten in Sachen Atompolitik. Sicher wird dies nicht geradlinig zu mehr Politik-Sendungen und politische Talkrunden im Programm führen. Aber es könnte die Sender motivieren, passende und erfolgreiche internationale Serien zu adaptieren und mit Politikthemen aufzurüsten. Schaut man auf die internationalen <strong>TV-Märkte</strong>, könnte sich zum Beispiel das Format &#8220;<strong>Undercover Boss</strong>&#8221; eignen (ursprünglich Channel 4), das bereits in vielen Ländern sehr erfolgreich läuft. Top-Manager großer Unternehmen arbeiten hier undercover in niedrigen Positionen ihrer eigenen Firmen und machen lehrreiche Erfahrungen. Einen verkleideten Spitzenpolitiker einige Tage in einfacher und ungewohnter Tätigkeit mit TV-Kameras zu beobachten, wäre für den Zuschauer sicher gerade jetzt äußerst attraktiv. Allerdings dürfte die Umsetzung eines solchen Formats wohl daran scheitern, dass sich nicht viele Freiwillige finden werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein Trend, der sich 2011 noch verstärken wird, ist die Hybridisierung der TV-Genres – das Verschwimmen von <strong>Gattungsgrenzen</strong>. Prominentes Beispiel dafür sind die „<strong>Scripted Doku-Soaps</strong>“ – eine Symbiose aus <strong>Reality- und Fiction-Formaten</strong>. Sie waren 2010 schon der große Renner und werden auch 2011 die Programmlisten zieren. RTL dominiert mit diesen gescripteten Doku-Soaps erfolgreich den TV-Nachmittag. Die Konkurrenz blickt nicht nur neidisch auf die Werbeeinnahmen, sondern auch auf die Einsparungen bei den Produktionskosten. Gerade am Nachmittag müssen täglich viele Programmstunden gefüllt werden. Und mit per Handkamera gefilmten pseudo-realen Doku-Formaten lassen sich weitaus mehr Einsparungen erzielen, als mit vergleichsweise aufwendig produzierten Telenovelas. So denken auch die öffentlich-rechtlichen Sender mittlerweile laut darüber nach, 2011 mit fiktionalen Stoffen an den Start zu gehen, die günstig produziert sind und im Look den Doku-Soaps ähneln. Inhaltlich will man sich von der privaten Konkurrenz jedoch klar abgrenzen.</p>
<p style="text-align: justify;">Strategisch stehen alle Sender 2011 gleichermaßen vor der Herausforderung, sich auf die wandelnde <strong>Fernsehnutzung</strong> einzustellen. Schon 2015 werden rund 23 Mio. <strong>TV-Haushalte</strong> mit einem Internet-fähigen Fernsehgerät zumindest ausgestattet sein (Goldmedia-Prognose) und Video-on-Demand (VoD) ist dann einer der meistgenutzten Services. Die zunehmende Verschmelzung von TV und Internet schafft für die Sender eine völlig neue Konkurrenzsituation. Das heißt zum einen, sich auf neuen Plattformen zu positionieren, das heißt zum anderen aber auch, sich durch eigene Inhalte hervorzutun. Alle TV-Stationen sind gut beraten, sich noch stärker mit eigenproduzierten Filmen und Serien oder Shows und Events zu positionieren – denn eigene Inhalte stehen weitaus weniger in der Gefahr, durch <strong>VoD</strong> ersetzt zu werden als eingekaufte US-Ware.</p>
<p><strong>Christoph Schwab, Head of Research Goldmedia Custom Research GmbH</strong></p>
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		<title>promedia-Interview mit Andreas Bartl: Sat.1 ist ‚der dritte Weg’ zwischen ProSieben und RTL</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Aug 2010 09:00:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Katrin Penzel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Promedia schreibt im GOLDMEDIA Blog]]></category>
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		<description><![CDATA[Interview mit Andreas Bartl, Geschäftsführer ProSiebenSat.1-Deutschland GmbH, promedia Heft 8/2010

Menschlich, sympathisch, familienfreundlich, hochwertig – und relevant: so will sich SAT.1 in der neuen TV-Saison präsentieren. Sein neues Programmen soll sich nach den Worten seines Geschäftsführers Andreas Bartl „an den Interessen, Träumen und Lebenswelten unserer Zuschauer“ orientieren.  SAT.1 soll  „Fernsehen mit Herz und Verstand“ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Interview mit Andreas Bartl, Geschäftsführer ProSiebenSat.1-Deutschland GmbH, promedia Heft 8/2010<br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Menschlich, sympathisch, familienfreundlich, hochwertig – und relevant: so will sich SAT.1 in der neuen TV-Saison präsentieren. Sein neues Programmen soll sich nach den Worten seines Geschäftsführers Andreas Bartl „an den Interessen, Träumen und Lebenswelten unserer Zuschauer“ orientieren.  SAT.1 soll  „Fernsehen mit Herz und Verstand“  für die Kernzielgruppe der 30- bis 59-Jährigen sein.</strong><br />
<strong>Zu den Programm-High-lights gehören bei Sat.1. wieder TV-Events wie die „Die Wanderhure“ mit Alexandra Neldel ,. „Die Frau des Schläfers“ mit Yvonne Catterfeld und „247 Tage“ mit Veronica Ferres sowie der Vierteiler „Die Säulen der Erde“ nach dem Bestseller von Ken Folletts.Die neuen Serien„Danni Lowinski“ und „Der letzte Bulle“ erzielen Top-Quoten, die beiden Hauptdarsteller Annette Frier und Henning Baum stehen bereits ab Sommer für die jeweils zweite Staffel vor der Kamera. Jeanette Biedermann kehrt zu „Anna und die Liebe“ zurück. Ab Spätherbst 2010 ist die Schauspielerin und Sängerin wieder in der erfolgreichen SAT.1- Telenovela zu sehen. Mit „Hand aufs Herz“ startet eine neue täglichen Serie am Vorabend. Ab Herbst 2010 kämpfen u.a. Vanessa Jung, Caroline Maria Frier und Oli Petszokat an der Kölner Pestalozzi-Gesamtschule um die große Liebe und die Erfüllung ihrer Träume und Sehnsüchte.</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<div id="attachment_2563" class="wp-caption alignleft" style="width: 249px"><strong><strong><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/08/Jörg-Bartl.jpg"><img class="size-full wp-image-2563" title="Andreas Bartl" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/08/Jörg-Bartl.jpg" alt="" width="239" height="325" /></a></strong></strong><p class="wp-caption-text">Andreas Bartl, GF ProSiebenSat.1</p></div>
<p><strong>promedia</strong>: Herr Bartl, in den letzten Monaten haben sich die Marktanteile und Reichweiten ihre Sendergruppe im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Was ist das Erfolgsgeheimnis dieses relativ stetigen Anstieges?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Der Grundstein liegt in der neuen Organisation der deutschen TV-Gruppe. Wir arbeiten jetzt zentral und senderübergreifend, das heißt, wir haben alle Bereiche zusammengelegt. Die Mitarbeiter, die besondere Fähigkeiten in einer bestimmten Disziplin haben, arbeiten jetzt nicht nur für einen, sondern für mehrere Sender. Das hat sich bewährt, weil wir durch eine bessere Koordination und Abstimmung sowohl unserer Sendermarken als auch der Programmstrategien und Programmplanungen zu diesem Ergebnis kommen. Die Sender waren noch nie so gut aufeinander abgestimmt wie jetzt. Das ist für mich das Erfolgsgeheimnis, neben einem brillanten Team, das einen sehr guten Job macht und konzentriert arbeitet – egal, wie die Umstände sind. Wir sind deshalb relativ gut aus dieser Wirtschaftskrise herausgekommen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Ich habe den Eindruck, dass dazu eine Portion mehr an Mut kommt, auch Neues auszuprobieren?</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Andreas Bartl</strong>: Die Entwicklung trifft auf alle unsere Sender zu, aber vor allem auf Sat.1, weil der Sender neue, eigenständige Wege gehen musste, um sich weiterzuentwickeln. Das, was Sat.1 früher ausgezeichnet hat, waren die erfolgreichen Eigenproduktionen. Wir wollen deshalb an die Zeiten anknüpfen, in denen Sat.1 Innovationsführer im deutschen Fernsehen mit Deutscher Fiction und Innovationen wie der „Schillerstraße“ oder „Genial daneben“ war.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Das ist doch aber nicht so einfach. Die Mediennutzung hat sich inzwischen weiterentwickelt. Wie schafft man das?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Sicher, es bedarf schon vieler Ideen und Kreativität, aber es ist interessant und macht Spaß. Wir haben ein begeistertes Team, das über einiges an Erfahrungen verfügt. Über die Jahre ist dieses Know-how stetig gewachsen und man hat schon viele Situationen gemeinsam gemeistert. Das Entscheidende ist, dass man ein Verständnis dafür entwickelt, wofür eine Sendermarke steht und wofür eine Sendermarke stehen soll. Bei Sat.1 haben wir uns vorgenommen, nur noch Programme zu machen, die originär, also keine Nachahmer-Programme sind. Wir blicken nicht mehr zu RTL und ProSieben, sondern gehen unseren eigenen Weg.<span id="more-2559"></span></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Spielt dabei auch eine Rolle, was der Zuschauer vom Sender erwartet?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Natürlich. Die Studien, die wir die letzten Jahre zur Marke Sat.1 durchgeführt haben, ergeben ein aussagekräftiges Bild, wie diese Marke wahrgenommen wird und welche Programme dafür stehen. Deshalb wollen wir den Sender so positionieren, wie der Zuschauer Sat.1 wahrnimmt und zwar positiv. Sat.1 ist „der dritte Weg“ zwischen ProSieben und RTL: ProSieben ist ein Sender für die Jungen, die 14- bis 39-Jährigen, während RTL – in aller Ehrerbietung der tollen Leistung des Senders – an der einen oder anderen Stelle zu „laut“ ist. Sat.1 ist hingegen ein Sender, bei dem Fernsehen ein positives Erlebnis ist, Markenwerte gebildet hat, an die wir anknüpfen wollen: familienfreundlich, menschlich, hochwertig, relevant. Die DNA von Sat.1 ist sehr gut, wir müssen sie nur wieder freilegen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Ist es nicht erstaunlich, wie der Zuschauer diese Werte verinnerlicht hat und, obwohl es viele Veränderungen bei Sat.1 in den letzten Jahren gegeben hat, sich heute dieses Sat.1 wieder wünscht?</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Andreas Bartl</strong>: Das ist in der Tat erstaunlich. Wie nachhaltig diese Einschätzungen und Überzeugungen beim Zuschauer sind, ist für uns ein Glücksfall. Aber es ist tatsächlich so: Die Wahrnehmung des Zuschauers im Bezug auf die Sendermarken weist eine gewisse Trägheit in ihrer Entwicklung auf, d.h. die Sender entwickeln sich schneller als es die Zuschauer wahrnehmen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Man hörte in den letzten Monaten weniger, dass Ihre Gruppe sparen muss. Ist das nur eine Frage der Wahrnehmung oder hat sich die Rentabilität der Gruppe insgesamt verbessert?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Es ist zum Teil der wirtschaftlichen Situation des konjunkturellen Aufschwungs geschuldet. Bei uns geht es darum, dass wir die Krise als Chance nutzen und eine nachhaltige Effizienz schaffen. Man kann immer kurzfristig sparen, aber wichtiger ist, sich nachhaltig anders aufzustellen. Das haben wir getan und deshalb müssen wir jetzt nicht weitersparen, sondern das Level halten. Der Aufschwung ist noch so frisch, dass wir noch nicht wissen, wie nachhaltig die Erholung sein wird, aber wir sind kontrolliert optimistisch.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Heißt das, trotzdem prophylaktisch an bestimmten Stellschrauben weiterzudrehen, um Programmgelder einzusparen?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Wir haben bei Sat.1 viele neue Formate initiiert. Das heißt, wir haben einiges in Programme investiert, aber wir drehen nicht mit dem großen Schraubenschlüssel die Ventile wieder auf, denn das wäre wirtschaftlich nicht ratsam. Wir drehen sie aber auch nicht weiter zu.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Die Kooperation von ProSieben mit der ARD hat nicht nur für hohe Zuschauerzahlen, sondern auch für Schlagzeilen in den Medien gesorgt. Was haben Sie denn aus dieser Kooperation für Ihre Sendergruppe gelernt?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Es ist ein Lernprozess, wenn man ein gemeinsames Verständnis entwickelt hat, dass man etwas nur gemeinsam erreichen kann. Das war in dem Fall so: ProSieben hatte den Star, der so etwas machen kann, nämlich Stefan Raab, und die ARD hatte das Format, den Eurovision Contest. Und es zeigt sich einmal mehr, dass Stefan Raab sehr gute Ideen hat und der innovativste Programmmacher in Deutschland ist.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Sehen Sie auch die Möglichkeit weiterer Kooperationen mit öffentlich-rechtlichen Sendern oder wird das eine Ausnahme sein?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Wir wollen im nächsten Jahr die Titelverteidigung von Lena wieder gemeinsam bewältigen. Ob sich darüber hinaus etwas ergibt, will ich nicht ausschließen, aber es gibt noch keine konkreten Pläne. Wir sind flexibel und auch in der Lage, aus dem eigenen Privatfernsehlager wegzudenken und umgekehrt hat es die ARD bewiesen. Falls sich noch einmal eine sinnvolle Kooperation mit der ARD ergeben sollte, würde ich nicht nein sagen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Was wird aus ProSieben, wenn Stefan Raab dem Beispiel von Günther Jauch folgt und zur ARD abwandert?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Ich will es nicht hoffen, dass er zur ARD abwandert! Es gibt keine Alternative zu Stefan Raab. Er ist einzigartig, er ist der Entertainer für diese Mediengeneration.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Sat.1 hat in den vergangenen Jahren ein wechselhaftes Verhältnis zum Sport gehabt, während RTL mit den Berichten zur Fußball-WM gute Einschaltquoten erzielt hat. Sind Sie nicht etwas neidisch, dass dieser Happen an die Konkurrenz gegangen ist?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Nein, ich bin nicht neidisch. Ich gönne unseren Wettbewerbern den Erfolg. „Man kann nicht alle Bälle halten“, sagte der berühmte Torwart Jean-Marie Pfaff. Wir haben mir der UEFA Champions League und der UEFA Europa League das größte europäische TV-Fußballpaket erworben, mit dem wir den besten europäischen Fußball für die ganze Saison zeigen. Das ist der Weg, den wir gewählt haben – RTL hat die WM-Rechte gekauft und insofern stand die WM für uns nicht mehr zur Debatte.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Werden Sie insgesamt Ihr Sportengagement ausbauen?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Ja. Wir haben bei Sat.1 im Frühjahr wieder einen Versuch im Boxen unternommen. Dieses Experiment war erfolgreich. Deshalb zeigen wir am 4. September den Boxkampf Felix Sturm gegen den Mexikaner Marco Antonio Rubio.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Es ist nicht einfach, abgesehen von den Sport-Top-Ereignissen, Sportrechte durch Werbung zu kompensieren. Wie sehen Sie zum Beispiel die Chancen, solche Boxkämpfe zu refinanzieren?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Ja, es ist nach wie vor schwierig, ein prominentes Sportereignis zu refinanzieren. Ich sehe aber immer auch den Werbefaktor eines solchen Programms. Man kommt mit einem großen Sportereignis auf die Agenda der Nation. Als der FC Bayern München dieses Jahr ins Finale gekommen ist, war ich froh, dass wir die Champions League gekauft hatten. Der HSV kam bis zum Halbfinale in der Europa League, was uns auch gute Quoten brachte. Die Investition in Sport muss im Verhältnis zu anderen Programminvestitionen stehen und deswegen kann man bei dem Erwerb von Sportrechten aus meiner Sicht nur sehr überlegt vorgehen. Deshalb werden wir nicht in großem Maße weitere Sportrechte erwerben, aber einen schrittweisen Ausbau in Sport wie Boxen kann ich mir dennoch vorstellen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Aber muss sich denn bei Ihnen nicht jeder Sendeplatz selbst refinanzieren?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Das ist das Ziel, allerdings ist für uns eine starke Gesamtrendite die wichtigere Größe, und mit dieser bin ich im Bereich der ProSiebenSat.1 TV Deutschland zufrieden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Kylie Minogue wirbt für Sat.1. Entspricht das Pop-Idol Ihrer Zielgruppe?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Ich glaube schon, weil Kylie Minogue eine der erfolgreichsten Entertainerinnen aller Zeiten, ein nachhaltiger Popstar ist, der mehrere Generationen begeistert. Das ist eine Facette, die von Sat.1 abgedeckt wird, nämlich Größe. Sat.1 ist kein kleiner Sender, sondern ein großer, glamouröser. Ich bin froh und stolz, dass wir sie für uns gewinnen konnten. Sie hat eine tolle Kampagne für uns gemacht und steht für das neue, selbstbewusste Sat.1. Die Kampagne zeigt auch, dass Sat.1 Internationalität nicht ausschließt, auch wenn deutsch der Schwerpunkt ist.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Wie sind Sie auf die Idee gekommen?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Wir werben so für ProSieben schon recht lange, unter anderem mit Robbie Williams. In der Werbewirtschaft ist es weit verbreitet, dass man Stars als Testimonials verwendet. Ich glaube daran, dass man mit der richtigen Persönlichkeit sehr emotional und öffentlichkeitswirksam ausdrücken kann, was diese Marke bedeutet. Man kann so eine hohe Aufmerksamkeit generieren. Dies können wir für unseren Sender nutzen und umgekehrt nützt ihr das auch..</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Ihre Definition des Profils von Sat.1 könnte auch für das ZDF stehen. Wo sehen Sie den Unterschied?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Es gibt einen Überschnitt, den Sat.1 mit dem ZDF hat, und zwar, dass ZDF Wert auf Qualität legt. An dieser Stelle lasse ich den Vergleich mit dem ZDF gelten. In der Zuschauerstruktur ist das ZDF allerdings deutlich älter.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Man hatte den Eindruck, dass Qualität eine Zeit lang nicht im Vordergrund stand, sondern mehr die Effektivität des Programms gesehen wurde. Warum ist für Sie der Qualitätsbegriff wieder so wichtig?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Weil Qualität die Grundvoraussetzung für den nachhaltigen Erfolg eines Senders ist. Man kann immer mit Effekthascherei und voyeuristischen Dingen eine kurzzeitige Aufmerksamkeit erreichen, aber bei den Sendern meines Portfolios bei Sat.1/TV Deutschland ist Qualität immer ein Faktor gewesen, der nachhaltig zum Erfolg geführt hat. Wir dürfen bei den Sendern nicht alles machen. Wir glauben an eine bestimmte handwerkliche Qualität und daran, dass man seine Zuschauer ernst nehmen muss und sind damit auch ganz gut gefahren.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Sie haben bereits die beiden neuen erfolgreichen Serien angesprochen, die Montagabend laufen. Auch ihr neuer Comedy-Freitag ist erfolgreich. Was ist passiert, dass sich auf einmal die Erfolge häufen? War es nur der Umzug nach München?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Es ist die Besinnung auf die Markenwerte, die Sat.1 groß gemacht haben und da hat die deutsche Fiktion, vor allem deutsche Serien, immer eine Hauptrolle gespielt. Denken Sie nur an die Erfolge von einer lange Reihe von „Wolfs Revier“, „Kommissar Rex“, „Der Bulle von Tölz“ oder „Edel und Starck“ –Deutsche Serien sind bei Sat.1 elementar. Bei „Danni Lowinski“ und „Der letzte Bulle“ ist das ähnlich. Aus diesem Grund ist für uns der Erfolg so wichtig gewesen, um das zu erfüllen, was wir uns bei Sat.1 vorstellen: dass man eine handwerklich sehr gut gemachte Serie hat mit spannenden Plotts, sehr gut geschrieben, glaubwürdigen und authentischen Figuren. Das ist das Sat.1, das den Sender auch so beliebt gemacht hat. Am Freitag haben wir einiges aufzuholen und werden investieren. Auch hier war Sat.1einst der Sender, der den Markt beherrscht hat, aber leider in Rückstand geraten ist. Comedy war auch immer sehr wichtig für Sat.1, mit Reihen wie „Schillerstraße“, „Ladykracher“, „Pastewka“, die es zum Glück immer noch gibt und die weiterhin kreativ sind. Diese Marken sind unsere Grundpfeiler, auf die wir aufbauen wollen und im Comedy-Bereich wird es künftig auch einiges mehr geben. Ich kann schwer sagen, ob es einen Zusammenhang mit dem Umzug gibt. Es war eine schwierige Phase, in der sich der Sender selbst finden und in seiner Identität wieder neu aufbauen musste. Im ersten halben Jahr sind uns einige Schritte in die richtige Richtung gelungen. Darüber bin ich froh, aber es sind noch ein Stück Weg und viel Arbeit erforderlich, um Sat.1 wieder zu alter Stärke zurückzuführen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Bei welchen Programmbereichen sehen Sie vor allem diese Arbeit?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Gerade im Entertainmentbereich benötigen wir neue Ideen und Formate, um den Freitagabend auszufüllen. Das Jahr hat 52 Wochen und mit einem Erfolgsformat wie „Die perfekte Minute“ hat man gerade einmal acht bis zehn Wochen gefüllt. Aber wir haben erfolgversprechende Formate in der Pipeline wie „Mein Mann kann“ und „Deutschlands Meisterkoch“. Der zweite Bereich ist Fiction. Es wird neue Folgen von „Danni Lowinski“ und „Der letzte Bulle“ geben. Wir werden auch wieder in die Entwicklung von deutschen Serien und Movies am Dienstag gehen. Das Dritte ist der Bereich Factual mit all seinen Ausprägungen – von Magazinen über Dokumentationen bis hin zur Reality, also zum Docutainment. Gerade im letzteren Feld hat Sat.1 in den letzten Jahren wenig gebracht. Aber auch hier ist wichtig, seinen eigenen Weg zu gehen und da haben sich neue Felder für uns aufgetan, die wir ausprobieren wollen. Wir wollen eine Grunderneuerung vor allem in der Primetime erreichen. In der Access- und besonders in der Daytime läuft es nicht so schlecht. Wir haben keine übermäßige Zahl von Baustellen, aber wir haben welche, an denen wir nächstes Jahr mit großer Freude arbeiten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Ist die Betonung des Infotainments und Reality-Bereichs bei Ihnen jetzt eine taktische Reaktion auf die Diskussion um N24?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Ich kann mir zwar vorstellen, dass man das denkt, aber es ist sehr ernst gemeint. Der Informationsbereich bei Sat.1 könnte noch weiter ausgebaut werden, weil Sat.1 ein großer, generalistischer Sender ist und ein größeres Informationsangebot benötigt. Damit meine ich aber nicht in erster Linie Nachrichten, denn diese halte ich bei Sat.1 für qualitativ ausreichend und auch qualitativ in Ordnung. Mir geht es eher darum, Magazine zu entwickeln und Dokumentationen bei Sat.1 zu verorten, von denen es bis jetzt wenige gegeben hat. Wir haben auch schöne Ideen und werden ein neues Magazin im Herbst starten und darüber hinaus einige Dokumentationen produzieren. Sat.1 ist Fernsehen mit Herz und Verstand. Mit Herz meinen wir die Entertainment- und mit Verstand die Informationsformate.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Im Zusammenhang mit den fiktionalen Programmen hat Ihre Eine-Million-Euro-Grenze für TV-Movies bei den Produzenten für Aufsehen gesorgt. Wie dogmatisch meinen Sie das?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Wir wollten ein Signal in den Markt geben, um die Produktionswirtschaft aufzurütteln. Es ist uns klar, dass nicht jeder Film für eine Million Euro gemacht werden kann. Aber einen Film, der viele Innenaufnahmen hat, kann man schon mit einem gewissen Studioanteil produzieren. Wenn man dann vielleicht gleich mehrere Filme in einem bestimmten Set dreht, kann man Synergieeffekte erzielen, die der Eine-Million-Euro-Grenze nah sind. Es hat schon Eine-Million-Euro-Filme gegeben, die gut funktioniert haben.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Werden Sie jetzt von den Produzenten mit solchen Angeboten überschüttet?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Ja, es gibt schon kreative Ideen von den Produzenten. Insofern war die Aktion erfolgreich. Aber nicht nur im Bereich von einer Million Euro, sondern in der gesamten Palette. Viele Produzenten kommen gern zu Sat.1 und wir haben momentan zahlreiche Angebote und ein reges Verhältnis zu den Produzenten insgesamt. Die Kreativität der Produzenten ist die Grundlage unseres Erfolges.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Viele Produzenten haben nach dem Erfolg von „Danni Lowinski“ aufgeatmet und Sat.1 wieder als einen Hoffnungsträger gesehen. Können die deutsche Serie und das deutsche Movie insgesamt wieder hoffen?<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Ich habe für den Erfolg von „Danni Lowinski“ und „Der letzte Bulle“ sehr viele Glückwünsche erhalten. Es waren viele Produzenten dabei, die auch den Kollegen, die diese beiden Serien produziert haben, gratuliert haben. Für die Branche ist eminent wichtig, dass die deutsche Serie bei Sat.1 wieder funktioniert. Das war ein schöner Moment, als wir diesen Erfolg eingefahren haben. Da gab es eine große Solidarität. Ich freue mich auch, wenn bei RTL eine deutsche Serie erfolgreich ist, weil es für die Filmwirtschaft sehr wichtig ist, dass wir in diesem Bereich im Privatfernsehen Programme haben, die erfolgreich sind. Ich habe nichts gegen amerikanische Serien, aber wenn nur amerikanische Serien im deutschen Fernsehen laufen, schaden wir unserer Branche insgesamt. Dass amerikanische Serien funktionieren, haben wir gesehen und es schien in dieser Zeit fast unmöglich, deutsche Serien an den Mann oder die Frau zu bringen. Jetzt haben wir gesehen, dass es doch funktioniert und das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung. Auch die Deutschen Movies in Sat.1 laufen hervorragend. Unser Fiction-Chef Joachim Kosack bewegt da sehr viel.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Sie haben anscheinend Spuren hinterlassen, denn bei der Programmpressekonferenz von RTL hat sich Frau Schäferkordt nach Jahren deutlich wieder zu fiktionalen Produkten aus Deutschland bekannt, auch zu deutschen Serien.<br />
<strong>Andreas Bartl</strong>: Ja. Es ist wichtig, dass ein Land seine fiktionale Widerspiegelung im Fernsehprogramm findet. Eine Entwicklung, die dazu führt, dass keine Serienformate mehr produziert werden, ist fatal, weil dann eine ganze Industrie verkümmert. Zwar sind die Öffentlich-Rechtlichen die größten Auftraggeber für fiktionale Programme, aber dahinter kommt schon Sat.1 – wir sind der größte Auftraggeber im privaten Bereich. Wir lassen wieder große Events, eine neue Daily und Serien produzieren. Die positive Entwicklung, die wir in diesem Jahr bei der Akzeptanz deutscher Angebote feststellen können, freut Anke Schäferkordt genau so wie mich und die Produzenten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong><a href="http://www.promedia-berlin.de/">promedia</a></strong></p>
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		<title>promedia-Artikel: In Krisenzeiten sind Formate mit Leichtigkeit gefragt &#8211; Anke Schäferkordt (Geschäftsführerin RTL) im Interview</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Aug 2010 13:21:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Katrin Penzel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Promedia schreibt im GOLDMEDIA Blog]]></category>
		<category><![CDATA[ARD]]></category>
		<category><![CDATA[Game-Show]]></category>
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		<description><![CDATA[RTL konnte im vergangenen Programmjahr seine Marktführung weiter ausbauen. In der neuen Saison 2010/11 will RTL mit alten Klassikern und neuen Formaten in allen Genres überzeugen. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Interview mit Anke Schäferkordt, RTL-Geschäftsführerin, promedia 8/2010</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>RTL konnte im vergangenen Programmjahr seine Marktführung weiter ausbauen. Von 2009 zu 2010 kann der Sender einen Anstieg des Marktanteils bei den 14-49-Jährigen von 16,7 Prozent auf 17,8 Prozent verbuchen. In der neuen Saison 2010/11 will RTL mit alten Klassikern und neuen Formaten in allen Genres überzeugen. Dabei seien vor allem Themen mit „Leichtigkeit“ gefragt, so RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt in einem promedia- Interview. Dazu sollen auch neue Formate wie „Rachs Restaurantschule“, „Hapes zauberhafte Weihnachten“ und „Alt gegen Jung &#8211; Das Duell der Generationen“, moderiert von Günter Jauch, beitragen. Auch im Bereich Real-Life geht RTL mit mehreren neuen Formaten „ auf Zuschauerfang Im Event-Movie-Bereich ist der Sender mit dem Event-Zweiteiler „Hindenburg“, dem Ost-West-Drama „Westflug – Entführung aus Liebe“, der Agentenkomödie „Undercover Love“, den Abenteuer-Movies „Akte Golgatha“ und „Der Vermächtnis der Arche“ sowie der Komödie „Geister all inclusive“ präsent. Die Publikumserfolge „Das Supertalent“, „Deutschland sucht den Superstar“ und „Let’s Dance“ gehen gemeinsam mit den vier erfolgreichen werden weiter produziert. Im Bereich Comedy setzt man weiter auf live- Bühnenprogramme. Im Sport will RTL neben der Formal</strong> <strong>1 mit den Boxkämpfen der Klitschkos, deren Vertrag gerade verlängert wurde, das Angebot ausbauen.</strong><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;">
<div><strong> </strong></div>
<div>
<dl id="attachment_2536" class="wp-caption alignleft" style="width: 243px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/08/Schäferkordt_RTL.jpg"><strong><img class="size-full wp-image-2536" title="Anke Schäferkordt_RTL" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/08/Schäferkordt_RTL.jpg" alt="Anke Schäferkordt" width="233" height="325" /></strong></a></dt>
<dd class="wp-caption-dd"><strong>Anke Schäferkordt, Geschäftsführerin RTL</strong></dd>
</dl>
</div>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Frau Schäferkordt, RTL hat auch Spiele der Fußball-WM übertragen. Hat sich das von den Zuschauerzahlen und Werbeumsätzen gelohnt?<br />
<strong>Anke Schäferkordt:</strong> Bei den Zuschauern hat es sich absolut gelohnt. Wir haben im Schnitt über elf Millionen Zuschauer bei den Spielen ohne Parallelausstrahlung, selbst ohne deutsche Beteiligung, erreicht. Das Spitzenspiel lag bei über 13 Millionen. Damit waren wir sehr zufrieden. Die Moderation mit unseren vier Experten und Moderatoren war fachlich kompetent und emotional und es war richtig, mit Günther Jauch und Jürgen Klopp in Deutschland zu bleiben, um nah an den deutschen Fans zu sein. Das ist eine andere Stimmung als wenn man aus einem Studio fernab berichtet. Unser Konzept ist aufgegangen. Wirtschaftlich gesehen sind Sport-Highlights wie diese nicht einfach, eine Investition in die Marke RTL sind sie allemal.</p>
<p><strong>promedia</strong>: Werden Sie weiter gegen ARD und ZDF um Sportrechte bieten?<br />
<strong>Anke Schäferkordt</strong>: Dazu muss es erst wieder die Gelegenheit geben, denn die nächsten Pakete sind längst bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. Wir haben Interesse an einigen Spielen der nächsten WM geäußert. Wenn die Sparankündigungen der ARD im Sportbereich nicht nur Lippenbekenntnisse sind dann sollten wir bei Gelegenheit ins Gespräch kommen.<span id="more-2532"></span></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Sie wollen mehr auf Programme mit „Leichtigkeit“ setzen. Ist das die Reaktion auf die Krisenstimmung?<strong><br />
Anke Schäferkordt</strong>: Man kann in Krisenzeiten oft beobachten, dass etwa die Comedy in unterschiedlichsten Farben wiederkommt. Hört man in den Informationssendungen täglich negative Nachrichten, die verunsichern oder hat man im eigenen Umfeld vielleicht auch das eine oder andere Problem, dann möchte man sich irgendwann zurücklehnen, mal lachen und entspannen, anstatt den Abend über weitere Konflikte zu sehen. Das ist eine normale Reaktion. Wenn in der Gesellschaft Unsicherheiten auftreten, kommen etwas leichtere Formate eher an. Wir müssen aber zwischen den Sendeplätzen unterscheiden. Dass es zu einer Verschiebung der leichteren und etwas lösungsorientierteren Real-Life-Formate kommt, gilt eher für die Primetime. In der Daytime sehen wir unveränderten Zuspruch auch für konfliktintensive Formate. Die „Schulermittler“ etwa laufen fantastisch. Sie finden aber zum Schluss immer eine Lösung. Es gibt also auch hier eine Orientierung hin zur Konfliktlösung. Nachmittags ist das Sehverhalten anders als in der Primetime. Dort muss man sich zurücklehnen und fallen lassen können. Daher verändern wir im Real-Life-Bereich die Balance. Man muss auch mal schmunzeln können, wie bei „Bauer sucht Frau“. Das ist nett, man geht mit den Charakteren mit. Bei Christian Rach ist das auch so. Er hat eine Leichtigkeit in seiner Art, mit Menschen umzugehen. Wenn Probleme da sind, nimmt er sie positiv auf und bringt die Menschen auch in einer schwierigen Situation nach vorn oder auch mal zum lachen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Im Genre Reality-Life sei ein Sättigungseffekt eingetreten, haben Sie gesagt, daher werde es dort die meisten Umbauten geben. Bedeutet dies das Ende der Coaching-Formate?<br />
<strong>Anke Schäferkordt</strong>: Auf keinen Fall. Es wird eher zu einer etwas anderen Balance unterschiedlicher Formate kommen, Wir werden neue Formate zeigen, die Probleme auch mal mit einem „Augenzwinkern“ angehen. Eine Sättigung gibt es bei sehr konfliktreichen Formaten wie „Teenager außer Kontrolle“. Zwar war auch die letzte Staffel handwerklich sehr gut produziert, aber wir müssen darauf reagieren, dass eine etwas leichtere Herangehensweise oder auch andere Formen der Präsentation gefragt sind. An die starken Marken wie die „Super Nanny“ oder den „Schuldenberater“ glauben wir nach wie vor.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Sat.1 hat mit neuen fiktionalen Formaten Erfolg. Sie hatten angekündigt, sich in diesem Bereich mehr vom internationalen Markt emanzipieren zu wollen. Wie gut stehen die Chancen dafür?<br />
<strong>Anke Schäferkordt</strong>: Wir wollen uns nicht loslösen, sondern eine noch bessere Mischung erreichen aus eigenproduzierten und Kaufserien. Wir haben neben 20th Century FOX und Universal ganz bewusst auch mit dem renommierten US-Studio Warner einen Vertrag abgeschlossen, weil wir an die amerikanische Serie glauben, die auch bei Vox eine zentrale Farbe im Programm ist. Aber wir wollen das gern erweitern. „Dr. House“ ist für RTL eine Ausnahme unter den US-Serien und ein Image prägender Faktor. Aber auch bei amerikanischen Serien ist es nicht die Regel, dass sie über Jahre erfolgreich in der Primetime sind. Wenn man über Imageaspekte spricht, ist gerade die deutsche Produktion enorm wichtig. Zudem haben wir bei deutschen Serien selbst in der Hand, was wir entwickeln. Wir wollen auch weiterhin die besten amerikanischen Serien bei uns zeigen, aber unser Einfluss auf die dortige Entwicklung ist gleich Null: Wir schauen uns auf dem Markt um, ob uns etwas gefällt und ob das zu uns passt und versuchen es dann zu kaufen. Eine deutsche Serie aber gibt dem Sender ein Gesicht und macht Spaß, wenn sie gut gemacht ist. Wir sind froh, seit langer Zeit mal wieder mit vier neuen Staffeln eigenproduzierter Serien in die nächste Saison zu starten – und werden hier weiter entwickeln.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: ARD und ProSieben haben beim Eurovison-Song-Contest kooperiert. Ist für sie eine ähnliche Kooperation mit ARD oder ZDF denkbar?<br />
<strong>Anke Schäferkordt</strong>: Kooperationen wie diese werden sicher die Ausnahme bleiben. Wir planen so etwas derzeit nicht.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Das Finale mit dem Sieg von Lena Meyer-Landrut hatte mehr Zuschauer als DSDS. Ist der Stil dieser Show mit Dieter Bohlen ein Auslaufmodell?<br />
<strong>Anke Schäferkordt</strong>: Im Gegenteil. Die vergangene Staffel von DSDS war die erfolgreichste seit Start des Formats bei uns. Mit DSDS haben wir über Monate hinweg Martkanteile jenseits der 30 Prozent beim jungen Publikum erreicht. Auch wenn das Finale des Eurovision Song Contest ein Riesenerfolgt war, den wir den Kollegen durchaus gönnen – von der Beständigkeit eines Formats wie DSDS sind sie weit entfernt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Sat.1 hat den „Eine-Millionen-Euro-TV-Movie“ kreiert. Teurer dürfen diese Fernsehfilme nicht werden. Sind Ihre Vorgaben an die Produzenten ähnlich rigide?<br />
<strong>Anke Schäferkordt</strong>: Man muss zwischen einem Movie, den man in der Woche sendet, und einem, den man am Sonntag sendet, wo er im Zweifelsfall gegen große amerikanische Blockbuster bestehen muss, unterscheiden. Dabei wird man unterschiedlich investieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass man mit einer leichten Romantikkomödie ohne großen Location-Wechsel oder große Aktionen am Sonntagabend bestehen kann, ist eher gering. Deshalb wird man Events mit profilierterer Besetzung und höherem Aufwand vor allem sonntags bringen müssen. Ich würde jedoch nie eine Pauschale ansetzen. Der Preis für ein Movie muss davon abhängen, was mit diesem Stoff erreicht werden soll. Dabei haben wir völlig unterschiedliche Budgets. Die Spanne reicht von günstigeren bis hin zu absoluten Event-Kino-Budgets. Wir machen es vom Stoff und vom Sendeplatz abhängig.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Stern-TV soll es auch nach dem Ausstieg von Günther Jauch weiter geben. Wie kann man sich die Übergabe vorstellen?<br />
<strong>Anke Schäferkordt</strong>: Wir überlegen gemeinsam mit dem Produzenten, wie wir „stern-TV“ künftig besetzen. Dieser Job ist so prominent, dass man ihn nicht ausschreiben muss. Derzeit melden sich viele Interessenten, mit einigen sind wir im Gespräch. Wir haben keinen Zeitdruck und nehmen uns die Zeit, die wir brauchen. Bis spätestens Anfang 2011 werden wir entscheiden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Sind Sie mit der Jauch-Regelung zufrieden?</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Anke Schäferkordt</strong>: Wenn ich eine freie Wahl gehabt hätte, natürlich nicht. Andererseits freue ich mich, dass wir weiter mit ihm zusammenarbeiten können, auch an neuen Projekten. Für uns ist dieser Kompromiss gangbar und einer, den wir mit ihm gemeinsam mitgehen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: RTL zieht gerade in neue Gebäude um. Hat auch der Zuschauer etwas von dem Umzug? Wird das Programm davon noch besser?<br />
<strong>Anke Schäferkordt</strong>: Der Zuschauer wird alle Informationssendungen, die wir aus den neuen Studios senden, komplett in neuem Design sehen. Bei den Magazinen, sowohl bei den werktäglichen als auch bei „Extra“, ist das seit Anfang Juni der Fall. Sie werden in einem neuen, größeren virtuellen Studio produziert, wodurch sich ganz andere optische Möglichkeiten ergeben. Es sind unterschiedliche Dimensionen in der Tiefe möglich. Die Sendungen können sich in einer Art und Weise präsentieren, die man so noch nicht gesehen hat. Bei den Nachrichten sieht das im Test bereits fantastisch aus. Wir sind in der Designentwicklung mit „RTL aktuell“ und dem „Nachtjournal“ relativ weit. Dazu kommt, dass alles in HD produziert wird.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: „X-Faktor“ wird bei RTL eingeführt. Die ersten beiden Folgen sendet RTL bevor der Schwestersender übernimmt. Ist es eine Folge der Krise, dass die Mediengruppe RTL Deutschland näher zusammenrückt?<br />
<strong>Anke Schäferkordt</strong>: Bereits seit einigen Jahren verfolgen wir die Strategie, innerhalb der Sendergruppe noch enger zusammenzuarbeiten. Senderfamilien bilden sich auch international überall dort, wo der Wettbewerb besonders intensiv ist. Deutschland ist einer der kompetitivsten Märkte überhaupt, in Europa und weltweit. Deshalb macht es Sinn, dass wir uns in der Programmplanung abstimmen, um unseren Zuschauern nicht am selben Abend dasselbe Programmgenre anzubieten. Denn wir wollen nicht auf Kosten des anderen Partners, sondern auf Kosten der restlichen Wettbewerber wachsen. X factor ist ein tolles Format, welches wir auf RTL anschieben. Wir haben eine ordentliche Expertise in dem Genre und können Formate groß machen bei RTL und damit Interesse wecken – welches dann bei VOX befriedigt wird.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia</strong>: Warum sendet RTL nicht öfter starke Filme zur gleichen Zeit wie ProSieben? Ist die Konkurrenzangst zu groß?<br />
<strong>Anke Schäferkordt</strong>: Wir sind nicht bekannt dafür, besonders ängstlich zu sein. Und auch diese Programmierung hat weniger mit Angst, sondern eher mit Vernunft zu tun. Bei Spielfilmen ist ProSieben ein relevanter Player. Und aus Sicht des Zuschauers ist es wenig sinnvoll, wenn beispielsweise zwei Action-Blockbuster in der Erstausstrahlung gegeneinander laufen. Dann würden wir sehr viel Zuschauermails bekommen, in denen gefragt wird, was wir da machen. Es ist gerade in einem so starken Wettbewerb sinnvoll darauf zu achten, was die Konkurrenz sendet. Bei großen Events gehen wir oft in die Offensive. Aber es macht nicht immer Sinn, einen Film zu senden, wenn die anderen Sender gleichzeitig in genau derselben Programmfarbe unterwegs sind.</p>
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		<pubDate>Thu, 12 Aug 2010 07:30:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Katrin Penzel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Goldmedia Custom Research GmbH]]></category>
		<category><![CDATA[Medienbote-Kolumne]]></category>
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		<description><![CDATA[In diesen Tagen startet wieder eine neue Popstars-Staffel auf ProSieben, mittlerweile schon die neunte. Auch die Vorbereitungen zur achten Ausgabe des RTL-Casting-Flagschiffs „DSDS“ (Start: Anfang 2011) laufen auf Hochtouren. Es ist wohl davon auszugehen, dass die neuen Staffeln den Sendern wieder sehr gute Quoten bringen werden. – Casting-Shows laufen noch immer gut.

Zumindest ist dies derzeit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">In diesen Tagen startet wieder eine neue <strong>Popstars-Staffel</strong> auf <strong>ProSieben</strong>, mittlerweile schon die neunte. Auch die Vorbereitungen zur achten Ausgabe des <strong>RTL</strong>-Casting-Flagschiffs „<strong>DSDS</strong>“ (Start: Anfang 2011) laufen auf Hochtouren. Es ist wohl davon auszugehen, dass die neuen Staffeln den Sendern wieder sehr gute Quoten bringen werden. – <strong>Casting-Shows </strong>laufen noch immer gut.</p>
<p style="text-align: justify;">
<div id="attachment_2041" class="wp-caption alignleft" style="width: 138px"><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/05/Christoph_Schwab_Goldmedia_.jpg"><img class="size-full wp-image-2041" title="Christoph_Schwab_Goldmedia_" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/05/Christoph_Schwab_Goldmedia_.jpg" alt="Christoph Schwab" width="128" height="180" /></a><p class="wp-caption-text">Christoph Schwab, Head of Research, Goldmedia Custom Research GmbH</p></div>
<p>Zumindest ist dies derzeit noch der Fall, denn: Sie „kommen und gehen“ – die <strong>Content-Trends</strong> im Medienbereich. Warum waren nachmittägliche Talkshows eine Zeit lang so überaus erfolgreich und sind es nun nicht mehr? Warum feiern alte Formate plötzlich ein Revival, etwa die gute alte <strong>Gameshow</strong>? Aus welchem Grund verlieren bestimmte Zeitschriften ihre Auflagen, während andere Konzepte fruchten? Wie etwa das Magazin „<strong>Landlust</strong>“ aus dem Münsteraner Landwirtschaftsverlag, das kontinuierlich Leser gewinnt und im aktuellen IVW-Ranking erneut die Liste der Gewinner anführt.</p>
<p style="text-align: justify;">Medienangebote sind bekanntlich ebenso wie andere Produkte <strong>Lebenszyklen</strong> unterworfen. Werden sie nicht durch Relaunches kontinuierlich an Marktbedürfnisse angepasst, gehen sie irgendwann unter. Ob Zeitschrift, TV-Format oder Internetangebot – es gibt mehr als genug Beispiele für gesunkene Schiffe. Aktuell droht dies ganz offensichtlich den „Auswanderer-Doku-Soaps“. Eine Zeit lang wurde auf den Privatsendern ausgewandert, was das Zeug hält. Auch wenn <strong>VOX</strong> mit „<strong>Auswanderer sucht Frau</strong>“ in der neuen TV-Saison noch einmal an alte Erfolge anknüpfen will, hat dieses Genre zumindest in seiner puren Form offensichtlich seine besten Zeiten hinter sich. So wird „<strong>Goodbye Deutschland</strong>“ – dank VOX-Quoten-Queen Daniela Katzenberger – immer mehr zum Personality-Format, und im Programm von <strong>kabel eins</strong> sucht man den einstigen Reichweitengaranten „<strong>Mein neues Leben</strong>“ derzeit vergeblich. Dass es eine Wiedergeburt der originären Auswanderer-Formate geben wird, ist nicht besonders wahrscheinlich.<span id="more-2521"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Eine im TV-Bereich gern eingesetzte Strategie, verlorene Zuschauer wieder auf Sendung zu bringen und so den „Lebenszyklus“ bestimmter Programme vs. Produkte zu verlängern, ist es, die Reizstärke zu erhöhen. War es zum Start von „<strong>Big Brother</strong>“ noch ein Skandal, Menschen überhaupt in einem Haus Tag und Nacht zu beobachten, konnte dies durch den ersten Sex im Big Brother Haus noch gesteigert werden. Aber irgendwann war dies nicht mehr zugkräftig genug: schließlich wurde eine zunächst unbegrenzte Laufzeit der Show beschlossen und ein „ganzes Dorf“ beobachtet: Big Brother – das Dorf, 2005/06. (Dass die Sendung auch heute noch solide Quoten einfährt, hat wohl eher andere Gründe als diesen „Schachzug“.)</p>
<p style="text-align: justify;">Durch Modulation der Reizstärke werden nicht nur einzelne Formate reanimiert und verändert; auch komplette Genres verschwinden oder entstehen: Reichte es vor einigen Jahren noch aus, Menschen aus prekären Lebensverhältnissen in <strong>Talkshows</strong> auftreten zu lassen, war dies schon bald nicht mehr dramatisch genug. In den Problem-Doku-Soaps wurden die Protagonisten fortan in dem Umfeld gezeigt, in dem sie tatsächlich leben. Zu toppen war dies nur noch durch „erfundene Realität“: In den derzeit sehr erfolgreichen „<strong>Skripted Doku Soaps</strong>“ ist alles noch viel drastischer. Die Strategie, die Reizintensität zu erhöhen, kann eine ganze Weile lebenserhaltend funktionieren – aber: Irgendwann wird sich die Dosis einfach nicht mehr sinnvoll steigern lassen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Entwicklung und Veränderung von Trends ist äußerst komplex und eindimensionale Erklärungen laufen zwangsläufig ins Leere. Was auf den Lebenszyklus von Medienprodukten nachhaltig einwirkt, sind externe Einflüsse und Veränderungen im gesellschaftlichen Umfeld der Mediennutzer. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen die wichtige Rolle individueller Befindlichkeiten bei der Medienwahl: In Experimenten entscheiden sich gelangweilte Personen eher für Action-Filme, gestresste Personen wählen seichte Stoffe. Die Rezipienten suchen in den Medien das, was ihnen der Alltag gerade nicht bietet. Medien haben so eine stark kompensatorische Funktion. Deshalb feiern Kinokomödien in „schwierigen und unsicheren Zeiten“ auch ihre größten Erfolge, neue Angebote und Formate haben es dagegen vergleichsweise schwerer. Die Mediennutzer sehnen sich stärker nach bewährten Inhalten und nach mehr Leichtigkeit.</p>
<p style="text-align: justify;">Von gesellschaftlichen Befindlichkeiten profitiert dann wohl auch das erwähnte erfolgreiche Printmagazin „<strong>Landlust</strong>“. Mit der Lektüre dieser Zeitschrift lässt sich offenbar einer immer stärker technisierten, immer schnelleren und komplexeren Lebenswelt entfliehen. „<strong>Countrytainment</strong>“ als neuer Content-Trend in den Medien? Immerhin brillierten in der letzten TV-Saison auch Sendungen wie „<strong>Bauer sucht Frau</strong>“ (<strong>RTL</strong>) oder der „<strong>Bergdoktor</strong>“ (<strong>ZDF</strong>). <strong>Sat.1</strong> hat für den Herbst die Ausstrahlung eines „Countrytainment-Formats“ angekündigt. Ob der Sender damit Erfolg haben wird und andere Kanäle dem Beispiel folgen, wird sich zeigen. Sicher ist nur eins: Irgendwann ebbt auch die Countrywelle wieder ab.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Autor:</strong> <strong>Christoph Schwab</strong><br />
Head of Research, Goldmedia Custom Research GmbH</p>
<p style="text-align: justify;">Weitere Informationen: <a href="../2010/aktuelles.html%20_self">http://www.goldmedia.com/aktuelles.html</a></p>
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		<title>Abrüstung medienpolitisch oder: Wieviel Frieden bringt der Verzicht auf den Verzicht?</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Jul 2010 08:00:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Promedia das medienpolitische Magazin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Promedia schreibt im GOLDMEDIA Blog]]></category>
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		<description><![CDATA[Von Dr. Tobias Schmid und Anne Pietrzak, RTL-Television, promedia 7/2010
Der „bittere Medienkrieg“, wie der bekannte Verteidigungsexperte Peter Boudgoust ihn nannte, endete vorerst am 10.6.2010 durch Kapitulation der Politik vor dem scheinbar Unberechenbaren. Es gab keine Gewinner.
Noch am Tag zuvor hatte sich die Rundfunkkommission der Länder in einem für deutsche Verhältnisse geradezu  spektakulären Schnellritt darauf geeinigt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Von Dr. Tobias Schmid und Anne Pietrzak, RTL-Television, <em>promedia</em> 7/2010</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Der <strong>„bittere Medienkrieg“</strong>, wie der bekannte Verteidigungsexperte <strong>Peter Boudgoust</strong> ihn nannte, endete vorerst am 10.6.2010 durch Kapitulation der Politik vor dem scheinbar Unberechenbaren. Es gab keine Gewinner.<br />
Noch am Tag zuvor hatte sich die <strong>Rundfunkkommission der Länder</strong> in einem für deutsche Verhältnisse geradezu  spektakulären Schnellritt darauf geeinigt, die geräteabhängige <strong>Rundfunkgebühr</strong> durch eine pauschale Haushaltsabgabe zu ersetzen. Nach dieser Entscheidung muss sich dann aber akute Mutlosigkeit breitgemacht haben. Das ursprünglich geforderte <strong>Werbe- und Sponsoringverbot</strong> für <strong>ARD und ZDF</strong>, über das seit Jahrzehnten parteienübergreifend diskutiert wird und das in den vergangenen Wochen kaum noch einen ernstzunehmenden Gegner hatte, landete erneut in der medienpolitischen Zwischenablage. Vom großen Wurf bleibt nur das Verbot von Sponsoring nach 20 Uhr, mit Ausnahme von Sportereignissen. Diese Miniatur-Reform soll mit dem neuen <strong>Rundfunkstaatsvertrag 2013</strong> in Kraft treten.</p>
<div id="attachment_2435" class="wp-caption alignleft" style="width: 182px"><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/07/Dr_Tobias_Schmid.jpg"><img class="size-full wp-image-2435" title="Dr_Tobias_Schmid" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/07/Dr_Tobias_Schmid.jpg" alt="Dr. Tobias Schmid" width="172" height="233" /></a><p class="wp-caption-text">Dr. Tobias Schmid, RTL Television</p></div>
<p style="text-align: justify;">
<div id="attachment_2434" class="wp-caption alignleft" style="width: 182px"><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/07/Anne-Mary_Pietrzak.jpg"><img class="size-full wp-image-2434" title="Anne-Mary_Pietrzak" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/07/Anne-Mary_Pietrzak.jpg" alt="Anne-Mary Pietrzak" width="172" height="237" /></a><p class="wp-caption-text">Anne-Mary Pietrzak, RTL Television</p></div>
<p>Warum sich in einem politischen Gestaltungsraum &#8211; noch weit von den Zwängen der Globalisierung entfernt und innerhalb klarer nationaler und föderaler Kompetenzen organisiert -  immer wieder eine derartige Mut- und Kraftlosigkeit breitmacht, ist Außenstehenden kaum zu erklären.</p>
<p style="text-align: justify;">Vor- und Nachteile eines <strong>werbe- und sponsoringfreien öffentlich-rechtlichen Programms</strong> waren hinreichend diskutiert. Mochte man es lieber  bildhaft, konnte ein Blick aufs sogenannte <strong>Werberahmenprogramm</strong> ebenso Aufschlüsse bieten wie einer auf das wochentägliche Programmschema von <strong>ARD und RTL</strong>. Wer da noch substanzielle Unterschiede fand, die die signifikante Ungleichheit der Finanzierungsstruktur rechtfertigten, musste schon gute Augen haben.<br />
Dennoch ist es wieder nicht zum klaren Cut gekommen. Politiker scheuen offenbar nicht nur jede potenzielle Gebührenerhöhung der Öffentlich-Rechtlichen, sie scheuen auch, der Bevölkerung ehrlich mitzuteilen, was sie ihr über <span id="more-2431"></span>die Jahre üppig gewachsenes und luxuriös ausgestattetes öffentlich-rechtliches System mit 23 TV-, über 100 Audio- und nicht zählbaren <strong>Online-Angeboten </strong>tatsächlich kostet. Zugegebenermaßen ist Transparenz in diesem Bereich nicht einfach herzustellen, nicht einmal für die <strong>KEF</strong>. Derzeit wagt kaum jemand, eine zutreffende  Kompensations-Summe für den Fall des Werbekomplettverzichts zu  prognostizieren. Fakt ist nur: Das Gespenst der drohenden 1,42 Euro  Gebührenerhöhung ist entzaubert, nachdem selbst die Länder mittlerweile von deutlich unter einem Euro ausgehen und man mit unverzerrtem Blick auch auf die Hälfte eines Euros kommen kann.  Nur <strong>ARD und ZDF</strong> tragen weiter die Monstranz  der offiziellen 1,42 Euro KEF-Berechnung vor sich her.  Fairerweise sollte man dann aber auch zugeben, dass die <strong>KEF</strong> nur auf Basis der Zahlen rechnen kann, die man ihr offen darlegt. Es ist zumindest denkwürdig, dass es in Deutschland, einem  durchorganisierten und der Transparenz verpflichteten Land, nicht möglich sein soll, eine jedem Gebührenzahler verständliche Kostenrechnung in das öffentlich-rechtliche Zahlenwerk zu bringen. Ganz offensichtlich fehlt hier ein gesundes Maß an Transparenz. Allein deshalb ist Misstrauen angebracht.</p>
<p style="text-align: justify;">Dass dieses Misstrauen die Politik aber letztlich dazu geführt hat,  auf ein klares ordnungspolitisches Signal zu verzichten, ist tragisch. Selbst wenn man der Politik zugutehält, im Sinne der Gebührenzahler jedes unkalkulierbare Gebührenerhöhungsrisiko vermeiden zu wollen und nicht zeitgleich mit einem Umbruch des Finanzierungssystems eine Entscheidung zur Beifinanzierung zu treffen: Es hätte es noch immer die Möglichkeit gegeben, die grundsätzliche Bestimmung zum Gebührenverzicht zu treffen und ergänzend dazu einen Ausgleichsvorbehalt für eine zu definierende Evaluierungsphase festzulegen. Diesen klugen Vorschlag hatte VPRT-Präsident Jürgen Doetz im Vorfeld der Entscheidung eingebracht. Genau das Gegenteil ist aber passiert: Die ordnungspolitische Struktur bleibt wie sie ist; das Problem ist vertagt.</p>
<p style="text-align: justify;">Immerhin haben die Ministerpräsidenten sich jetzt  &#8211; nach Inkrafttreten des <strong>12. RStV</strong> &#8211; auf die Einrichtung einer Arbeitsgruppe verständigt, die Programmauftrag und &#8211; konzepte im „linearen digitalen Angebot“ von ARD und ZDF im Hinblick auf deren künftige Finanzierbarkeit auf den Prüfstand stellen soll. Das ist in sofern interessant, als gerade noch die Beschwerde des VPRT gegen ZDF neo, eine öffentlich-rechtliche Kopie von VOX, nur ohne Informationsprogramme, zwar als abweichend von staatsvertraglichen Regelungen, aber dennoch zurückgewiesen wurde.</p>
<p style="text-align: justify;">Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Wir halten diese Arbeitsgruppe für wichtig, richtig und uneingeschränkt begrüßenswert, hätten aber eine derartige Evaluierung im Vorfeld der staatsvertraglichen Regelungen des <strong>12. RStV</strong> für sinnvoller erachtet.</p>
<p style="text-align: justify;">Warum man sich aber entschieden hat, den gleichen Fehler zu wiederholen und auf die Festschreibung des Werbeverzichts mit Ausgleichsvorbehalt zugunsten  einer Neudiskussion der Gesamtproblematik in 3-5 Jahren zu verzichten, ist zumindest uns nicht erklärlich.  Dieser Zickzackweg der föderalen Politik auf der Suche nach einem haltbaren Kompromiss zur Sicherung des ordnungspolitischen Systems beschädigt das Vertrauen in die Medienpolitik. Einem stringenten Ordnungsrahmen und einer dauerhaften Balance im Dualen System sind wir damit keinen Schritt näher gekommen.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch ARD und ZDF haben letztlich wenig bis nichts gewonnen. Abgesehen davon, dass aller Voraussicht nach nur eine Gnadenfrist bleibt, bevor das Thema wieder auf die Agenda rutscht: Das Image von ARD und ZDF hat ebenso gelitten wie deren Glaubwürdigkeit. Es ist ja niemandem – auch nicht dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk – vorzuwerfen, innerhalb der Grenzen des Möglichen im eigenen Interesse zu handeln. Aber die Argumente von ARD und ZDF gegen die Einführung eines Werbe- und Sponsoringverzichts – und da vor allem  die heldenhafte Verteidigung ihrer zweifelhaften Rolle als Werbekorrektiv und Verfechter kommerzieller  Markttransparenz  &#8211; werden ihnen da  auf die Füße fallen, wo die Werbefreiheit heute schon als einziges Abgrenzungskriterium zu identischen privaten Angeboten herhalten muss.  &#8220;Die Werbefreiheit von ARD.de garantiert den Nutzern, dass Themen und Schwerpunkte unabhängig von ökonomischen Interessen gestaltet sind.&#8221; Ein Schelm, der der (offline-) ARD im Umkehrschluss anderes unterstellt.  Besonders ‚überzeugend’ wirkt in dem Zusammenhang beispielsweise die Einbettung des Formates „Börse im Ersten“ vor der ‚Tagesschau’, gesponsert von einem namhaften Versicherungskonzern.</p>
<p style="text-align: justify;">Die sinkende Glaubwürdigkeit öffentlich-rechtlicher Angebote macht auch die eingebettete Werbung nicht unbedingt attraktiver. Deshalb kann auch die Werbewirtschaft allenfalls einen Punktsieg verbuchen.  Und wer das Fehlen bestimmter Werbezielgruppen  beim privaten Rundfunk bemängelt, darf nicht ausblenden, dass eine übergroße Präsenz gebührenfinanzierter Angebote ein privates Gegenangebot im gleichen Segment  verunmöglicht. Dem privaten Rundfunk zu unterstellen,  qua definitionem auf bestimmte Zuschauerschichten fixiert zu sein, ist schlichtweg falsch. Immerhin wurde  „Ein Schloss am Wörthersee“ ursprünglich auch einmal von und für RTL produziert.</p>
<p style="text-align: justify;">Beschädigt von der politischen Nicht-Entscheidung zum Werbeverzicht ist in jedem Fall  die gesamte private deutsche Medienlandschaft. Ein werbefreier öffentlich-rechtlicher Rundfunk hätte das inzwischen ökonomisch ins Wanken geratene Mediensystem stabilisieren können. Das meint nur zum Teil die potenzielle Verschiebung der Werbeeinnahmen vom öffentlich-rechtlichen in den privaten TV-Sektor. Es betrifft natürlich auch und vor allem den Printbereich. Beschädigt ist die private Medienlandschaft aber auch deswegen, weil erneut der Beweis dafür erbracht ist, dass die politische Wahrnehmung dessen,  was er gesellschaftspolitisch leistet, nicht im Ansatz mit dem Grad seiner Unterstützung durch die Politik einhergeht. Die Zögerlichkeit der Politik lässt überhaupt den Eindruck entstehen, dass sich die beiden Säulen des Dualen Systems gefälligst selbst auf Kompromisssuche begeben und organisieren sollen. Dieses Vorgehen nimmt der Politik zweifellos unangenehme Arbeit ab, stellt aber schon die Frage nach deren ernsthaften Gestaltungswillen. Wir glauben, dass eine als Aussitzmodell betriebene Medienpolitik zumindest  dem kulturellen Teilaspekt unserer Branche mittelfristig den Todesstoss versetzen wird.</p>
<p style="text-align: justify;">In einem Punkt muss ich mich nun doch noch selbst revidieren: Es gibt tatsächlich noch einen Gewinner: Die medienpolitischen Fachpublikationen  und die Medienseiten der Tageszeitungen werden auch in den nächsten Jahren viele Medienredakteure brauchen. Anders werden die andauernden populistischen Nebelkerzenwürfe im Dualen System kaum zu entwirren und zu versachlichen sein. Man kann Maßnahmen zur Rettung von Qualitätsjournalismus auch ‚über Bande’ spielen.</p>
<p style="text-align: justify;">Weitere Informationen: <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.promedia-berlin.de');" href="http://www.promedia-berlin.de/">promedia</a></p>
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