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	<title>GOLDMEDIA Blog &#187; Online</title>
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	<description>Das Blog der Goldmedia Gruppe</description>
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		<title>Wir haben um die „Zeit“ eine Marken-Familie aufgebaut, Dr. Rainer Esser, Sprecher der Geschäftsführung die &#8220;Zeit“, im Gespräch mit promedia</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Apr 2011 08:30:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Promedia das medienpolitische Magazin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der „Zeit“ Verlag hat die Gesamterlöse 2010 deutlich gesteigert und einen Rekordumsatz erzielt. Im Vergleich zum Vorjahr erreichte das Hamburger Verlagshaus ein Plus von 9 Prozent und steigerte die Erlöse auf 134 Mio. Euro (2009: 123 Mio.). Seit 2003 wuchs der Umsatz um  81 Prozent. Die Vertriebsumsätze stiegen auf 59,7 Mio. Euro, das sind 6 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der „Zeit“ Verlag hat die Gesamterlöse 2010 deutlich gesteigert und einen Rekordumsatz erzielt. Im Vergleich zum Vorjahr erreichte das Hamburger Verlagshaus ein Plus von 9 Prozent und steigerte die Erlöse auf 134 Mio. Euro (2009: 123 Mio.). Seit 2003 wuchs der Umsatz um  81 Prozent. Die Vertriebsumsätze stiegen auf 59,7 Mio. Euro, das sind 6 Prozent mehr als in 2009. Seit 2003 wuchsen die Vertriebserlöse um insgesamt 39 Prozent. Bei den Anzeigenumsätzen legte der „Zeit“ Verlag im Vergleich zum Vorjahr um 8 Prozent auf 47,3 Mio. Euro zu. Das sind 63 Prozent mehr als in 2003. Rund 30 Prozent des Gesamtumsatzes entfielen 2010 auf die Neuen Geschäftsfelder. „Zeit“ ONLINE war 2010 das am stärksten wachsende Nachrichtenportal.</strong></p>
<div id="attachment_3593" class="wp-caption alignleft" style="width: 170px"><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2011/04/Rainer-Esser.jpg"><img class="size-full wp-image-3593" title="Dr. Rainer Esser" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2011/04/Rainer-Esser.jpg" alt="Dr. Rainer Esser" width="160" height="213" /></a><p class="wp-caption-text">Dr. Rainer Esser</p></div>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>promedia:</strong> Herr Esser, die „Zeit“ wird in diesem Jahr 65 Jahre alt und man hat den Eindruck, sie ist erfolgreicher denn je. Warum kann Ihnen denn die Krise, unter der so viele Printprodukte leiden, nichts anhaben?<strong><br />
Rainer Esser:</strong> Wir haben über die Jahre konsequent die Basis unseres Geschäftes ausgebaut und deshalb von einer Krise nichts gemerkt. Die Redaktion hat ständig an neuen Themen, Ressorts und Verbesserungen im Blatt gearbeitet und im Verlag wurden neue Ideen für das Anzeigen- und Vertriebsgeschäft und für neue Geschäfte entwickelt, um unseren Lesern und Kunden Freude zu bereiten. Zudem haben wir um die „Zeit“ herum eine Marken-Familie aufgebaut, die profitabel ist und das Hauptgeschäft durch Cross-Promotion unterstützt.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Warum schätzen die Leser die „Zeit“ und warum greifen immer mehr dazu?<strong><br />
Rainer Esser:</strong> Wir sind mit Lesern und Anzeigekunden ständig im Gespräch, hören zu und setzen viele Wünsche schnell um. Die Lesergespräche finden gemeinsam mit der Redaktion statt. Auch unsere vielfältigen Veranstaltungen dienen dazu, den Kontakt zu den Leserinnen und Lesern zu vertiefen und so von ihnen zu lernen.<br />
Zu unserem  Tag der offenen Tür im Februar kamen über 2000 Leser. Ihnen gefällt an der „Zeit“, dass sie ihren Stil beibehalten hat, keinen modischen Trends nachgeht und kontinuierlich an den Inhalten, der Qualität und der Optik arbeitet.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Heißt, den Stil beibehalten, dass die „Zeit“ eine konservative Zeitung ist?<br />
<strong>Rainer Esser:</strong> Die „Zeit“ ist in dem Sinne konservativ, dass wir kontinuierlich daran arbeiten, besser zu werden.<span id="more-3590"></span></p>
<p><strong>promedia: </strong>Sie erreichen jetzt eine Auflage von über 500.000 Exemplaren. Bei welchen Zielgruppen können Sie die Auflage weiter steigern?<strong><br />
Rainer Esser:</strong> Die Auflage der „Zeit“ ist auf historischem Höchststand. Wir wollen jedes Quartal ein bisschen gegenüber dem Vorjahr wachsen, geben unser Bestes in der Redaktion und im Verlag für dieses Ziel. Wir freuen uns, vor allem bei jungen Lesern weiterhin stark zu sein. Dafür haben wir auch vier Magazine für jüngere Leser – für Studenten, Schüler, angehende Studenten und für Kinder entwickelt und verlegen eine ganze Reihe von Sonderprodukten wie  Kinderbücher, Klassik für Kinder, wir organisieren gemeinsam mit der Stiftung Lesen und der Deutschen Bank einen großen Vorlesetag mit fast 10.000 Events, vergeben den Kinder- und Jugendbuchpreis Luchs und sind sehr stark mit „Zeit“ für die Schule an den Schulen engagiert, wo über 11.000 Lehrer und über 200.000 Schüler mitmachen. Außerdem haben wir „Zeit“ Online für die Schule gestartet und einen Newsletter für Schüler, der schon über 30.000 Bezieher hat. Zudem sind wir mit über 40 Hochschulveranstaltungen im Jahr unterwegs.</p>
<p><strong>promedia: </strong>Man hört  eher die Meinung, dass Print die Jugend schon verloren hat. Das hört sich bei Ihnen anders an. Woher nehmen Sie denn den Optimismus?<br />
<strong>Rainer Esser:</strong> Die These, dass junge Leute nicht mehr lesen, ist Unsinn. Sie lesen heute sicherlich weniger Zeitungen als früher. Und deshalb müssen wir uns stark anstrengen, um sie mehr zu begeistern. Verloren für Printmedien sind sie auf keinen Fall, nur sie sind viel anspruchsvoller geworden. Man muss sie viel stärker mit für sie interessanten Themen abholen und sie direkt ansprechen.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Auch bei den Anzeigenumsätze haben Sie im Vergleich zum Vorjahr zugelegt. Andere Verlage beklagen 2009 und 2010 einen Rückgang. Warum wirbt man denn bei Ihnen so gerne?<br />
<strong>Rainer Esser: </strong>Leser von Printpublikationen werden als Zielgruppe für werbetreibende Unternehmen immer interessanter. Die qualitätsbewusste Leserschaft der „Zeit“ ist darüber hinaus für Qualitätsmarken sehr attraktiv. Damit ist „Die Zeit“ ein idealer Werbepartner. Hinzu kommt, dass wir das „Zeit“-Magazin seit drei Jahren wieder herausgeben, das mit emotionalen Reportagen sehr dicht am Leben unserer Leser dran ist und deshalb ein sehr guter Werbeträger für Markenartikel aus den Bereichen Design, Uhren und Schmuck, Möbel,  Genussprodukte und Mode ist.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Wie muss sich trotz aller Erfolge das Printprodukt „Zeit“ weiterentwickeln?<br />
<strong>Rainer Esser:</strong> Indem wir weiter konsequent auf Qualität setzen. Wir haben in den letzten 18 Monaten mehrere neue Ressorts gegründet, zum Beispiel ein Geschichtsressort sowie „Glauben und Zweifel“ oder die Seite „Zeit“ der Leser“ sowie die Kinderseiten. In der Politik ist gerade eine neue Rubrik „Politische Lyrik“ eingeführt worden. Also, wir sind ständig in Bewegung, das Blatt zu verbessern. Es wird in diesem Jahr mit Neuigkeiten weitergehen. So kommt Ende Mai die zweite App der „Zeit“ heraus. Damit werden wir die erste App, die wir im letzten August gestartet haben, deutlich verbessern, d.h. noch mehr auf die Möglichkeiten zuschneiden, die ein  Tablet PC bietet.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Sie haben erfolgreiche Ableger, die Sie bereits nannten – „Zeit Wissen“ und „Zeit Campus“. Sind weitere Beiboote geplant?<strong><br />
Rainer Esser: </strong>Wir haben neben „Zeit Wissen“ und „Zeit Campus“ noch weitere Beiboote, und zwar „Zeit Geschichte“ sowie den „Zeit Studienführer“, der über 200 Seiten umfasst und unsere Kindermagazine. Im letzten Jahr haben wir zudem den „Zeit Schulführer“ herausgebracht, und in der „Zeit“ liegt viermal im Jahr das „Zeit“- Literaturmagazin bei.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Wie entwickelt sich das „Zeit“- Kinderheft?<br />
<strong>Rainer Esser: </strong>Es entwickelt sich  gut. Deshalb werden wir in diesem Jahr drei Kinderhefte herausbringen und ab September auf eine zweimonatliche Erscheinungsweise umstellen.</p>
<p><strong>promedia: </strong>Bei Kinderpublikationen ist es mit Werbung schwierig. Wie finanzieren Sie das Heft?<br />
<strong>Rainer Esser:</strong> Das Heft ist profitabel. Es wird zum einen mit relativ überschaubarem Aufwand produziert. Zum anderen hat es eine verkaufte Auflage von ca. 30.000 Exemplaren pro Ausgabe zu einem Copypreis von 4,95 Euro. Auch eine wachsende Zahl von Anzeigenkunden haben das „Zeit“ Kindermagazin entdeckt. Es wird im kommenden Juni deutlich weiter verbessert herauskommen.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Für Österreich, die Schweiz und Sachsen existieren regionale Ausgaben gestartet. Wie entwickelt sich dieses „Experiment“?<br />
<strong>Rainer Esser:</strong> Das Experiment hat sich so gut entwickelt, das wir längst nicht mehr von einem Experiment sprechen. Wir haben in Österreich  4.000 Stück an Auflage gewonnen und verkaufen von jeder Ausgabe durchschnittlich über 15 000 Exemplare und die Zahl wächst weiter. In der Schweiz haben wir auch 4.000 gewonnen mit weiter wachsender Tendenz. Sachsen ist unser jüngstes Kind – hier stieg bis jetzt  die Auflage um 1.500 Exemplare.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Planen Sie solche speziellen Ausgaben noch für weitere Regionen?<br />
<strong>Rainer Esser:</strong> Nein. In Österreich, der Schweiz und Sachsen steckt noch viel Wachstum für die „Zeit“.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Ein Drittel des Umsatzes 2010 stammt aus neuen Geschäftsfeldern. Wie hoch ist dabei der digitale Anteil?<br />
<strong>Rainer Esser:</strong> Der digitale Anteil an dieser Umsatzsparte ist im letzten Jahr kräftig gewachsen auf insgesamt 7 Prozent unseres Gesamtumsatzes. Verantwortlich dafür ist insbesondere die hervorragende Entwicklung von „Zeit Online“. Die Website ist von allen Nachrichtenangeboten im Internet im vergangenen Jahr am stärksten gewachsen. Die positive Entwicklung zeigt sich auch im Anzeigenbereich: Bei den Branding-Kampagnen haben wir ordentlich zugelegt und ein Umsatzplus von 50 Prozent erzielt.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Sie haben eine Leserschaft, die doch digitalen Verbreitungswegen sehr aufgeschlossen ist. Wie wollen Sie dieses Pfund noch besser nutzen?<br />
<strong>Rainer Esser:</strong> Die Überschneidungen zwischen Nutzern von „Zeit Online“ und Lesern der „Zeit“ ist klein. Das heißt, wir haben die Reichweite der Marke „Zeit“ dank online dramatisch gesteigert und große Chancen, noch mehr Leser vice versa von beiden Angeboten zu überzeugen. Zum einen wächst die Onlineaffinität in der Bevölkerung weiterhin, zum anderen ergänzen sich „Die Zeit“ und „Zeit Online“ ideal: Die Wochenzeitung bietet viel Orientierung und Einordnung sowie ausführliche Hintergrundberichte, „Zeit Online“ aktuelle Nachrichten. Da beide Angebote die gleiche Tonalität und Qualität bieten, ist „Zeit Online“  ein wichtiger Kanal geworden, um „Zeit“-Abonnenten zu werben.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Welche Chancen bietet das iPad für die „Zeit“?<br />
<strong>Rainer Esser:</strong> Das iPad ist eine wunderbare Erfindung, die uns fantastische Möglichkeiten bietet. Das elegante, ausdrucksstarke Layout der „Zeit“ kommt auf dem iPad hervorragend zur Geltung. Das wird noch stärker herauskommen bei unserem nächsten Release im Mai.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Und wie sieht es mit Paid-Content-Angeboten aus?<br />
<strong>Rainer Esser:</strong> Die Apps sind natürlich kostenpflichtig, bei „Zeit Online“ hingegen nur gewisse Services. Inhalte werden auf „Zeit Online“ auch künftig nicht kostenpflichtig sein.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Wie sehen Sie die Position von Apple in diesem Geschäft? Verhindern die Apple-Geschäftspraktiken neue Geschäftsmodelle der Zeitungsverleger?<br />
<strong>Rainer Esser:</strong> Wir sind  nicht glücklich über die Ankündigungen von Apple. Wir können nur hoffen, dass es bald mehr Konkurrenz bei den Tablet-Anbietern gibt.</p>
<p><strong>Dr. Rainer Esser, Sprecher der Geschäftsführung „Die Zeit“</strong></p>
<p><strong>Über Dr. Rainer Esser</strong></p>
<ul>
<li>Geboren: 11. Januar 1957</li>
<li>1977-1983 Jura-Studium</li>
<li>Bis 1989 Tätigkeit als Anwalt</li>
<li>1989-1992 Chefredakteur von Business Law Europe und Tax Letter Europe</li>
<li>1992-1995 Geschäftsführer Spotlight-Verlag GmbH und Herausgeber verschiedener Zeitschriften</li>
<li>1995-1999 Geschäftsführer der „Main Post“</li>
<li>Seit März 1999 Geschäftsführer der „Zeit“</li>
<li>Seit Januar 2005 Sprecher der Geschäftsführung</li>
</ul>
<p>Weitere Informationen: <a href="http://www.promedia-berlin.de/">promedia</a></p>
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		<title>Die Zeitung steht heute für Meinung, Hintergründe und Analysen. Jan Eric Peters, Chefredakteur der „Welt“-Gruppe im Gespräch mit promedia</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Jan 2011 09:30:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Promedia das medienpolitische Magazin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Promedia schreibt im GOLDMEDIA Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Die Welt]]></category>
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		<category><![CDATA[Qualitätsjournalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Die „Welt“-Gruppe, Deutschlands reichweitenstärkste nationale Abo-Zeitungsmarke, hat jetzt in Print investiert. Nachdem in den letzten Monaten vor allem digitale Angebote, wie die iPhone-App realisiert worden sind wurden jetzt die Printangebote der Markenfamilie optisch und inhaltlich weiter entwickelt. Seit Ende November erscheinen  „Die Welt“, „Welt Kompakt“  und „Welt aktuell“ mit einem neuen Logo und größeren Schriften. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die „Welt“-Gruppe, Deutschlands reichweitenstärkste nationale Abo-Zeitungsmarke, hat jetzt in Print investiert. Nachdem in den letzten Monaten vor allem digitale Angebote, wie die iPhone-App realisiert worden sind wurden jetzt die Printangebote der Markenfamilie optisch und inhaltlich weiter entwickelt. Seit Ende November erscheinen  „Die Welt“, „Welt Kompakt“  und „Welt aktuell“ mit einem neuen Logo und größeren Schriften. Neben einem überarbeiteten Layout führte die „Welt am Sonntag“ ein neues Zeitungsbuch &#8220;Titelthema&#8221; ein, in dem auf mehreren Seiten ein gesellschaftsrelevantes Thema beleuchtet wird.</strong></p>
<div id="attachment_3257" class="wp-caption alignleft" style="width: 168px"><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2011/01/Jan-Eric_Peters.jpg"><img class="size-medium wp-image-3257" title="Jan Eric_Peters" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2011/01/Jan-Eric_Peters-220x300.jpg" alt="Jan Eric Peters" width="158" height="215" /></a><p class="wp-caption-text">Jan Eric Peters</p></div>
<p><strong>promedia:</strong> Herr Peters, wie  sehen Sie die Arbeitsteilung zwischen Print, Online, Smartphone und  Tablet-PC?<br />
<strong>Jan Eric Peters: </strong>Der entscheidende  Punkt ist: Wir versuchen stärker in Geschichten zu denken und nicht sofort in Medienkanälen. Nehmen Sie als Beispiel unsere Berichterstattung im Fall Barschel. Da hatten wir in  „Welt am Sonntag“ eine große, exklusive Enthüllungsgeschichte und ein großes  Stück in der „Welt“, parallel lebhafte Debatten bei „Welt Online“. Im Mittelpunkt stehen die Inhalte. Während das Online-Angebot in erster Linie die breaking-News liefert, steht die Zeitung heute immer stärker für Hintergründe, Analysen und Meinung.<br />
Print ist nach wie vor eine sehr wichtige Säule in unserer Markenfamilie. Deshalb haben wir unser  Augenmerk am Ende des Jahres auch noch einmal ganz bewusst auf unsere starken Printmarken gelegt.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Sie  haben der „Welt“ einem Relaunch unterzogen. Warum?<br />
<strong>Jan Eric Peters:</strong> Unser Ziel war kein kompletter Relaunch, sondern die gesamte „Welt“-Markenfamilie optisch zu vereinheitlichen und wieder näher zusammenzuführen. Das ist uns gelungen und die<span id="more-3255"></span> ersten Reaktionen unserer Leserinnen und Leser sind sehr positiv. Die Veränderungen bei der „Welt“ sind bei weitem die umfassendsten seit dem großen Relaunch 1998 durch den damaligen  Chefredakteur Mathias Döpfner. Nach 12 Jahren war es an der Zeit, unsere  Mutterblätter optisch und inhaltlich weiterzuentwickeln. Damit hat die „Welt“-Gruppe dieses Jahr in Sachen Innovation und Qualität ein enormes Tempo vorgelegt. Wir haben neben den Printtiteln auch „Welt Online“ überarbeitet und sind nun mit täglich mehr als einer Million Nutzern klarer Marktführer unter den Qualitätszeitungen im Internet; wir waren als erste Zeitung Europas mit einer eigenen App auf dem iPad, die noch heute die meistgeladene und  meistverkaufte Zeitungsapp in Deutschland ist; und parallel dazu haben wir mit „Welt Aktuell“ und „Welt am Sonntag“ Kompakt gleich zwei neue Zeitungstitel entwickelt und auf den Markt gebracht.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Sie  planen für die „Welt“ noch mehr exklusive  Hintergrundgeschichten. Das erhöht  die Kosten. Noch vor wenigen Monaten  mussten Sie wie auch andere Zeitungen  sparen. Warum geht es auf einmal,  dass wieder mehr in die redaktionelle Arbeit  investiert  wird?<br />
<strong>Jan Eric Peters:</strong> Kostenbewusstsein ist wichtig und bei uns seit jeher ein Thema. Ich bin aber davon überzeugt, dass sparen niemals zu Lasten der journalistischen Qualität gehen darf. Durch eine kluge und vorausschauende Neuorganisation in den vergangenen Jahren geht es der Welt-Gruppe wirtschaftlich gut und wir haben in den vergangenen Monaten erheblich investiert. Die Einführung des Investigativressorts im September oder die Entwicklung neuer Printformate Anfang des Jahres sind der beste Beleg dafür.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Qualitätsjournalismus wird auch noch mit der Qualität der  Sprache verbunden. Ist es angesichts der schnelllebiger gewordenen  Online-Medium eine antiquierte Auffassung? Kann man  sich bei einer Tageszeitung unter dem Druck der Aktualität noch um die  Qualität der  Sprache kümmern?<br />
<strong>Jan Eric Peters:</strong> Neben den Inhalten gilt der Sprache immer noch unser höchstes Augenmerk. Zeitungen und Medien wie „Welt Online“ leben von der Sprache. In einer digitalisierten Welt, die immer schneller und bunter wird, wollen wir mit der neuen gedruckten „Welt“ allerdings ganz bewusst auch einen inhaltlichen Kontrapunkt setzen. Dazu gehören fundierten  Hintergrundberichte und starke Meinungsbeiträge.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Ihr  Verlagshaus fordert eine einheitlich Währung für  alle Verbreitungswege, die  auch mit anderen Medien kompatibel ist,  sozusagen eine Gesamtreichweite. Warum ist das so wichtig?<br />
<strong>Jan Eric Peters:</strong> Mathias Döpfner hat vor kurzem dargelegt, dass in einer sich stetig vernetzenden Welt die Ausweisung einer Gesamtreichweite immer wichtiger wird. Auch uns bei der „Welt“ interessiert nicht mehr nur die einzelne Zeitungsauflage oder die unseres Onlineangebots, sondern uns interessiert die multimediale Reichweite der „Welt“-Gruppe und ihrer Inhalte auf allen  Plattformen – von den verschiedenen Printtiteln über die Webseite bis hin zu  den mobilen Applikationen. Entscheidend ist die publizistische Schlagkraft der ganzen Gruppe, da ist alles mit allem vernetzt und befruchtet sich gegenseitig  – und hat dafür gesorgt, dass wir selbst in schwierigen Zeiten wie diesen wirtschaftlich gut da stehen. Machen wir es konkret: Ein Text der in der „Welt“ gedruckt wird, hat die Chance auch in „Welt kompakt“, auf „Welt Online“ und in der App veröffentlicht zu werden. Gemeinsam mit der „Welt am Sonntag“ erreichen wir auf diese Weise bis zu 3,6 Mio. Leserinnen und Leser, Doppelleser/nutz er sind da nicht einmal mitgezählt. Das gilt natürlich nicht nur für unsere Autoren, sondern auch für unsere Webekunden. Diese Schlagkraft ist einzigartig auf dem deutschen Qualitätszeitungsmarkt.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Was  unterscheidet den  „Welt“-Print-Leser vom  „Welt“-Smartphone-Leser?<br />
<strong>Jan Eric Peters:</strong> Eigentlich müsste die Frage eher lauten: Wie unterscheidet sich der „Welt Online“ Leser von dem Tageszeitungsleser oder dem Leser unserer App. Die App fürs iPad orientiert sich stärker an der Zeitung als am Online-Portal. „Welt“ Online hingegen bietet an 7 Tagen die Woche und 24 Stunden am Tag schnell und übersichtlich die wichtigsten News des Tages.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Vor  einem Jahr haben  Sie als eines der ersten Verlagshäuser eine kostenpflichtige  App der  &#8220;Welt&#8221; gestartet. Wie sind Ihre Erfahrungen?<br />
<strong>Jan Eric Peters:</strong> Die Tablet-Computer und Smartphones bieten gerade  traditionellen Verlagen eine große Chance, einen neuen Markt zu erobern. In  Amerika gehören die Tablets schon zum Straßenbild, auch bei uns werden sie das  Leseverhalten vieler Menschen verändern. Durch den multimedialen Content  entstehen ganz eigene Erlebniswelten, die man praktischerweise auch noch mit  sich herumtragen kann. Wer exklusive journalistische Inhalte bietet, wird auch Leute finden, die gern dafür bezahlen. Denn im Gegensatz zum Internet  dominiert hier bei den Nutzern nicht die Kostenloskultur. Als meistgeladene  und meistverkaufte Zeitungs-App sind wir mit den bisherigen  Erfahrungen außerordentlich zufrieden.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Viele ihrer  iPad-Abonnenten sind mit  dem Angebot unzufrieden, weil sie nur einen  Teil der Welt-Inhalte auf dem iPad  lesen können. Welche grundlegenden Überlegungen stehen hinter Ihrer iPad  App?<br />
<strong>Jan Eric Peters:</strong> Die gute Nachricht  ist, dass die „Welt“-App vor allem bei solchen Nutzern sehr gut ankommt, die  man in die Kategorie der klassischen Zeitungsleser einordnen kann. Gerade diese Menschen wollen wir ja erreichen, denn die sind es gewohnt, für guten Journalismus zu bezahlen. Die „Welt“ HD App wird viermal täglich aktualisiert und entspricht einer Zeitung, die immer aktuell ist. Wir arbeiten aber kontinuierlich an der Weiterentwicklung.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Welchen  Grundanforderungen müssen „Welt“-Inhalte  genügen, damit Leser auf digitalen Medien dafür bezahlen?<br />
<strong>Jan Eric Peters:</strong> Ganz einfach: Exzellenter Journalismus und größte Relevanz. Daran wird sich nichts ändern.</p>
<p><strong>promedia:</strong> Wird „Welt“-Online weiterhin kostenlos  bleiben?<br />
<strong>Jan Eric Peters:</strong> Momentan ist die Einführung kostenpflichtiger Bereiche nicht geplant.</p>
<p><strong>Jan Eric Peters, Chefredakteur der &#8220;Welt&#8221;-Gruppe</strong></p>
<p><strong>Über Jan Eric Peters</strong></p>
<ul>
<li>Geboren: 1. April 1965</li>
<li>Hochschule für Politik, München</li>
<li>1990-1994 Münchner „Abendzeitung“</li>
<li>1996-1997 „Hamburger Morgenpost“</li>
<li>1997-2000 Chefredaktion „Max“</li>
<li>2001-2006 Chefredakteur und Herausgeber DIE WELT und BERLINER MORGENPOST, WELT KOMPAKT</li>
<li>2007 Gründungsdirektor der Axel Springer Akademie, Berlin</li>
<li>Seit 2010 Chefredakteur der WELTGruppe</li>
</ul>
<p>Weitere Informationen: <a onclick="javascript:_gaq.push(['_trackEvent','outbound-article','www.promedia-berlin.de']);" href="http://www.promedia-berlin.de/">promedia</a></p>
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		<title>Man kann das Internet nicht ständig durchkontrollieren. promedia-Interview mit Prof. Dr. Cristof Weinhardt, Prodekan für Forschung der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften am KIT</title>
		<link>http://www.goldmedia.com/blog/2010/10/promedia-interview-mit-prof-dr-cristof-weinhardt-prodekan-fur-forschung-der-fakultat-fur-wirtschaftswissenschaften-am-kit-man-kann-das-internet-nicht-standig-durchkontrollieren/</link>
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		<pubDate>Tue, 05 Oct 2010 08:00:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Promedia das medienpolitische Magazin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Enquete-Kommission]]></category>
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		<category><![CDATA[Internet-Service-Provider]]></category>
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		<category><![CDATA[Prof. Dr. Christof Weinhardt]]></category>
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		<guid isPermaLink="false">http://www.goldmedia.com/blog/?p=2843</guid>
		<description><![CDATA[Interview mit Prof. Dr. Cristof Weinhardt, Prodekan für Forschung der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), promedia 10/2010
In einem promedia-Gespräch trat Prof. Dr. Weinhardt, einer der renommiertesten deutschen Informationswirtschaftler und wissenschaftlicher Experte in der Enquete-Kommission für bindende Grundregeln im Internet ein, wie Transparenz, deren Durchsetzung punktuell geprüft werden müsse. „Meines Erachtens muss [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Interview mit Prof. Dr. Cristof Weinhardt, Prodekan für Forschung der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), <em>promedia</em> 10/2010</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>In einem promedia-Gespräch trat Prof. Dr. Weinhardt, einer der renommiertesten deutschen Informationswirtschaftler und wissenschaftlicher Experte in der Enquete-Kommission für bindende Grundregeln im Internet ein, wie Transparenz, deren Durchsetzung punktuell geprüft werden müsse. „Meines Erachtens muss es Grundtarife geben, mit denen man auf alles, was frei erhältlich ist, zugreifen kann. Um gewisse Dienste oder Inhalte schneller zu bekommen, kann man zusätzlich zahlen. Es kann nicht sein, dass all diejenigen, die einen geringen Grundbedarf haben, diejenigen vollständig mitfinanzieren, die täglich 3D-Onlinespiele spielen oder Videos streamen. Da stellt sich die Frage, ob das fair ist“, so Weinhardt. Weinhardt äußerte seinen Zweifel, ob eine spezielle Institution zur Einhaltung der Netzneutralität notwendig sei. Es existiere eine sehr intelligente Internetcommunity, die bestimmte Dinge nie akzeptiere, sofort auf entsprechende Verstöße hinweise und so auf Provider aufmerksam mache, die die Nutzung unfair oder intransparent beschränken wollten. </strong></p>
<div id="attachment_2849" class="wp-caption alignleft" style="width: 156px"><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/10/Christof_Weinert1.jpg"><img class="size-medium wp-image-2849" title="Christof_Weinert" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/10/Christof_Weinert1-207x300.jpg" alt="Prof. Dr. Christof Weinert" width="146" height="214" /></a><p class="wp-caption-text">Prof. Dr. Christof Weinhardt</p></div>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Herr Prof. Weinhardt, was ist Netzneutralität?<br />
<strong>Christof Weinhardt:</strong> Unter Netzneutralität versteht man zunächst die faire Behandlung aller Teilnehmer im Netz, so dass kein einzelner Beteiligter in der Netzwelt einseitig Einfluss ausübt und dabei andere von Diensten, Inhalten oder sonstigen Zugängen ausschließt oder diskriminiert. Netzneutralität ist ein sehr komplexer Begriff und auf keinen Fall nur eine binäre Angelegenheit – es handelt sich um etwas Graduelles – das ist zumindest meine Meinung. Man muss dabei drei Ebenen unterscheiden: Es gibt die rein technische Ebene (Traffic Engineering), eine weitere Ebene, die sich auf die Qualität der gelieferten Services bezieht – dahinter steckt möglicherweise eine Priorisierung und Preisdiskriminierung von Services und/oder Inhalten – und die dritte Ebene des Blockierens bzw. Ausschlusses bestimmter Services oder Inhalte</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Ist diese Neutralität Ihrer Meinung nach heute im Netz noch gewährleistet?<br />
<strong>Christof Weinhardt: </strong>Ja, im Festnetz sehe ich das schon, obwohl den Providern zum Teil heute vorgeworfen wird, den Verkehr im Netz auf unfaire Weise zu optimieren. So ist es ja zum Beispiel nicht festgelegt, welchen Weg z.B. E-Mails im Netz nehmen. Die einzelnen Datenpakete suchen sich irgendwie den Weg durch das Netz, vorbei an vielen Knotenpunkten. Und dieser Datenstrom wird heute schon an verschiedenen Knoten ggf. in unterschiedlicher Weise optimiert. Wenn es an einer Stelle zu Verstopfungen kommt, dann nehmen die Datenpakete Umwege. Manche Leute behaupten, dass bereits das nicht mehr netzneutral sei. Aber eine solche Regelung des Datenverkehrs ist einfach <span id="more-2843"></span>notwendig – analog zu Verkehrssteuerungssystemen auf den Straßen, etwa Ampel Systeme, die je nach Verkehrsaufkommen auch verschiedene Strategien fahren, um den Verkehr in Gang zu halten. Wenn diese Optimierung in der Datenwelt  nicht geschehen würde, wäre es so ähnlich, als wenn im Straßenverkehr plötzlich die Ampeln ausgeschaltet würden. Der Straßenverkehr wird höchstwahrscheinlich dadurch für alle schlechter, auch wenn Einzelne dadurch evtl. besser wegkommen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Welche Rolle hat der Aspekt der Netzneutralität bei der Entwicklung des Internets gespielt? Hätte es sich ohne diese Netzneutralität anders entwickelt?<br />
<strong>Christof Weinhardt: </strong>Ich glaube schon. Wir sehen es am mobilen Netz, das von Anfang an kommerziell ausgerichtet war. Hier sind wir heute schon eher bereit, für bestimmte Dienste mehr oder weniger zu bezahlen, unterschiedliche Tarife und auch Einschränkungen zu tolerieren. Das klassische stationäre Internet war zunächst ein rein wissenschaftliches Netz, bei dem in der Entstehungsphase auf solche kommerziellen Dinge nicht geachtet wurde. Das hat letztlich zur heutigen Situation geführt. Dadurch wurde es möglich, dass so viele Menschen im Netz sind, es nutzen und sich dabei fair behandelt fühlen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia: </strong>Wodurch ist Ihrer Meinung nach die Netzneutralität vor allem gefährdet?<br />
<strong>Christof Weinhardt:</strong> Durch kommerzielle Interessen. Man muss dabei – entsprechend zu den vorher genannten Ebenen &#8211; zwischen den Internet-Service-Providern, die die Technologie zur Verfügung stellen und das Netz auf- und ausbauen und dafür hohe Investitionsausgaben tätigen, denen, die auf diesen Netzen Dienste und Inhalte  anbieten, und den Endnutzern unterscheiden. Erste könnten von Zweiten Geld dafür verlangen , dass sie deren Datenströme gegenüber anderen bevorzugen. Diese müssten dann diese Kosten unter Umständen an den Endnutzer weitergeben – und das erscheint vielen Nutzern nicht fair nach den heutigen Vorstellungen von Fairness im Netz. Aber dafür, dass wir das Bundesligaspiel in HD unmittelbar live und ruckelfrei übertragen bekommen, sind wir bereit zu zahlen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Die Provider beklagen, dass neue Geschäftsmodelle behindert werden, weil Online-Datenströme zunehmen und die Kapazitäten nicht ausreichen und man deshalb die Regeln für die Datenströme ändern müsse&#8230;<br />
<strong>Christof Weinhardt:</strong> Das trifft wahrscheinlich mehr für das mobile Internet zu. Für das Festnetz ist dies meines Wissens heute noch nicht der Fall und wird auch nicht so rasch eintreten. Es wird hier natürlich auch weiter investiert werden müssen. Der Datenbedarf wird weiter steigen. Aber die Technologie wird auch entsprechend günstiger. Inwieweit sich das ausgleicht, weiß man noch nicht. Wir können mit ökonomischen Modellen zeigen, dass kein direkter Zusammenhang zwischen möglichen Engpässen und einer Aufgabe der Netzneutralität besteht. Es muss investiert werden und die Internet-Service-Provider müssen auch Geld verdienen – ebenso natürlich auch die Dienste- und Inhalteanbieter. Die Frage ist nur, wie das allokiert wird. Also: Wer muss wie viel wofür bezahlen? Das ist eine ganz grundsätzliche Frage. Und dann muss man auch die Frage klären: Wer hat wie viel Recht auf welchen Grad an Informationsversorgung im Internet? Einige fordern deshalb, dass der Staat dafür sorgen müsse, dass alle Bürger in gleicher Weise an alle Informationen und Dienste kommen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Der Staat sollte Internetverbindungen subventionieren?<br />
<strong>Weinhardt: </strong>Nein &#8211; nicht subventionieren, sondern per Gesetz dafür sorgen, dass alle Zugang auf freie Inhalte bekommen können. Wenn alle gleiche Qualität bekommen sollen, muss derjenige, der im Netz Onlinespiele in 3D spielt, die sehr viel Datenvolumen haben und benötigen, den gleichen Zugang haben wie derjenige, der sich aus dem Bürgerbüro ein Formular herunterladen will. Das wäre die absolute Netzneutralität, die voraussetzt, dass eine Netzkapazität vorhanden ist, die ständig an solche Anforderungen angepasst wird. Dann stellt sich die Frage, ob das in Ordnung ist oder es einen anderen Grundversorgungsauftrag gibt, den wir einhalten müssen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia: </strong>Wie könnte ein solcher Grundversorgungsauftrag aussehen?<br />
<strong>Christof Weinhardt:</strong> Man könnte beispielsweise festlegen, dass alle Internet-Service-Provider einen Zugang zum gesamten Internet in einem bestimmten Servicequalitätslevel zu gewissen Konditionen anbieten müssen. Es muss also immer eine Möglichkeit geben, mit der alle Zugriff auf das Internet bekommen. Ergänzend dazu könnten sich Nutzer zusätzliche Kapazitäten oder Qualitätsupgrades kaufen. Unter bestimmten Annahmen ist es meines Erachtens dann durchaus sinnvoll, neue Geschäftsmodelle zuzulassen, bei denen auch die Content-Provider für eine Priorisierung zahlen, die es beispielsweise erlaubt, dass ihre Kunden auf besondere Dienste schnelleren Zugriff haben als auf andere. Es darf aber keine Internetprovider geben, die (fast) alle ihre Kapazitäten zur Priorisierung verkaufen, die dann nicht mehr für den regulären Datenverkehr zur Verfügung stehen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Derjenige, der mehr verbraucht, weil er Filme herunterlädt, müsste also mehr bezahlen?<br />
<strong>Christof Weinhardt:</strong> Ja. Das ist heute im mobilen Datendienst bereits gang und gäbe, und in anderen Bereichen auch. Dass man für Mehr mehr bezahlen muss, ist nicht in Frage gestellt, ebenso wenig, dass man für einen schnelleren Datenzugriff mehr bezahlen muss. Aber ein Internetprovider wie die Telekom darf nicht alleine darüber entscheiden, ob ein Kunde schneller bedient wird, wenn er die Google-Suchmaschine nutzt im Gegensatz zur Yahoo-Suchmaschine, oder ob Facebook gegenüber alle anderen sozialen Netzwerken bevorzugt wird.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Sie deuteten an, dass im mobilen Bereich differenziertere Geschäftsmodelle existieren als im stationären Onlinebereich. Kann man davon ausgehen, dass diese Geschäftsmodelle in nächster Zeit auch im stationären Internet üblich werden?<br />
<strong>Christof Weinhardt:</strong> Es existieren im mobilen Bereich schon solche Beschränkungen im Internet. So verbieten Vodafone oder T-mobile ihren Kunden explizit die Nutzung von Skype. Das ist natürlich eine Diskriminierung gegenüber Skype. Aus Sicht der Mobilfunkanbieter durchaus verständlich, dass sie sich nicht kannibalisieren lassen wollen. Das ist meines Erachtens nicht zu akzeptieren, denn es behindert den Wettbewerb und beschränkt die Möglichkeiten des Internets, ob im mobilen oder im stationären Bereich. Die Verhinderung solcher Einschränkungen ist einer der Kernpunkte der Netzneutralitätsdebatte. Wir müssen meines Erachtens erreichen, dass neben der zuvor genannten Grundversorgung Anbieter zumindest die Kunden über Priorisierungen und, wenn überhaupt akzeptabel, auch über Einschränkungen informieren müssen, damit diese sich unter Umständen für einen anderen Anbieter bzw. Tarif entscheiden können, bei dem es die jeweilige Diskriminierung nicht gibt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Besteht die Gefahr eines Zwei-Klassen-Internets, wenn die Provider ihre Geschäftsmodelle durchsetzen?<br />
<strong>Christof Weinhardt:</strong> Ja, die Gefahr sehe ich, wahrscheinlich sogar viel mehr Klassen. Deshalb ist die Garantie einer Grundversorgung so wichtig. Ich glaube aber nicht, dass wir in Zukunft alle Arten der Internetnutzung gleich behandeln sollten. Wir müssen sicherstellen, dass weiter ins Netz investiert wird du dass die Kapazitäten möglichst effizient genutzt werden – das ist eine urökonomische Forderung. Dazu sind neue Geschäftsmodelle wichtig</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Ist das aus Ihrer Sicht problematisch oder sollte man dem stattgeben?<br />
<strong>Christof Weinhardt:</strong> Das darf in meinen Augen nur stattfinden, wenn absolute Transparenz diesbezüglich herrscht. Ich kann mir vorstellen, dass sich zum Beispiel Spieleanbieter, bei Internet-Service-Providern einkaufen und damit für spezielle Tarife geringere Latenzen und schnellere Downloadraten garantieren. Das darf jedoch nicht dazu führen, dass andere Inhalte im Internet nicht mehr erreichbar sind oder so verlangsamt werden, dass man sie nicht mehr vernünftig erreichen kann.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia: </strong>Benötigen wir eine Institution, die über die Netzneutralität wacht?<br />
<strong>Christof Weinhardt: </strong>Über diese Fragen beraten wir gegenwärtig auch in der Enquetekommission und ich bin mir noch nicht sicher, ob eine solche Institution notwendig ist, oder ob es der Markt allein regelt. Es existiert schließlich eine sehr intelligente Internetcommunity, die bestimmte Dinge nie akzeptiert, sofort auf entsprechende Verstöße hinweist und so auf Provider aufmerksam macht, die die Nutzung unfair oder intransparent beschränken wollen – (dafür gibt es schon einige Beispiele). Viele sehen die Gefahr, dass sich einige Dienste- und Inhalteanbieter bei den Internet Service Providern so hohe Service Qualität  sichern, sprich kaufen, dass für die Anderen nicht mehr genügend Kapazität übrig bleibt. Das ist jedoch aus meiner aktuellen Sicht eher eine hypothetische Frage. So weit sind wir noch nicht, so eng sind die Kapazitäten derzeit nicht. Außerdem sollte das Geschäftsmodell so ausgerichtet sein, dass der Internet Service Provider mit den erzielten Einnahmen in den weiteren Ausbau der Kapazitäten investieren kann.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Aber hat es sich nicht auch beim Rundfunk oder den Kabelnetzen gezeigt, dass man dem Markt allein nicht trauen kann?<br />
<strong>Christof Weinhardt:</strong> Das Internet ist ein viel komplexeres Gebilde, das mit dem Kabelnetz überhaupt nicht vergleichbar ist. Man kann das komplett dezentral organisierte Internet nicht ständig “durchkontrollieren“. Das ist alleine technisch schon nicht möglich. Der richtigere Weg ist deshalb, auf gewisse Grundregeln zu setzen, beispielsweise auf Transparenz, und ihre Durchsetzung punktuell zu prüfen. Es muss bindende Regeln geben, die zum Beispiel die Bundesnetzagentur mitgestalten sollte. Und darüber hinaus wird vor allem die Internetcommunity über die Einhaltung wachen. Was die Tarife angeht, glaube ich schon, dass der Markt viel richten wird – wie gesagt, meines Erachtens muss es Grundtarife geben, mit denen man auf alles, was frei erhältlich ist, zugreifen kann. Um gewisse Dienste oder Inhalte schneller zu bekommen, kann man zusätzlich zahlen. Es kann nicht sein, dass all diejenigen, die einen geringen Grundbedarf haben, diejenigen vollständig mitfinanzieren, die täglich 3D-Onlinespiele spielen oder Videos streamen. Da stellt sich die Frage, ob das fair ist.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Über Prof. Dr. Christof Weinhardt</strong></p>
<ul>
<li>1981 &#8211; 1986 Wirtschaftsingenieurstudium, Informatik</li>
<li>1986 &#8211; 1994 Promotion, Habilitation in BWL und VWL am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik</li>
<li>1994 &#8211; 1995 Universität Bielefeld – Professur für Quantitative BWL</li>
<li>1995 &#8211; 2000 Universität Gießen – Professur für BWLWirtschaftsinformatik</li>
<li>Seit 2000 Universität Karlsruhe – Professur für Informationsbetriebswirtschaftslehre</li>
<li>Seit 2005 Direktor am FZI, Karlsruhe</li>
<li>Seit 2008 Direktor am Karlsruhe Service Research Institute</li>
</ul>
<p>Weitere Informationen: <a href="http://www.promedia-berlin.de/">promedia</a></p>
<p style="text-align: justify;">
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		<title>Erholung für Radio und Fernsehen erst 2011?</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Dec 2009 07:57:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Klaus Goldhammer</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Goldmedia GmbH Strategy Consulting]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Die <strong>Wirtschaftskrise</strong> hat auch die privaten Fernseh- und Rundfunksender erfasst. Die <strong>Studie „Wirtschaftliche Lage des Rundfunks in Deutschland 2008/2009</strong>“ – im Auftrag von acht <strong>Landesmedienanstalten</strong> unter Federführung der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (<strong>BLM</strong>) erarbeitet – belegt es schwarz auf weiß: Schon seit dem letzten Quartal 2008 lässt sich die schwierige konjunkturelle Gesamtsituation in der Rundfunkbranche an den Zahlen und Ergebnissen der Sender ablesen.</p>
<div id="attachment_1205" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-1205" title="Grafik_Wirtsch_Lage_Rundfun" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2009/12/Grafik_Wirtsch_Lage_Rundfun-300x217.jpg" alt="Privat TV Prognose 2009" width="300" height="217" /><p class="wp-caption-text">Privat TV Prognose 2009</p></div>
<p style="text-align: justify;">Der Umsatz im <strong>privaten Fernsehen</strong> sank 2008 zunächst geringfügig um rund zwei Prozent, im <strong>privaten Hörfunk</strong> allerdings schon um acht Prozent. Mit herben Einschnitten rechnet die Branche jedoch für das laufende Geschäftsjahr 2009: Die privaten Free-TV-Anbieter erwarten einen (weiteren) Umsatzverlust gegenüber dem Vorjahr von elf Prozent, die privaten Radioveranstalter ein vergleichbares Minus von neun Prozent. Einzig die <strong>Teleshopper </strong>rechnen zum Jahresende 2009 mit einem sechs-prozentigen Umsatzplus. Sie sind mit ihrem Geschäftsmodell deutlich weniger konjunkturabhängig als die werbefinanzierten TV- und Radioanbieter.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Werbeeinnahmen im deutschen Privatrundfunk sind 2008 entsprechend geschrumpft, sie gingen insgesamt um sieben Prozent auf 4,35 Mrd. Euro zurück. Und auch 2010 wird es nach Meinung der Sender nicht besser: Der Großteil der Anbieter rechnet erst 2011 mit einem konjunkturellen Aufschwung und damit auch mit einer Erholung der Werbemärkte.<span id="more-1206"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Teilweise konnte der Rückgang 2008 und 2009 durch andere Erlöse (digitales Pay-TV, Teleshopping, Games, Auftragsproduktionen und Lizenzhandel) aufge­fangen werden, so dass der Gesamtumsatz im privaten Rundfunk 2008 zunächst nur 3,3 Prozent verlor. Diese <strong>alternativen Erlösquellen</strong> – und das ist durchaus beachtlich – machen im Free-TV inzwischen 20 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Bei den Free-TV-Spartensendern liegt dieser Anteil sogar bei 35 Prozent.</p>
<p style="text-align: justify;">Dagegen wachsen die Umsätze, die der Rundfunk im <strong>Online-Bereich</strong> generiert, noch auffällig langsam: 2008 betrugen sie im privaten Fernsehen gerade einmal 252 Mio. Euro – das sind lediglich 3,3 Prozent des Gesamtumsatzes. Im privaten Hörfunk sowie beim Lokal-TV war der Anteil sogar noch geringer: 0,6 Prozent beim Lokal TV und nur 0,7 Prozent bei den Radioanbietern. Alle rechnen hier jedoch in den nächsten fünf Jahren mit einer deutlichen Steigerung: Die Hörfunkbranche sieht 2013 bereits einen Anteil von 6,5 Prozent und die Fernsehanbieter gar neun Prozent.</p>
<p style="text-align: justify;">Die <strong>Studie „Wirtschaftliche Lage des Rundfunks</strong>“ basiert auf einer umfangreichen <strong>Primärdatenerhebung</strong> bei allen 472 privaten Rundfunkprogrammen in Deutschland.* Dafür wurden insgesamt 362 Veranstalter mittels standardisiertem Fragebogen befragt. Die Untersuchung ist die umfangreichste und aktuellste Analyse der deutschen Rundfunklandschaft und ein profunder Spiegel der wirtschaftlichen Situation der Branche.</p>
<p style="text-align: justify;">Autor: Dr. Klaus Goldhammer, Geschäftsführer Goldmedia GmbH<br />
Weitere Informationen zu Goldmedia: <a href="http://www.goldmedia.com/blog/2009/10/2009/09/2009/aktuelles.html">http://www.goldmedia.com/aktuelles.html</a></p>
<p style="text-align: justify;">* Mit der Durchführung der Untersuchung und der Befragung wurden beauftragt: die Goldmedia GmbH (Daten-Erhebung und Bericht Fernsehen), TNS Infratest (Daten-Erhebung Hörfunk) sowie der Journalist Guido Schneider (Bericht Hörfunk).</p>
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