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	<title>GOLDMEDIA Blog &#187; Gebühren</title>
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	<description>Das Blog der Goldmedia Gruppe</description>
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		<title>ZDF-Intendant: Wir sind jetzt endlich da angekommen, wo ich schon lange hin will</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Jan 2010 13:00:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Promedia das medienpolitische Magazin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Promedia schreibt im GOLDMEDIA Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Gebühren]]></category>
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		<description><![CDATA[Interview mit Markus Schächter, ZDF-Intendant, promedia 01/2010
In einem promedia –Interview betonte ZDF-Intendant Markus Schächte, dass er als Intendant wisse, dass das ZDF seine Unabhängigkeit immer wieder neu erkämpfen und dem Publikum seine Glaubwürdigkeit durch journalistische Leistung und Qualität unter Beweis stellen muss. „Die Chefredakteure des ZDF haben stets für beides gestanden. Das gilt für Reinhard Appel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Interview mit Markus Schächter, ZDF-Intendant, </strong><strong><em>pro</em>media 01/2010</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>In einem promedia –Interview betonte ZDF-Intendant Markus Schächte, dass er als Intendant wisse, dass das ZDF seine Unabhängigkeit immer wieder neu erkämpfen und dem Publikum seine Glaubwürdigkeit durch journalistische Leistung und Qualität unter Beweis stellen muss. „Die Chefredakteure des ZDF haben stets für beides gestanden. Das gilt für Reinhard Appel ebenso wie für Klaus Bresser und Nikolaus Brender. Peter Frey steht genau in dieser Tradition.“ Peter Frey erklärte nach seiner Berufung: &#8220;Es ist jetzt die Hauptaufgabe des neuen Chefredakteurs, die Glaubwürdigkeit des Senders, die in der öffentlichen Wahrnehmung gelitten hat, wiederherzustellen. Dafür arbeite ich gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen, den Redaktionen, der Geschäftsführung und auch den Gremien.&#8221;</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Markus Schächter machte in dem Interview deutlich, dass trotz der Kritik des privaten Rundfunks an ZDFneo an seinem Weg der Schaffung einer Senderfamilie konsequent festhalten werde.  Mit dem neu formierten Digitalkanal, der seit 1. November 2009 auf Sendung ist, gehe das ZDF den ersten großen Schritt zur Bildung einer starken Senderfamilie, die unterschiedliche Zielgruppen unter dem Dach des ZDF vereinen will. Mit einer anspruchsvollen Kombination aus den Programmgenres Dokumentation/Reportage, Fiktion (Fernsehfilm, Spielfilm, Serie) sowie Comedy und Musik spreche ZDFneo besonders die Zielgruppe der 25- bis 50-Jährigen an. „Das ZDF entwickelt sich zu einer Programmfamilie mit unterschiedlichen Ausspielwegen und Plattformen. Das ist die Überlebensvoraussetzung in einer digitalen Welt, in der sich die Medienangebote immer weiter fragmentarisieren“, so Schächter im promedia-Gespräch.</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<div id="attachment_1409" class="wp-caption alignleft" style="width: 228px"><strong><strong><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/01/Markus_Schaechter.jpg"><img class="size-medium wp-image-1409" title="Markus_Schaechter" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/01/Markus_Schaechter-218x300.jpg" alt="" width="218" height="300" /></a></strong></strong><p class="wp-caption-text">Prof. Markus Schächter, Intendant ZDF</p></div>
<p><strong>promedia: </strong>Herr Schächter, wie sehr gefährdet die Entscheidung des Verwaltungsrates, den Vertrag mit Herrn Brender nicht zu verlängern, die politische Unabhängigkeit des ZDF?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter:</strong> Als Intendant weiß ich, dass das ZDF seine Unabhängigkeit immer wieder neu erkämpfen und dem Publikum seine Glaubwürdigkeit durch journalistische Leistung und Qualität unter Beweis stellen muss. Die Chefredakteure des ZDF haben stets für beides gestanden. Das gilt für Reinhard Appel ebenso wie für Klaus Bresser und Nikolaus Brender. Peter Frey steht genau in dieser Tradition.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Sie haben in einem Statement erklärt, dass die Länder jetzt die Pflicht hätten, im Rahmen der anstehenden Novellierung des Rundfunkstaatsvertrags für belastbare Rechtsgrundlagen des ZDF Sorge zu tragen. Was für eine Regelung stellen Sie sich vor?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck hat dazu Vorschläge in die Diskussion eingebracht. Es ist aber nicht meine Sache, diese inhaltlich zu bewerten. Entscheidend ist, dass sich die Länder im Rahmen ihrer Zuständigkeit für die Gestaltung der Rahmenbedingungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gemeinsam dafür einsetzen, dass der Schaden, der nicht zuletzt durch die öffentlich gemachte Debatte entstanden ist, schnellstmöglich behoben wird.<span id="more-1415"></span></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Angenommen, die Vertreter der Parteien würden sich aus dem Rundfunkrat und dem Verwaltungsrat zurückziehen, wäre das die Garantie, dass die Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gesichert ist?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Es ist jetzt die Aufgabe der Länder, die aufgeworfenen Fragen zu überprüfen. Möglicherweise wird sich auch das Bundesverfassungsgericht damit befassen. Es wird insgesamt darum gehen, eine bessere Balance zu finden und eine mögliche Dominanz einzelner Gruppierungen auszuschließen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Wie sehr hat diese Debatte, die seit Frühjahr öffentlich ausgetragen wird, dem öffentlich–rechtlichen Rundfunk geschadet?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Die Debatte hinterlässt Spuren und wird nachwirken. Vielfach wurde in öffentlichen Bekundungen der Eindruck erweckt, Parteien oder Staat würden weit über den konkreten Fall hinaus Einfluss auf Personalbesetzungen oder Programmgestaltung nehmen. Das entspricht nicht der Realität. Wir haben eine grundgesetzlich garantierte Programmautonomie, und ich trage als Intendant dafür Sorge, dass meine Kolleginnen und Kollegen unabhängig von äußeren Einflüssen &#8211; seien es politische oder ökonomische &#8211; arbeiten können.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Kurt Beck hat kürzlich konstatiert, dass die Akzeptanz der Gebühren schwindet. Welche Faktoren sind dafür Ihrer Meinung nach verantwortlich?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Es ist ein allgemeines Phänomen, dass Steuern, Gebühren oder andere Abgaben auf der Beliebtheitsskala nicht die obersten Ränge einnehmen. Schwerwiegender ist der Befund, dass vor allem jüngere Menschen den Wert eines öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Medienangebots geringer schätzen. Darin liegt eine große Herausforderung für uns. Denn wir müssen im Fernsehen, in den digitalen Programmangeboten und im Internet auch für diese jüngeren Menschen attraktive Angebote bereitstellen. Viele Medienangebote werden heute als selbstverständlich wahrgenommen. Die Bereitschaft, dafür zu zahlen, sinkt &#8211; das hat auch etwas mit der Internetwelt zu tun. Wir wollen deshalb gemeinsam mit unseren Kollegen der ARD stärker betonen, worin die besonderen Vorteile eines öffentlich-rechtlichen Angebots bestehen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Wie kann die Politik gegensteuern?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Indem sie die Rahmenbedingungen schafft und aufrecht erhält, die es dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk ermöglichen, die neuen medialen Formen der digitalen Welt im Sinne des Programmauftrags einzusetzen und damit angemessen auf die Veränderungen gerade auch im Medienkonsum jüngerer Menschen zu reagieren.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Wie kann das ZDF gegensteuern?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Das ZDF muss die Chancen der digitalen Welt nutzen. Wir müssen auf die Veränderungen im Nutzerverhalten reagieren und unseren Weg in Richtung einer Programmfamilie konsequent fortsetzen. Ich bin mir sicher, dass wir durch die vielfältigen Möglichkeiten der digitalen Welt, wie z. B. Abruffernsehen, zukünftig in der Summe größere Reichweiten erzielen können als in der Vergangenheit mit einem einzigen, linear ausgestrahlten Programm. Das ist aber natürlich nicht nur eine Frage der Technik. Wir müssen auch unsere Modernisierungsaktivitäten fortsetzen. Hierbei sehe ich uns mit ZDFneo und neuen Programmformaten und -vorhaben im Hauptprogramm auf einem guten Weg.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Glauben Sie, dass durch eine Haushaltsabgabe, die im Gespräch ist, die Akzeptanz steigt?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Noch ist unklar, auf welches Gebührenmodell sich die Länder einigen werden. Neben der Vorstellung von einer Haushaltsabgabe existiert weiterhin die Überlegung, die bestehende geräteabhängige Gebühr zu modifizieren. Grundsätzlich sollte das Ziel lauten: Die Gebühr so einfach, verständlich und nachvollziehbar zu gestalten wie irgend möglich. Je einfacher das Modell, desto höher die Akzeptanz.  Darüber hinaus gilt es sicherzustellen, dass das neue Modell einer eventuellen Überprüfung durch das Bundesverfassungsgericht standhält.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Welche Anforderungen stellen Sie an die künftige Gebührenordnung?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Sie sollte so einfach wie möglich sowie verfassungskonform sein. Und sie muss sicherstellen, dass der von der unabhängigen Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) ermittelte Bedarf erbracht werden kann.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Es ist auch wieder das Indexmodell ins Spiel gebracht worden. Wäre das eine Lösung, um die Gebühren langfristig zu sichern?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Ein  reines Index-Modell ist mit den Vorgaben aus Brüssel nicht vereinbar. Durch einen quasi automatischen Steigerungsmodus bestünde die Gefahr einer Überkompensation. Genau dagegen wirkt das Modell der KEF,  die zwar &#8211; soweit sinnvoll &#8211; in Teilbereichen selbst mit Indizes arbeitet, aufgrund ihrer streng bedarfsorientierten Kontrolle aber sicherstellt, dass nur der konkrete, wirklich benötigte Bedarf finanziert wird.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Das ZDF wird bis 2012 105 Mio. Euro weniger an Gebühren einnehmen als ursprünglich geplant. Die ARD will ihre Gebührenausfälle durch Kooperation und Spezialisierung kompensieren. Was können Sie angesichts dieser Ausfälle tun?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Die Zahl stammt aus einer Prognose der KEF. Wir berücksichtigen diese Erwartung in der Finanzplanung für die kommenden Jahre. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als durch Einsparungen in der Organisation, aber auch im Programm auf diese Ausfälle, so sie denn in diesem Umfang kommen, zu reagieren. Ich habe gerade erst bei der Verabschiedung des Haushalts 2010 klar gesagt, dass das Ziel, die laufende Gebührenperiode wie auch bereits die vergangene mit einer schwarzen Null abzuschließen, oberste Priorität hat.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Inwieweit ist das Programm davon tangiert?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Da wir in der Organisation und Struktur unseres Unternehmens schon in den vergangenen Jahren erhebliche Einsparleistungen umgesetzt haben, kann das Programm nicht außen vor bleiben. Wir verfolgen aber auch hier eine konstruktive Sparpolitik. Das heißt, wir nehmen nicht ganze Programme vom Sender, sondern suchen nach günstigeren Produktionsformen, intelligenten Wiederholungsstrategien und anderen Maßnahmen, die das Programm nicht nachhaltig beschädigen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Die Produzenten wollen preiswertere Programme produzieren, die ähnlich den Daily Soaps und Telenovelas „industriemäßig“ produziert werden. Wird auch das ZDF stärker auf solche Formate zurückgreifen müssen?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Das tun wir bereits an vielen Stellen im Programm. Wir experimentieren auch in ZDFneo mit neuen und günstigeren Formaten. Wie ich bereits sagte: Es führt kein Weg daran vorbei, Synergien zu heben und günstiger zu produzieren.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Die ARD hat sich jetzt mit den  Produzenten über eine Regelung bei der digitalen Verwertung geeinigt. Sie verhandeln noch. Wo liegen für Sie die Schwierigkeiten, einer ähnlichen Regelung wie sie die ARD getroffen hat, zuzustimmen?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Ich begrüße es sehr, dass die ARD nun Beteiligungsformen einführt, wie wir das schon seit Jahrzehnten praktizieren. Wir beteiligen die Produzenten längst an den Erlösen aus der Verwertung von Auftragsproduktionen, selbst dann, wenn wir die entsprechenden Programme zu 100 Prozent finanziert haben und die Produzenten zusätzlich garantierte Handlungskosten und Gewinnaufschläge dafür erhalten. Wir stehen zu angemessenen und fairen Rechteaufteilungen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> ZDFneo hat viel Lob von den Medien erhalten und wird 2010 ausgebaut.  Die Privaten fordern von der Politik ein Eingreifen, weil das Angebot angeblich nicht der Beauftragung entspricht. Werden sie ZDFneo inhaltlich verändern?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Die Kritik des VPRT läuft ins Leere. Das Programm von ZDFneo entspricht den staatsvertraglichen Rahmenvorgaben und ist in enger Abstimmung mit dem ZDF-Fernsehrat entwickelt und im November auf den Sender gebracht worden. Wir haben den Auftrag und die Pflicht, Inhalte auch für jüngere Menschen anzubieten. Wir zielen hier im Kern auf die 25- bis 50jährigen, die ein Recht darauf haben, ein wertiges öffentlich-rechtliches Programmangebot zu bekommen. Genau das leistet ZDFneo. Der langsame, aber stetige Zuspruch beim Publikum zeigt, dass der Sender ein Angebot präsentiert, das andere offenbar nicht bereitstellen.  Die Angriffe hinsichtlich fehlender Nachrichten sind im übrigen bemerkenswert, da uns gerade diese auf Betreiben des VPRT von der Politik verboten wurden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Die Finanzierung von ZDFneo soll auf Kosten Ihres 3sat-Engagements aufgestockt werden. Gleichzeitig haben Sie sich in der Berliner Erklärung für einen Fortbestand  von 3sat ausgesprochen. Ist das nicht inkonsequent? Benötigen wir 3sat angesichts des Internets noch?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Da werfen Sie einiges gehörig durcheinander. In der Tat aber ist es so, dass wir den Ausbau der digitalen Zusatzkanäle, also ZDFneo, den ZDFinfokanal und ZDFkultur nur durch Einsparungen und das Heben von Synergiepotentialen an anderer Stelle realisieren können. Zusätzliche Gebührengelder beanspruchen wir dafür nicht. Nach dem Start von ZDFneo planen im kommenden Jahr eine Weiterentwicklung des ZDFtheaterkanals zu einem Kulturkanal, der ein breiteres thematisches Spektrum abdecken wird. Wenn wir einen Teil unseres direkten Budgets von 3sat auf den Kulturkanal übertragen, heißt das nicht, dass das 3sat-Programm dadurch geschwächt wird. Wir legen Redaktionen zusammen und arbeiten von einer redaktionellen Plattform aus für mehr als nur einen Kanal. Das findet bei uns im Rahmen eines digitalen Transformationsprozesses statt. Es macht heute keinen Sinn mehr, einzelne Kanäle abgegrenzt voneinander zu betrachten. Das Programmunternehmen ZDF erstellt vielmehr Inhalte, etwa in den Bereichen Kultur, Information und Unterhaltung, die dann auf unterschiedlichen Verbreitungswegen zum Publikum transportiert werden. Schon jetzt leben die Partnerprogramme wie 3sat oder Phoenix überwiegend von Zweit- und Drittverwertungen aus den Hauptprogrammen von ARD und ZDF. Zu Ihrer Anschlussfrage: Selbstverständlich benötigen wir 3sat weiter. Es gibt kein vergleichbares Angebot, das den deutschsprachigen Raum mit besonderen Programmangeboten aus Österreich, Schweiz und Deutschland versorgt. Auf dieses besondere Profil sind wir stolz, und wir werden diese Fahne weiter hoch halten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Das ZDF ist auf vielen Feldern aktiv: Im klassischen ZDF-Angebot, Online, Mobile, mit drei Spartenkanälen, beim Ki.Ka, 3sat, Arte und Phoenix. Jetzt startet HDTV. Die Gebühren werden insgesamt nicht weiter wachsen, online ist keine Werbung möglich. Auf welche Angebote wird sich das ZDF in den nächsten Jahren konzentrieren, worauf wird es verzichten müssen?<br />
<strong>Markus </strong><strong>Schächter: </strong>Wir sind jetzt endlich da angekommen, wo ich schon lange hin will. Das ZDF entwickelt sich zu einer Programmfamilie mit unterschiedlichen Ausspielwegen und Plattformen. Das ist die Überlebensvoraussetzung in einer digitalen Welt, in der sich die Medienangebote immer weiter fragmentarisieren. Wir sind nicht mehr der alte Ein-Kanal-Sender der analogen Zeit, sondern ein öffentlich-rechtlicher Inhalte -Anbieter, der auf unterschiedlichen Wegen die Menschen in diesem Land erreicht. Im Zentrum wird auf lange Sicht das Hauptprogramm stehen. Mit ihm erreichen wir den größten Teil unseres Publikums. Aber, ich sage auch: Diese Relation wird sich in den kommenden Jahren verändern. Alle großen Sender verlieren an Marktanteilen. Als gebührenfinanzierter Sender haben wir die Verantwortung, diese Entwicklung zu berücksichtigen und Strategien dafür zu entwickeln, wie wir öffentlich-rechtliche Programmangebote zum Publikum transportieren. Wir sind da auf einem sehr guten Weg.</p>
<p style="text-align: justify;">
<p style="text-align: justify;"><strong>Über Prof. Markus Schächter</strong></p>
<ul style="text-align: justify;">
<li>Geboren: 31. Oktober 1949</li>
<li>1969 – 1974 Studium u.a. Geschichte, Politikwissenschaften und Publizistik</li>
<li>1973– 1977 Journalist beim SWR und ZDF</li>
<li>1977-1981 Kultusministerium Rheinland- Pfalz</li>
<li>Seit 1981 beim ZDF, u.a. Referent des Programmdirektors, Leiter der ZDF-Kulturredaktion, der Kinder- und Jugendredaktion und Programmplanung</li>
<li>1998-2002 Programmdirektor des ZDF</li>
<li style="text-align: justify;">Seit März 2002 Intendant des ZDF</li>
</ul>
<p><strong>Weitere Informationen:</strong> <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.promedia-berlin.de');" href="http://www.promedia-berlin.de/"><strong>promedia</strong></a></p>
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		<title>Produzentenallianz: Wir haben nicht den Big Bang, aber eine Systemveränderung erreicht</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Jan 2010 09:00:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Promedia das medienpolitische Magazin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Interview  mit Dr. Christoph E. Palmer, Vorsitzender der Geschäftsführung Allianz Deutscher Produzenten, promedia 01/2010
Die Produzenten fordern seit längerem von den TV-Sendern eine Beteiligung an er Verwertung ihrer Formate auf digitalen Plattformen. Nun hat die Produzentenallianz deinen Durchbruch erzielt und mit der ARD eine Vereinbarung über seit langem strittigen Punkten erzielt. So sollen die Produzenten künftig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Interview  mit Dr. Christoph E. Palmer, Vorsitzender der Geschäftsführung Allianz Deutscher Produzenten, </strong><strong><em>pro</em>media 01/2010</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Die Produzenten fordern seit längerem von den TV-Sendern eine Beteiligung an er Verwertung ihrer Formate auf digitalen Plattformen. Nun hat die Produzentenallianz deinen Durchbruch erzielt und mit der ARD eine Vereinbarung über seit langem strittigen Punkten erzielt. So sollen die Produzenten künftig bis zu 50 Prozent an allen Netto-Erlösen beteiligt werden, wenn die ARD einen Film ins Ausland verkauft, ins Kino bringt oder eine DVD veröffentlicht. Bisher gingen ausnahmslos alle Rechte auf die Sender über. Wiederholt ein ARD-Sender einen Film binnen fünf Jahren nicht oder verkauft ihn weiter, darf das der Produzent selbst tun und wiederum die Hälfte der Einnahmen behalten. Mögliche Streitfälle soll eine gemeinsame Clearing-Stelle schlichten. Geprüft wird auch die Gründung einer gemeinsamen Vertriebsgesellschaft für vollfinanzierte Auftragsproduktionen.  Die TV-Produzenten rechnen bei Produktionen, die im Frühjahr 2010 starten bereits mit einem Erlösplus von 5 bis 10 Prozent. </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Die Verhandlungen der Produzentenallianz mit dem ZDF gestalten sich dagegen anscheinend schwieriger, da das ZDF bereits die Produzenten an verschiedenen Verwertungen beteiligt. Und die privaten Sender, so heißt es in Verhandlungskreisen, sperren sich derzeit unter Verweis auf die schwierige wirtschaftliche Lage gänzlich gegen eine Lösung.</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<div id="attachment_1410" class="wp-caption alignleft" style="width: 233px"><strong><strong><a href="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/01/Christoph_Palmer.jpg"><img class="size-medium wp-image-1410" title="Christoph_Palmer" src="http://www.goldmedia.com/blog/wp-content/uploads/2010/01/Christoph_Palmer-223x300.jpg" alt="" width="223" height="300" /></a></strong></strong><p class="wp-caption-text">Dr. Christoph E. Palmer, Vorsitzender Allianz Deutscher Produzenten</p></div>
<p><strong>promedia:</strong> Herr Palmer, seit Jahren fordern die Produzenten von den TV-Sendern eine Veränderung der Terms of Trade. Warum waren jetzt die Gespräche mit der ARD überraschenderweise so erfolgreich?<br />
<strong>Christoph </strong><strong>E. </strong><strong>Palmer</strong><strong>:</strong> Es gibt nicht nur eine, sondern mehrere Ursachen. Wichtig war die Erklärung der Länder bei der Unterzeichnung des 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrags, dass man angemessene und faire Produktionsbedingungen vereinbaren soll. Die Protokollerklärung hat für Aufsehen gesorgt und die Atmosphäre positiv begleitet. Zweitens bündelt die Allianz als neue, schlagkräftige Interessenvertretung der Produzenten eine andere Verhandlungsmacht als einzelne Verbände in der Vergangenheit. Drittens ist die Einsicht bei der ARD, zumindest bei vielen Verantwortlichen in den Intendanzen, auf der Programmseite und auch in den juristischen Direktionen gewachsen, dass man von einer verlässlichen und tragfähigen Partnerschaft mit den Produzenten profitiert, selbst wenn man an verschiedenen Stellen den Produzenten entgegenkommen muss. Es ist niemandem damit gedient, wenn die wirtschaftliche Existenzbasis der Produktionsbetriebe immer schmaler und schwieriger wird.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Welche Bedeutung hat diese Vereinbarung für die Zukunft für den Produktionsstandort Deutschland und für die Produzentenlandschaft?<br />
<strong>Christoph </strong><strong>E. </strong><strong>Palmer</strong><strong>:</strong> Es gibt bislang keine so weit reichende Vereinbarung, die unterschiedliche Aspekte des Zusammenwirkens bei der Produktion von Auftraggebern und -nehmern so umfassend beleuchtet wie diese Vereinbarung mit der ARD. Sie verbessert zum einen die Konditionen für realistische Kalkulationen, sie schafft zum anderen die Möglichkeit, dass Produktionen mitfinanziert werden. Und sie beinhaltet zum Dritten den von uns erhofften und lange geforderten Einstieg in den Rechterückfall. Damit kommen wir insgesamt zu einer anderen Situation im vollfinanzierten TV-Auftragsproduktionsbereich: Es kommt zu Verbesserungen im System, zur Flexibilisierung des Systems und mit dem Einstieg in den Rechterückfall auch zu Systemveränderungen, allerdings nicht in dem Umfang, wie es sich die Produzenten gewünscht haben. Alle drei Komponenten sind nicht nur ein symbolischer, sondern auch ein  wirtschaftlich spürbarer Fortschritt.<span id="more-1405"></span></p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Inwieweit sind Sie den Sendern auch ein Stück entgegengekommen? Denn die Zahlen der Gebührenausfälle, mit denen die ARD bis 2012 rechnet, sind bekannt&#8230;<br />
<strong>Christoph </strong><strong>E. </strong><strong>Palmer</strong><strong>:</strong> Wir haben den Big Bang nicht erreicht, also den Paradigmenwechsel eines kompletten Rechterückfalls nach einem bestimmten Ausstrahlungszeitraum. Aber die neue Philosophie, die diese Vereinbarung prägt, geht auch eher in die Richtung zusätzlicher Erlösquellen, die im bisherigen System von den Produzenten nicht erzielbar waren. Künftig können beide Beteiligte, nämlich Auftraggeber und Auftragnehmer, von einer Nachnutzung profitieren.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Die ARD ist die erste der vier großen Senderfamilien, mit der Sie diese Einigung erreicht haben. Wann wird es mit dem ZDF und den Privaten zu ähnlichen Vereinbarungen kommen?<br />
<strong>Christoph </strong><strong>E. </strong><strong>Palmer</strong><strong>:</strong> Ich möchte zunächst der ARD ein großes Kompliment machen. Auf den ersten Blick könnte man sagen, das ist der schwierigste, weil heterogenste Verhandlungspartner, mit seinen unterschiedlichen, unabhängigen Landesrundfunkanstalten. Gleichwohl geschah die überraschende Einigung in zehnmonatigen und vertraulichen Verhandlungen. Beide Seiten haben sich vorbildlich an die Diskretion gehalten und das hat diesen Erfolg auch möglich gemacht. Dieses Ergebnis wird sicher jetzt auch von den anderen Senderfamilien intensiv ausgewertet werden. Ich kann nicht sagen, wie die konkreten Handlungsfortschritte mit dem ZDF, ProSiebenSat.1 und RTL verlaufen werden. Klar ist, dass wir für Februar 2010 die nächste Verhandlungsrunde mit dem ZDF angesetzt haben. Wir haben in der Zwischenzeit die Zeit auch genutzt, um in verschiedenen Arbeitsgruppen mit dem ZDF für die nächste Verhandlungsrunde den Grund zu legen. Im Sommer bzw. Frühherbst 2009 wurden auch die Gespräche mit den privaten Senderfamilien aufgenommen. Das heißt, die Verhandlungen mit den drei anderen Sendergruppen laufen, aber wir wollten jetzt bewusst ein erstes Ergebnis ins Ziel bringen: Das ist das Dokument, an dem man sich als „Blaupause“ orientieren wird. Trotzdem besteht Spielraum auch für unterschiedliche Regelungen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Welche unmittelbaren und kurzfristigen Effekte erwarten Sie für die Produzenten?<br />
<strong>Christoph </strong><strong>E. </strong><strong>Palmer</strong><strong>:</strong> Die Vereinbarung gilt ab 1. Januar 2010 für alle TV-Auftragsproduktionen, die von ARD oder degeto in Auftrag gegeben werden. Sie kann unmittelbar und kurzfristig in den bestehenden Strukturen die Vertragskonditionen verbessern. Es können zum Beispiel neue Berufsbilder in die Kalkulationsgrundlage aufgenommen werden, die Kappungsgrenze, die insbesondere bei Schauspielergagen bei den HU-Kosten eine Beeinträchtigung war, kann wegfallen. Es können zudem Bürgschaftskosten angerechnet werden. Wir haben eine Vereinbarung für die Einbeziehung von Entwicklungskosten gefunden. Es sind also unmittelbare, konkrete Verbesserungen für alle Produktionen, die im nächsten Jahr anlaufen, enthalten. Es gehört zu diesem Themenbereich auch dazu, dass der jeweils gültige Gagen- und Manteltarifvertrag zu Grunde zu legen ist, ein neuer tritt zum  1. Januar 2010 in Kraft. Es sind ferner Regelungen zu Zahlungszielen und Vertragskonditionen und Produktionsvorverträgen enthalten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Sie erwähnen den Begriff „Qualitätspartnerschaft“ in Ihrer Pressemeldung. Warum ist das für Sie so wichtig, auf eine Qualitätspartnerschaft zu setzen?<br />
<strong>Christoph </strong><strong>E. </strong><strong>Palmer</strong><strong>:</strong> Die Produzenten sind nach unserem Verständnis Garanten dafür, dass Innovationen ins Programm und handwerklich sauber gearbeitete und gern gesehene Produkte auf den Markt kommen. An dieser Qualitätshandschrift hat die ARD großes Interesse. Deshalb hat sie sich auf eine so weit reichende Vereinbarung mit uns Produzenten eingelassen. Wir liefern ein immer frisches, neues und abwechslungsreiches Produkt und haben den Zuschauer im Blick. Dafür gewährt die ARD verlässliche und auch auskömmliche Produktionsbedingungen. Das bezeichne ich als „Qualitätspartnerschaft“ oder „Win-win-Situation“. Aber der Begriff „Qualitätspartnerschaft“ bezieht sich auch darauf,  dass sich diese Qualität auf eine bewährte und Jahrzehnte lange verlässliche, eingespielte Zusammenarbeit bezieht, die mit der neuen Vereinbarung aber auch in die Zukunft weist.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Eine der Forderungen war, dass die Entwicklungskosten und die Kosten für Pilotfilme berücksichtigt werden sollten. Ist das jetzt so vorgesehen?<br />
<strong>Christoph </strong><strong>E. </strong><strong>Palmer</strong><strong>: </strong>Die ARD-Landesrundfunkanstalten erklären ihre Bereitschaft zur Berücksichtigung von mit den Produzenten abgestimmten Entwicklungskosten. Diese sind kalkulationsfähig und können auch im Rahmen von Projektentwicklungsverträgen in Ansatz gebracht werden. Als Entwicklungskosten gelten die im Rahmen der Produktionsvorbereitungen entstehenden Vorkosten einer Produktion. Hierzu zählen insbesondere Kosten der Recherche, Vorbereitungsarbeiten an einem Drehbuch, die nicht Teil des späteren Drehbuchvertrags werden, Kosten für Motivsuche oder Casting, soweit sie als Vorbereitung eines Drehbuchauftrags notwendig sind, und ähnliche Projektentwicklungskosten, soweit diese nachweislich für die Entstehung des Buches oder der Produktion notwendig und wirtschaftlich geboten sind. Allerdings ist der Fehlversuch, also das abgebrochene Projekt, ein normales unternehmerisches Risiko des Produzenten und wird auch in Zukunft nicht in die Kalkulation eingehen können. Aber das, was zum Ergebnis führt und zu den Vorkosten gehört, wird in Zukunft kalkulationsfähig sein. Das ist ein sehr großer Fortschritt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Wie sieht es mit der Vergütung von Online-Verwertungen aus?<br />
<strong>Christoph </strong><strong>E. </strong><strong>Palmer</strong><strong>:</strong> Da muss man zwischen Online und On Demand unterscheiden. Bei On Demand haben wir eine Vereinbarung gefunden. Die ARD-Landesrundfunkanstalten beteiligen ab 1. Januar 2010 die Produzenten mit 50 Prozent an sämtlichen Nettoerlösen, sei es inländisches Pay-TV, Kino, DVD-Verwertung oder kommerzielles On Demand. Eine kleine Einschränkung gibt es: Die ARD hat sich vorbehalten, dass, wenn mit dem ZDF nur geringere Höhen für die Erlösbeteiligung der Produzenten in den jetzt folgenden ZDF-Verhandlungen vereinbart werden, sie die Vereinbarung dann anpassen kann. Aber das ZDF war bei Erlösbeteiligungen bisher sehr viel weiter war als die ARD. Wir haben beim ZDF beispielweise derzeit eine Erlösbeteiligung zwischen 20 und 50 Prozent, je nach Nutzungsart. Bei der ARD existierte bisher für diese Verwertungen keine Erlösbeteiligung. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir auch mit dem ZDF in all diesen Erlösbeteiligungen auf 50 Prozent kommen. Und dann wäre diese Erlösbeteiligung von 50 Prozent in allen Verwertungsformen mit dem öffentlich-rechtlichen System für die Produzenten in Deutschland ein Riesenschritt nach vorne.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Das heißt, für Angebote in den ARD- und ZDF-Mediatheken gibt es keine Vergütung?<br />
<strong>Christoph </strong><strong>E. </strong><strong>Palmer</strong><strong>:</strong> Nein, die Mediathek ist davon ausgenommen. Das ist im Rahmen des Free-TV durch die Auftragsproduktion abgegolten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Es soll künftig, Sie hatten es angedeutet, teilfinanzierte Produktionen geben, bei denen die Produktionen die Rechte entsprechend ihrer finanziellen Beteiligung zurückbehalten können. Die Möglichkeit bestand bisher auch schon. Was ist daran neu?<br />
<strong>Christoph </strong><strong>E. </strong><strong>Palmer</strong><strong>:</strong> Diese Möglichkeit bestand im Einzelfall bei marktmächtigen Produktionsunternehmen. Jetzt erklären sich die Landesrundfunkanstalten generell bereit, das Modell der Mitfinanzierung der Produktionen durch die Produzenten zu realisieren. Das heißt, das Regel-Ausnahme-Verhältnis kann, wenn auf der Produzentenseite dazu Interesse besteht, umgedreht werden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia: </strong>Woher sollen vor allem die kleinen Produzenten das Geld dafür nehmen?<br />
<strong>Christoph </strong><strong>E. </strong><strong>Palmer</strong><strong>:</strong> Die Philosophie hinter dieser Vereinbarung ist, dass es nicht <strong><em>den einen </em></strong>Weg für das deutsche Produktionsunternehmen gibt: nur Mitfinanzierung, respektive nur vollfinanzierte Auftragsproduktionen mit Erlösbeteiligung und verbesserter Kalkulationsgrundlage, oder das neue Rechtemodell. Es wird darum gehen, sich aus verschiedenen Möglichkeiten ein passgenaues Modell auszusuchen. Deswegen ist diese Vereinbarung etwas für die großen, auch internationalen Unternehmen und Produktionsbetriebe, genauso wie für die mittleren, wie für die kleinen. Alle werden in dieser Vereinbarung Verbesserungsmöglichkeiten für ihre Produktionsbedingungen finden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Künftig sollen auch die Produzenten nicht genutzte Rechte selbst verwerten können. Ist dabei an eine feste zeitliche Regelung gedacht?<br />
<strong>Christoph </strong><strong>E. </strong><strong>Palmer</strong><strong>:</strong> Wenn innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren eine Produktion im Rahmen sämtlicher Programme, die die ARD-Landesrundfunkanstalten selbst veranstalten oder an denen sie beteiligt sind, nicht genutzt werden, kann auf Wunsch des Produzenten, diesem das nicht genutzte Recht zur Selbstverwertung zurückgegeben werden. Doch die Regelung ist noch weitergehender: Die Möglichkeit der Selbstverwertung wird den Produzenten in Zukunft dann eingeräumt, wenn die jeweilige Nutzungsmöglichkeit einzelbezogen vom Sender nicht genutzt wird. Also nicht die Ausstrahlung im dritten Programm einer anderen Landesrundfunkanstalt verhindert auf alle Zeit den Rückfall eines DVD-, On-Demand-, Merchandising- oder Kinorechts, sondern es ist immer auf das Einzelrecht bezogen. Die finanzierende ARD-Anstalt behält ein nicht exklusives Senderecht, das heißt, sie kann die Auftragsproduktion in ihrem eigenen Programm wiederholen. Ein klassischer Fall ist ein Schauspieler-Jubiläum oder eine Dokumentation anlässlich eines Jahrestages.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia: </strong>Werden die Archive insgesamt in diese Regelung mit einbezogen?<br />
<strong>Christoph </strong><strong>E. </strong><strong>Palmer</strong><strong>: </strong>Wir haben eine zweijährige Rückwirkung vereinbart. Dieses fünf Jahre nicht genutzte Recht fängt bereits mit dem Stichtag 1. März 2008 an. Das heißt, wir werden ab 1. März 2013 zum ersten Mal erleben, dass Produzenten um Rechterückgabe von einzelnen Produktionen bitten und in die Eigenverwertung dieser Produktionen gehen. Dann haben wir exakt einen Zeitraum von zehn Monaten, um das zu erproben und zu evaluieren, weil die gesamte Vereinbarung bis 31. Dezember 2013 geschlossen ist. Danach sehen wir, ob von diesem Recht Gebrauch gemacht wird und ob es sich materialisieren lässt. Dann können wir für die nächste Verhandlungsphase unsere entsprechenden Konsequenzen daraus ziehen. Der Gang durch die Archive 50 Jahre zurück ist allerdings nicht vereinbart worden. Teilweise stehen dem rechtlich-objektive Bedenken entgegen, außerdem erfordert es einen unglaublichen Aufwand für einen zum Teil unklaren Ertrag. Wir haben den Gang in die Archive für die Zukunft nicht ausdrücklich ausgeschlossen, aber es war nicht im Vordergrund unserer Überlegungen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>promedia:</strong> Können Sie sich vorstellen, dass gerade für die Archivlösung die ARD selbst ein kommerzielles Angebot macht?<br />
<strong>Christoph </strong><strong>E. </strong><strong>Palmer</strong><strong>:</strong> Eine solche Überlegung gehört mit zu unserer Verabredung. Wir haben vereinbart, dass wir uns ein Jahr Zeit nehmen, um eine gemeinsame Verwertungs- und Vertriebstochter von Produzentenallianz und ARD zu prüfen. Damit sind viele Aspekte verbunden. Die ARD will prüfen, ob alle vorhandenen Vertriebstöchter der ARD in eine gemeinsame Verwertungs- und Vertriebstochter integriert werden können. Wir müssen wiederum auf unserer Seite auch sehen, ob wir eher an einem Modell der Eigenvermarktung Interesse haben, oder ob wir uns auf ein gemeinsames Unternehmen mit der ARD verständigen wollen. An einer solchen kommerziellen Verwertung könnte auch die Produzentenallianz partizipieren und wir würden das für die Zukunft nicht ausschließen, wenn es der Philosophie einer gerechten Verteilung der Erlöse folgt und wenn man sich über ein entsprechendes Marktmodell verständigen kann. Benchmark sind dabei immer die 50 Prozent. Umgekehrt, wenn der Produzent in Zukunft nach diesen fünf Jahren die TV-Auftragsproduktionen selbst verwertet, muss er von seinem Ertrag auch wiederum die ARD mit 50 Prozent beteiligen. Das gegenseitige 50-Prozent-Beteiligen findet man an allen Stellen dieser Vereinbarung und gäbe es ein entsprechendes Marktmodell mit einer gerechten Erlösbeteiligung, das interessant für beide Seiten ist, könnten sich das die Produzenten vorstellen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Über Dr. Christoph E. Palmer</strong></p>
<ul style="text-align: justify;">
<li>Geboren: 1962</li>
<li>Studium Geistes- und Sozialwissenschaften</li>
<li>1994-1996 Professor für Politikwissenschaft</li>
<li>1996-1998 Staatssekretär im Ministerium für</li>
<li>Wissenschaft, Forschung und Kunst, Baden-Württemberg</li>
<li>1996-2008 Aufsichtsratsvorsitzender der Filmakademie</li>
<li>Baden-Württemberg</li>
<li>1998 – 2004 Staats- und Europaminister</li>
<li style="text-align: justify;">Seit 2005 Selbständiger Unternehmensberater für Roland Berger Strategy Consultants GmbH München und geschäftsführender Gesellschafter Pontis Strategie GmbH</li>
</ul>
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