LTE: 4. Mobilfunkgeneration liefert mehr Breitband für alle und vor allem überall hin

2009 war das Jahr, in dem mobiles Internet auch in Deutschland endgültig den Massenmarkt erreicht hat. Facebook-Meldungen und Twitter-Nachrichten werden mittlerweile fast genauso selbstverständlich ins Handy getippt wie SMS. Die Erträge aus mobilen Datendiensten (ohne SMS/MMS wohlgemerkt) machten 2009 schon rund 14 Prozent der gesamten Mobilfunkumsätze aus. Die Zahl der heruntergeladenen iPhone Apps schoss im letzten Quartal 2009 binnen drei Monaten von zwei auf beachtliche drei Milliarden weltweit.

Mobile Übertragungskosten pro Bit

Mit LTE („Long Term Evolution“) steht nun der UMTS-Nachfolgestandard bereit. Damit werden Downloadgeschwindigkeiten von 100 Mbit/s und mehr pro Funkzelle erreicht. Da kommen selbst die schnellsten gängigen DSL-Technologien kaum noch mit. Natürlich sind dies zunächst Laborwerte, die wohl in der Praxis kaum erreicht werden. Auch steigt und fällt die Leistungsfähigkeit einer mobilen Internetverbindung stets mit der Zahl der gleichzeitigen Nutzer. Dennoch: die erreichbaren Geschwindigkeiten sind im mobilen Internet bislang konkurrenzlos.

In Stockholm und Oslo wurden Ende 2009 erste LTE-Netze bereits in Betrieb genommen. Auch in Deutschland finden erste Pilotprojekte statt. So testet Vodafone derzeit gemeinsam mit dem WDR und der Landesanstalt für Medien (LfM) in Nordrhein-Westfalen LTE. Dabei finden für LTE diejenigen Frequenzbereiche Verwendung, die als sogenannte Digitale Dividende durch das digitale terrestrische Fernsehen frei geworden sind. Continue reading

„Freemium“ – Geben ist seliger als nehmen?!

…das passt keinesfalls nur zur besinnlichen und gabenreichen Weihnachtszeit…

Alle Inhalte, die sich digital erstellen lassen, sind früher oder später auch kostenlos erhältlich. Chris Anderson brachte es in seinem Buch „Free: Future of a Radical Price“ als Geschäftsmodell „Freemium“ auf den Punkt, und längst hat es sich als Paradigma für digitalen Content jeglicher Art manifestiert: „Biete dem Nutzer ein kostenloses Basisprodukt und hoffe, dass er für zusätzliche Premium-Services bezahlt.“

Mathias Birkel, Consultant Goldmedia

Mathias Birkel, Consultant Goldmedia

Folgt man diesem Gedanken, wird die bislang weitgehend erfolglose Suche nach einem veritablen Online-Geschäftsmodell vieler Medienanbieter bald zu einem deutlichen Umdenken führen müssen. Warum auch sollten Nutzer für etwas zahlen, das sie zwei Klicks weiter kostenlos bekommen?

Nach wie vor aber wird auf eher klassischem Wege versucht, den Nutzer durch digitale Mehrwerte (zum Beispiel durch digitales Coverartwork bei Apples iTunes LP) oder durch Limitierungen (wie dem kostenpflichtigen iPhone-App für Springer-Content) zur Kasse zu bitten. Schnell war oder ist man immer noch dabei, stolz auf die Wachstumsraten für kostenpflichtige Downloads zu verweisen, die verglichen mit der Blüte der Musik- und Videodatenträgerverkäufe immer noch eher bescheiden sind. Continue reading

Erholung für Radio und Fernsehen erst 2011?

Die Wirtschaftskrise hat auch die privaten Fernseh- und Rundfunksender erfasst. Die Studie „Wirtschaftliche Lage des Rundfunks in Deutschland 2008/2009“ – im Auftrag von acht Landesmedienanstalten unter Federführung der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) erarbeitet – belegt es schwarz auf weiß: Schon seit dem letzten Quartal 2008 lässt sich die schwierige konjunkturelle Gesamtsituation in der Rundfunkbranche an den Zahlen und Ergebnissen der Sender ablesen.

Privat TV Prognose 2009

Privat TV Prognose 2009

Der Umsatz im privaten Fernsehen sank 2008 zunächst geringfügig um rund zwei Prozent, im privaten Hörfunk allerdings schon um acht Prozent. Mit herben Einschnitten rechnet die Branche jedoch für das laufende Geschäftsjahr 2009: Die privaten Free-TV-Anbieter erwarten einen (weiteren) Umsatzverlust gegenüber dem Vorjahr von elf Prozent, die privaten Radioveranstalter ein vergleichbares Minus von neun Prozent. Einzig die Teleshopper rechnen zum Jahresende 2009 mit einem sechs-prozentigen Umsatzplus. Sie sind mit ihrem Geschäftsmodell deutlich weniger konjunkturabhängig als die werbefinanzierten TV- und Radioanbieter.

Die Werbeeinnahmen im deutschen Privatrundfunk sind 2008 entsprechend geschrumpft, sie gingen insgesamt um sieben Prozent auf 4,35 Mrd. Euro zurück. Und auch 2010 wird es nach Meinung der Sender nicht besser: Der Großteil der Anbieter rechnet erst 2011 mit einem konjunkturellen Aufschwung und damit auch mit einer Erholung der Werbemärkte. Continue reading

Mobilfunkmarkt: Karteileichen als Wachstumsbremse?

Bisher gab es bei der Teilnehmerentwicklung im Mobilfunkmarkt nur einen Trend: Steil nach oben. Eine zentrale Messgröße ist hierbei die Mobilfunkpenetration, also die Anzahl der Teilnehmer pro Einwohner. Wurde etwa 1998 noch eine Mobilfunkpenetration von 17 Prozent gemessen, so liegt der Wert in Deutschland inzwischen bei über 130 Prozent. Die Deutschen nutzen immer häufiger Zweit- und Drittgeräte, etwa eins als berufliches und ein zweites als privates Gerät. So viel zum altbekannten.

Mobilfunkpenetration und Mobilfunk-ARPUs in Deu 2002-2009

Mobilfunkpenetration und Mobilfunk-ARPUs in Deu 2002-2009

Den aktuellsten Zahlen der Bundesnetzagentur zufolge ist mit diesem Trend jedoch erst einmal Schluss. Im Jahr 2009 stagnierte auf Basis der Quartalszahlen die Teilnehmerentwicklung und ging sogar leicht zurück. Neuere Zahlen des VATM sehen nur noch ein leichtes Wachstum für das Jahr 2009. Sind wir also am Ende des Teilnehmerwachstums angekommen?

Wohl eher nicht. Die Stagnation verdeutlicht vielmehr, dass ein relativ hoher Anteil der als Teilnehmer gezählten SIM-Karten überhaupt nicht genutzt wird – es handelt sich schlichtweg um Karteileichen. Nach Goldmedia-Informationen ist die Stagnation bei der Teilnehmerentwicklung auf eine Bereinigung um genau diese Karteileichen zurückzuführen. Es ist eben nicht immer so, dass die sich im Haushalt anhäufenden SIM-Karten auch alle genutzt werden – insbesondere Prepaid-Karten liegen vielfach ungebraucht in der Schublade.

Ein weiterer hoher Anteil der SIM-Karten dürfte zudem auf solche Nutzer entfallen, die nur sporadisch und nur zur Sicherheit in dringenden Fällen ein Mobiltelefon mit sich führen. Gerade für Senioren ist ein solches Verhalten typisch. Die tatsächliche Nutzung und der damit verbundene Umsatz beschränken sich hier aber auf das Notwendigste. Continue reading

EPGs, ein unterschätzter Markt?!

Wie Google das Internet such- und damit nutzbar machte, braucht es in Zukunft intelligente Suchmaschinen, die den Nutzer durch den Dschungel des visuellen Überflusses geleiten. Das Spektrum der TV- und Web-TV-Angebote ist schon heute kaum noch überschaubar. Wachsende Programmdichte und steigende Zahl an Plattformen und Übertragungswegen schaffen einen lukrativen Markt für EPGs – die Elektronischen Programmführer, die längst viel mehr sind als eine digitale Programmzeitung.

EPG wird zentraler Entertainment-Guide

EPG wird zentraler Entertainment-Guide

Das EPG-Marktumfeld ist im massiven Wandel. Aktuelle TV-Trends wie HD-TV, PVRs und Hybrid-TV zählen zu den Innovationstreibern dieses Marktes und sind die Messlatte für den Entertainment-Guide der Zukunft. Neben rund 2.700 TV-Programmen in Europa, davon 500 allein in Deutschland, hat der Nutzer schon heute die Qual der Wahl zwischen Streaming- und Web-TV-Angeboten, zwischen Catch-Up-TV, Video on Demand-Portalen und Video Sharing-Plattformen. Anspruchsvolle Content-Navigation heißt außerdem, die Entertainment-Angebote im vernetzten Heim inklusive der eigenen DVD-Sammlung zu erschließen.

Intelligente EPGs verfügen zudem über Personalisierungsfunktionen, die dem Nutzer passgenau und automatisch Inhalte seiner Wahl anbieten. Und: indem der EPG Empfehlungen von Freunden oder Nutzern mit ähnlichen Interessen verarbeitet, avanciert der „Programmführer“ zur Social-Media-Plattform für audiovisuellen Content. Continue reading

Hybrid TV und IPTV: Kontrahenten oder Teamplayer?

Fast alle namhaften TV-Gerätehersteller bieten inzwischen eigene Hybrid-TV-Geräte an, – gern auch mit unterschiedlichen Standards. Der Hybrid-TV Standard HbbTV wird aktuell eifrig diskutiert. Damit soll es möglich werden, Internet-Inhalte auf dem Fernseher zu nutzen. Zwar gab es in den letzten zehn Jahren mindestens 100 solcher (erfolgloser) Projekte, doch jetzt scheint es erneut Hoffnungen zu geben, Internet und TV im Ansatz „zu verschmelzen“. Die Nutzer selbst gewöhnen sich zudem an die Verfügbarkeit multimedialer Inhalte, an Festplattenrecorder und an sogenannten Over-the-Top-Content, also Inhalte aus dem Internet wie bspw. Youtube-Videos. Mehr Individualität und Flexibilität auch beim TV-Konsum scheint also insgesamt immer wichtiger zu werden.

Enwicklung IPTV-Haushalte bis 2014 in DACH

Enwicklung IPTV-Haushalte bis 2014 in DACH

Gerade deshalb wird neben dem Thema Hybrid-TV auch die Entwicklung von IPTV – Fernsehen über das Internetprotokoll – weiter voranschreiten. Zwar bekommen die IPTV-Angebote der Telekommunikationsanbieter damit neue Konkurrenz, allerdings auch einen zusätzlichen Treiber und Promotor für das angedachte neue Fernsehen im Zeitalter des Internets.

Erst kürzlich hat die Deutsche Telekom ihr Ziel bekräftigt, bis Ende 2009 rund eine Million Kunden für ihr IPTV-Angebot „T-Entertain“ zu werben. Premium-Inhalte wie das Bundesligaangebot „Liga total“ könnten dabei helfen. Hier trat die Deutsche Telekom in direkte Konkurrenz zum Pay-TV-Stammhirsch Sky, der seinerseits die Weiterverbreitung seiner Programme über die T-Entertain-Plattform aufkündigte. – Ob allerdings zwei große Anbieter mit vergleichbaren Pay-TV-Angeboten auf längere Sicht am Markt bestehen können, erscheint (auch nach den Erfahrungen mit ArenaSat) fraglich – dafür ist die Anzahl zahlungswilliger Kunden in Deutschland bislang wohl zu klein. Continue reading

Mobile Bandbreiten verdoppeln sich in Deutschland jährlich

Es gibt eine Reihe von „Gesetzen“, die gar keine sind, aber eine technische Lebenswirklichkeit fassbar machen. Gordon Moore, der Gründer von Intel, formulierte eine Beobachtung schon vor über vierzig Jahren:  Die Anzahl der Transistoren, die sich auf einer vorgegebenen Fläche platzieren lassen, verdoppeln sich alle 18 Monate. Heute ist das „Moore’sche Gesetz“ in Fachkreisen allseits akzeptiert. Gemeinhin wird es heute so verstanden, dass sich die Rechenleistung von Computerchips alle 1,5 Jahre verdoppelt. Selbst heute, wo im Nanobereich gearbeitet wird, bleibt die Entwicklung stabil.

Entwicklung mobiler Datenration in Westeuropa

Entwicklung mobiler Datenration in Westeuropa

Es gibt weitere wirkungsvolle Gesetze dieser Art: Das sog. „Speicher Gesetz“ beschreibt die wachsenden Kapazitäten von Festplatten: Die Menge an Daten, die auf einer gegebenen Fläche einer Festplatte gespeichert werden kann, verdoppelt sich ungefähr alle zwölf Monate.

Und der Zukunftsforscher George Gilder spricht in seinem „Gilder’schen Gesetz“ davon, dass sich die Bandbreiten zur Datenübertragung alle 12 Monate verdreifachen würden. Dies ist allerdings nicht ganz zutreffend. In Deutschland verdoppeln sich die für Endkunden maximal erhältlichen Bandbreiten „nur“:  Wo kürzlich noch die Telekom mit VDSL bis zu 50 Mbit anbot, verkauft Kabel BW seinen Endkunden bereits 100 Mbit-Anschlüsse. 200 Mbit sind z.B. in Frankreich schon erhältlich und man kann davon ausgehen, dass diese auch bald in Deutschland verfügbar sein werden.

All diese Gesetze führen zu einer atemberaubenden, exponentiellen technologischen Entwicklungsgeschwindigkeit, die entweder heutigen Handys die Rechenleistung früherer Edeltower-PCs ermöglicht oder – umgekehrt – bei gleichbleibender Leistung Geräte extrem verbilligt. Continue reading

Deutsche Unternehmen sind aktive Twitterer

Noch immer begegnet man vielerorts ausgeprägter Skepsis gegenüber Twitter. Dabei steckt in dem auf den ersten Blick unspektakulären Versendedienst für Minitexte ein riesiges Potential – gerade für Unternehmen. Bei Twitter geht es um mehr, als eine persönliche Kurznachricht von Ashton Kutcher zu erhalten oder seinen Followern mitzuteilen, wo man gerade ein Eis isst. Die Sprengkraft von Twitter besteht darin, in den persönlichen, unmittelbaren und öffentlichen Dialog mit seinen Kunden treten zu können.

Oliver Numrich - blaetterwald.org

Oliver Numrich - blaetterwald.org

Bereits die Hälfte der DAX-Unternehmen twittert, wie ein aktueller Trendreport von Zucker. Kommunikation und blätterwald, büro für medienresonanzanalyse, belegt. Über einen Zeitraum von einer Woche im Juli 2009 wurden 723 Beiträge von insgesamt 53 Unternehmen inhaltlich analysiert. Im Durchschnitt kommt demnach ein deutsches Unternehmen mit Twitter-Profil auf 661 Follower, folgt rund 350 fremden Profilen und veröffentlicht pro Woche durchschnittlich 13 Tweets. Was die Unternehmen darin mitteilen ist allerdings höchst unterschiedlich: Rund die Hälfte der Tweets setzt den dialogischen Ansatz von Twitter um und besteht aus Inhalten mit konkretem Nutzen für die Follower, aus persönlichen oder Meinungsäußerungen. Etwa ein Drittel sind aktuelle, nachrichtliche Informationen und 17 Prozent der Tweets übermittelten reine Werbebotschaften. Bei den untersuchten Dax-Unternehmen ist der Anteil der Werbung sogar doppelt so hoch.

Die überwiegende Mehrheit deutscher Unternehmen mit einem Twitter-Profil verschickt ihre Nachrichten allerdings anonym: bei 80 Prozent der twitternden Firmen finden sich keine Angaben im Biografiefeld. Dadurch kann der Follower die Postings keinem Absender persönlich zuordnen. Nur bei zwölf von 60 untersuchten Profilen gab es einen eindeutig erkennbaren Absender. Noch seltener war eine Abbildung des Profilinhabers mittels Portraitfoto im Hintergrund des Accounts – meist fanden sich hier nur das Logo oder werbliche Aufnahmen des Unternehmens. Außerdem werden die Follower bei 85 Prozent der Tweets nicht persönlich angesprochen. Soweit – die Ergebnisse der Studie.  Die Zuständigkeiten für Twitter scheinen in den meisten Unternehmen nicht wirklich geregelt zu sein, was durch das häufige Auftreten anonymer Absender, die mangelnde Subjektivierung der Tweets sowie das Benennen ganzer Abteilungen deutlich wird. Selten ist die Zuständigkeit für Twitter im Customer Service angesiedelt, obwohl sie da hingehört. Offenbar gibt es bei vielen Firmen noch Scheu, sich auf das neue Medium und seine Möglichkeiten der „Eins zu Eins“- und „Eins zu Vielen“-Kommunikation vollständig einzulassen. Continue reading