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28.04.2016. In vielen Märkten bieten Mobilfunkanbieter ihren Kunden für bestimmte Dienste Zero-Rating-Verträge an, um sich vom Wettbewerb zu differenzieren. In Europa sind dies vornehmlich Musik-Streaming-Dienste. In Deutschland bietet derzeit ausschließlich die Deutsche Telekom mit Spotify einen Audio-Streaming-Dienst auf Basis einer zubuchbaren Zero-Rating-Option an. Kritiker werten diese Exklusivvereinbarung als Verstoß gegen die Netzneutralität, da der Spotify-Dienst bislang von der Datendrosselung nach Überschreitung des maximalen Datenvolumens ausgenommen wurde (die Umstellung erfolgt hier Ende April 2016) und als Diskriminierung gegenüber anderen Audiodiensten, weil deren Nutzung nicht zu gleichen Konditionen möglich ist.

Bildquelle: © BigDreamStudio - Fotolia.com

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Studie zu Zero-Rating von BLM veröffentlicht

Im Auftrag der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) erarbeitete Goldmedia eine Studie zur Marktentwicklung von Zero-Rating-Angeboten für mobile Datendienste, die am 06. April 2016 veröffentlicht wurde. Die Studie steht allen Interessenten auf der Website der BLM kostenfrei zum Download zur Verfügung. Download der Studie

Unter Zero-Rating versteht man ein Tarifsystem im Mobilfunk, bei dem die Nutzung bestimmter Dienste nicht auf das jeweilige Datenvolumen angerechnet wird. Im Rahmen der Studie werden insbesondere die Marktsituation in den USA mit dem Status quo im deutschen Mobilfunkmarkt abgeglichen und Einschätzungen zur Marktentwicklung in Deutschland getroffen. Auf dieser Basis werden zudem Aspekte abgeleitet, die für die Medienregulierung relevant sind.

Studienauszüge „Zero-Rating: Marksituation in den USA“

T-Mobile US bietet im internationalen Vergleich derzeit mit das umfassendste Zero-Rating-Programm für Audio- und Video-Streaming an. Die Kunden von T-Mobile US können mittlerweile praktisch unbegrenzt mobil streamen. Unter dem Titel „Music Freedom“ und „BingeOn“ bündelt T-Mobile US ein massenattraktives Angebot mit 44 Audio-Streaming- bzw. 24 Video-Streaming-Diensten (Stand: Januar 2016), die ohne Anrechnung auf das Datenvolumen genutzt werden können. Das Videoprogramm ist nach Aussage von T-Mobile US zudem offen für weitere Anbieter.

Die Auswahl und inhaltliche Vielfalt der Zero-Rating-Inhalte für den Audiobereich ist also erheblich größer als in Deutschland, und der gleiche offene Ansatz wurde auf den Videobereich übertragen.

Jedoch stehen die Zero-Rating-Angebote von T-Mobile US in der Kritik: Diese bezieht sich darauf, dass aus Gründen des Netzwerkmanagements nicht nur Videoinhalte teilnehmender BingeOn-Partner, sondern auch Videoinhalte von YouTube und anderen auf eine Datenrate von 1,5 Mbit/s gedrosselt werden und damit das Gebot der Netzneutralität verletzt wird. Darüber hinaus wurden Beschwerden laut, dass Anträge kleinerer Anbieter zur Aufnahme in das BingeOn-Programm nicht beantwortet werden. Trotzdem ist der Ansatz von T-Mobile US als deutlich marktoffener zu bewerten als der deutsche Ansatz einer exklusiven Partnerschaft.

Vermarktung von Daten-Sponsorings für Dienste- und Inhalteanbieter

Wettbewerber von T-Mobile US wie AT&T und Verizon gehen inzwischen dazu über, Daten-Sponsorings für Dienste- und Inhalteanbieter zu vermarkten. Damit können Unternehmen die Nutzung ihrer Apps oder Inhalte für die Mobilfunkkunden kostenfrei halten (d.h. keine Anrechnung auf das Datenvolumen), in dem sie die Nutzungskosten übernehmen. Daneben bieten jedoch fast alle Mobilfunknetzbetreiber in den USA auch echte (d.h. unlimitierte) mobile Datenflatrates als Premium-Produkt an – eine Alternative, die auf dem deutschen Markt bislang nicht zu finden ist.

Kooperationsmodelle von Streaming- und Mobilfunkanbietern in den USA

Bereits seit 2014 bietet AT&T gesponserte Datenservices in Kooperation mit Anbietern wie bspw. Aquto an. Hierbei können Werbevermarkter bzw. Markenanbieter die Nutzung spezieller Dienste, darunter den Download oder die Nutzung von Apps oder das Ansehen von Werbe- und anderen Video-Clips sponsern, so dass die Nutzung nicht auf das Datenvolumen der Nutzer angerechnet wird. Ebenfalls ist es Nutzern möglich, Datenvolumen bspw. durch die Teilnahme an Befragungen zu „verdienen“. Neben Aquto haben AT&T und andere Mobilfunknetzbetreiber Vereinbarungen mit einer Reihe vergleichbarer Agenturen, die Zero-Rating-Angebote sowie „Data Rewards“-Programme professionell vermarkten.

Auch Verizon bietet Inhalteanbietern seit Januar 2016 mit dem Programm „FreeBee Data” die Möglichkeit an, die Nutzung spezifischer Dienste zu sponsern und damit für die Mobilfunkkunden kostenfrei zu gestalten. Den Datenverbrauch stellt Verizon anschließend den Sponsoren in Rechnung. Das Programm zielt dabei auf einzelne Clips oder Audiostreams. Laut Produktseite können Videos bis 30 Sekunden Länge oder Audiobeiträge mit bis zu 30 Minuten Länge gesponsert werden, zudem der Download und die Nutzung von Apps bzw. mobilen Websites. Seit Anfang März 2016 ist außerdem die eigene App „Go90“ („Primetime shows, live music & sports, plus the best of the web“) vom Datenverbrauch ausgenommen.

Voraussichtliche Marktentwicklung in Deutschland

Ob sich mobilfunkbasierte Datendienste jedoch kurzfristig zu einem wichtigen Empfangsweg für Rundfunkinhalte entwickeln werden, ist eher fraglich. Die hie­sigen Mobilfunknetzbetreiber werden bei der Entwicklung neuer Angebote darauf bedacht sein, das derzei­tige Geschäftsmodell zu schützen, das auf Preisdifferenzierung für unterschiedli­che Datenvolumentarife basiert und Zusatzerlöse durch Datenautomatik oder manuelle Nachbuchung ermöglicht.

Aufgrund der konsolidierten Marktsituation besteht derzeit für keinen der drei großen Mobilfunknetzbetreiber die Notwendigkeit, mit anbieterübergreifenden Video-Streaming-Flatrates ohne Kostenbeteiligung der Inhalteanbieter auf den Markt vorzustoßen und das aktu­elle Preis-Leistungsgefüge aufzubrechen. Damit sind auch echte mobile Flatrates ohne Datenvolumenbegrenzung für die generelle Online-Nutzung, wie sie in den USA z.B. von Sprint angeboten werden, kurzfristig nicht zu erwarten.

Vermarktungspartnerschaften, wie sie die Telekom mit Spotify eingegangen ist, werden voraussichtlich auch in Zukunft auf exklusiven Vereinbarungen basieren.

Alle anderen Audio-Streaming-Anbieter, die ihre Angebote im Rahmen von Zero-Rating-Modellen auf mobilen Endgeräten vermarkten wollen, müssen demnach die direkten Nutzungskosten in ihr Geschäftsmodell einpreisen.

Hier geht es direkt um Studiendownload

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