Strategies for E-Merging Media

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Twitter

Twitter festigt sich als Kommunikationskanal und verlässt die Biotope der Kreativ-Avantgardisten

Oliver Numrich

Nach der ersten Begeisterung und der zweiten Schmähung folgt nun die Konsolidierung: Twitter wird sich als eigenständiger Kommunikationskanal neben E-Mails, Weblogs, RSS-Feeds und Online-Communities auch in Deutschland fest etablieren und dazu die Biotope der Lohas, Parkos und sonstigen Kreativ-Avantgardisten verlassen. Bereits in diesem Jahr dominierten die Twitterseite und ihre zahlreichen Spin-Offs für Rankings und Stichwortanalysen die Guardian-Liste der Top-100-Webseiten. In Deutschland hat sich die durchschnittliche Zahl der Follower bei den Profilen deutscher Unternehmen seit dem Sommer nahezu verdoppelt.

Langatmige Blogs waren gestern, immer stärker gefragt sind komprimierte Kleinstnachrichten. Denn Twitter bedeutet auch: Schluss mit der einseitigen Nachrichtenbeschüttung! Follower wird nur, wer wirklich Interesse hat. Der Nutzer bestimmt selbst, welche Nachrichten er sich abholt, wann und wie lange. Denn er muss nirgendwo seine E-Mailadresse eintragen oder sich für Newsletter anmelden. Profile mit nichtssagenden Tweets werden umgehend abgestraft.

2010 werden mehr Menschen, Unternehmen und Organisationen zwitschern als je zuvor. Aber es werden mehr normale Internetnutzer sein, die Twitter gezielt und stringent nutzen und das noch immer junge Medium nach ihrem Ebenbild verformen: Geistreicher Unsinn der Digitalbohème wird seltener, offene oder verkappte Werbung und blödsinnige Massenverabredungen aber wohl auch häufiger. Tweets werden normaler Auswurf von Google oder Bing und ebenso zur festen Position in jedem Marketingetat. Auch kleine Unternehmen hinterlassen künftig stärker ihre Visitenkarte auf der Twitterwebseite und hoffen, dass sich irgendwer dafür interessiert. Das eine oder andere Unternehmen wird über Twitter kostengünstig in den persönlichen Dialog mit seinen Kunden eintreten, Anfragen beantworten und Gebrauchshinweise zu ihren Produkten geben; kluge Organisationen werden Twitter für die reziproke Kommunikation mit ihren Mitgliedern und Spendern nutzen. Das kleine blaue Vögelchen verliert möglicherweise seinen Charme, könnte dafür aber endlich einmal Geld verdienen. 

Oliver Nummrich, Geschäftsführer blätterwald GmbH, Mitglied der Goldmedia-Gruppe

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