Scripted Doku-Soaps - der große Renner?

- Christoph Schwab
Überragende Programminnovationen sind im Fernsehjahr 2010 kaum zu erwarten. Zum einen ist die Werbekrise noch nicht überstanden, was die Risikofreude stark einschränkt. Zum anderen suchen aber auch die Zuschauer nach Beständigkeit. So haben es neue Formate schwer, die Publikumsgunst zu gewinnen. Ein Sender, der das 2009 besonders schmerzlich erleben musste, ist Sat.1.
Einfluss auf die Fernsehprogramme 2010 wird der derzeitige Erfolg des RTL-Nachmittagsprogramms haben. Der Sender fährt mit seinen scripted Doku-Soaps (Doku-Soaps mit Drehbuch) phänomenale Quoten ein. In diesen Fake-Dokus ist alles noch drastischer als in den Helptainment-Formaten der letzten Jahre: Die Protagonisten sind noch verschuldeter, noch naiver und leben in noch schlimmeren Verhältnissen. Was den Erfolg dieser Sendungen wohl erklärt, ist der Mechanismus des „sozialen Abwärtsvergleichs“: Die Zuschauer fühlen sich beim Anschauen der Sendungen gut, da sie sehen, dass es anderen noch wesentlich schlechter geht. Was gut ist für die Quoten am Nachmittag, könnte aber negativen Einfluss auf die Primetime haben: Die Familien, denen von der Super Nanny oder Peter Zwegat geholfen wird, sind auf einmal nicht mehr schlimm genug dran. Die Sendungen werden wohl Marktanteile verlieren.
Und wie reagiert die Konkurrenz? ProSieben wird 2010 sicher versuchen, vom „scripted reality-Trend“ zu profitieren und neue, geskriptete Sendungen im Nachmittagsprogramm testweise senden. Sat.1 feilt weiter an der Sendermarke und scheint diesen Trend erst einmal nicht weiter verfolgen zu wollen. Gerade wurde hier die Anwaltsdoku Lenßen & Partner eingestellt. Viel wahrscheinlicher ist, dass es Sat.1 mit einem Genre versucht, über das die Programmmacher derzeit wieder häufiger diskutieren - mit der guten alten Game Show.
Christoph Schwab, Consultant Golmedia Custom Research GmbH
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